{"id":9265,"date":"2018-02-28T18:40:39","date_gmt":"2018-02-28T17:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9265"},"modified":"2018-02-28T18:45:40","modified_gmt":"2018-02-28T17:45:40","slug":"the-charlatans-koeln-26-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-charlatans-koeln-26-02-2018\/","title":{"rendered":"The Charlatans &#8211; K\u00f6ln, 26.02.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong>\u00a0S\u00e6nder<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-9268 size-full\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1.jpg\" alt=\"The Charlatans\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1.jpg 1024w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1-1010x568.jpg 1010w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-1-350x197.jpg 350w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>Der k\u00e4lteste Tag des Jahres. Der Wind pfeift ordentlich, als ich die paar Meter zur Bahn gehe. Wind chill nennt man seit Mitte der 1990er Jahre den Effekt, wenn ein kalter Wind die Temperaturen gef\u00fchlt noch ein paar Grad k\u00e4lter erscheinen l\u00e4sst. Wind chill, diesen Begriff h\u00f6rte ich zum ersten Mal in den kalten Wintertagen 1995\/96, als ich in Bochum studierte und sehr oft mittags zu Fu\u00df von der FH zur Unimensa spazierte. Auf der Kalwes H\u00f6he gab es ein paar sch\u00f6n zugige Ecken.<br \/>\nWie komme ich darauf? Ich wei\u00df es nicht, aber von den Jahren her passt diese kleine Geschichte ideal zu den <strong>Charlatans<\/strong>. Die hatten Mitte der 1990er Jahre chartstechnisch ihre beste Zeit und waren eine meiner meistgeh\u00f6rtesten Bands. Ihre Alben <em>The Charlatans<\/em> (1995) und <em>Tellin&#8216; Stories<\/em> (1997) lieferten mir Hits ohne Ende: \u201eJust when you&#8217;re thinkin&#8216; things over\u201d, \u201eNorth Country Boy&#8220;, \u201eOne to another\u201c, \u201eHow high\u201d oder \u201eCrashin&#8216; in\u201d, um eine Handvoll zu nennen. Und dann warten da noch die Vorg\u00e4ngeralben mit diesen feinen Evergreens \u201eMe. In time\u201c, \u201eOpportunity three\u201c, \u201eHappen to die\u201c. Vielleicht kennt auch noch jemand \u201eThe only one i know\u201c oder \u201eThen\u201c. Am liebsten h\u00f6rte ich die gesamte <em>Over Rising EP<\/em>, sie war f\u00fcr mich lange das Beste, was die <strong>Charlatans<\/strong> gemacht haben.<\/p>\n<p>Sieben Alben sp\u00e4ter beginnt die Jetztzeit. <em>Different days<\/em> ist die aktuelle Platte der Band und das Motto der Tour. Ja, die <strong>Charlatans<\/strong> treibt es damit (endlich) mal wieder auf den Kontinent. F\u00fcr mich Grund genug, hinzugehen. Das endlich kann ich aber aus den Klammern nehmen, mein letztes <strong>Charlatans<\/strong> Konzert liegt schon 8 Jahre zur\u00fcck. Eine lange Zeit.<\/p>\n<p>Wird sich der Besuch heute lohnen? Diese Frage, durchaus berechtigt, spingste mir durch den Kopf. Eigentlich hatte ich an diesem Abend keine Lust auf durch die K\u00e4lte zu gehen, auf fr\u00fch im Luxor zu sein (um die Jacke abgeben zu k\u00f6nnen und einen guten Platz zu erhaschen) und auf das abendliche Warten auf den Zug an einem luftigen Bahnsteig. Eigentlich, denn andererseits (a) h\u00f6rte ich an diesem Tag nur Gutes \u00fcber das <strong>Charlatans<\/strong> Konzert tags zuvor in Luxemburg und andererseits (b) ist ein bisschen Hammond Orgel am Abend auch nicht so schlimm. Und hey, es sind die <strong>Charlatans<\/strong>!