{"id":8561,"date":"2017-07-08T20:34:16","date_gmt":"2017-07-08T18:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8561"},"modified":"2017-07-08T20:41:54","modified_gmt":"2017-07-08T18:41:54","slug":"spoon-koeln-03-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/spoon-koeln-03-07-2017\/","title":{"rendered":"Spoon &#8211; K\u00f6ln, 03.07.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Gloria, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> His Clancyness<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8563\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7342.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7342.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7342-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_7342-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><strong>Spoon<\/strong>. Gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich von mir untersch\u00e4tzte Band. Als ich sie vor drei Jahren auf dem Primavera Sound sah, hielt die Band aus Texas noch f\u00fcr astreine Briten. Zu sehr erinnerten mich ihr Sound und vor allem die Stimme von S\u00e4nger <strong>Britt Daniel<\/strong> an alte Britpop Helden. Der Gesang erinnerte mich sehr an <strong>Alex Turner<\/strong> und die Songs eher an die <strong>La\u2019s<\/strong>,<strong> Bluetones<\/strong> und <strong>Cast<\/strong> als an amerikanischen Indierock. Wenn ich heute ihr aktuelles Album <em>Hot thoughts<\/em> h\u00f6re, und ich h\u00f6re es sehr oft, muss ich \u00fcber meine damalige Einsch\u00e4tzung unglaublich lachen. <em>Hot thoughts<\/em> klingt so wenig nach Britannien wie Frikandel speciaal nach einem chinesischen Traditionsessen. Meine Fehleinsch\u00e4tzung aus dem Jahr 2014 ist vollkommen absurd und irre.<br \/>\n<em>Hot thoughts<\/em>, um noch kurz dabei zu bleiben, ist unbestritten ein Meisterwerk. Ein gro\u00dfartiges Album, eines der besten des letzten Jahres. Und leider von vielen ein sehr untersch\u00e4tztes. Die Tour der Band ist lange nicht ausverkauft und ihre Festivalauftritte laufen fernab jeglicher Primetime B\u00fchnenzeiten. Aber wurscht was die anderen sagen, ich freute mich wie Bolle auf das Konzert im Gloria. Sehr schnell nach der Konzertank\u00fcndigung zog ich meinen Ticketkauf durch. <strong>Spoon<\/strong> wollte ich unbedingt ich live sehen. <em>Hot thoughts<\/em> wollte ich unbedingt live h\u00f6ren. Doch nicht nur das. Auch die Vorband wollte ich irgendwie nicht verpassen. Ich las nachmittags einige vielversprechende Kommentare \u00fcber <strong>His Clancyness<\/strong> unter dem Facebook Event und war neugierig. Allerdings hatte ich wenig Lust, allzu fr\u00fch im Gloria aufzulaufen. Doch mittlerweile sprach dieses Posting daf\u00fcr, \u00a0dass das Konzert nahe der Ausverkauftgrenze pendelte. \u2018Einige wenige Restkarten an der Abendkasse\u2018, dieser Satz stand nachmittags unter dem Facebook Event. \u2018Dann schlage ich doch zwei Fliegen mit einer Klappe\u2018, sagte ich mir. Um das Konzert nicht aus den hinteren Reihen verfolgen zu m\u00fcssen, sollte ich also zeitig da sein. Und wenn ich zeitig vor Ort bin, dann kann ich auch <strong>His Clancyness<\/strong> sehen, ohne mich daf\u00fcr extra fr\u00fch aufmachen zu m\u00fcssen. Perfekt! Wirre Gedanken, die bei n\u00e4herem \u00dcberlegen nur bedingt nachvollzogen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAls ich um viertel vor acht das Gloria betrat, war es erschreckend leer. Nahezu ausverkauft, so dachte ich, war wohl nur ein Werbegag. Zuvor wunderte ich mich schon \u00fcber eine