{"id":8901,"date":"2017-11-16T17:52:37","date_gmt":"2017-11-16T16:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8901"},"modified":"2017-11-16T17:52:37","modified_gmt":"2017-11-16T16:52:37","slug":"melanie-de-biasio-koeln-14-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/melanie-de-biasio-koeln-14-11-2017\/","title":{"rendered":"M\u00e9lanie de Biasio &#8211; K\u00f6ln, 14.11.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Stadtgarten, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8904\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-1.jpg\" alt=\"Konzert\" width=\"2048\" height=\"1153\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2-1-1009x568.jpg 1009w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Wenn ich so dar\u00fcber nachdenke, finde ich es erstaunlich, dass ich <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> nun zum dritten Mal sehe. Warum? Nun, weil zum einen die Belgierin nicht regelm\u00e4\u00dfig unterwegs ist (schon gar nicht in Deutschland) und zum anderen ihr musikalisches Schaffen so richtig erst vor vier Jahren mit dem Album <em>No deal<\/em> begann. Beim Recherchieren in meinem Konzertarchiv merkte ich dann, dass die beiden Konzerte im selben Jahr stattfanden, es sich also um Auftritte im Rahmen von ein und derselben Tour bzw. Plattenver\u00f6ffentlichung handeln musste. Weiterhin relativiert wird die H\u00e4ufigkeit der beiden Konzerte innerhalb von wenigen Monaten dadurch, dass es sich bei einem Auftritt um einen Festivalgig handelt und beim anderen um einen Supportslot.<br \/>\n2014 besuchte ich das Piasnite Festival in Br\u00fcssel, mein Hauptgrund f\u00fcr diesen Tagesausflug hie\u00dfen <strong>Girls in Hawaii<\/strong> und <strong>dEUS<\/strong>, die dem Festival an einem Tag als Co-Headliner voranstanden. Am sp\u00e4ten Nachmittag spielten in dem alten Backsteingem\u00e4uer Tours &amp; Taxis zwei weitere Bands, die mich begeisterten: die niederl\u00e4ndischen <strong>The Spectors <\/strong>und eben <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong>. Von beiden Bands hatte ich vorher noch nie etwas geh\u00f6rt, aber gerade der Auftritt von <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> hinterlie\u00df einen bleibenden Eindruck. Ihre ruhige Musik, die stimmig ausgeleuchtete B\u00fchne. All das sprach mich sehr an und blieb mir in st\u00e4rkerer Erinnerung.<br \/>\nSp\u00e4ter im Jahr freute ich mich dann sehr, als sie als Support f\u00fcr das <strong>Eels<\/strong> Konzert im luxemburgischen Grand Th\u00e9\u00e2tre angek\u00fcndigt wurde. In der Theateratmosph\u00e4re kamen ihre, jetzt gef\u00fchlt jazziger klingenden Songs viel st\u00e4rker zur Bedeutung als in der ehemaligen Lagerhalle in Br\u00fcssel. Da ich zu dieser Zeit <strong>Sophie Hunger<\/strong> sehr verehrte, war es nur zu logisch, auch die Musik der Belgierin toll zu finden. Beide fallen ungef\u00e4hr in die gleiche Kategorie und Stimmungslage. Singersongwriter Pop mit leicht jazzigem Anteil, wobei der jazzige Anteil <strong>bei M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> gr\u00f6\u00dfer ist als bei <strong>Sophie Hunger<\/strong>. Seit diesen beiden Konzertauftritten sind drei Jahre vergangen. Eine Zeitspanne, in der der musikalische Output von <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> aus einer EP und dem erst k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Album <em>Lilies<\/em> bestand. Und nachdem ich die Tour des Vorg\u00e4ngeralbums besucht hatte, besuche ich nun die Tour zum Nachfolgealbum <em>Lilies<\/em>. Das passt. So macht man das bei Musikern, die einen guten Eindruck hinterlassen haben.<br \/>\nAls ihr Konzert im K\u00f6lner Stadtgarten angek\u00fcndigt wurde, war f\u00fcr mich quasi zeitgleich klar, dass ich da gerne hingehen m\u00f6chte und ich blockte innerlich den Abend. Dass ich dann erst vor ein paar Tagen das Ticket kaufte, hatte andere, haush\u00e4lterische und logistische Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>In der Kultursendung <em>Titel Thesen Temperamente<\/em> &#8211; ich frag mich, wie gro\u00df der Zufall gewesen sein muss, vor einigen Tagen just in diese Sendung hineingezappt zu haben &#8211; ist vom Geheimtipp <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> die Rede. Am Ende des 10 min\u00fctigen Berichtes steht aber die Prophezeiung, dass sie mit ihrem aktuellen Album diesen Staus auch hierzulande alsbald verlassen w\u00fcrde. Beim Moderator klang das gar mehr als ein Versprechen denn eine Prophezeiung. In Belgien (und vielleicht auch in Frankreich, genau wei\u00df ich das nicht), ist sie schon ein Hausnummer, spielt unter anderem mit Ensemble im Br\u00fcsseler Cirque Royale.