{"id":8976,"date":"2016-05-05T16:46:17","date_gmt":"2016-05-05T14:46:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8976"},"modified":"2018-01-12T16:55:13","modified_gmt":"2018-01-12T15:55:13","slug":"bernays-propaganda-maastricht-04-05-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/bernays-propaganda-maastricht-04-05-2016\/","title":{"rendered":"Bernays Propaganda &#8211; Maastricht, 04.05.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> B32, Maastricht<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> The Lumes<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8977\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays.jpg\" alt=\"Bernays Propaganda\" width=\"1735\" height=\"976\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays.jpg 1735w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 1735px) 100vw, 1735px\" \/>Dass auch jenseits des ehemaligen eisernen Vorhangs ambitionierte und gute Indiepoprock Musik gemacht wird, muss irgendwie offensichtlich und einleuchtend sein. Subkultur und Kultur gibt es \u00fcberall, wo Menschen leben. Aus mir nicht ganz einleuchtenden Gr\u00fcnden ist es nur so, dass Bands und Musik aus diesen L\u00e4ndern nicht bis zu uns hervordringen. Ich kenne zum Beispiel nur <strong>Motorama<\/strong>, eine Band aus Rostow am Don im tiefsten Russland. Dar\u00fcber hinaus f\u00e4llt es mir schwer, andere Musiker benennen zu k\u00f6nnen. Warum das so ist, und warum sicher nicht nur mein Blick eher nach Westen gerichtet ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht hat es etwas mit der Vergangenheit zu tun, vielleicht etwas mit musikalischen Verflechtungen. (Kennt man eine Band, so m\u00f6chte man auch Bands aus dem musikalischen Umfeld kennen lernen, interessiere ich mich f\u00fcr eine Musikrichtung, suche ich nach \u00e4hnlichen Bands \u2013 Britpop, zum Beispiel, der per Definition nur aus Britannien kommen kann; oder Grunge, der eigentlich nur im Westen Amerikas beheimatet sein sollte.) Am Desinteresse anderen Erdregionen gegen\u00fcber liegt es nicht. Japan zum Beispiel hatte tolle Visual Arts und Pop, Noise Bands, nur leider interessiere ich mich nicht f\u00fcr \u00fcppig kost\u00fcmierte und dramaturgisch durchgestylte Musikshows. Daher besuche ich die wenigen Konzerte, die diese Bands in Europa geben, nicht.<br \/>\nDenn das ist vielleicht auch ein weiterer Punkt. Indiebands aus Osteuropa touren nicht so oft bei uns. Der Aufwand lohnt vielleicht nicht, die Kosten sind zu hoch. Eine Ausnahme hiervon ist sicher <strong>Motorama<\/strong>, die gef\u00fchlt andauernd in Frankreich\/Deutschland oder in Peru unterwegs zu sein scheint. Ende letzter Woche entdeckten wir, dass die mazedonische Band <strong>Bernays Propaganda<\/strong> ein paar Konzerte in Benelux, Frankreich und bei uns geben sollte. Einige wenige Auftritte zwar, aber immerhin Auftritte. Deutschland wurde zweimal abgedeckt, nat\u00fcrlich mit Berlin, und ein weiteres Mal mit einem Auftritt in Eisleben. Spontan wei\u00df ich gar nicht, wo das zu verorten ist. Allerdings waren Konzerte in den Niederlanden auch im Tourkalender. Amsterdam zum Beispiel, oder Maastricht. Aha Maastricht. Das ist nicht weit weg, das ist an einem Abend machbar.<\/p>\n<p><strong>Bernays Propaganda<\/strong> sind eine wie ich finde typische Indieband. Angefangen haben sie mit klassischem Indiepop eher britischer Pr\u00e4gung, sich dann aber immer mehr in Richtung Elektroindie bewegt. Teilweise in mazedonischer, gr\u00f6\u00dftenteils jedoch in englischer Sprache. Eigentlich gut klingende Voraussetzungen, die \u00fcber die eigenen Landesgrenzen hinweg funktionieren sollten. Leider ist es schwierig, verst\u00e4ndliche Informationen und Videos \u00fcber die Band zu finden. Die Informationsdichte zu <strong>Bernays Propaganda<\/strong> in englischer Sprache h\u00e4lt sich in \u00fcberschaubaren Bereichen. In ihrer Heimat sind sie, so mein Eindruck anhand einiger Livevideos, mittelgro\u00df. Ich musste zwar ein bisschen suchen, bis ich Videomaterial von der Band fand, aber was ich dann sah und h\u00f6rte, \u00fcberzeugt mich. \u201eA bone to the Dog\u201c halte ich f\u00fcr einen gro\u00dfartigen Song, und live erschien mir die Band Potential zu haben.