{"id":9714,"date":"2018-05-01T17:46:25","date_gmt":"2018-05-01T15:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9714"},"modified":"2024-11-17T16:55:09","modified_gmt":"2024-11-17T15:55:09","slug":"die-nerven-23-04-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/die-nerven-23-04-2018\/","title":{"rendered":"Die Nerven &#8211; K\u00f6ln, 23.04.2018"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/3.jpg\" alt=\"Die Nerven\" class=\"wp-image-9715\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/3.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/3-200x113.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/3-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/3-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Die Nerven<\/strong>. Als ich <strong>die Nerven<\/strong> das letzte Mal live in der Bonner Harmonie sah, konstatierte ich nach einem berauschenden Konzert, dass die Band zwar auch in der Jazz- und Musikkneipe der Harmonie gut aufgehoben war, ich ihren nat\u00fcrlichen Konzertlebensraum jedoch eher in alten Industriehallen wie dem Geb\u00e4ude 9 sehen w\u00fcrde. Genauso wie alte Glamrockbands aus den 1970er Jahren in die Harmonie geh\u00f6ren, verorte ich Postpunk Bands in alte, ehemalige industrielle Geb\u00e4ude, die zu Konzerts\u00e4len umfunktioniert wurden. Zwei Jahre sp\u00e4ter sehe ich <strong>die Nerven<\/strong> also da, wo ich sie sehen wollte. Insgesamt sind <strong>Max Rieger<\/strong>, <strong>Julian Knoth<\/strong> und <strong>Kevin Kuhn<\/strong> schon zum vierten Mal im Geb\u00e4ude zu Besuch, die ersten drei Mal habe ich leider verpasst. Verpasst habe ich sie auch im Herbst letzten Jahres, oder sowas in der Art. Denn eigentlich h\u00e4tten ich sie bereits auf dem New Fall Festival zusammen mit <strong>Isolation Berlin<\/strong> und <strong>Gurr<\/strong> ein Konzert spielen sollten. Doch es kam anders. Das sch\u00f6ne Dreierpaket der derzeit sch\u00f6nsten und interessantesten deutschen Indiebands wurde allerdings dadurch gesprengt, dass <strong>die Nerven<\/strong> den Termin cancelten und sich stattdessen lieber in Washington D.C. und anderswo in den USA durch verschiedene Konzerts\u00e4le spielten. Verst\u00e4ndlich, die USA sind viel spannender als der x-te Auftritt am Rhein. \u00c4rgerlich fand ich es trotzdem, die Absage f\u00fcr das New Fall kam &#8211; wenn ich mich recht erinnere &#8211; relativ sp\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch diese Absage ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass es seit dem Crossroads Konzert in Bonn f\u00fcr <strong>die Nerven<\/strong> stetig nach oben ging. <strong>Die Nerven<\/strong> haben etwas spezielles, und so langsam entdecken das auch andere. Ihr aktuelle Album <em>Fake<\/em> stieg gar auf Platz 13 der Charts ein, die Band erhielt im Vorfeld der Ver\u00f6ffentlichung eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Aufmerksamkeit wie vor einem halben Jahr <strong>Tocotronic<\/strong> vor ihrer letzten Plattenver\u00f6ffentlichung. Die <strong>Tocos<\/strong> und <strong>die Nerven<\/strong>, nicht erst seit ihrem Video zu \u201eso etwas wie musikalische Br\u00fcder im Geiste. Dass sich beide Bands nicht un\u00e4hnlich sind, erkenne selbst ich, wenn ich die fr\u00fchen <strong>Tocotronic<\/strong> Platten mit den letzten drei <strong>Nerven<\/strong> Platten vergleiche. Das zwischen <em>Fun<\/em>, <em>Out<\/em> und <em>Fake<\/em> eingeschobene Livealbum z\u00e4hle ich mal nicht mit. F\u00fcr einige sind <strong>die Nerven<\/strong> gar die beste deutschsprachige Band nach <strong>Tocotronic<\/strong>, so lese ich im Internet. Nun, das halte ich f\u00fcr diskussionsw\u00fcrdig, <strong>Surrogat<\/strong> gab es schlie\u00dflich auch noch. Und sicherlich auch andere, weitere Bands, die mir gerade aber nicht einfallen.<br>Sicherlich auch getrieben durch die hohe mediale Aufmerksamkeit ist die <em>Fake<\/em> Tour ist ausverkauft. Aber sicher nicht nur deswegen. Denn <em>Fake<\/em>, und da bei\u00dft die Maus keinen Faden ab, ist ein sehr tolles Album mit riesengro\u00dfen Hits. Es geht also schon in Ordnung, dass ich an diesem Abend in einem schwitzigen, picke packe vollen Geb\u00e4ude 9 stehe und auf die drei Musiker warte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei Mikrofonst\u00e4nder zeigen mehr zueinander als dass sie rechtwinklig zum B\u00fchnenrand ausgerichtet sind. Die Umbaupause dauert und ich kann mir den B\u00fchnenaufbau in Ruhe ansehen. Diese Art des Aufbaus sehe ich nicht oft; sp\u00e4ter im Konzert stelle ich dann fest, dass dadurch in einigen Momenten der Eindruck entsteht, dass sich <strong>Max Rieger<\/strong> und<strong> Julian Knoth<\/strong> ansingen. Ich kann mich aber auch