<\/p>\n<p>A pro pos, die Orgel. Als ich auf die Band warte, lese ich am Orgelkasten: Hammond XK-3c. Dieses Modell gibt es erst seit 2007 (habe ich gegooglet), es ist also nicht die \u201eThe only one i know\u201c Original-Schweineorgel. Und sofort kommt mir diese Frage in den Sinn, die mir bei jedem meiner bisher <strong>Charlatans<\/strong>konzert in den Sinn kam: ist dieses, die <strong>Charlatans<\/strong> Musik so pr\u00e4gende Instrument f\u00fcr meine Ohren noch angenehm h\u00f6rbar oder ist die Hammond Orgel durch? Nach den ersten Songs ist die Frage schnell gekl\u00e4rt: Die Orgel ist noch angenehm h\u00f6rbar. \u00dcberhaupt, die Band ist musikalisch gut gealtert. Wie gerne w\u00fcrde ich das auch \u00fcber viele ihrer Madchester und Rave-o-lution Kollegen sagen, nur leider geht das nicht: die <strong>Happy Mondays<\/strong>, <strong>Inspiral carpets<\/strong>, <strong>Soup Dragons<\/strong>, <strong>Northside<\/strong>. Namen, die heute kaum noch einer wahrnimmt oder gar nicht mehr existieren. Und die querverbundenen Shoegaze Bands klingen immer noch wie 1990. Die <strong>Charlatans<\/strong> gibt es noch und ein Ausruhen auf alten Songkompositionen und Erfolgsmelodien war f\u00fcr die sie nie drin. Gerade in den 2000er Jahren schafften sie es, sich von den alten Ravegeschichten komplett loszueisen. Ihr markantestes Instrument wurde leiser, verschwinden lie\u00df sie es aber Gott sei Dank nie.<br \/>\nGenauso wenig wie <strong>Tim<\/strong><strong> Burgess<\/strong> seiner Topffrisur weitestgehend treu blieb. Weitestgehend, weil der Ponyansatz in den Jahren ordentlich nach hinten rutschte und immer weniger einen akkuraten Topfschnitt zulie\u00df. Lord Helmchen, so nannten wir ihn fr\u00fcher liebevoll, lie\u00df sich die Haare wachsen und verlegte die Schnittkante ein paar Zentimeter weiter nach unten. Gleichlang sind sie aber immer noch. Wasserstoffblond erinnert er mich sehr an den Schlagzeuger der <strong>Foo Fighters<\/strong>. Surferboy Stil. Nun, irgendwas muss ja h\u00e4ngenbleiben, wenn man \u00fcber ein Jahrzehnt in Kalifornien lebt.<\/p>\n<p>Um aufs musikalische zur\u00fcckzukommen. Vielleicht ist die r\u00e4umliche Distanz auch ein Grund daf\u00fcr, warum sich die <strong>Charlatans<\/strong> so weiterentwickelt haben, wie sie es getan haben. Die einfache Gleichung <strong>Charlatans<\/strong> = Schweineorgel = \u201eThe only one i know\u201c gilt heute nicht mehr. Sp\u00e4testens mit <em>You cross my path<\/em>, das die Band Ende der 2010er Jahre zum kostenlosen Download anbot &#8211; ich erinnere mich -, sind sie im gem\u00fctlichen Familienradio- Indiepop angekommen. Und sie sind die einzig \u00fcberlebende pre-Britpop Britpop Band. Eine beachtliche Leistung, wie ich finde.<br \/>\nNat\u00fcrlich geh\u00f6ren die alten Sachen auf eine jede <strong>Charlatans<\/strong> Setlist. Da f\u00fchrt kein Weg dran vorbei und daran hat sich \u00fcber die Jahre nichts ge\u00e4ndert. Aber aufgrund ihrer gro\u00dfen Hitdichte m\u00fcssen sie nicht mehr so tief in ihr Archiv greifen. Sie machen es aber trotzdem: \u201eSproston Green\u201c bildet immer noch den Abschluss eines <strong>Charlatans<\/strong> Konzertes und \u201eThe only one i know\u201c ist nach wie vor auf jeder Setlist gesetzt.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nerweise spielten sie im Luxor viele neue Sachen und stachen nur punktuell in ihre Vergangenheit: \u201eWeirdo\u201c, \u201eNorth country boy\u201c, \u201eOver rising\u201c, \u201eOne to another\u201c, \u201eThe only one i know\u201c. Letzteres spielen sie aber wohl nur, weil sie es quasi spielen m\u00fcssen. W\u00fcrden sie darauf verzichten, w\u00fcrde man ihnen wahrscheinlich die Orgel zertr\u00fcmmern. So war \u201eThe only one i know\u201c der emotionsloseste Song des Abends. Also f\u00fcr die Band. Das Publikum, es waren auch ein paar Briten im Luxor, feierten das standesgem\u00e4\u00df ab. So mein Eindruck, den ich darin best\u00e4tigt sah, dass <strong>Tim Burgess<\/strong> w\u00e4hrend der l\u00e4ngeren letzten Instrumentalphase einfach mal in den hinteren B\u00fchnenbereich ging, um neue Nachrichten auf seinem IPhone zu checken. Dabei lachte er kurz und es schien, als ob er eine Nachricht direkt kurz beantwortete. Seine Bandkollegen um <strong>Tony Rogers<\/strong> drehten derweil eine Orgelrunde mehr. Was f\u00fcr eine coole Socke!