{"id":9223,"date":"2018-02-20T19:16:24","date_gmt":"2018-02-20T18:16:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9223"},"modified":"2023-12-24T12:35:35","modified_gmt":"2023-12-24T11:35:35","slug":"girls-in-hawaii-koeln-16022018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/girls-in-hawaii-koeln-16022018\/","title":{"rendered":"Girls in Hawaii &#8211; K\u00f6ln, 16.02.2018"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Theo Clark<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1150\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2.jpg\" alt=\"Girls in Hawaii,Konzert,Konzertbericht,Geb\u00e4ude 9.K\u00f6ln,Setlist,2018\" class=\"wp-image-9224\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/2-1012x568.jpg 1012w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Vor vier, f\u00fcnf Jahren hatte ich musikalisch einen Belgienkomplex. <strong>dEUS<\/strong> mochte ich ja schon von Anfangstagen an, die z\u00e4hlen daher nicht wirklich mit ihrer damaligen Ver\u00f6ffentlichung <em>Selected Songs 1994-2014<\/em>. Und wer braucht schon Kompilationen?! Wer aber z\u00e4hlt sind <strong>BRNS<\/strong> und <strong>Girls in Hawaii<\/strong>, die mir beide in kurzer Folge \u00fcber den Weg liefen. Da auch <strong>Hooverphonic<\/strong> seinerzeit irgendwas ver\u00f6ffentlichten, was mir auffiel, machte alles zusammen mein musikalisches Belgien komplett. Nun, es gibt schlimmere musikalische Komplexe, m\u00f6chte ich anf\u00fcgen.<br><strong>Girls in Hawaii<\/strong> entwickelten sich schnell zu neuen Lieblingen. Ihr Album <em>Everest<\/em>, gemeinhin als break through Album tituliert, gefiel mir au\u00dferordentlich gut. Ich mochte ihre leicht poppigen, synthieverhuschten Songs. \u201eMisses\u201c, \u201eSwitzerland\u201c oder \u201eNot dead\u201c klingen dabei so wunderbar morbid und melancholisch, dass ich nicht umher kam, mich n\u00e4her mit den <strong>Girls in Hawaii<\/strong> zu besch\u00e4ftigen. Ihre Melodien und die ruhige, unaufgeregt klingende Stimme von <strong>Antoine Wielemans <\/strong>erinnerten mich sehr oft an<strong> Grandaddy<\/strong>, die damals in der Versenkung verschwunden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>2014 sah ich <strong>Girls in Hawaii<\/strong> gleich zweimal. Einmal in einem sehr vollen Geb\u00e4ude 9 (die Grenzn\u00e4he spiegelte sich in der Vielzahl belgischer Besucher wieder) und ein weiteres Mal in Br\u00fcssel. Da war die Halle um einiges gr\u00f6\u00dfer, das Publikum noch belgischer und die Stimmung \u00fcberragend gut.<br>Wurde es mir im Geb\u00e4ude 9 noch nicht wirklich klar, in Br\u00fcssel verstand ich es: <strong>Girls in Hawaii<\/strong> sind eine Hausnummer, zumindest in Belgien. Das war 2014 schon so und ist es auch 2018 noch. Einfach so feierten sie vor einigen Wochen die Premiere ihrer neuen Platte <em>Nocturne<\/em> mit einer kleinen Liven Session im Br\u00fcsseler Bahnhof Centraal und die YouTube Livevideos zeigen sie in vollen Hallen. Oder wie ich als Kommentar unter dem Video zur aktuellen Single lese:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Tr\u00e8s belle soir\u00e9e! Les Girls au top.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren lie\u00df ich die <strong>Girls in Hawaii<\/strong> aus. Ein ver\u00f6ffentlichtes Livealbum (<em>Hello strange<\/em>) ignorierte ich weitestgehend, Nebenprojekte nahm ich aus den Augenwinkeln wahr und als im Herbst das neue Album angek\u00fcndigt wurde, war ich zwar neugierig, blieb aber ruhig. Trotz Ruhe kaufte ich mir ein Ticket f\u00fcr ihr erneutes Geb\u00e4ude 9 Konzert. Was einmal gut war, kann auch ein zweites Mal gut werden. Und nach vier Jahren, Himmel, da ist es an der Zeit. Nachmittags h\u00f6rte ich mir auf YouTube ein paar der neuen Sachen an und entdeckte dabei zuf\u00e4llig, dass sie live einen <strong>Grandaddy<\/strong> Song im Programm haben. Da musste ich dann doch ein wenig schmunzeln.<br>Schnell merkte ich, dass sie \u201eA.M. 180\u201c auf der aktuellen Tour im Zugabenteil spielen. Oh wie fein, und ich hoffte, dass sie im Geb\u00e4ude 9 nicht von ihrer Setlist abweichen werden. Die Band, die mich mit ihrer Musik an <strong>Grandaddy<\/strong> erinnert, covert einen <strong>Grandaddy<\/strong> Song. Das wollte ich unbedingt live h\u00f6ren!