{"id":9642,"date":"2018-04-11T18:41:55","date_gmt":"2018-04-11T16:41:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9642"},"modified":"2018-04-11T18:41:55","modified_gmt":"2018-04-11T16:41:55","slug":"the-thing-koeln-09-04-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-thing-koeln-09-04-2018\/","title":{"rendered":"The Thing &#8211; K\u00f6ln, 09.04.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Stadtgarten, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9644\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1-1.jpg\" alt=\"The Thing Jazz Konzert\" width=\"2048\" height=\"1150\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1-1-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1-1-1012x568.jpg 1012w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><strong>The Thing<\/strong>, die norwegische Rhythmusgruppe vieler bekannter Indiegr\u00f6\u00dfen wie <strong>Neneh Cherry<\/strong> oder <strong>Thursten Moore<\/strong>, kenne ich vom letzten <strong>Neneh Cherry<\/strong> Konzert im K\u00f6lner Stadtgarten. Das war sein toller Abend und zeigte in Ans\u00e4tzen, was f\u00fcr feine Musiker <strong>Mats Gustafsson<\/strong>, <strong>Ingebrigt H\u00e5ker Flaten<\/strong> und <strong>Paal Nilssen-Love<\/strong> sind. Wobei Rhythmusgruppe nat\u00fcrlich Quatsch ist, denn <strong>The Thing<\/strong> sind eine eigenst\u00e4ndige, etablierte Jazzgruppe, die seit 2000 Alben ver\u00f6ffentlicht. Ihr Sound ist dabei so einzigartig und genre\u00fcbergreifend, dass gerne Indiemusiker anfragen, ob man nicht ein paar Liveshows oder das ein oder andere Album zusammen machen wolle\/solle\/k\u00f6nne. <strong>Thurston Moore<\/strong> etwa, mit dem <strong>The Thing<\/strong> 2014 das <em>Live<\/em> Album aufnahmen, oder <strong>Neneh Cherry<\/strong>, mit der die drei 2012 <em>The Cherry Thing<\/em> ver\u00f6ffentlichten. (Ich empfehle, in das <strong>Suicide<\/strong> Cover \u201eDream baby dream\u201c hineinzuh\u00f6ren.)<\/p>\n<p>Der Stadtgarten entwickelt sich programmtechnisch immer mehr zu einer ausgewiesenen Jazzadresse. Das bekomme sogar ich mit, obwohl ich im Jazzumfeld nur \u00fcber ein gef\u00e4hrliches Halbwissen verf\u00fcge und mich in keinsterweise als Kenner der Szene bezeichnen darf. Aber ich arbeite mich langsam hinein und beginne dabei nat\u00fcrlich und logischerweise an den Nahtstellen zu meinem musikalischen Heimatbecken Indierock. <strong>Colin Stetson<\/strong> ist so ein Jazzer, den ich so vor Jahren beim Primavera f\u00fcr mich entdeckte, und auch die norwegischen <strong>The Thing<\/strong> sind aufgrund ihrer Kollaborationen ein solcher Verkn\u00fcpfungspunkt. So stolperte ich letzte Woche \u00fcber ihre Konzertank\u00fcndigung f\u00fcr den Stadtgarten, heute erst sah ich, dass sie auch in Bochum gespielt haben, und beschloss, mir ein Ticket zu besorgen. Als Spielort f\u00fcr diese kleinen Jazzabende wird im Stadtgarten gerne der kleine Saal genommen. Feste Bestuhlung, ruhig, \u00fcberschaubar. Ich k\u00f6nnte fast sagen, in intimem Rahmen spielen hier Jazzmusiker aller Couleur. Der erw\u00e4hnte <strong>Colin Stetson<\/strong> trat hier mit <strong>Ex Eye<\/strong> auf.An diesem Abend bespielen <strong>The Thing<\/strong> den nahezu ausverkauften Saal, der f\u00fcr die Skandinavier \u00a0nochmals mit einer seitlichen Sitzplatzb\u00fchne platztechnisch aufgestockt wurde.<\/p>\n<p>In der Ank\u00fcndigung schreibt der Stadtgarten folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>Wom\u00f6glich eines der besten Freejazz-Trios der Gegenwart: Wenn Mats Gustafsson, Ingebrigt H\u00e5ker Flaten und Paal Nilssen-Love loslegen, dann geht von ihrem Jazz eine archaische Wucht aus, die brachial, roh und zugleich h\u00f6chst musikalisch anmutet. Wild und ungebremst rast dieser Ton-Sturm \u00fcber einen hinweg \u2013 und hinterl\u00e4sst einen sprach- und atemlos.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und was soll ich sagen, das kann ich so unterschreiben: es war beeindruckend st\u00fcrmisch. Himmel, ich habe so etwas noch nicht gesehen und geh\u00f6rt. Und erwartet hatte ich das eigentlich auch nicht. Ich kannte im Vorfeld nur eine Handvoll Songs und Songinterpretationen, was man eben bei einer YouTube Suche vorgesetzt bekommt. Dass der Sound des Trios aber solche Wuchtwellen schlagen kann, konnte ich mir nicht ausmalen.