{"id":8471,"date":"2017-06-15T19:56:30","date_gmt":"2017-06-15T17:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8471"},"modified":"2017-06-15T20:00:07","modified_gmt":"2017-06-15T18:00:07","slug":"phil-collins-koeln-14-06-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/phil-collins-koeln-14-06-2017\/","title":{"rendered":"Phil Collins &#8211; K\u00f6ln, 14.06.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort: <\/strong>Lanxess Arena, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8472\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/2-1-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>2006 kam der Film <strong>Miami Vice<\/strong> in die Kinos. Ich sah ihn, wenn ich richtig erinnere, in einem der Multiplexkinos der Stadt. In einem Moment, in dem <strong>Crockett<\/strong> und <strong>Tubbs<\/strong> gerade mit ihrem Auto durch das n\u00e4chtliche Miami fahren, sch\u00f6n gefilmt mit einer freien, mitfahrenden Kamera, taucht \u201eIn the air tonight\u201c erst leise, dann immer deutlicher als Soundtrack der Szenerie auf. In diesem Augenblick entdeckte ich die Sch\u00f6nheit, die dieser Song doch tats\u00e4chlich besitzt. Ich h\u00e4tte es nicht geglaubt, und h\u00e4tte man mich Jahre zuvor danach gefragt, ich h\u00e4tte dies vehement abgestritten. Denn wie viele andere auch war ich eher genervt von <strong>Phil Collins<\/strong> und oder <strong>Genesis<\/strong>. Wie auch von den <strong>Dire Straits<\/strong> oder <strong>Chris de Burgh<\/strong>. \u201eIn the air tonight\u201c war mein Prototyp f\u00fcr die gesamte schlimme Radiomusik in meiner Jugend. Meine Generation hat sich nicht nur an diesem Song die Ohren taub geh\u00f6rt. Ich erinnere mich gut, wie die Songs des damaligen <strong>Genesis<\/strong> Comebackalbum <em>Invisible touch<\/em> \u00fcberall auftauchten. Formel 1, <strong>Mel Sandocks<\/strong> Hitparade, Schlagerrallye. \u00dcberall und immer wieder \u201eLand of confusion\u201c, sp\u00e4ter dann auch \u201eI can\u2019t dance\u201c von der Nachfolgeplatte. <strong>Phil Collins<\/strong> \/ <strong>Genesis<\/strong> Songs waren sowas von in Dauerrotation, sowas von Allgegenw\u00e4rtig, dass es keinen Spa\u00df machte, sich ihnen in den 1990er Jahren auch nur auf hunderte Kilometer zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Bereits auf der Zugfahrt zur Lanxess Arena treffe ich auf <strong>Phil Collins<\/strong> Konzertg\u00e4nger. Es sind \u00dc45 P\u00e4rchen oder P\u00e4rchencliquen, die sich zusammengefunden haben, um diesen Abend zu feiern. Die Gespr\u00e4chsthemen kreisen neben Job, Nachbarn und Familie auch um das bevorstehende Konzert. \u2018<strong>Phil Collins<\/strong> w\u00fcrde ja im Sitzen das Konzert bestreiten und sein Sohn w\u00fcrde Schlagzeug spielen\u2018, h\u00f6re ich sagen. Jaja, Fakten, die seit dem ersten <strong>Phil Collins<\/strong> Abend in K\u00f6ln am Sonntag allgegenw\u00e4rtig sind. Ein Blick in irgendeine Zeitung reichte, um das zu erfahren.<br \/>\nVor der Halle war es gerammelt voll. Lange Einlassschlangen bildeten sich, man konnte eine Best-of CD mit allen, also wirklich allen Hits, k\u00e4uflich erwerben. Der ein oder andere griff hier sicherlich im \u00dcberschwang des bevorstehenden Ereignisses zu. Ist ja auch ein sch\u00f6nes Erinnerungsst\u00fcck, eine CD von einem Stra\u00dfenh\u00e4ndler. Oder doch lieber ein paar Drumsticks, die drinnen am Merchstand vertickt wurden.