{"id":8277,"date":"2017-04-28T18:08:39","date_gmt":"2017-04-28T16:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8277"},"modified":"2024-05-03T19:06:59","modified_gmt":"2024-05-03T17:06:59","slug":"the-jesus-and-mary-chain-koeln-25-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-jesus-and-mary-chain-koeln-25-04-2017\/","title":{"rendered":"The Jesus and Mary Chain &#8211; K\u00f6ln, 25.04.2017"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Live Music Hall, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Laura Carbone<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1151\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-2.jpg\" alt=\"The Jesus and Mary Chain,K\u00f6ln,2022,Laura Carbone,Konzertbericht\" class=\"wp-image-8279\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-2-1011x568.jpg 1011w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Band <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> hat mich nie sonderlich ber\u00fchrt. Das gebe ich offen und unumwunden zu, finde es aber, je l\u00e4nger ich an diesem Tag dar\u00fcber nachdenke, umso merkw\u00fcrdiger. Es \u00fcberrascht mich deswegen, weil <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> all das vereinigen, was mich seit meinen 20er Jahren in der Musik und an Bands fasziniert: Gitarren, L\u00e4rm, Hoffnungslosigkeit. Gerade Ende der 1980er Jahre, als ich viel <strong>House of love<\/strong>, <strong>The Sundays<\/strong>, <strong>Kitchen of distinction<\/strong> oder <strong>My bloody valentine<\/strong> h\u00f6rte, h\u00e4tten sie perfekt in meine Lebenssoundtrackplaylist gepasst. Doch h\u00e4tte, h\u00e4tte Fahrradkette. <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> fand nicht statt. Nicht so richtig zumindest. Also nicht in dem w\u00fcrdevollen Ma\u00df, das sie verdient h\u00e4tten. Nat\u00fcrlich kannte ich \u201eHead on\u201c (und das nicht erst seit <em>Trompe le Monde<\/em> und den <strong>Pixies<\/strong>), \u201eBlues from a gun\u201c, \u201eApril skies\u201c, \u201eJust like honey\u201c oder \u201eSome Candy talking\u201c, aber die wichtigen Alben <em>Psychocandy<\/em>, <em>Darklands<\/em> und <em>Automatic<\/em> kaufte ich erst sehr viel sp\u00e4ter, als mich die Hoffnungslosigkeit von <strong>Lost in Translation<\/strong> so stark beeindruckte, dass ich die Musik aus und um den Film einfach in h\u00f6heren Dosen brauchte und mir ein Angebot einer Triple Sonderedition passenderweise in die Karten spielte. Um dann endg\u00fcltig ein gro\u00dfer Fan der Schotten zu werden, dazu war die Zeit jedoch zu weit fortgeschritten, ich aus der jugendlichen Wandel- und Zweifelphase heraus und beileibe noch nicht in einer erwachsenen <strong>Bill Murray<\/strong>\u2019esken Sinnkrise angekommen. Und \u00fcberhaupt: die Band war Anfang der 2000er Jahre null existent. Immerhin nahm ich <strong>JAMC <\/strong>nun wahr und wusste ihr Werk zu sch\u00e4tzen. Aus der beobachtenden Distanz und mit dem Zeitverzug von mehreren Jahrzehnten.<\/p>\n\n\n\n<p>So war ich folgerichtig nur wenig Feuer und Flamme, als <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> nach einem neuen Album auch eine Europatour ank\u00fcndigten. Als viele ob der Gelegenheit, die Band endlich (mal wieder) live zu sehen, vollkommen ekstatisch reagierten, blieb ich k\u00fchl. Mhh, mmh, 40 Euro, m\u00f6chte ich das Geld ausgeben f\u00fcr dieses Konzert? Eine Frage, die ich mir nicht oft stelle. Hier poppte sie in den Tagen vor dem Konzert mehrmals in meinem Kopf auf und machte mir Angst. Wieso diese rigorose Haltung, so schlimm waren <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> vor Jahren auf dem Primavera doch nun auch nicht. Ganz im Gegenteil. Und \u201eJust like honey\u201c mit <strong>Bilinda Butcher<\/strong>, das war doch famos! Wie konnte ich da ein scheinbar finales Urteil a la \u2018ich m\u00f6chte die eigentlich nicht sehen wollen\u2018 f\u00e4llen. Aber logisch, je n\u00e4her der Konzerttag kam, desto mehr \u00e4nderte sich meine Sichtweise. Im Laufe des Tages entschied ich mich dann, ein Ticket zu kaufen. Die Neugierde siegte, oder war es nur die Langeweile und eine konzertiale Sehnsucht, die am Wochenende davor kurzfristig unerf\u00fcllt blieb. Nein, es war schon Neugierde und schliesslich auch eine geh\u00f6rige Portion Vorfreude.