{"id":8232,"date":"2017-04-04T16:23:01","date_gmt":"2017-04-04T14:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8232"},"modified":"2017-04-04T16:23:01","modified_gmt":"2017-04-04T14:23:01","slug":"sting-esch-alzette-01-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/sting-esch-alzette-01-04-2017\/","title":{"rendered":"Sting &#8211; Esch-Alzette, 01.04.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Rockhal, Esch-Alzette<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Joe Sumner, The last Bandoleros<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8233\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Dieser Konzertbesuch ist kein Aprilscherz. Auch wenn man diesen Eindruck bekommen k\u00f6nnte, wenn man, als unbeteiligter Beobachter, meine Konzertlisten Jahr f\u00fcr Jahr durchscrollt. Ein &#8211; ich m\u00f6chte es mal so nennen &#8211; ausgewiesenes Erwachsenen-Popkonzert liegt nicht unbedingt in meinem musikalischen Lieblingsspektrum. Aber wer akribischer meine Listen durchscrollt, wird auch diese hier gesehen haben: <strong>Madonna<\/strong>, <strong>Jay-Z<\/strong>, <strong>Christina St\u00fcrmer<\/strong>, <strong>Herbstrock<\/strong>.<br \/>\n&#8218;Eigentlich m\u00fcsste man sich einmal im Jahr ein Quatschkonzert anschauen.&#8216; Vor einigen Jahren, als wir uns oft auf Konzerten trafen, die Umbaupausen und Autofahrten lang waren, da kamen wir ins rumspinnen. Quatschkonzert, so nannten wir es, weil ein solches m\u00f6gliches Konzert so weit von unserem eigentlichen Musikgeschmack entfernt ist, dass wir normalerweise nie auf die Idee k\u00e4men, es zu besuchen. So richtig haben dann auch diese Spinnerei nicht in die Tat umgesetzt. Bestimmt, weil uns das Geld schlussendlich daf\u00fcr zu schade war. Doch diese Spinnerei brachte mich auf Gedanken. K\u00f6nnte es nicht durchaus interessant sein, Konzerte von, ich sage mal, <strong>Christina St\u00fcrmer<\/strong>, <strong>Herbstrock<\/strong> oder <strong>Jay-Z<\/strong> zu besuchen. Aber nicht unter dem Titel \u2018Quatschkonzert\u2018, sondern aus aufrichtiger und ehrlicher Neugierde. Geld ausgeben wollte ich nat\u00fcrlich immer noch nicht oder nur sehr ungern. Was also tun? Nun, Auftragsarbeiten mache ich nur sehr ungerne, dieses &#8218;G\u00e4stelistenplatz f\u00fcr Konzertbericht&#8216; liegt mir nicht so. Aber hier machte ich eine Ausnahme. Denn wie gesagt, ich war neugierig, wollte aber nachwievor kein Geld ausgeben. Und so nahm ich Anfragen zu den Konzerten von <strong>Christina St\u00fcrmer<\/strong> und <strong>Herbstrock<\/strong> an und schreib im Gegenzug einen Konzertbericht. Bei <strong>Jay-Z<\/strong> oder <strong>Madonna<\/strong> war das Eigeninteresse gro\u00df genug, selbst Geld f\u00fcr ein Ticket in die Hand zu nehmen. Das waren nie Quatschkonzerte im urspr\u00fcnglich erdachten Sinn. Und auf diese Art kam es in den letzten Jahren irgendwie zustande, dass ich nahezu jedes Jahr ein Konzert abseits meiner bevorzugten Musikvorliebe besuchte. Was mich zu diesem <strong>Sting<\/strong> Konzert bringt.<br \/>\nSeit einer Woche gab es wieder ein paar Restkarten f\u00fcr das seit langem ausverkaufte Konzert in der Luxemburger Rockhal. Sting, mhh, der ist doch noch weiter weg als <strong>Madonna<\/strong> oder <strong>Jay-Z<\/strong>. Nachdem sich mein erstes Kopfsch\u00fctteln \u00fcber diesen Konzertbesuchsvorschlag gelegt hatte, beschlich mich eine bestimmte Neugierde. Warum eigentlich nicht, in der Indiedisco tanze ich schlie\u00dflich sehr gerne zu \u201eSo lonely\u201c oder \u201eRoxanne\u201c. Aber wer tat das nicht.<\/p>\n<p>Also <strong>Sting<\/strong>. Am 1. April und das ist kein Aprilscherz.