{"id":8925,"date":"2017-11-29T19:10:30","date_gmt":"2017-11-29T18:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8925"},"modified":"2023-11-28T20:12:50","modified_gmt":"2023-11-28T19:12:50","slug":"public-service-broadcasting-koeln-26-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/public-service-broadcasting-koeln-26-11-2017\/","title":{"rendered":"Public Service Broadcasting &#8211; K\u00f6ln, 26.11.2017"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Yuca, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1080\" height=\"608\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00-1080x608.jpg\" alt=\"Public Service Broadcasting - K\u00f6ln, 26.11.2017\" class=\"wp-image-19808\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00-1080x608.jpg 1080w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00-980x551.jpg 980w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00-550x309.jpg 550w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/00.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Public Service Broadcasting<\/strong> geh\u00f6ren zu diesen Bands, die in zwei verschiedenen Welten Musik machen. Die eine Welt hei\u00dft England, oder besser Gro\u00dfbritannien, die andere Welt hei\u00dft \u2018der Rest der Welt\u2018. In England spielen <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> in gro\u00dfen Hallen, deren Namen mit o2, Eventim oder Apollo beginnt, im Rest der Welt in kleinen Klubs wie dem Hamburger Knust oder dem K\u00f6lner Yuca. Viel gr\u00f6\u00dfer k\u00f6nnte der Unterschied nicht sein. Das Yuca meldete immerhin letzte Woche ein ausverkauft. Trotzdem: <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> laufen bei uns stark unter dem Musikmedien-Radar. Den Kanon \u2018w\u00e4re die Welt gerecht\u2018 stimme ich jedoch nicht an. Soll doch jeder, der <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> nicht kennt, nicht h\u00f6rt und\/oder nicht sehen m\u00f6chte selbst damit klar kommen. Ich sage nur, er verpasst eine der spannendsten und schlauesten Bands der Welt.<br><em>Inform-Educate-Entertain,<\/em> so hei\u00dft nicht nur eines ihrer Alben, sondern unter diesem Motto laufen auch die Konzerte der britischen <strong>Public Service Broadcasting<\/strong>. Die Bandmitglieder, namentlich <strong>J. Willgoose Esq.<\/strong>, <strong>Wrigglesworth<\/strong> und <strong>JF Abraham<\/strong>, sind einige der besten Soundnerds unserer Zeit und haben sich die Aufgabe gestellt, mit ihrer Musik &#8211; und erst recht in ihren Konzerten &#8211; die Allgemeinbildung ihres Publikums aufzufrischen. Denn <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> machen nicht nur Musik; also die machen sie zwar in der Hauptsache, aber ihre Alben sind thematische Konzeptalben, die sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit einem historisch\/geschichtlichen Thema auseinandersetzen. Ihre Platten sind sozusagen eine musikalische Informationsdarbietung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem das letzte Album, <em>The race for space<\/em> ganz im Zeichen des Wettstreits zwischen den USA und der UdSSR um den ersten Mann im All (oder Kosmos) und auf dem Mond stand, handelt das aktuelle Album <em>Every Valley<\/em> \u00fcber den Niedergang der walisischen Bergbauindustrie. Versehen mit akribisch zusammengestellten Tondokumenten schaffen sie es, auf Platte eine Art Radiodokumentary-Musical entstehen zu lassen. So schr\u00e4dert die Gitarre im Spannungsbogen des Tondokumentes und das Schlagzeug t\u00f6nt im Takt von Industriemaschinen. Das klingt platt und vielleicht sogar ein wenig einfallslos, aber <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> sind Meister ihres Fachs, die ihre Indierock, Krautrock und Postrock Melodien so fein und behutsam den Tondokumenten anpassen, dass ich weder Plattheit noch Einfallslosigkeit darin erkennen kann. Bestes Beispiel ist \u201eThe other side\u201c, ein <strong>mogwai<\/strong>ischer Gitarrensong, der die Funkstille zwischen Apollo und Houston so wunderbar integriert, dass es mir bei jedem H\u00f6ren eine G\u00e4nsehaut hervorruft. Und obwohl ich den Ausgang der Geschichte kenne fiebere ich jedes Mal mit, ob der Funkkontakt wieder entsteht und die Gitarren wieder aus der Stille herauskrabbeln und den Song \u00fcbernehmen.<br>Auf Konzerten werden dazu die entsprechenden Bildaufnahmen gepackt. Die <em>The race for space<\/em> Konzerte vor zwei Jahren strotzten vor Bildschnipsel aus NASA und BBC Archiven, die im \u00dcbrigen f\u00fcr jedermann frei zug\u00e4nglich in den Weiten des Internets liegen. Konzerte als musikalisches Dokumentarytainment. Schlecht ist das nicht.