{"id":8510,"date":"2017-06-24T11:07:44","date_gmt":"2017-06-24T09:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8510"},"modified":"2017-06-24T11:07:44","modified_gmt":"2017-06-24T09:07:44","slug":"gorillaz-koeln-20-06-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/gorillaz-koeln-20-06-2017\/","title":{"rendered":"Gorillaz &#8211; K\u00f6ln, 20.06.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Palladium, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8512\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/3-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/3-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/3-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/3-1-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Und pl\u00f6tzlich steht <strong>Damon Albarn<\/strong> vor mir. Reflexartig strecke ich ihm meine Hand entgegen, in die er bereitwillig einschl\u00e4gt. In diesen Sekunden bin ich wieder der twentysomething Fan, der die Gelegenheit nicht missen m\u00f6chte, seinem musikalischen Helden nahe zu kommen. <strong>Blur<\/strong>, Britpop, du wei\u00dft Bescheid. Was h\u00e4tte ich in den 1990er Jahren f\u00fcr diesen Handschlag gegeben. Aber wir haben 2017, ich bin \u00e4lter und so \u00e4rgere ich mich Sekunden sp\u00e4ter ein wenig \u00fcber meine Entscheidung. <strong>Damon Albarns<\/strong> Hand ist schwitzig und klebrig, nun kleben auch meine Finger. Waschen geht nicht, die <strong>Gorillaz<\/strong> sind noch nicht einmal mit ihrem Albumset durch. Da mu\u00df ich jetzt durch.<\/p>\n<p>Die <strong>Gorillaz<\/strong>. Die haben mit <strong>Blur<\/strong> und Britpop nur eines gemein: <strong>Damon Albarn<\/strong>. Der <strong>Blur<\/strong> S\u00e4nger rief die <strong>Gorillaz<\/strong> mit einem Kumpel als Projekt ins Leben. Das geschah aus einer Laune heraus, wie Wikipedia zu erz\u00e4hlen wei\u00df. Man wollte all die austauschbaren MTV Bands der sp\u00e4ten 1990er Jahre konterkarieren. Eine virtuelle Popband sollte entstehen, deren Musiker Comicfiguren sein sollten.<\/p>\n<blockquote><p>Die Gruppe sollte s\u00e4mtliche damals g\u00e4ngigen Klischees bedienen. Sie stellten sie aus vier Stereotypen zusammen, die Hewlett als Zeichentrickfiguren zu Papier brachte: einem Punk als Bandleader (2D), einem Altrocker am Bass (Murdoc), einer flippigen Asiatin an der Gitarre (Noodle) und einem gutm\u00fctigen H\u00fcnen am Schlagzeug (Russel). Albarn und Hewlett erkennen zus\u00e4tzliches Potential in der ersponnenen Band: Sie k\u00f6nnen nach Belieben das Genre wechseln und dazu mit den unterschiedlichsten Gastmusikern arbeiten. F\u00fcr die Bandmitglieder wurden ausf\u00fchrliche Biografien ausgearbeitet und auf der Website der Band pr\u00e4sentiert, noch bevor die erste Musik ver\u00f6ffentlicht wurde. (Musikfachmagazin Wikipedia)<\/p><\/blockquote>\n<p>2001 erschien das erste <strong>Gorillaz<\/strong> Album, 2003 die wirklich letzte wichtige <strong>Blur<\/strong> Platte <em>Think tank<\/em>. Die <strong>Gorillaz<\/strong> wurden die neue It-Band des <strong>Blur<\/strong> S\u00e4ngers. Gleich ihre Single wurde ein Hit. \u201eClint Eastwood\u201c kennt mittlerweile sicher jedes Kind.<\/p>\n<p>Ein bisschen Gl\u00fcck brauchte ich, um an Tickets f\u00fcr dieses Konzert zu gelangen. In ihrer Veranstaltungsreihe Electronic Beats pr\u00e4sentiert die Telekom neben anderen \u2018hippen\u2018 Events immer mal wieder Konzerte, deren Tickets einzig \u00fcber Verlosungen zu bekommen sind. Schon oft hatte ich mich bem\u00fcht, Onlineformulare ausgef\u00fcllt und Gewinnspielmails geschrieben, aber nie war ich einer der Gewinner. Auch bei der Verlosung der Tickets f\u00fcr das <strong>Gorillaz<\/strong> Konzert scheiterte ich in der ersten Runde, allerdings wurde meine Emailadresse im recall aus dem Bewerbertopf gezogen und mir der Einlass zu dieser Exklusivveranstaltung (sofern ein Tausender-Konzert als exklusiv bezeichnet werden kann) gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Um 19.30 Uhr, p\u00fcnktlich zum Einlass, stand ich am Palladium. Die Sicherheitschecks gingen fl\u00fcssig vonstatten, die Organisation war gut. Etwas irritiert war ich nur, als Telekompersonal im Vorbeigehen darauf hinwies, dass man doch hoffentlich keine Ticketmastertickets h\u00e4tte. Dieses sei der Einlass f\u00fcr Eventbrite Tickets. Wie, Ticketmaster Tickets? Gab es die auch? Ich schaute nach, auf meinem Emailausdruck stand aber weder Ticketmaster noch Eventbrite. Egal, mit dem Ausdruck war auch so alles in Ordnung.