{"id":9673,"date":"2018-04-21T14:26:03","date_gmt":"2018-04-21T12:26:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9673"},"modified":"2024-08-10T20:06:54","modified_gmt":"2024-08-10T18:06:54","slug":"lana-del-rey-antwerpen-17-04-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lana-del-rey-antwerpen-17-04-2018\/","title":{"rendered":"Lana del Rey &#8211; Antwerpen, 17.04.2018"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Sportpaleis, Antwerpen<br><strong>Vorband:<\/strong> Cat Power<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1151\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/5-1.jpg\" alt=\"Lana del Rey Konzert,Lana del Rey,Antwerpen,2018,Konzertreview\" class=\"wp-image-9675\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/5-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/5-1-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/5-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/5-1-1011x568.jpg 1011w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Als <strong>Lana del Rey<\/strong> vor Jahren ihr \u201eVideo games\u201c auf YouTube hoch lud, wurde sie \u00fcber Nacht zum Star. Innerhalb eines Monats erreichte sie \u00fcber eine Millionen Klicks, damals war das viel (ob das heutzutage auch noch so ist, wei\u00df ich nicht). Zwei N\u00e4chte sp\u00e4ter war sie das neue Westk\u00fcstenpopsternchen, <em>Born to die<\/em>, das Album von und mit \u201eVideo games\u201c, schoss weltweit in die Charts. <strong>Lana del Rey<\/strong> hatte mit ihrem DIY Charme von \u201eVideo games\u201c den Nerv der Zeit getroffen. Aber nicht nur das: ihre gleichg\u00fcltig und resignierend schwerm\u00fctig klingender Gesang war so speziell, dass er nicht nur bei mir nicht mehr aus den Geh\u00f6rg\u00e4ngen verschwand. \u00dcberdies hatte sie sch\u00f6ne Popmelodien, glatt, fein, harmonisch. Das Gesamtding passte einfach zu perfekt, als dass <em>Born to die<\/em> kein sch\u00f6nes (und erfolgreiches) Album ist. Schlau und geschickt arbeitete <strong>Lana del Rey<\/strong> anschlie\u00dfend an ihrem Image, eine Mischung aus Hippiem\u00e4dchen und digitale native. Musikalisch schl\u00e4gt sie sich dabei &#8211; zumindest in den ersten drei Alben &#8211; auf die dunkle Seite des Sonnenstaates Kalifornien. <em>Lost Highway<\/em> oder <em>Californication<\/em>, es ist dieses Kalifornien, das <strong>Lana del Rey<\/strong> transportiert. Glamour\u00f6ser sadcore, so hie\u00df es damals \u00fcber ihre Musik. Oh ja, zu viel Sonne macht schwerm\u00fctig, ich kenne das nur zu gut. <strong>Lana del Rey<\/strong> macht aus diesem Gem\u00fctszustand wunderbare Songs.&nbsp; Mit schl\u00e4friger <strong>Carpenters<\/strong>-Stimme sind es Songs wie \u201ePretty when you cry\u201c, \u201eBorn to die\u201c, \u201eSad girl\u201c oder \u201eThe blackest day\u201c, die mir fiel Spa\u00df machen und die ich gerne h\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>2012. Ein viel zu schnell ausverkauftes Konzert im K\u00f6lner Geb\u00e4ude 9 verpasste ich, drei Alben und sechs Jahre sp\u00e4ter bot sich dann endlich die Gelegenheit, <strong>Lana del Rey<\/strong> doch noch live zu sehen. Ich gestehe, es war ein lang gehegter Wunsch.<br>Der Weg war ein bisschen weiter, die Halle um ein vielfaches gr\u00f6\u00dfer als das Geb\u00e4ude 9. Der Antwerpener Sportpaleis fast eine Besucherzahl im 5stelligen Bereich und ist ausverkauft. Vor einem Jahr war ich nebenan in der Lotto Arena. Damals dachte ich, das ist das \u00e4ltere Gegenst\u00fcck zum Sportpaleis. Der Mief der 70er Jahre war deutlich sp\u00fcrbar. \u00dcberrascht war ich deswegen, als ich die gr\u00f6\u00dfte Antwerpener Halle betrat; viel moderner als die kleinere Lotto Arena kam sie mir gar nicht vor. Ein unebener Betonfussboden, der \u00fcberdies an der linken B\u00fchnenseite nach au\u00dfen hin absch\u00fcssig verlegt worden war, so dass man zum Trib\u00fcnenrand hin niedriger Stand als der Vordermann. Auch die offenen Trib\u00fcnentr\u00e4ger auf dieser Seite der Halle wirkt merkw\u00fcrdig deplatziert und wie aus einer vergangenen Zeit. Ein digitales Laufband zwischen Unter- und Oberrang, dem nur noch der Schrifttyp Broadway fehlt, um ihn komplett in den 1970er Jahren zu verankern, vervollst\u00e4ndigte meinen Eindruck \u00fcber den Sportpaleis. All das wirkt altbacken, belgisch charmant.