<\/p>\n<p>Von den neuen Sachen \u00fcberzeugten mich \u201ePlastic machinery\u201c und \u201eDifferent days\u201c am meisten. Schon zuhause sind mir diese beiden Songs aufgefallen, live waren sie nochmal besser. \u201eDifferent days\u201c zogen sie ordentlich in die L\u00e4nge. Das hatte Potential! Auch das sprechgesangsartige \u201eOver again\u201c machte mir viel Spa\u00df. Das sind mal so ganz andere <strong>Charlatans<\/strong>, aber irgendwie doch die <strong>Charlatans<\/strong>. Mannomann!<\/p>\n<p>Und das alte Zeugs?<br \/>\nErkenntnis des Abends: \u201eOver rising\u201c ist immer noch ein Liebling. Das sicheres Indiz daf\u00fcr ist die G\u00e4nsehaut, die ich w\u00e4hrend der ersten Songzeilen bekam. Und die ist nicht auf die Klimaanlage zur\u00fcckzuf\u00fchren, die ordentlich blies und es im vorderen Bereich bestimmt 10 Grad k\u00fchler sein lie\u00df als auf H\u00f6he des Mischpultes. \u201eOver rising\u201c also. Das ist gut zu wissen. Dabei ist mein liebster <strong>Charlatans<\/strong> Song doch \u201eMe. In time\u201d. Den verwurstelte ich damals auf nahezu jedem Kassettensampler. Leider spielten sie ihn nicht. Wie so viele andere. Aber ein Charlatans Konzert hat eben auch nur gute 90 Minuten. \u201eThe only one i know\u201c ist dagegen f\u00fcr mich durch. Das nahm ich so emotionslos hin wie <strong>Tim Burgess<\/strong>. Mehr gefreut habe ich mich \u00fcber \u201eOne to another\u201c.<\/p>\n<p>Mich \u00fcberraschte ein wenig, in welch\u2018 gro\u00dfer Spiellaune die Band auftrat. <strong>Tim Burgess<\/strong> hatte immer freundliche Augen f\u00fcr die ersten Reihen, bei den neueren St\u00fccken wirkte er gar ansteckend begeisternd. Ist das einfach das tiefenentspannt Sein eines sich nichts mehr beweisen m\u00fcssenden Musikers? Oder merkt <strong>Tim Burgess<\/strong> nur, dass nicht nur die alten Hits zu Jubelst\u00fcrmen animieren, sondern auch die neuen Sachen z\u00fcnden. Dass das einen Musiker freut, ist verst\u00e4ndlich. Wer will schon nur auf die alten Sachen reduziert werden.<\/p>\n<p>Es war ein richtig gutes Konzert. Der Besuch hat sich mehr als gelohnt.<\/p>\n<p>Ich glaube, die <strong>Charlatans<\/strong> haben seit 1992 vieles richtig gemacht. Damals sah ich sie zum ersten Mal. Es war die <em>Between 10th and 11th<\/em> Tour und sie spielten im Music Circus in Oberhausen, im normalen Leben eine Disco in einem Zirkuszelt \u00e4hnlichen Geb\u00e4ude. Das Konzert in Oberhausen war die reinste Rave-o-lution. Das Konzert im Luxor war dagegen sch\u00f6nster Indiepop (mit Hammondorgel). Aber eines blieb: damals wie heute war der letzte Song \u201eSproston green\u201c. Was auch sonst.<\/p>\n<p>Ihre letzten beiden Alben <em>Modern nature<\/em> und <em>Different days<\/em> habe ich in den letzten Tagen oft geh\u00f6rt, sie klingen zeitgem\u00e4\u00df und nicht retrospektiv. <em>Different days<\/em> ist ein richtig gutes Album, wie ich finde. Ich m\u00f6chte jedem empfehlen, sich das mal anzuh\u00f6ren. Die <strong>Charlatans<\/strong> sind damit auch 2018 noch relevant.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-charlatans-dortmund-02-11-2010\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Charlatans \u2013 Dortmund, 02.11.2010 \/ FZW<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/2010\/06\/04\/the-charlatans-primavera-29-05-2010\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Charlatans \u2013 Primavera, 29.05.2010<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-enemy-koln-30012008-20-11\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Charlatans \u2013 K\u00f6ln, 23.09.2008 \/ Luxor<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-enemy-koln-30012008-4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Charlatans \u2013 Br\u00fcssel, 17.02.2008 \/ vk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der k\u00e4lteste Tag des Jahres. 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