relativ kurze Schlange am Einlass. Das Gloria hat aktuell \u00fcbrigens die h\u00e4rteste T\u00fcr K\u00f6lns. Meine Kamera wurde penibel inspiziert, meine Tasche, keineswegs gr\u00f6\u00dfer als DIN A4 genau begutachtet. Weder bei den <strong>Gorillaz<\/strong> noch bei <strong>Midnight Oil<\/strong> lugten die Sicherheitsleute so genau, schauten so exakt nach. Dabei wurden just bei diesen beiden Konzerten im Vorfeld genaue Vorgaben dar\u00fcber gemacht, was mitgef\u00fchrt werden darf und was nicht. Sicherheitsvorkehrungen sind leider notwendig geworden, damit werden wir in Zukunft wohl immer und \u00fcberall leben m\u00fcssen. Und sie st\u00f6ren mich \u00fcberhaupt nicht und ich bin sehr, sehr weit davon weg, mich \u00fcber sie aufzuregen. Was mich nur manchmal \u00e4rgert, ist die unterschiedliche Auslegung dieser Kontrollen. Wenn ich z.B. Gegenst\u00e4nde im Vorfeld untersage und dies entsprechend publiziere, dann wirken diese Vorgaben willk\u00fcrlich und unglaubw\u00fcrdig, wenn ich solche Gegenst\u00e4nde sp\u00e4ter im Konzertraum bei meinem Nebenmann entdecke.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu <strong>Spoon<\/strong>. <em>Hot thoughts<\/em> strotzt vor Hits und macht mich mit jedem H\u00f6rdurchgang sprachloser. Waren es erst die vorderen Songs wie \u201eHot thoughts\u201c oder \u201eWhisperI&#8217;lllistentohearit\u201c so entdeckte ich nach und nach auch die Sch\u00f6nheiten von \u201eTear it down\u201c, \u201eShotgun\u201c oder \u00a0das fulminante instrumentelle \u201eUs\u201c mit dem tollen Saxophonteil am Ende des Albums. Meine unangefochtenen Lieblinge sind jedoch \u201eCan I sit next to you\u201c und das gro\u00dfartige \u201eHot thoughts\u201c. Beides stand im Gloria auf der Setlist, nur \u201eUs\u201c mochten <strong>Spoon<\/strong> leider nicht spielen. Die einzige Kritelei an diesem Abend.<br \/>\n<strong>His Clancyness<\/strong>, so der Name der Vorband. Ich hatte ihn vergessen, \u00fcberlesen, nicht mehr im Kopf, als die italienische Band mich nach wenigen Minuten begeisterte und die Vorschusslorbeeren best\u00e4tigte. Ihr Postindierock erinnerte mich zeitweise an die \u00e4lteren Sachen von <strong>Merchandise<\/strong>. Genau wie bei den Amis waren die Songs etwas l\u00e4nger und hatten diese leicht dramaturgischen Gitarrensequenzen. <strong>His Clancyness<\/strong>, mit Abstand die beste Vorband, die ich in den letzten Monaten sah.<\/p>\n<p><strong>Spoon<\/strong> erinnern mit ihrem B\u00fchnenauftritt ein wenig an <strong>The National<\/strong> und <strong>Britt Daniel<\/strong> an <strong>Matt Berninger<\/strong>. \u00c4hnlich wild-konfus tapst der <strong>Spoon<\/strong> S\u00e4nger \u00fcber die B\u00fchne, lehnt sich am B\u00fchnenrand an das Publikum und legt sich auch schon mal auf den B\u00fchnenboden, um das Ende eines Keyboardintros abzuwarten. Musikalisch habe ich eine andere Assoziation: <strong>Afghan Whigs<\/strong>. Bei meiner letzten Joggingrunde lie\u00df mich \u201eHot thoughts\u201c (der Song) spontan und stark an \u201eGentleman\u201c denken. Es ist der Durchzug, dieser \u00e4hnliche Indiesoulrock, die gleiche unterschwellige Dynamik, die beide Songs verbindet. Seitdem klebt dieser Gedanke wie Ketchup an diesem Song und die Assoziation mit den <strong>Afghan Whigs<\/strong> an <strong>Spoon<\/strong>. Ohne Frage unangefochten im Zentrum von <strong>Spoon<\/strong> steht deren S\u00e4nger <strong>Britt Daniel<\/strong>, dessen Stimme man sofort unter vielen wiedererkennt. Manchmal verkr\u00fcmelt er sich in den B\u00fchnenhintergrund, wo ein weiteres Keyboard aufgebaut ist, das er dann mit dem R\u00fccken zu uns bespielt.