{"id":8285,"date":"2017-05-08T19:31:16","date_gmt":"2017-05-08T17:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8285"},"modified":"2017-05-08T19:42:59","modified_gmt":"2017-05-08T17:42:59","slug":"xiu-xiu-koeln-06-05-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/xiu-xiu-koeln-06-05-2017\/","title":{"rendered":"Xiu Xiu &#8211; K\u00f6ln, 06.05.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Gew\u00f6lbe, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Magic Island<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8287\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1150\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2-1012x568.jpg 1012w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Es ist die skurrile Szene des Abends: Stell\u2018 dir vor, du bist S\u00e4ngerin und spielst gerade ein Konzert. F\u00fcr einen Song gehst du in den Zuschauerraum, um ihn dort zu performen. Da stehst du nun und siehst, wie die Frau neben dir \u2013 die sicherlich auch Eintritt bezahlt hat, also grunds\u00e4tzlich Musik mag und somit kulturell interessiert sein mu\u00df \u2013 dir den R\u00fccken zuwendet und mit den Armen wild gestikulierend ihrer Freundin von einem Jahre zur\u00fcckliegenden <strong>Skunk Anansie<\/strong> Konzert erz\u00e4hlt, dass es alle umstehenden locker mith\u00f6ren k\u00f6nnen. Dich, die K\u00fcnstler*in, ignoriert sie dabei v\u00f6llig und das v\u00f6llig bewusst. Was machst du dann? H\u00f6rst du zu, weil dich der Konzertbericht auch interessiert? Stellst du eine schlaue Frage? Machst du eine abf\u00e4llige Bemerkung dar\u00fcber, wie man ausgerechnet zu einem <strong>Skunk Anansie<\/strong> Konzert gehen kann? Oder singst du einfach weiter und ignorierst diese unh\u00f6fliche Person weitestgehend?<\/p>\n<p>Die kanadische S\u00e4ngerin <strong>Emma Czerny<\/strong> sang einfach weiter, und lie\u00df sich von Mittvierzigerin und ihrer \u00e4lteren Freundin nicht sonderlich beeindrucken. Ein kleiner Taps auf die Schulter w\u00e4re allerdings auch eine lohnende Aktion gewesen. Mich st\u00f6rte das Geplapper der beiden nicht mehr wirklich. Ich fand es nur noch unh\u00f6flich und extrem arrogant. Denn seit Konzertbeginn von <strong>Magic Island<\/strong> konnte die Frau nicht anders, als hochgradig selbstverliebt Terminplanungen und Anderes in h\u00f6rbarer Lautst\u00e4rke (klar, wenn die Musik laut ist, muss man lauter reden!) mitzuteilen und allen anderen in den Songpausen zu verstehen zu geben, dass man das, was auf der B\u00fchne passiert, absolut nicht mag.<br \/>\nAber diese k\u00f6rperlich demonstrative Ignoranz der K\u00fcnstlerin gegen\u00fcber war die Speerspitze der Respektlosigkeit, die ich so noch nie erlebt hatte und die ich von Menschen dieses Alters eigentlich nicht erwarten w\u00fcrde. Wenn ich die Vorband nicht h\u00f6ren mag, gehe ich halt raus. Manchmal ist es doch ganz einfach! Schade, dass diese einfache M\u00f6glichkeit nicht von allen erkannt und genutzt wird. Doppelt schade ist, dass man dann in ein Teenagergehabe verf\u00e4llt, das vollkommen fehl am Platz war. Act you age, kann ich da nur sagen. Und den Kopf sch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Der Lo-Fi Dream Pop von <strong>Magic Island<\/strong> war toll. Zeitweise erinnerte er mich an K\u00fcnstlerinnen wie <strong>Annika<\/strong> oder <strong>Tellavision<\/strong>. Als ich mir mittags ein paar Videos der K\u00fcnstlerin ansah, bef\u00fcrchtete ich noch ein enorm anstrengendes Vorprogramm. Die Songs wirkten auf mich sehr bem\u00fcht und abstrakt komponiert. Live war das dann Gott sei Dank anders. Das Set war nat\u00fcrlich immer noch technolastig, aber viel leichtf\u00fc\u00dfiger, als es die Videos andeuteten. Nach ein paar technischen Schwierigkeiten mit den Monitorboxen legte <strong>Emma Czerny<\/strong> ein kurzweiliges Programm vor, in dem sie im Halbplayback &#8211; die Band und Sounds kam aus dem Apple-Computer &#8211; ihre Songs sang.<br \/>\nEinen triftigen Grund, den Auftritt abf\u00e4llig zu ignorieren, sah ich nicht.<\/p>\n<p>Als <strong>Xiu Xiu<\/strong> die B\u00fchne betreten, wird es voll im Gew\u00f6lbe. Mehr Licht forderte gleich zu Beginn <strong>Jamie Stewart<\/strong>, und er schien von irgendetwas bereits leicht genervt zu sein. Dies sei bereits seine dritte Bitte um mehr Licht, und nicht die letzte. Er wurde erh\u00f6rt und das blaue B\u00fchnenlicht etwas verst\u00e4rkt.