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-2.jpg\" alt=\"Lana del Rey Konzert,Lana del Rey,Antwerpen,2018,Konzertreview\" class=\"wp-image-9674\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-2-200x113.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-2-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>\u00dcber den Support <strong>Cat Power<\/strong> habe ich mich sehr gefreut. Ich bin gro\u00dfer <strong>Chan Marshall<\/strong> Fan und fand es gut, sie abseits von neuen Plattenver\u00f6ffentlichungen und in eher unbekannten Terrain mal wieder live zu sehen. Ich freue mich f\u00fcr sie, dass sie ihre kleinen Lebenskrisen \u00fcberwunden zu haben scheint.<br>Waren ihre Anf\u00e4ngerjahre gepr\u00e4gt durch, nun ja, irre Konzerte (nein, die Geschichte vom Geb\u00e4ude 9 Konzert Anfang der 2000er Jahre erz\u00e4hle ich nicht noch einmal) und ich nenn es mal, kaputte Indiesongs, so \u00f6ffnete sich <strong>Cat Power<\/strong> im Laufe der Zeit mit <em>The greatest<\/em> und <em>Jukebox<\/em> erst dem Pop, bevor sie auf <em>Sun<\/em> Synthesizer in ihre Musik brachte und sogar ein bisschen elektropoppiger wurde. Mittlerweile, wenn ich die gespielten Neuinterpretationen der Songs wie \u201eNude as a news\u201c, \u201eMetal heart\u201c, etc. nochmal Revue passieren lasse, steht sie dem Country ein bisschen n\u00e4her. Aber nicht nur: \u201eWoman\u201c kam im smoothen easy listening daher. \u201eNude as a news\u201c habe ich verdammt nochmal erst gar nicht erkannt.<br>\u2018I am alive, I still making music.\u2019 Worte, die f\u00fcr <strong>Chan Marshall<\/strong> noch immer eine besondere Bedeutung haben und nicht blanke B\u00fchnenplattit\u00fcde sind. Dass die Mehrheit der Leute im Sportpalais das nicht verstanden hat, geschenkt. Wer bereitet sich schon genauer auf einen Support Act vor.<br>F\u00fcr mich war der 30min\u00fctige <strong>Cat Power<\/strong> Auftritt ein sch\u00f6ner Konzertauftakt, f\u00fcr viele andere war es eher langweilig.Nat\u00fcrlich war die Technik nicht auf den Support justiert. Die Kamera, die die beiden Videoleinw\u00e4nde der Halle bef\u00fcttert, war fix auf den Mikrofonst\u00e4nder ausgerichtet, der Kameramann sicher noch beim Abendbrot. Dumm nur, dass sich <strong>Chan Marshall<\/strong> nicht an die ihr zugewiesene Position hielt, sondern auf der B\u00fchne umherspazierte. So war dann auf den Leinw\u00e4nden nur ein Mikrofonst\u00e4nder zu sehen. Auch nicht schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Crossbones \/ Nude as the news<br>02: Pa Pa Power<br>03: White mustang<br>04: Metal heart<br>05: Wanderer<br>06: Woman<br>07: Bully<br>08: Song to Bobby<br>09: Manhattan<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lana del Rey<\/strong> tr\u00e4gt ein Malibu T-Shirt. Ihre Fans tragen Zeiss (die Firma) oder <strong>Lush<\/strong> (die Band) Jutetaschen. Das Publikum ist so unterschiedlich, wie es die Aufdrucke der Jutetaschen vermitteln: Hipster und Indies, aber vor allem M\u00e4dchen. Sie sind im Sportpalais in der Mehrheit, viele tragen Blumenkr\u00e4nze im Haar oder am Oberarm, noch mehr sehen aus wie kleine <strong>Lana del Rey<\/strong> look-a-likes. Twentysomethings bev\u00f6lkern das vordere Drittel, die \u00fcbrigen Areale der Mehrzweckhalle werden von mehrheitlich thirtysomethings besetzt. Im Rahmen ihrer L.A. to the Moon Tour gibt <strong>Lana del Rey<\/strong> in Mitteleuropa nur zwei Konzerte: Berlin und Antwerpen stehen auf dem Tourplan. Entsprechend sind die L\u00e4nderkennungen der Nummernschilder auf dem Parkplatz vor der Arena breit gestreut. Das Rheinland ist nicht fern, auch die franz\u00f6sische und niederl\u00e4ndische Grenze liegen in Fahrdistanz. Ein europ\u00e4isches Publikum aus einem grenzenlosen Europa, so etwas gef\u00e4llt mir!