<br \/>\nWer sind nun diese <strong>Bernays Propaganda<\/strong>? Die Band besteht aus Gitarrist <strong>Vasko Atanasoski<\/strong>, Schlagzeuger <strong>Dzano Kuc<\/strong>, Bassist <strong>Sasa Pavlovic<\/strong> sowie S\u00e4ngerin <strong>Kristina Gorovska<\/strong> und existiert seit 2007. 5 Alben haben sie ver\u00f6ffentlicht, das erste <em>Happiness machine<\/em> 2009, das aktuelle <em>Politika<\/em> Ist seit ein paar Wochen auf dem Markt. Dar\u00fcber steht auf der bandcamp Seite der Band:<\/p>\n<blockquote><p>It is clear from the get-go that Bernays Propaganda have approached things differently for their fourth album. \u201cPolitika\u201d flirts with electronic new-wave, taking away some of the guitars\u2019 sharp edges, while the pace is dictated by a drum machine. A bold move by a band who had the guts to change their sound and approach to music on their fourth album. The new material recalls the sound of New Order and other new-wave artists from the early 80s, as well as the sounds of German Indietronic in the vein of The Notwist, a band that underwent a similar sound transformation with their album \u201cNeon Golden\u201d. Compared to Bernays Propaganda previous releases, \u201cPolitika\u201d is permeated by a more melancholy tone \u2013 a suitable reflection of the times we live in \u2013 putting the vocals more in the spotlight. Lyrically they are as fierce as ever, uncompromisingly commenting on the modern way of living and position of each individual in the contemporary madness called democracy.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesem Vorwissen machten wir uns auf den Weg nach Maastricht. Nichts sollte uns an diesem lauen Fr\u00fchlingsabend die Laune verderben. Die niederl\u00e4ndische Stadt wirkt einladend auf uns, bevor wir das B32 aufsuchten, das sich \u00f6stlich der Maas befindet, schlenderten wir etwas umher. Das Konzert mit den beiden Bands <strong>The Lumes<\/strong> und <strong>Bernays Propaganda<\/strong> war f\u00fcr 20 Uhr angesetzt. Um kurz vor acht war es noch \u00fcberschaubar leer. Das Konzert fand in einer Art Galerie oder K\u00fcnstlerraum statt. Ausgerichtet wurde es von einigen jungen Menschen, vielleicht m Rahmen eines st\u00e4dtischen Studentenkulturprogramms. Wir wurden mit zwei Sorten selbstgemachten Kuchen empfangen und der Frage, wieviel wir denn f\u00fcr diesen Abend bezahlen m\u00f6chten. Die Preisspanne reichte von \u2018okay\u2018 bis \u2018awesome\u2018. Da der Beginn noch etwas auf sich warten lie\u00df, mampften wir erstmal ein St\u00fcck Kuchen und schauten uns um. Im Konzertsaal lief eine Videoinstallation, der Raum, ganz in wei\u00df gehalten, wirkte wie ein Ausstellungsraum auf uns. Eine B\u00fchne gab es nicht. Am anderen Ende waren ein Schlagzeug und Boxen aufgebaut, das Mischpult, stand direkt daneben. Alles war \u00fcber abenteuerlichen Mehrfachsteckerkonstruktionen und Verl\u00e4ngerungskabeln miteinander verbunden.<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8978\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays2.jpg\" alt=\"Bernays Propaganda\" width=\"1000\" height=\"1081\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays2.jpg 1744w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays2-270x292.jpg 270w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/bernays2-526x568.jpg 526w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/>The Lumes<\/strong> er\u00f6ffneten. Da wir noch kurz um den Block gewandert waren, kamen wir nicht ganz p\u00fcnktlich zu ihrem Auftritt in den Saal. Etwa 20 Leute standen umher und lauschten dem L\u00e4rm. Oh ja, es war laut, die kleinen Boxen dr\u00f6hnten ordentlich. <strong>The Lumes<\/strong> \u2013 Schlagzeug, Gitarre, Bass \u2013 spielten einen gro\u00dfartigen Wall of sound. Der Gesang des S\u00e4ngers \u00fcbert\u00f6nte die Gitarren nur dezent.\u00a0 Die Homepage der Galerie beschreibt die Band folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Rotterdam based post punks channel their teen angst through reverb-soaked songs. For fans of Joy Division, Bauhaus and Feyenoord.