<\/p>\n<p>Bevor die Band auf die B\u00fchne kommt, steht noch ein letzter, pr\u00fcfender Blick in den Spiegel. Der h\u00e4ngt im Gloria Backstagebereich direkt neben der T\u00fcr zur B\u00fchne. Es f\u00e4llt mir auf, weil ich von meinem Standort aus folgende Szenerie beobachten kann: Kurz wird rasch der Oberk\u00f6rper nach rechts gewendet, und sich mit den H\u00e4nden in die Haare gefasst, bevor es die Treppenstufen hoch und raus auf die B\u00fchne geht. Alle machen das so.\u00a0<strong>Alex Fischel<\/strong>, <strong>Rob Pope<\/strong>, <strong>Britt Daniel<\/strong> und <strong>Eric Harvey<\/strong>. Mehr oder weniger kurz. Der Schlagzeuger <strong>Jim Eno<\/strong> ist am penibelsten und wuschelt am intensivsten. Wenigstens in den ersten Sekunden, bis er zum ersten Mal den Kopf im Takt seines Schlagzeugspiels sch\u00fcttelt, soll die Frisi perfekt sitzen. Die Eitelkeiten der K\u00fcnstler, die sie aber nicht exklusiv haben. Wer von uns kann schon ohne Pr\u00fcfblick an einem Spiegel vor\u00fcbergehen? Na also.<\/p>\n<p>\u201eDo I have to talk you into it\u201c und \u201eInside out\u201c er\u00f6ffnen den Abend direkt mit zwei Knallern. Einige Songs spielen sie so, dass sie ineinander \u00fcbergehen. Das ergibt tolle sieben bis acht Min\u00fcter. F\u00fcnfmal machen <strong>Spoon<\/strong> das so, es ist jedes einzelne Mal ein Fest. Ich hatte mich vorher schon gefragt, was die Pfeile vor einigen Songs auf der Setlist bedeuten m\u00f6gen, jetzt wei\u00df ich es. Ein Pfeil vor einem Song hei\u00dft: dieses St\u00fcck wird nahtlos an den Vorg\u00e4nger geh\u00e4ngt.<br \/>\nApropos Setlist. <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/concertenthusiastic\/photos\/a.1493617387339904.1073741825.205479202820402\/1621270717907903\/?type=3&amp;theater\" target=\"_blank\">Die kommt enorm stylisch daher<\/a>. Sie ist nicht mit irgendeinem Standardschrifttyp a la Arial oder Times New Roman geschrieben, sondern in einer sehr modern wirkenden Schriftart. Und die hat den Hang zum Design vor der Funktionalit\u00e4t, denn die vier Songs der Zugabe (\u201eHot Thoughts\u201c, \u201eGot Nuffin\u201c, \u201eFirst caress\u201c und \u201eRent I pay\u201c) sind einzeilig am unteren Blattrand notiert und im Stehen von den Musikern unm\u00f6glich zu erkennen. Aber K\u00f6ln ist der Abschluss des kleinen Europaausflugs der Texaner und der Zugabenblock war sicher bei jedem Konzert dieser Tour derselbe. So sollte er auch ohne Lesehilfe sitzen. Und er sa\u00df an diesem Abend perfekt, und nicht nur der Zugabenblock. Das gesamte Konzert war die reinste Augen- und Ohrenweide!<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-31-05-2014\/\" target=\"_blank\">Spoon &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 31.05.2014<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spoon. Gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich von mir untersch\u00e4tzte Band. Als ich sie vor drei Jahren auf dem Primavera Sound sah, hielt die Band aus Texas noch f\u00fcr astreine Briten. Zu sehr erinnerten mich ihr Sound und vor allem die Stimme von S\u00e4nger Britt Daniel an alte Britpop Helden. Die erinnerte mich sehr an Alex Turner und die Songs eher an die La\u2019s und Cast als an amerikanischen Indierock. Wenn ich heute ihr aktuelle Album Hot thoughts h\u00f6re, und ich h\u00f6re es sehr oft, muss ich \u00fcber meine damalige erste Einsch\u00e4tzung unglaublich lachen. 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