<br>Ob der Abend im Ehrenfelder Yuca auf \u00e4hnliche Art und Weise den Niedergang der Bergbauindustrie dokumentieren wird, darauf war ich sehr gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten beiden Songs geh\u00f6ren dem aktuellen Album <em>Every Valley<\/em>. Auf der Videoleinwand, ach was Videoleinwand, es ist eine dieser Diaprojektorleinw\u00e4nde, wie wir sie auch zuhause hatten, laufen die Filmsequenzen. Steht man weiter hinter, wird man sie wohl eher nicht sehen. Leider h\u00e4ngen im Yuca nicht acht Bildschirme wie in den britischen 3000er Hallen. Ohne Blick auf die Leinwand geht einem n\u00e4mlich sehr viel eines <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> Konzertes verloren. Denn wie bereits gesagt: Bild und Ton geh\u00f6ren zusammen und bilden die Konzerteinheit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Pit\u201c und \u201ePeople will always need coal\u201c bedeutet in Bildern: ein dampfendes Wales mit vielen Schloten sowie Bergarbeiter, Geldausgabestelle, Arbeitervororte. Was nach Industrieromantik klingt, ist es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Auf das Thema der Kohle-Industrie ist J. Willgoose, Esq., Frontmann von Public Service Broadcasting, zuf\u00e4llig gesto\u00dfen, als er in den Archiven des British Film Institute nach neuen Themen recherchierte. Dabei hat er gemerkt, dass die Geschichte der walisischen Minenarbeiter stellvertretend f\u00fcr die vielen Gemeinden weltweit steht, die sich nach der industriellen Revolution rund um eine spezielle Industrie gebildet haben und denen diese Industrie nun wegf\u00e4llt. Dabei interessieren Willgoose besonders die Auswirkungen, welche die Geschichte dieser Gebiete auf die heutige Gesellschaft haben. (Byte.fm)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im Konzert bleiben <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> allerdings nicht monothematisch. Das Rennen um die Vorherrschaft im All kommt schneller als gedacht: \u201eKorolev\u201c, ein Song \u00fcber den gleichnamigen russischen Raketeningenieur und \u201eE.V.A.\u201c, das den Aufenthalt eines Raumfahrers au\u00dferhalb seines Raumschiffes beschreibt, folgen dem \u201eTheme from PSB\u201c als vierter und f\u00fcnfter Song.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2018Hello! Ja, ich spreche.\u2018 sagt ein sichtlich gut gelaunter <strong>J. Willgoose, Esq.<\/strong>. Er kann sich das Grinsen nicht verkneifen, denn alle wissen: das ist eine Anspielung auf die Besonderheit der Band, eigentlich nichts zu sagen, sondern Ansagen \u00fcber verzerrte Computersamples einzuspielen. Doch schon in dem einen oder anderen Livevideo von der aktuellen Tour sah ich, dass sich der Chef <strong>J. Willgoose, Esq. <\/strong>nicht mehr an diese Vorgabe h\u00e4lt. Vielleicht liegt es auch daran, dass auf <em>Every Valley<\/em> ein paar Gastmusiker den Songs ihre Stimme leihen. <strong>James Dean Bradfield<\/strong>, wie k\u00f6nnte es besser passen, ist so ein Gasts\u00e4nger.<br>Doch zur\u00fcck zum Konzert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u2018Aber ich spreche nicht Deutsch. Mein deutsch ist nicht gut. Ich werde daher in Englisch reden: Herzlich Willkommen.\u2018 <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Erste Lacher auf seiner Seite. Englisch sprach <strong>J. Willgoose, Esq. <\/strong>fortan \u00fcberhaupt nicht und in seinem deutsch entdeckte ich auch keinen Akzent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Public Service Broadcasting<\/strong> spielten Songs von ihren beiden letzten Alben, einzig \u201eNight Mail\u201c (vom ersten Album <em>Inform-Educate-Entertain<\/em>) durchbrach die Weltraum- und Bergbaugeschichten. Von den neuen Songs fiel mir \u201eAll out\u201c auf. \u2018Das ist ein lauter Song\u2018, so die Ank\u00fcndigung. Und ja, das &nbsp;darf er auch sein, ist es doch ein Song \u00fcber die Streiks und Unruhen in S\u00fcdwales, als die ersten Minen geschlossen wurden. Bilddokumente und Tonsamples wie \u2018We\u2019re not gonna take any more\u2018 oder \u2018I was brought up to respect police\u2026I don\u2019t respect them now\u2018 unterstreichen die Hektik der Polizeihundertschaften und die Gewaltbereitschaft der Demonstranten, genauso wie die unruhig und laut klingenden Gitarren. Und da ist es wieder, das passende Zusammenspiel zwischen Musik und audiovisuellem Kontext. Das beherrschen <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> wie keine andere Band. <strong>J. Willgoose Esq.<\/strong>, <strong>Wrigglesworth<\/strong> und <strong>JF Abraham<\/strong> arbeiten dabei enorm akribisch und punktgenau. Alles muss passen: Videosequenzen, Toneinspieler, die Geschwindigkeit der Musik. Ger\u00e4t nur eine der drei Komponenten aus ihrem zeitlich vorbestimmten Rahmen, ist der Livesong hin\u00fcber. Das passierte aber nie, Optik und Ton\/Musik waren jederzeit ein perfektes Gesamtkunstwerk.<br>Den Abschluss des Sets bilden \u201eThe other side\u201d (schon wieder G\u00e4nsehaut) und \u201eGo!\u201d, bevor in der Zugabe zwei Giganten unterschiedlichster Art dargeboten werden: \u201eGagarin\u201c und \u201eEverest\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Hut ab vor dieser Auff\u00fchrung. Der Kauf eines tea towels mit einer aufgedruckten Karte aller Bergbaugebiete Gro\u00dfbritanniens war danach Pflicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/public-service-broadcasting-koeln-18-03-2016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Public Service Broadcasting \u2013 K\u00f6ln, 18.03.2016 \/ Stadtgarten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Public Service Broadcasting geh\u00f6ren zu diesen Bands, die in zwei verschiedenen Welten Musik machen. Die eine Welt hei\u00dft England, oder besser Gro\u00dfbritannien, die andere Welt hei\u00dft \u2018der Rest der Welt\u2018. In England spielen Public Service Broadcasting in gro\u00dfen Hallen, deren Namen mit o2, Eventim oder Apollo beginnt, im Rest der Welt in kleinen Klubs wie dem Hamburger Knust oder dem K\u00f6lner Yuca. Viel gr\u00f6\u00dfer k\u00f6nnte der Unterschied nicht sein. 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