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich mag lieber Ajax Amsterdam, das jedoch nur am Rande. Mein musikalischer Eindruck war spontan der: <strong>My bloody Valentine<\/strong> mit einem Kick amerikanischem Noise. Die drei, vier Songs, die wir h\u00f6rten, waren wunderbar. Sie passten perfekt in diesen Ort, do it yourself Indierock trifft auf do it yourself Konzertatmosph\u00e4re. Es war ein guter musikalischer Start in den Abend, den \u2013 wie erw\u00e4hnt \u2013 nichts schlecht machen konnte. Auch nicht der Duft des asiatischen Essens, das neben uns von einem M\u00e4dchen ausgepackt und an Ort und Stelle verspeist wurde.<\/p>\n<p>Um kurz nach neun begannen dann <strong>Bernays Propaganda<\/strong>. Bereits beim Aufbau und Soundcheck stellte ich fest, dass sie wohl ohne Schlagzeuger das Konzert bestreiten. Lediglich ein Keyboard wurde auf einem Tisch aufgebaut. Der Teppich, auf dem normalerweise die Schlagzeuge stehen, blieb leer. Der Soundcheck dauerte etwas, in einem Gespr\u00e4ch zwischen einem der Veranstalter und der S\u00e4ngerin <strong>Kristina Gorovska<\/strong> bekam ich mit, dass darauf hingewiesen wurde, dass in 10 Minuten das Licht aus den Dachfenstern wegfallen w\u00fcrde, und man sich vielleicht doch besser beeilen solle. Zwar verf\u00fcgte der Raum \u00fcber zwei Neonr\u00f6hrenstr\u00e4nge, die blieben jedoch w\u00e4hrend der Aufbauphase und des Konzertes aus.<br \/>\nZwei H\u00e4nde voll Songs speilten <strong>Bernays Propaganda<\/strong> bis 22 Uhr. Das war das offizielle Konzertende, sicher wegen L\u00e4rmbel\u00e4stigungsregelungen, denn das B32 liegt mitten in einer Wohnstrasse.<\/p>\n<p>Musikalisch begann es mit Noise. Das \u00fcberraschte mich, klang aber nicht schlecht. Erwartet hatte ich Pop, nun dr\u00f6hnte die Gitarre zum Keyboardbeat. Die Songs begannen mit langen Instrumentalphasen, der Gesang kam meist sp\u00e4t dazu. Ich f\u00fchlte mich an Bands wie <strong>Health<\/strong> erinnert. Mittlerweile hatten sich ein paar mehr Leute eingefunden, es blieb aber \u00fcberschaubar. Die Band schien das nicht zu st\u00f6ren. <strong>Bernays Propaganda<\/strong> spielten gro\u00df auf. <strong>Kristina Gorovska<\/strong> performte wie wild und unternahm zu einem St\u00fcck gar einen Ausflug ins Publikum. Bei diesem Song las sie Botschaften der Videoprojektion ab.<br \/>\nDas gesamte Konzert \u00fcber flackerten irgendwelche Filmchen und Bilder \u00fcber die r\u00fcckseitige Wand des Konzertraumes. Es war die einzige Lichtquelle im ansonsten dunklen Raum. Ab und verrutschte der Projektor, er wurde dann manuell wieder zur\u00fcck ger\u00fcckt. Ach, das wirkte so herrlich entspannt und unverkrampft. Bis auf \u201eA bone tot he Dog\u201c kannte ich kein einziges St\u00fcck. Das st\u00f6rte aber \u00fcberhaupt nicht.<br \/>\nNach guten vierzig Minuten war das Konzert vorbei. Oder war es mehr eine Performanceveranstaltung als ein Konzert? Ich bin mir nicht sicher, schlussendlich ist es aber auch egal. Denn es war ein guter Abend, an dem alles irgendwie zusammen passte. Der Ort, die Musik, das Ambiente.<\/p>\n<p>Meine musikalischen Erwartungen\u00a0 an das Konzert erf\u00fcllte die Band nicht. Sie \u00fcbererf\u00fcllte sie! Zwar hatte ich mit etwas komplett anderem gerechnet, aber ob dieses andere so famos und gut geworden w\u00e4re, ein paar Stunden nach dem Konzert bin ich mir da nicht sicher.<\/p>\n<p><strong>Bernays Propaganda<\/strong> \u00fcberraschten mich positiv. Ich hoffe, dass die Band ihre Tour als erfolgreich ansieht und in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten etwas mehr Leute zieht. Verdient h\u00e4tten sie es. Ihre Musik ist es wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass auch jenseits des ehemaligen eisernen Vorhangs ambitionierte und gute Indiepoprock Musik gemacht wird, muss irgendwie offensichtlich und einleuchtend sein. Subkultur und Kultur gibt es \u00fcberall, wo Menschen leben. Aus mir nicht ganz einleuchtenden Gr\u00fcnden ist es nur so, dass Bands und Musik aus diesen L\u00e4ndern nicht bis zu uns hervordringen. Ich kenne zum Beispiel nur Motorama, eine Band aus Rostow am Don im tiefsten Russland. 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