<\/p>\n<p>Als ich die Halle betrat, war ich im ersten Augenblick entsetzt. Ich hatte vor drei Tagen g\u00fcnstig ein Ticket f\u00fcr einen Sitzplatz im Unterrang seitlich der B\u00fchne ersteigert. Da ich die R\u00e4umlichkeiten der Lanxess Arena nicht kenne, hielt ich es f\u00fcr ein gutes Angebot, kurz vor den als sichtbehindert ausgewiesenen Sitzpl\u00e4tzen. Jetzt aber entpuppte sich der Platz scheinbar auch als sichtbehindert, denn die seitlichen B\u00fchnenvorh\u00e4nge versperrten meinen Blick auf die B\u00fchne. &#8218;So ein Mist\u2018, dachte ich. Einzig <strong>Collins<\/strong> Sitzschemel lugte am Vorhangrand ein St\u00fcck weit hervor. Die Musiker werde ich dann wohl nicht sehen, aber wenigstens ein bisschen von <strong>Phil Collins<\/strong>, wenn er denn, wie einst <strong>Eddie Vedder<\/strong>, wild auf seinem Hocker herumhoppelt und so immer weiter nach vorne r\u00fcckt. Wird er aber nicht machen, der Gedanke war mehr ironischer Selbstschutz vor der nahenden, m\u00f6glichen Konzertern\u00fcchterung. Wer f\u00fcr so einen Platz einen dreistelligen Eurobetrag bezahlt, wird sich sicherlich doppelt \u00e4rgern. Gut, dass ich das nicht gemacht habe. So meine letzten Gedanken, bevor ich mich mit der Sitzplatzsituation abgefunden hatte.<br \/>\nNach ein paar Minuten einstimmender Visuals betraten die Musiker unter stehenden Ovationen die B\u00fchne. Das Konzert begann. Und wie es begann! Gleich zu Beginn jagte <strong>Phil Collins<\/strong> mit \u201eAgainst all odds\u201c und \u201eAnother day in paradise\u201c zwei Hits raus, die mich in der &#8211; zugegeben leicht abstrusen &#8211; Idee best\u00e4tigten, dass es eine gute Idee war, hierhin zu fahren. Ich fand es jetzt \u00fcberragend und auch das Dilemma mit Sitzplatz erledigte sich zu \u201eAnother day in paradise\u201c. Die Vorh\u00e4nge fielen zu Boden und ich hatte vollen Blick auf die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Ich hatte vorher oft und lange \u00fcberlegt, wie ich mit der seichten 1980er Jahre Popwelle zurechtkommen werde, die mich definitiv an diesem Abend \u00fcbersp\u00fclen w\u00fcrde. W\u00fcrde es nach anf\u00e4nglicher Euphorie nicht langweilig? W\u00fcrde es wirklich den Spa\u00df bringen, den ich mir wei\u00dfgemacht habe? Oder w\u00fcrde ich mich nach wenigen Minuten bereits \u00fcber den Ticketkauf \u00e4rgern und mich fragen, was ich hier eigentlich mache?<br \/>\nNun, der Konzertbeginn machte schon mal gro\u00dfen Spa\u00df. Aber war das nur die erste Euphorie? Ich entschied mich jedenfalls, den Sitzplatz sein zu lassen, um das Konzert im Stehen zu verfolgen. M\u00f6glich war das, weil hinter mir der Oberrang begann und ich so niemandem, au\u00dfer vielleicht dem hinter mir stehenden Saalpersonal, die Sicht nahm.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf wurde es dann leider (erstmal) seichter. Es fehlten die gro\u00dfen Hits, daf\u00fcr kamen ein paar nette Popn\u00fcmmerchen. Das Konzert hang durch. Weder \u201eWake up call\u201c vom vorletzten Album, das eher mit Respektsapplaus bedacht wurde, noch das <strong>Stephen Bishop<\/strong> Cover \u201eSeparate lives\u201c konnten recht \u00fcberzeugen. Mit \u201eI missed again\u201c und \u201eHang in long enough\u201c war das Konzert in der Belanglosigkeitsrubrik des Musikprogramms eines WDR Mittagsmagazins in den 1980er Jahren angekommen. Nein, alles war an diesem Abend nicht gut. Trotzdem standen irgendwann alle auf und tanzten und gaben auf offener Szene stehende Ovationen. <strong>Phil Collins<\/strong> nahm sie sitzend entgegen, sein Gehstock h\u00e4ngt locker \u00fcber der R\u00fcckenlehne seines Drehstuhls. Kurz vor der Pause, 25 Minuten lang, alter Schwede!, stellt er seine 12k\u00f6pfige Band vor. Das dauert eine gef\u00fchlte Ewigkeit, und wenig \u00fcberraschend bekommt der 16j\u00e4hrige <strong>Nicholas<\/strong> <strong>Collins<\/strong> den dicksten Applaus. Sohnemann Bonus, denke ich. Mit \u201eOnly you know and i know\u201c verabschiedet sich der Abend in die Unterbrechung. \u2018You can have a pee, we can have a pee\u2018. Herr <strong>Collins<\/strong>, das ist eine gute Idee.