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit sonderlich viel Publikum rechnete ich an diesem Abend nicht. In Deutschland finden <strong>Girls in Hawaii<\/strong> kaum statt, ihre neue Scheibe wird kaum in den Medien besprochen. Andererseits, es ist Freitagabend und die Grenze nicht fern.<br>Wenn eine Band im eigenen Land gro\u00df ist, k\u00f6nnen Konzertausfl\u00fcge mitunter uninteressant werden. \u2018<strong>Girls in Hawaii<\/strong> im AB. Oh, ich hab kein Ticket mehr bekommen\u2018 oder \u2018ach, der Forest National ist so gro\u00df, da sehe ich doch nix\u2018 sind so Argumente, die durchaus f\u00fcr eine Fahrt ins benachbarte Ausland sprechen. Ich wei\u00df, wor\u00fcber ich spreche.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so sind viele belgische Konzerts\u00e4nger im Geb\u00e4ude 9. Um mich herum sprechen &#8211; bis auf eine Ausnahme &#8211; alle franz\u00f6sisch oder fl\u00e4misch. Das mit den Ausflugsfahrten muss man sich so vorstellen: Es w\u00e4re ganz so, als ob <strong>Kettcar<\/strong> in Belgien nicht Hallen in Palladiumgr\u00f6\u00dfe ausverkaufen w\u00fcrden, sondern in kleinen L\u00e4den auftreten. Da w\u00e4re es doch auch viel spannender, kurz und schnell \u00fcber die Grenze zu huschen, als ins proppenvolle Palladium zu gehen. <strong>Kettcar<\/strong> sind auch in anderer Hinsicht ein gutes Beispiel. Musikalisch tun sich die Bands nicht viel. Beide kommen aus dem gitarrenorientieren Indiepop, beide entwickelten sich in Richtung Mainstream Pop und wurden bekannter und erfolgreicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Vorband betrat ich das Geb\u00e4ude 9. <strong>Theo Clark<\/strong> sagte mir nichts, und ich beschloss, ihn sausen zu lassen. \u2018Und, wie hat euch die Vorband gefallen? Obwohl, <strong>Theo Clark<\/strong> ist ja nur eine Person\u2026\u2018 fragte der aus Eupen stammende &#8211; und daher deutsch sprechende &#8211; <strong>Girls in Hawaii<\/strong> Bassist <strong>Daniel Offermann<\/strong> kurz vor Ende des <strong>Girls in Hawaii <\/strong>Sets. Obligatorischer H\u00f6flichkeitsapplaus setzte ein. Also ging so, interpretierte ich. Ich konnte weder klatschen noch m\u00fcde dreinblicken, ich hatte ihn ja nicht gesehen. \u2018Der ist toll, oder? Wir haben ihn aus L\u00fcttich mitgebracht.\u2018 Das \u00fcbliche Hauptband &#8211; Vorband Geplapper, schon tausend Mal geh\u00f6rt, dachte ich, bis sich <strong>Antoine Wielemans <\/strong>ungefragt zu Wort meldet: \u2018He\u2019s an arrogant person.\u2018 Oh ha. Was war das? \u2018I like him, but he is arrogant.\u2018 Die Relativierung klang irgendwie merkw\u00fcrdig. War das jetzt belgischer Humor? Ich bin mir nicht sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fchne des Geb\u00e4udes 9 musste angebaut werden. Sechs Musiker und Equipment braucht Platz. So wurde ein Vorbau installiert, auf dem w\u00e4hrend des Konzertes die beiden S\u00e4nger <strong>Antoine Wielemans<\/strong> und <strong>Lionel Vancauwenberghe<\/strong> standen. Die normale B\u00fchnenbreite reichte nicht aus, um alle und alles unterzubringen: die Bodenscheinwerfer, eine riesige r\u00fcckseitige Lichtinstallation inklusive Laserflackerged\u00f6ns und Lichterkette, drei Keyboards und ein Schlagzeug. Die Gitarrenst\u00e4nder standen gar rechts vor der B\u00fchne. Die \u00fcbrigen vier Musiker <strong>Fran\u00e7ois Gustin<\/strong>, <strong>Daniel Offermann<\/strong>, <strong>Brice Vancauwenberghe<\/strong> und <strong>Boris Gronemberger<\/strong> mussten ja auch noch auf der B\u00fchne untergebracht werden. Es blieb kaum Platz zum Atmen. Offensichtlich haben <strong>Girls in Hawaii<\/strong> ihr Hallenset mitgebracht. Schon drau\u00dfen schaute ich verwundert nach dem riesigen Tourbus plus Anh\u00e4nger, der die gesamte Front des alten Industriebaus zuparkte. Himmel, das Tourprojekt <strong>Girls in Hawaii<\/strong> wirkt ambitioniert \u00fcberdimensional. Zumindest f\u00fcr Deutschland. Da