<br \/>\nNa dann konnte es ja losgehen. Aber mit was eigentlich? Indiekrach? Noise? Prog-Indie? Bands und Musiker wollen in Schubladen gesteckt werden, damit wir auch ungeh\u00f6rt eine Ahnung davon bekommen, welche Musik der jeweilige K\u00fcnstler spielt. Sagt jemand \u2018Radiomusik\u2018, wei\u00df ich, was gemeint ist; sagt jemand \u2018shoegaze\u2018, wei\u00df ich auch, was mich erwartet. Bei <strong>Xiu Xiu<\/strong> ist das nicht ganz so einfach, die Band in irgendeine Schublade zu packen. Nicht, dass das notwendig w\u00e4re, aber es macht es halt leichter, um zum Beispiel meinem Nachbarn zu erl\u00e4utern, wo ich hingehe und wen ich sehe. Sage ich dann nur <strong>Xiu Xiu<\/strong>, w\u00fcrde ich Fragezeichen ernten.<\/p>\n<p>Im Internet finde ich Angaben wie<\/p>\n<blockquote><p>\u201c&#8230;he compared Stewart&#8217;s voice to a combination of <strong>Robert Smith&#8217;s<\/strong> fragility and <em>The Downward Spiral<\/em>-era <strong>Trent Reznor&#8217;s <\/strong>anger, \u2026\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>oder<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;&#8230;it will be a mean, tight hearted, blackness of <strong>Neubauten<\/strong> vs <strong>Suicide<\/strong> vs <strong>Nico<\/strong>.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt ein wenig willk\u00fcrlich, nach <strong>Suicide<\/strong> klingen ja irgendwie alle Bands. Tats\u00e4chlich empfinde ich <strong>Xiu Xiu<\/strong> als ein l\u00e4rmendes Duo, das in vielen Genres wildert. Inklusive im Genre der l\u00e4ssiger Gitarrennummern. Ein Umstand, den man mit <strong>Suicide<\/strong> oder den <strong>Nine inch nails<\/strong> nicht unbedingt verbindet. \u201eGet up\u201c hei\u00dft die Nummer und sie ist auf dem aktuellen Album <em>Forget<\/em>, das ich \u00fcbrigens, nachdem ich es gestern ein paar Mal geh\u00f6rt habe, hervorragend finde. \u00a0\u201eGet up\u201c hat diesen tollen Basslauf und zum Ende hin diese kleine Steigerung, die aber nicht in einer totalen &#8218;ich verliere komplett die Beherrschung&#8216;- Krachorgie endet, sondern lieber Popsong bleibt. Wundersch\u00f6n!<\/p>\n<p>Musikalisch die Beherrschung verliert <strong>Jamie Stewart<\/strong> live dagegen h\u00e4ufiger. W\u00e4hrend seine Partnerin <strong>Shayna Dunkelman<\/strong> mitunter stoisch hinter dem Keyboard steht, Kick boxt <strong>Jamie Stewart<\/strong> das Becken, dass in Kopfh\u00f6he am B\u00fchnenrand steht oder wirft in Ekstase den Drumstick nur knapp an der ersten Publikumsreihen vorbei gegen die Wand (dies aber nicht, um nachher entschuldigend die Hand zu heben), schmei\u00dft sich auf den Boden, schreit, trommelt und ist nach drei Liedern bereits nassgeschwitzt.<strong> Shayna Dunkelman <\/strong>kommt immer dann in Regung, wenn sie sich hinter ihr Schlagzeug stellt und wie wild auf Trommeln und Becken drischt. Das kann sie n\u00e4mlich auch und steht hier ihrem Kollegen in nichts nach.<br \/>\nDas Konzert ist &#8211; analog zum Bewegungsdrang von <strong>Shayna Dunkelman<\/strong> &#8211; zweigeteilt. Es ist laut und wild, wenn sie hinter dem Schlagzeug steht, es ist ruhiger und zahm, wenn sie andere Percussioninstrumente oder die Elektronik bedient. Der Abend lebt von diesen beiden Gegens\u00e4tzen: Nach \u201eWondering\u201c, einer eher ruhigen Popnummer folgt \u201eI luv abortin\u201c, ein industrial-artiger Stampfer, der kurz Gedanken an <strong>Atari Teenage Riot<\/strong> aufkommen l\u00e4sst. Und weil das nicht schon Kontrast genug ist, streuen sie dazwischen immer mal wieder verkl\u00e4rte Gitarrenmomente wie in \u201eGet up\u201c. So wurde es ein sch\u00f6nes, weil musikalisches sehr abwechslungsreiches Konzert.<\/p>\n<p>Noch ein abschlie\u00dfendes Wort zum wirklich leicht merkw\u00fcrdigen Publikum an diesem Abend. \u201cI luv the Valley OH!\u201d wurde sehr penetrant in abstrusen Zwischenrufen von irgendwem gew\u00fcnscht. Hinter mir munkelte man, es l\u00e4ge an den falschen Drogen am Nachmittag. Diesen Wunsch haben <strong>Xiu Xiu<\/strong> nicht erf\u00fcllt und ich fragte mich den ganzen Heimweg , ob der Rufer die sch\u00f6ne <strong>Shearwater<\/strong> Version des Songs kennt. Die m\u00f6chte ich ihm ans Herz legen.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p><strong>Video:<\/strong><\/p>\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/cHjuDDqS6JQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist die skurrile Szene das Abends: Stell\u2018 dir vor, du bist S\u00e4ngerin und spielst gerade ein Konzert. F\u00fcr einen Song gehst du in den Zuschauerraum, um ihn dort zu performen. Da stehst du nun und siehst, wie die Frau neben dir \u2013 die sicherlich auch Eintritt bezahlt hat, also grunds\u00e4tzlich Musik mag und somit kulturell interessiert sein mu\u00df \u2013 dir den R\u00fccken zuwendet und wild gestikulierend ihrer Freundin von einem Jahre zur\u00fcckliegenden Skunk Anansie Konzert erz\u00e4hlt, dass es alle umstehenden locker mith\u00f6ren k\u00f6nnen. 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