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es in der Arena still wird, laufen Spa\u00dfwerbungen \u00fcber die Leinw\u00e4nde. Das \u2018Sussido Hair Studio\u2018 wirbt mit Rabatten und \u2018<strong>Collins<\/strong> beds and matresses\u2018 mit bequemen Schlafunterlagen. Die Halle leerte sich enorm schnell.<br \/>\nNach der Pause riecht es nach Essen. Neben mir brachte ein Mann seiner Frau ein St\u00fcck Pizza, ein Glas Sekt und ein Wasser mit, auch eine Schale mit Pommes wird gen\u00fcsslich verzehrt. Wenn schon Konzertbesuch, dann auch mit allem Zipp und Zapp. Zur Abendbrotzeit war man schlie\u00dflich nicht zuhause, das muss jetzt nachgeholt werden.<br \/>\nBevor das wunderbare und gute Finale eingel\u00e4utet wurde, sah ich den ultimativ m\u00f6glichen Popschnulzenh\u00f6hepunkt. <strong>Collins Jr.<\/strong> verlie\u00df seinen Platz und setzte sich neben seinen Vater an das Klavier. Gemeinsam und ohne weitere musikalische Unterst\u00fctzung spielten sie \u201eYou know what I mean\u201c. Das war f\u00fcrchterlich, aber es muss wohl so sein. Nach dem Song k\u00fcsste der Junior dem Senior zum Abschluss auf den Kopf. Auch das mu\u00df in solch&#8216; einem Moment wohl so sein.<br \/>\nMit langem Intro, das immer wieder diese Schlagzeugsequenz aus \u201eIn the air tonight\u201c wiederholt, begann dann der Hitteil des Konzertes. Ich stand immer noch, langweilig fand ich das bisher alles nicht. \u201eIn the air tonight\u201c (das Schlagzeug hallt und donnert gewaltig durch den Raum), \u201eYou can\u2019t hurry love\u201c (da fiel mir wieder ein, dass <strong>Phil Collins<\/strong> ja auch als Schauspieler in den Endachtzigern omnipr\u00e4sent war), \u201eEasy lover\u201c (das man auch m\u00fchelos auf 10 Minuten zugrunde refrainen kann) und \u201eSussido\u201c (Luftschlangen fehlten tats\u00e4chlich an diesem Abend noch, hier kamen sie) bildeten das gro\u00dfe Finale des Abends. Wow! Das war richtig gut.<\/p>\n<p>Aber auch genug. Meine Idee, <strong>Phil Collins<\/strong> auch mal live sehen zu wollen, ist voll und ganz aufgegangen. Ich verlie\u00df die Arena mit einem guten Gef\u00fchl . Ja, der Abend hat Spa\u00df gemacht, auch wenn er die schlimmen 1980er Radiopoperinnerungen damit nat\u00fcrlich nicht ausmerzt. Aber f\u00fcr gut zweimal 45 Minuten war dieser Backflash nicht nur aushaltbar, er war auch sch\u00f6n. Dass der Abend ein paar L\u00e4ngen hatte, geschenkt. Das kommt in den besten Konzerten vor.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2006 kam der Film Miami Vice in die Kinos. Ich sah ihn, wenn ich richtig erinnere, in einem der Multiplexkinos der Stadt. In einem Moment, in dem Crockett und Tubbs gerade mit ihrem Auto durch das n\u00e4chtliche Miami fahren, sch\u00f6n gefilmt mit einer freien, mitfahrenden Kamera, taucht \u201eIn the air tonight\u201c erst leise, dann immer deutlicher als Soundtrack der Szenerie auf. In diesem Moment entdeckte ich die Sch\u00f6nheit dieses Songs. Jahre zuvor war ich eher genervt von Phil Collins und oder Genesis. 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