aber im Anschluss noch Konzerttermine in Belgien und Frankreich anstehen, macht das Mitschleppen des ganz gro\u00dfen Krams nat\u00fcrlich Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, viel Technik in der kleinen Halle und wenig Leute vor der B\u00fchne. Was passiert dann oft in diesen Situationen? Richtig, die Stimmung bleibt irgendwo auf der Strecke. So empfand ich es auch bei diesem Konzert. So recht sprang der Funke nicht \u00fcber. War die B\u00fchnenshow zu erdr\u00fcckend, war der Saal zu schwach besucht, sind die neuen Songs zu mau oder hatten wir alle einfach nur einen schlechten Tag? Schwierig zu beantworten, vielleicht war es von allem etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Set war gut, und die neuen Songs nicht schlechter als die alten Sachen. Stilistisch schlie\u00dfen sie da an, wo <em>Everest<\/em> mit \u201eMisses\u201c, \u201eSwitzerland\u201c oder \u201eNot dead\u201c aufgeh\u00f6rt hat. Sie sind melodisch, poppig, tr\u00e4umerisch. Das ist schl\u00fcssig und die logische Fortsetzung dessen, was <strong>Girls in Hawaii<\/strong> bisher geboten haben. Einen kleinen Schmalzfaktor hatten sie ja schon auf <em>Everest<\/em>, auf <em>Nocturne<\/em> erscheint er mir eine Schicht dicker. Schlimm ist das nicht. \u201eIndifference\u201c ist so ein Song, der durch den Harmoniegesang der beiden S\u00e4nger <strong>Antoine Wielemans<\/strong> und <strong>Lionel Vancauwenberghe<\/strong> so wunderbar melancholisch daherkommt, dass es einfach zu gut ist, um peinlich zu klingen. Andere St\u00fccke leben von den Synthesizern. \u201eFlavor\u201c zum Beispiel&nbsp; klingt anfangs k\u00fchl und morbid, gar ein bisschen distanziert und k\u00f6nnten auch gut als Soundtrack f\u00fcr eine dieser belgischen Psychothriller Serien a la <strong>The Break<\/strong> oder <strong>Salamander<\/strong> hergenommen werden.<br>Das ist aber die Ausnahme, meist sind die Synthesizer auf Pop justiert und der phasenweise vierstimmige Gesang unterstreicht diese Poppigkeit, indem er den Songs m\u00f6gliche Kanten und Kapriolen nimmt. In diesen Momenten klingt alles einfach sch\u00f6n. Weichgesp\u00fclt w\u00e4re ein Begriff, der passen w\u00fcrde, wenn er nicht negativ besetzt w\u00e4re.<br>Den einzigen Ausrei\u00dfer bildet das instrumentale \u201eUp on the hill\u201c das zackig, straight mit f\u00fcnf Gitarren gespielt aus dem Rahmen f\u00e4llt. Ein Backflash zu den \u00e4lteren <strong>Girls in Hawaii<\/strong> Sachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich freute ich mich insgeheim auf ihr <strong>Grandaddy<\/strong> Cover. Der Blick auf die Setlist verriet mir, dass sie es auch an diesem Abend im Programm haben. Sehr gut. <strong>Grandaddy<\/strong> h\u00e4tte die Band fr\u00fcher oft geh\u00f6rt und sie h\u00e4tten sie beim Musizieren inspiriert, erz\u00e4hlen sie zuvor. Das erkl\u00e4rt alles.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<br><\/strong>01: This Light<br>02: Indifference<br>03: Changes will be lost<br>04: Switzerland<br>05: Misses<br>06: Blue shape<br>07: Not dead<br>08: Sun of the sons<br>09: Time to forgive the winter<br>10: Walk<br>11: Monkey<br>12: Up on the hill<br>13: The fog<br>14: Road to Luna<br>15: Birthday call<br>16: Rorschach<br>Zugabe:<br>17: Flavor<br>18: Guinea pig<br>19: A.M. 180<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a title=\"Crossing Border Festival \u2013 Den Haag, 15.11. -16.11.2013\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pias-nites-festival-bruessel-15-03-2014\/\" target=\"_blank\">Girls in Hawaii &#8211; PIAS Nites Festival, Br\u00fcssel 15.03.2014<\/a><br><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/girls-in-hawaii-koeln-23-01-2014\/\" target=\"_blank\">Girls in Hawaii \u2013 K\u00f6ln, 23.01.2014 \/ Geb\u00e4ude 9<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vier, f\u00fcnf Jahren hatte ich musikalisch einen Belgienkomplex. dEUS mochte ich ja schon von Anfangstagen an, die z\u00e4hlen daher nicht wirklich mit ihrer damaligen Ver\u00f6ffentlichung Selected Songs 1994-2014. 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