<\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fchnenbild gleicht einer Meeresbucht. Die B\u00fchnendeko aus Pappe zeichnet eine Felsenlandschaft mit Sandstrand. Liegest\u00fchle und Palmen inklusive. Im Hintergrund pl\u00e4tschert eine Film-Bucht in verk\u00f6rnten Instagramfiltern, durch die ab und an eine Yacht oder ein Segelboot f\u00e4hrt. Einmal legt sich <strong>Lana del Rey<\/strong> mit ihren beiden Backrounds\u00e4ngerin singend auf dem Boden (&#8222;Pretty when you cry&#8220;), auf den beiden Leinw\u00e4nden sieht es dann so aus, als w\u00fcrde sie am Strand vom Meer umsp\u00fclt, ein anderes Mal glitzert der B\u00fchnenboden t\u00fcrkis und verwandelt die B\u00fchne in eine Lagunenlandschaft.<br>Es gibt viel zu sehen. Die Band allerdings blieb im Hintergrund. Abgesehen vom Poser Gitarristen. Da f\u00e4llt mir ein: Poser Gitarristen geh\u00f6ren bei solchen Konzerten scheinbar dazu wie die Marmelade zum Fr\u00fchst\u00fccksbr\u00f6tchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Songs, die ich bisher nur oberfl\u00e4chlich geh\u00f6rt habe, scheinen mir poppiger zu sein als die \u00e4lteren Sachen. Sie wirken nicht so getragen wie die <em>Honeymoon<\/em> oder <em>Born to die<\/em> St\u00fccke. Weiterhin pr\u00e4gnant ist aber die 60\u2019s Romantik, die Retrooptik. <strong>James Dean<\/strong> und <strong>Marylin Monroe<\/strong> werden daher logischerweise im Konzert zitiert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Einerseits steht da jemand in einem Las-Vegas-B\u00fchnenbild aus Pappmach\u00e9-Felsen und Plastikpalmen, die dem feuchten Traum eines jeden Mannes zirka 1963 entsprungen sein k\u00f6nnte: sehr knappes Sommerkleid, hohe schwarze Stiefel, lange angeklebte Wimpern, Schmollmund. Oder auch eines Mannes aus dem Jahr 2018, der gerne alte Films Noir guckt oder die Serie &#8222;Mad Men&#8220;, wo Kerle vormittags im B\u00fcro Whiskey trinken und Frauen vor allem dazu da sind, h\u00fcbsch auszusehen. Oder sich mal beim Singen auf einem goldenen Fl\u00fcgel zu r\u00e4keln. Was Lana del Rey auch wirklich tut. (Berliner Morgenpost)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mad Men habe ich nie gesehen, Whiskey trinke ich nicht und das Gesellschaftsbild der 1960er Jahre ist nicht meins. Ich wollte es nur gesagt haben. Zu \u201eVideo games\u201c sitzt <strong>Lana del Rey<\/strong> auf einer Schaukel und schwingt \u00fcber den ersten Reihen, sp\u00e4ter dann singt sie sitzend in einem der Liegest\u00fchle und rekelt sich bei einem weiteren Song auf dem goldenen Klavierfl\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Lied hat seine eigene, andere Performance. Wie gesagt, es gab viel zu sehen. Allerdings, und das fand ich schlecht, geht durch dieses ewige neu arrangieren ein bisschen der Musikflu\u00df verloren. Zwischen den Songs dauert es immer ein paar Sekunden, bis alle ihre Positionen eingenommen haben und es weitergehen kann. Das Konzert wirkt dadurch auf mich mehr wie eine Aneinanderreihung von Einzelsequenzen. Das ist nicht gut, aber einer gro\u00dfen Show geh\u00f6rt das wohl irgendwie dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Es war ein interessantes Konzert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Lana Del Rey - Video Games (live in Belgium 2018)\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/8d61OwJTRRg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-enemy-koln-30012008-17\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cat Power &#8211; K\u00f6ln, 04.06.2008 \/ Live Music Hall<\/a><strong><br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/cat-power-brussel-26-06-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cat Power &#8211; Br\u00fcssel, 26.06.2013 \/ AB<br><\/a><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/cat-power-koeln-11-07-2016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cat Power &#8211; K\u00f6ln, 11.07.2016 \/ Gloria<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Lana del Rey vor Jahren ihr \u201eVideo games\u201c auf YouTube hoch lud, wurde sie \u00fcber Nacht zum Star. 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