<\/p>\n<p><strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> steht mit ihrer dreik\u00f6pfigen Begleitband vor einem knapp nicht ausverkauften Saal. Geheimtippstatus verlassen, w\u00fcrde ich sagen. An zwei Keyboards begleiten sie <strong>Pascal Paulus<\/strong> und <strong>Pascal Mohy<\/strong>, dass zeitweise sehr jazzy klingende Schlagzeug spielt <strong>Alberto Malo<\/strong>. Ohne Vorband geht es zeitig los. Die ersten T\u00f6ne kommen aus der Querfl\u00f6te, die die Multiinstrumentalistin und S\u00e4ngerin leise und ruhig auf der fast nicht beleuchteten B\u00fchne spielt. Heute und hier ist zuh\u00f6ren angesagt! Nach diesen ersten T\u00f6nen ist das klar. Die letzten Quatscher werden rasch erfolgreich weggezischt, und die Bar im hinteren Teil des Stadtgartens stellt zeitweise den Betrieb ein; in den n\u00e4chsten Minuten ist und bleibt es im Saal mucksm\u00e4uschenstill. Nur das Klacken des Fotoapparates der akkreditierten Fotografin durchbricht w\u00e4hrend der ersten beiden Songs die Stille. Klack, Klack. Es ist gef\u00fchlt im ganzen Raum zu h\u00f6ren. Dann setzt nach und nach das Schlagzeug weitere Akzente. Erst ist es nur ein Wischen mit dem Besen \u00fcber die Trommel, im Laufe des Songs wird daraus ein sanfter Rhythmus. Das ist Jazz. Das Publikum lauscht aufmerksam. Nach weiteren Minuten kommt ein Keyboard dazu. Nun kann man sich endlich r\u00e4uspern, ohne aufzufallen. Nach f\u00fcnf, sechs Minuten erschallt der erste tosende Applaus. Hier trifft Musik auf ein Expertenpublikum, das ist merklich zu sp\u00fcren. Bereits jetzt wei\u00df ich, dass ich mit diesem Konzertbesuch alles richtig gemacht habe. Ich f\u00fchle mich gut aufgehoben, es macht Spa\u00df, hier zu stehen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Stunde vergeht ruhig und mit akkurat gespielten Songs. Mal greift <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> zur Querfl\u00f6te, mal singt sie nur. Dann klingen ihre Songs irgendwie nach <strong>Nico<\/strong>, nur nicht so indie; ansonsten oft wie sehr zeitgem\u00e4\u00dfer urbaner Jazz. Beides hat seine Reize, zusammen im Konzert ist es eine wunderbare und stimmige Kombination, wie ich finde. In den Songs sind immer wieder ganz leise Momente eingebaut, in denen ich eine Stecknadel fallen h\u00f6ren k\u00f6nnte. Ich h\u00f6re aber nichts, denn der Saal h\u00e4lt die Konzentration zur Stille und r\u00e4uspert sich, wenn \u00fcberhaupt, nur sehr vorsichtig und behutsam. Alle scheinen gefangen zu sein von den unaufgeregten und sehr harmonischen Songs. Br\u00fcche, ein starker Wechsel von laut\/leise, das gibt es nicht. Der Lautst\u00e4rkepegel schwingt auf seichten Amplitudenbahnen. Swingen tun die Songs dabei nur selten. Die Musik der <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong> ist zum Zuh\u00f6ren da und nur bedingt tanzbar, auch wenn mein Vordermann ein paar Meter weiter das ganz anders interpretiert. Doch er bildet die Ausnahme.<\/p>\n<p>10, 11 Songs bis zur Zugabe umfasst das Repertoire, zwei extralange sind darunter. In ihnen zeigen die vier Musiker ihre ganze Klasse, entwickeln die Songs eine eigene Dynamik, die mit Pop-Noir, wie es in <em>TTT<\/em> umschrieben wurde, nur n\u00e4herungsweise beschrieben werden kann. Mich erinnerten diese langen St\u00fccke spontan an \u201eHeroine\u201c von <strong>The Velvet Underground<\/strong> und \u00e4hnliches Zeugs.<\/p>\n<p>Mit einer guten Stunde ist das Konzert \u00fcbersichtlich lang. Ich habe aber das Gef\u00fchl, dass die Band alles gesagt hat. Da ich meine Bahn erwischen wollte, vernehme ich die Zugabe aus den hinteren Reihen und verdr\u00fccke mich schneller als es mir lieb ist aus dem Stadtgarten. Auf der R\u00fcckfahrt im Zug bin ich noch ganz benommen. Ich Bing-e durch das Internet auf der Suche nach Geschichten und Artikeln zu und \u00fcber <strong>M\u00e9lanie de Biasio<\/strong>. Unter anderem finde ich bei laut.de das hier:<\/p>\n<blockquote><p>Neben stimmlichen F\u00e4higkeiten entwickelt sie sich zu einer Multiinstrumentalistin, die u.a. Fl\u00f6te, Piano und Gitarre beherrscht. Ganz besonders Jazz und Soul haben es ihr stilistisch angetan. Doch zun\u00e4chst gehen die eigenen ersten Schritte in eine ganz andere Richtung. Greller Jazzpunk steht am Anfang auf ihrem Zettel. Fr\u00fche ungest\u00fcme Auftritte mit einer ersten Formation gleichen heftigen Explosionen. Mit der wilden Kapelle tourte sie international und holte sich in Moskau die seltene Erkrankung des Lungenhochdrucks. Fatalerweise achtete sie nicht auf die Symptome und zog die Gigs voller Pflichtbewusstsein gegen\u00fcber Band und Publikum durch. Doch das r\u00e4chte sich. Der Zusammenbruch folgte auf dem Fu\u00dfe und raubte ihr die Stimme. Lange Zeit herrschte Ungewissheit, ob sie je wieder singen werde. Danach herrschte Gewissheit, dass sie nie wieder in belastender Lautst\u00e4rke wird performen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das habe ich nicht gewusst. Mit diesem Wissen wird das Konzert noch beeindruckender in meiner Erinnerung bleiben.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/deus-pias-nite-festival-15-03-2014\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Melanie de Biasio &#8211; PIAS Nites Festival Br\u00fcssel, 15.03.2014<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich so dar\u00fcber nachdenke, finde ich es erstaunlich, dass ich M\u00e9lanie de Biasio nun zum dritten Mal sehe. Warum? 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