<\/p>\n<p>Das Konzert war zweigeteilt. Die beiden Sets wurden von einer gut 15 min\u00fctigen Pause unterbrochen, die sicherlich auch der k\u00f6rperlichen Anstrengung des Saxophon Spielens geschuldet ist. Im ersten, gut 40 min\u00fctigen Block spielen <strong>The Thing<\/strong> drei St\u00fccke. Eine halbe Stunde lang knallt das Saxophon atemlos durch den kleinen Saal und ich sehe ekstatische Gesichtsz\u00fcge beim Bassisten <strong>Ingebrigt H\u00e5ker Flaten<\/strong>. Die ersten beiden Songs werden durch ein Zwischenspiel des Bassisten zusammengehalten, der wie wild am Kontrabass zupft und dabei \u00e4u\u00dferlich mit seinem Instrument mitleidet. Ja, man kann den Bass elegant spielen und die Saiten mehr streicheln als zupfen, man kann ihn aber anders spielen. \u00a0<strong>Ingebrigt H\u00e5ker Flaten<\/strong>\u00a0 spielt ihn anders. Wild zerrt und zupft er an den Saiten, manchmal haut er mit der Faust auf den Holzk\u00f6rper. Zwischendurch wechselt er zur elektrischen Bassgitarre und verzerrt und feedbacked wie <strong>Kevin Shields<\/strong>. Da klemmt dann schon mal der Drumstick hinter den Basssaiten.<br \/>\nNoch mehr leidet aber der Saxophonist. Nach einer halben Stunde ist <strong>Mats Gustafson<\/strong> fertig. Seine Gesichtsadern sind deutlich sichtbar hervorgetreten, die Zunge h\u00e4ngt ihm aus dem Hals wie mir nach f\u00fcnf Runden Stadtwaldlauf. Er muss jetzt erstmal tief durchatmen, um weiterspielen zu k\u00f6nnen. Sturzb\u00e4che von Spucke laufen aus seinem Instrument, wenn er es auf den Kopf stellt. Saxophon spielen scheint ein undankbarer Job. In dieser wilden Art und Weise muss es f\u00fcrchterlich anstrengend sein. Aber es ist auch ein tolles Instrument, mit dem man hervorragende Sachen machen kann &#8211; und R\u2019n\u2019B Jazz.<\/p>\n<p>Nach einigen Momenten spielen sie ein weiteres St\u00fcck, das deutlich k\u00fcrzer als die beiden vorangegangenen St\u00fccke ist. Dann ist Pause. Es bleibt Zeit, durchzuatmen. Auch f\u00fcr mich. Das war schon \u00fcberw\u00e4ltigend, vielleicht auch ein wenig bedr\u00fcckend, was mir da in den ersten Minuten geboten wurde. Ich bin sprachlos und baff. Musikalisch traf ich mich in diesen 40 Minuten eine Gemengelage aus <strong>Sonic Youth<\/strong>\u2019scher Klangwirrheit, <strong>Colin Stetsons<\/strong> Saxophonwucht, einem <strong>Metallica <\/strong>Schlagzeug und den leisesten Bassgitarrenfeedbacksounds, die ich je geh\u00f6rt habe. Genauso verwirrend wie diese Aufz\u00e4hlung klingt, f\u00fchlte ich mich auch. Ich konnte das Gesehene nicht recht einordnen, auch mir tat die Unterbrechung ganz gut.<br \/>\nDie St\u00fccke stammten, wenn ich das richtig verstanden habe, vom kommenden Album <em>Again<\/em>, welches am 24. Mai ver\u00f6ffentlicht wird. Am Freitag dem 25. Mai sei norwegischer Nationalfeiertag, lerne ich so nebenbei, da k\u00f6nne die Ver\u00f6ffentlichung nicht durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Nach der Pause ging es nicht ganz so wild weiter. Oder hatte ich mich nur an die Wucht und Dynamik gew\u00f6hnt? Auch das ist m\u00f6glich. <strong>The Thing<\/strong> spielen weitere drei St\u00fccke. Das mittlere stammt von <strong>Ingebrigt H\u00e5ker Flaten<\/strong>, die anderen beiden Songs sind Interpretationen anderer Jazzkomponisten. Nachdem sich <strong>The Thing<\/strong> in der ersten H\u00e4lfte wild und dramatisch gezeigt haben, lassen sie es nun ruhiger und \u2018melodi\u00f6ser\u2018 angehen. Nahezu sanft und ruhig klingt das Konzert aus.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben keine Bl\u00e4ttchen mehr, wir haben keine Melodien. Wir improvisieren.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>So k\u00fcndigt <strong>Mats Gustafsson<\/strong> die Zugabe an. Es folgt das leiseste St\u00fcck des Abends, ganz ohne irres Saxophon, daf\u00fcr mit einer Vielzahl kleiner Klimperinstrumente, Schneebesen, Rasseln und Metallscheiben, die Schlagzeuger <strong>Paal Nilssen-Love<\/strong> meditativ auf die Trommel fallen l\u00e4sst. Das war anders als alles zuvor, aber auch das war gro\u00dfartig!<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/neneh-cherry-koeln-07-03-2014\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neneh Cherry \u2013 K\u00f6ln, 07.03.2014 \/ Stadtgarten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Thing, die norwegische Rhythmusgruppe vieler bekannter Indiegr\u00f6\u00dfen wie Neneh Cherry oder Thursten Moore, kenne ich vom letzten Neneh Cherry Konzert im K\u00f6lner Stadtgarten. Das war sein toller Abend und zeigte in Ans\u00e4tzen, was f\u00fcr feine Musiker Mats Gustafsson, Ingebrigt H\u00e5ker Flaten und Paal Nilssen-Love sind. Wobei Rhythmusgruppe nat\u00fcrlich Quatsch ist, denn The Thing sind eine eigenst\u00e4ndige, etablierte Jazzgruppe, die seit 2000 Alben ver\u00f6ffentlicht. 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