<br>JESUS steht in gro\u00dfen Lettern auf den beiden Orange-Boxen, an denen ganz ruhig <strong>William Reids<\/strong> Gitarre lehnt. <strong>William<\/strong> ist einer der beiden <strong>Reid<\/strong> Br\u00fcder, die irgendwann in den 1980er Jahren <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> gegr\u00fcndet haben. Sein Bruder <strong>Jim<\/strong> ist der S\u00e4nger der Band. <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> steht nochmal auf der Trommel des Schlagzeuges, soll doch keiner fragen, welche Band gleich auf der B\u00fchne steht. Ein drittes JESUS Banner h\u00e4ngt links neben dem Schlagzeug. W\u00e4hrend der Umbaupause bot sich die beste und einzige Gelegenheit, den B\u00fchnenaufbau anzuschauen; w\u00e4hrend des Konzertes sollte das nicht mehr m\u00f6glich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn erst ging das Licht aus (und gef\u00fchlt nicht mehr wieder an) und dann kam der Nebel. Viel Nebel. Fast bis gegen Ende des ersten Konzertblocks nach 60 Minuten war die B\u00fchne eine solche Waschk\u00fcche, dass ich nicht h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, wie viele Musiker gerade am Arbeiten sind. Hinzu kam ein dunkles, indirektes Licht, das in seinen Blau- oder Rott\u00f6nen kaum bis zum B\u00fchnenboden vordrang und mehr den Nebel in einen diffusen Farbmantel h\u00fcllte, als tats\u00e4chlich Licht spendete. \u2018Wie ein Bild von Gerhard Richter\u2018 kam es mir in den Sinn. Das Konzert sieht aus, wie eines dieser verschwommenen Richter Meisterwerke. Und es f\u00fchlte sich auch verschwommen an. Die verzerrten Gitarren passten perfekt zu dem diffusen Licht, und der Nebel perfekt zu den verzerrten Gitarren. In seiner Undurchsichtigkeit passte alles zusammen, und das Konzert entwickelte sich zu einem klanglichen und visuellen Traum, in dem die mir gewohnte Ungem\u00fctlichkeit der Live Music Hall nicht existent wurde.<br>Nebenbei bemerkt war es gut, die Songs zu h\u00f6ren, die ich l\u00e4nger nicht mehr geh\u00f6rt hatte, aber immer noch kannte: \u201eHead on\u201c, \u201eJust like honey\u201c, \u201eCandy talking\u201c. Die Sch\u00f6nheit des Konzertes war davon aber nicht abh\u00e4ngig; selbst wenn <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> nur das neue Album gespielt h\u00e4tte, w\u00e4re es wunderbar gewesen. Oft sage ich das \u00fcber ein Konzert!<br>Es verloren sich ein oder zwei \u2018a couple of new songs\u2018 Augenblicke im Set, der gro\u00dfe Teil war jedoch den alten Gassenhauer vorbehalten und somit f\u00fcr viele die Zeit der Jugenderinnerungen. Denn nat\u00fcrlich ist das Publikum mit der Band gealtert.<\/p>\n\n\n\n<p>Falsch machen <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> an diesem Abend nichts. Sie geben der Meute, was sie h\u00f6ren m\u00f6chte und die Meute freut sich dar\u00fcber wie kleine Kinder. An der Vorband hatte sie jedoch weniger Interesse. Kaum halb voll war der Saal, als <strong>Laura Carbone <\/strong>die B\u00fchne betraten. Im Verlaufe des Abends hatte zumindest die S\u00e4ngerin noch zweimal das Vergn\u00fcgen, eine aufmerksamere Besucherschar vor Augen zu haben. Zu einem neuen St\u00fcck und dem <strong>The Jesus and Mary Chain<\/strong> Klassiker \u201cJust like honey\u201c brauchte es eine weibliche Gesangsstimme, und zwangsl\u00e4ufig fiel die Wahl die S\u00e4ngerin von <strong>Laura Carbone<\/strong>. Wer geh\u00e4ssig ist k\u00f6nnte sagen, ihr wichtigster Job an diesem Abend. Damit t\u00e4te man ihr und den anderen Musikern aber geh\u00f6rig unrecht. Nach eigener Aussage habe die Band eine wunderbare Woche verbracht, was ich ihnen sehr g\u00f6nne. Denn an diesem Abend fand ihre Musik kaum eine Beachtung. Das ist schade, denn manchmal erinnerten mich <strong>Laura Carbone<\/strong> an <strong>Mazzy Star <\/strong>und passten so thematisch gut zu den Schotten. Aber hey, gerade bei solchen Konzerten (alte Band, die lange nicht auf Tour war) haben es Vorbands nicht leicht. Das musste ich schon oft beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-24-05-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Jesus and Mary Chain \u2013 Primavera Sound Festival, Barcelona, 24.05.2013<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Band The Jesus and Mary Chain hat mich nie sonderlich ber\u00fchrt. Das gebe ich offen und unumwunden zu, finde es aber, je l\u00e4nger ich an diesem Tag dar\u00fcber nachdenke, umso merkw\u00fcrdiger. Es \u00fcberrascht mich deswegen, weil The Jesus and Mary Chain all das vereinigen, was mich seit meinen 20er Jahren in der Musik und an Bands fasziniert: Gitarren, L\u00e4rm, Hoffnungslosigkeit. Gerade Ende der 1980er Jahre, als ich viel House of love, The Sundays, Kitchen of distinction oder My bloody valentine h\u00f6rte, h\u00e4tten sie perfekt in meine Lebenssoundtrackplaylist gepasst. 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