<br \/>\nDas Konzert war f\u00fcr 21.30 Uhr angesetzt, es war also noch eine Menge Zeit, die es sich zu vertreiben galt. Aber ob ich nun zuhause warte oder in einer Konzerthalle, am Zustand des Wartens \u00e4ndert sich dadurch nicht viel.<br \/>\nDas Palladium war an diesem hei\u00dfesten Tag des Jahres Gott sei Dank angenehm klimatisiert. Von der Hitze blieb ein ordentlicher Teil drau\u00dfen. Das war eine meiner gr\u00f6\u00dften Sorgen, dass ich an diesem Abend vor lauter Hitze und stickiger Luft elendig vor die Hunde gehe. So waren die Rahmenbedingungen gut, und als p\u00fcnktlich um 21.30 Uhr <strong>Damon Albarn<\/strong> und Kollegen die B\u00fchne betraten, alles andere auch.<\/p>\n<p>Die <strong>Gorillaz<\/strong> sind derzeit auf Promotour f\u00fcr ihr neues Album <em>Humanz<\/em>, das sie an diesem Abend in G\u00e4nze pr\u00e4sentieren sollten. K\u00f6ln war die letzte Station ihres kleinen Werbefeldzuges. Die Setlisten der anderen drei Konzerte standen bereits im Netz und so wusste ich, dass das Konzert zweigeteilt sein w\u00fcrde: Der erste Teil sollte komplett <em>Humanz<\/em> geh\u00f6ren, der zweite Teil war dann eine Art best-of Set.<br \/>\nLive funktioniert das mit den erdachten Comicfiguren nat\u00fcrlich nicht. Da m\u00fcssen waschechte Menschen ran, die die Instrumente bedienen. Im Palladium bestand die <strong>Gorillaz<\/strong> Band aus zwei Schlagzeugern, einem Gitarristen, einem Bassisten, zwei Keyboardern und vier \u00a0Backgrounds\u00e4ngerinnen. (Wenn ich das von meinem seitlichen Stehplatz aus alles richtig im Blick hatte.)<\/p>\n<p>Zu den ersten T\u00f6nen von \u201eAscension\u201c reckt <strong>Damon Albarn<\/strong> beide F\u00e4uste in die Luft. Der Applaus ist riesengro\u00df und ich freue mich, dabei zu sein. Kein Streamingerlebnis der Welt kann doch den tats\u00e4chlichen Moment so gut abbilden wie der Moment selbst. Die Frage, warum ich mir das Konzert nicht lieber im angenehm k\u00fchleren Ambiente des Wohnzimmers anschaut stellt sich in diesem Moment \u00fcberhaupt nicht mehr. Gut, wenn ich keine andere M\u00f6glichkeit gehabt h\u00e4tte, dann w\u00e4re das Wohnzimmer immer noch super gewesen, aber mit einem Ticketgewinn, nein, so muss man einfach live vor Ort sein. Das geht nicht anders!<\/p>\n<p><em>Humanz<\/em> war das Motto der n\u00e4chsten guten Stunde. Einzig das von <strong>Benjamin Clementine<\/strong> gefeaturete &#8222;Hallelujah money&#8220; stand nicht auf der Setlist, daf\u00fcr aber mit \u201eTicker tape\u201c und &#8222;Out of body&#8220; zwei Songs der <em>Humanz<\/em> Deluxe Edition. Schon w\u00e4hrend des Albumsets gab es kleine Gastbesuche. <em>Humanz<\/em> hat viele Gasts\u00e4nger, die Liste reicht von <strong>De la Soul<\/strong> \u00fcber <strong>Kelela<\/strong> bis hin zu <strong>Jehnny Beth<\/strong> und <strong>Grace Jones<\/strong>. Dass nicht alle Gastmusiker vor Ort sein k\u00f6nnen, ist klar. Ich war gespannt, wen die <strong>Gorillaz<\/strong> mitbrachten oder ob sie \u00fcberhaupt jemanden mitbrachten. Der zweite Song \u201eStrobelite\u201c holte schon mal den Rapper <strong>Peven Everett <\/strong>aus den Katakomben des Palladiums. Leider blieb er f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit der einzige Gastmusiker, der auf der B\u00fchne auftauchte. Song um Song wurde mit Videoeinspielungen anderer S\u00e4ngerInnen gef\u00fcllt. Das wirkte auf mich manchmal playback-esk. Die beiden Gitarristen standen dann alleine am B\u00fchnenrand, posierten um die Wette (die eindeutig Gitarrist <strong>Jeff Wootton<\/strong> gewann; er ist ein elender Poser)und ihr Gitarrenspiel wirkte dabei so aufgesetzt, dass man den Eindruck gewinnen k\u00f6nne, es sei nicht live. <strong>Damon Albarn<\/strong> verzog sich bei diesen Songs komplett von der B\u00fchne. Erst gegen Ende des Albumsets kam dann wieder Bewegung in den G\u00e4steblock.