t\u00e4uschen, mein Blick auf die B\u00fchne ist seitlich verzerrt. Fakt bleibt aber, dass die dicht beieinander stehenden Mikrofonst\u00e4nder eine Enge zwischen den beiden erzeugen, die gewollt sein muss. Denn die B\u00fchne ist gro\u00df und w\u00fcrde mehr Platz bieten. Da das Schlagzeug direkt hinter den Mikrofonst\u00e4ndern installiert ist, ben\u00f6tigen <strong>die Nerven<\/strong> nur wenige Quadratmeter der B\u00fchnenfl\u00e4che. Ein kleiner Bereich in der Mitte der B\u00fchne reicht ihnen vollkommen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Saal kocht, zappelt, bewegt sich. <strong>Die Nerven<\/strong> bleiben cool, lassen sich nur wenig davon hochziehen und spielen ihr Set relativ losgel\u00f6st vom Publikum. Sicherlich sind sie das auf dieser Tour alles schon gewohnt: die interessierten Zuh\u00f6rer, die leisen Kopfnicker, der schwitzende Moshpit. In der Summe Indiepublikum, erg\u00e4nzt durch den ein oder anderen Neugierigen, der den ein oder anderen Feuilletonbericht \u00fcber <strong>die Nerven<\/strong> gelesen hat oder sie bei Aspekte sah. (So wie Wochen zuvor <strong>Tocotronic<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende des Konzerts z\u00fcndet sich S\u00e4nger <strong>Max Rieger<\/strong> eine Zigarette an (was ich f\u00fcr v\u00f6llig unn\u00f6tig halte, ein Rauchverbot sollte nicht nur vor, sondern auch auf der B\u00fchne gelten), <strong>Julian Knoth<\/strong> l\u00e4sst eine Wasserfontaine aus seinem Mund sprudeln und trinkt nach dem grandiosen Finale \u201eAngst\u201c aus zwei K\u00f6lschflaschen gleichzeitig.<br><strong>Kevin Kuhn<\/strong>, der auf mich immer leicht irre wirkt, hat einen Besucher in der ersten Reihe besonders gern und umarmt ihn in einer Songpause, nachdem er wie wild hinter seinem Schlagzeug hervorpirscht und an den B\u00fchnenrand springt. Frag mich aber nicht nach dem Grund. Der \u00e4ltere Herr schaut anschlie\u00dfend ziemlich verdutzt drein. Und nochmal der Schlagzeuger: Nach dem letzten Song wollte <strong>Kevin Kuhn<\/strong> noch etwas sagen, seine Luft ist jedoch zu knapp und auch nach zwei- oder dreimaligem Luftholen gelingt es ihm nicht, die Kurzatmigkeit wegzudr\u00fccken. Noch ein letzter, gescheiterter Versuch, den Worten freien Lauf zu lassen, dann winkt er resignierend ab und verschwindet wortlos im Backstagebereich. In der Tat atemlos war der Auftritt der drei Stuttgarter, die jetzt aber gar nicht mehr alle in Stuttgart wohnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Nerven<\/strong> legen fulminant los und lassen im Laufe des Konzertes nur wenig bis gar nicht nach. Laut-leise Passagen, l\u00e4ngere Gitarrensoli, gekonnt gesetzte Schlagzeugbreaks, all das zeichnet die hervorragende Qualit\u00e4t und die exzellente Liveeigenschaften der Band wieder. Ich langweile mich zu keiner Sekunde, woge mit auf der Welle der Begeisterung, die von der ersten bis zur letzten Sekunde durch das Geb\u00e4ude 9 schwappt.<br>Klar, <strong>Syd Barrett<\/strong> kennen wir noch, viele im Saal sind noch nicht zu jung. Ein kurz eingef\u00fcgter <strong>Pink Floyd<\/strong> Teaser \u00fcberbr\u00fcckt gerade \u201eAlbtraum\u201c und \u201eBarfu\u00df durch die Scherben\u201c. &nbsp;Kann man so machen. Logischerweise spielen <strong>die Nerven<\/strong> viel neues Material, es ist schlie\u00dflich die Tour zum Album. Das Finale geh\u00f6rt aber <em>Fun<\/em>. \u201eEine Minute schweben\u201c als Zugabe und \u201eAngst\u201c als letzter Song des regul\u00e4ren Sets \u00fcberzeugen \u00fcber alle Ma\u00dfen und bringen nochmal ordentlich Zunder ins Geb\u00e4ude 9.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermisse nur \u201eSommerzeit, Traurigkeit\u201c, das toll eingedeutschte <strong>Lana del Rey<\/strong> Cover. In Berlin, so wurde mir zugesteckt, spielten sie es noch. In K\u00f6ln h\u00f6re ich es bis zur ersten Zugabe leider nicht. Und l\u00e4nger konnte ich nicht bleiben, ich musste los. Der Zug und so. Wie zuvor schon bei <strong>Protomartyr<\/strong> begann auch dieses Konzert f\u00fcr mich 15 Minuten zu sp\u00e4t. Zur Arbeit gehen am n\u00e4chsten Tag ist auch wichtig!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich verlasse den Raum, gehe raus zu den Anderen.<br>Die Musik l\u00e4uft weiter, einfach so.<br>In der Sonne hab&#8216; ich den Tag vergessen, im Schatten die Nacht.<br>Manche haben sich was um die Augen geschmiert.<br>Manche haben sich was um die Augen geschmiert.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/die-nerven-bonn-22-10-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Nerven &#8211; Bonn, 22.10.2015 \/ Harmonie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nerven. 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