<br \/>\n<strong>Jehnny Beth<\/strong> tauchte \u00fcberraschend zu \u201eWe\u2019ve got the power\u201c auf der B\u00fchne auf. Ich hatte von \u201eWe\u2019ve got the power\u201c das ein oder andere Livevideo gesehen. Ein Spitzensong, der wahnsinnig gut zu <strong>Jehnny Beth<\/strong> und <strong>Damon<\/strong> <strong>Albarn<\/strong> passt. Leider waren weder <strong>Kelela<\/strong> noch <strong>De la Soul<\/strong> am Start. Wow, ich stelle mir gerade vor wie das gewesen w\u00e4re, wenn <strong>De la Soul<\/strong> aus dem Nichts herangerauscht w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber ich will nicht zetern, das Konzert war auf einem enorm hohen Niveau. Beispiele: Einer der Songs hatte diesen unglaublichen Gesangspart von einer der drei Backgrounds\u00e4ngerinnen. Das war sagenhaft. Dar\u00fcber hinaus bleibt das wilde \u201eSex murder party\u201c mit <strong>Zebra Katz<\/strong> genauso h\u00e4ngen. Gegen Ende wurde es da ziemlich laut und sehr gut. Und eben <strong>Damon Albarn<\/strong> und <strong>Jehnny Beth<\/strong> im Duett. Das war mein Konzerth\u00f6hepunkt. W\u00e4hrend sie versucht, auf den H\u00e4nden des Publikums zu stehen, was f\u00fcr ein paar Sekunden gelingt, h\u00fcpft ein paar Meter weiter hinten auf der B\u00fchne <strong>Damon Albarn<\/strong> wie ein kleiner Troll auf und ab. Es war nicht der einzige Moment, in dem es sich lohnte, den <strong>Blur<\/strong> S\u00e4nger zu beobachten. Irre ich mich, oder wird <strong>Damon Albarn<\/strong> immer verr\u00fcckter? Noch Stunden sp\u00e4ter (und eigentlich auch noch heute) habe ich sein Zahnl\u00fcckengrinsen und seinen wirren irren Blick vor Augen. <strong>Damon Albarn<\/strong> rennt und kreuzt \u00fcber die B\u00fchne, springt in die ersten Reihen und spricht oft mit der 360 Grad Filmkamerakugel, die vor der B\u00fchne hin und her f\u00e4hrt. Sein pers\u00f6nlicher Mikrokabeltr\u00e4ger hat alle H\u00e4nde voll zu tun. Immer wieder muss er das Kabel \u00fcber den Mikrofonst\u00e4nder heben, es aus dem Geflecht von Monitorboxen und Kameraschienen ziehen. Junge, Junge!<\/p>\n<p>Der zweite Teil war dann die erwartete, kleine best-of Sache. Noch einmal kommt <strong>Jehnny Beth<\/strong> auf die B\u00fchne (zu \u201e5\/4\u201c) und auch \u00a0<strong>Peven Everett<\/strong> hatte seinen zweiten Rapauftritt (\u201eStylo\u201c).<\/p>\n<p><strong>Setlist Best-of Teil:<br \/>\n<\/strong>Rhinestone eyes<br \/>\n5\/4<br \/>\nSleeping powder<br \/>\nStylo<br \/>\nOn melancholy hill<br \/>\nKids with guns<br \/>\nClint Eastwood<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8513\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/6-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/6-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/6-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/6-1-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Diesem schon gar nicht. Es war von der ersten Minute an ein Superabend, f\u00fcr den ich auch gerne ein paar Euros gezahlt h\u00e4tte. Viel besser k\u00f6nnen die <strong>Gorillaz<\/strong> Konzerte im November des Jahres nicht werden. Oder k\u00f6nnen sie \u00fcberhaupt so gut werden? Aktuell m\u00f6chte ich das anzweifeln, denn die <strong>Gorillaz<\/strong> waren an diesem Abend schon verdammt gut!<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<br \/>\n<\/strong>&#8211;<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><br \/>\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KIzDm35FQyk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und pl\u00f6tzlich steht Damon Albarn vor mir. Reflexartig strecke ich ihm meine Hand entgegen, in die er bereitwillig einschl\u00e4gt. In diesen Sekunden bin ich wieder der twentysomething Fan, der die Gelegenheit nicht missen m\u00f6chte, seinem musikalischen Helden nahe zu kommen. Blur, Britpop, du wei\u00dft Bescheid. Was h\u00e4tte ich in den 1990er Jahren f\u00fcr diesen Handschlag gegeben. Aber wir haben 2017, ich bin \u00e4lter und so \u00e4rgere ich mich Sekunden sp\u00e4ter ein wenig \u00fcber meine Entscheidung. Damon Albarns Hand ist schwitzig und klebrig, nun kleben auch meine Finger. Waschen geht nicht, die Gorillaz sind noch nicht einmal mit ihrem Albumset durch. 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