<br \/>\nNachmittags dominieren Familien und Studenten das Belval. Hier, nahe der franz\u00f6sischen Grenze abseits von Luxemburg-Stadt, liegt das ehemalige Fabrikgel\u00e4nde, das nach und nach zu einem Wohn-, Arbeit- und Freizeitareal umgestaltet wird. Im Einkaufszentrum neben der Rockhal findet ein Gaming Wettbewerb statt, die Universit\u00e4t Luxemburg, die in Esch-Alzette angesiedelt hat, scheint einen Infotag durchzuf\u00fchren. Vieles ist noch im Bau, aber ein Grundbetrieb scheint bereits zu laufen. Hinter jeder Ecke lauert eine neue, andere Entdeckung. Es macht Spa\u00df, sich in diesem Viertel, das so abseits liegt und in sich geschlossen wirkt, die F\u00fc\u00dfe zu vertreten.<br \/>\nAm sp\u00e4ten Nachmittag machen sich die erste Konzertvorboten bemerkbar. Mobile Grillstationen werden auf dem Platz vor der Rockhal positioniert, ein Wagen mit Weinverkostung steht dort schon ein paar Minuten l\u00e4nger. Kann ich hier Wein vom <strong>Sting<\/strong>\u2019schen Weingut kosten? Sicherlich, aber ich m\u00f6chte das nicht. Genauso wenig m\u00f6chte ich eines der Fleischbr\u00f6tchen, die eifrigen Absatz finden. Es ist schon ordentlich was los, eine Stunde vor Einlass. Die meisten der hier Wartenden haben sicherlich letztes Wochenende angegrillt und so nimmt man die zweite Grillwurst des Jahres dankend entgegen. Ich nehme mir noch Zeit f\u00fcr einen Kaffee in einem der vielen kleinen L\u00e4den im Belval. Endvierzig, Anfang F\u00fcnfzigj\u00e4hrige sind eindeutig in der Mehrheit; Menschen, die in den 1980er Jahren die letzten Atemz\u00fcge von <strong>The Police<\/strong> mitgemacht haben und sp\u00e4ter den Solosachen <strong>Stings<\/strong> als logische Fortsetzung gelauscht haben. \u201eSo lonely\u201c, \u201eMessage in a bottle\u201c, \u201eRoxanne\u201c, oder \u201eWalking on a moon\u201c und \u201eEnglishmen in New York\u201c, wer kennt diese Welthits nicht. Ich kenne sie nat\u00fcrlich auch und ich war gespannt, wie sie im hier und jetzt auf mich wirken. Dennoch war ich nach vier Songs des Konzertes \u00fcberrascht \u00fcber mich selbst. Die gro\u00dfen Hits waren da noch nicht am Start, aber verbl\u00fcffend stellte ich fest, dass ich a) bisher 75% der Songs kenne und b) mich tats\u00e4chlich an Textfragmente erinnern kann. Ich muss damals ein sehr aufmerksamer wdr2 Passivh\u00f6rer gewesen sein. Dieses \u201eSpirits in a material world\u201c war mir erstaunlich pr\u00e4sent. Be\u00e4ngstigend.<\/p>\n<p>Bevor <strong>Sting<\/strong> mit seinem Konzert begann, war er schon zweimal auf der B\u00fchne. Ganz zu Beginn spielte er mit einem gewissen <strong>Joe Sumner<\/strong> den ersten Song des Abends. Wie der Vater so der Sohn. Musikalisch liegen zwischen den beiden keine Welten, wie ich nachher in den drei, vier weiteren Solosachen von <strong>Joe Sumner<\/strong> feststellen kann. Oder muss. Es ist f\u00fcr mich ein eher langweiliges Poprock Gemisch. Das wird nicht besser, als der Sohnemann nahtlos an die zweite Vorband des Abends, <strong>The last Bandoleros<\/strong>, \u00fcbergibt. Was kann ich von einer Band, die sich <strong>The last Bandoleros<\/strong> nennt, erwarten? S\u00fcdstaatenrock mit mexikanischen Einfluss. Bingo! Dieser TexMex war mir fast unertr\u00e4glich. Und er wild \u00fcber die B\u00fchne h\u00fcpfende Akkordeonspieler war dabei noch nicht einmal das schlimmste. Das waren diese Mariachikl\u00e4nge, kombiniert mit Bluesrock und schmalzigen Songtexten. Da die <strong>The last Bandoleros<\/strong> &#8211; genauso wie <strong>Joe Sumner<\/strong> &#8211; auch den Hintergrundgesang beim Sting Konzert abgaben, tauchte der Quetschkomodenspieler auch hier und da nochmal auf, und ich fragte mich mehr als einmal, ob sein Akkordeon \u00fcberhaupt angeschlossen war.<br \/>\n<strong>Joe Sumner<\/strong> sang sp\u00e4ter im Duett mit Papa <strong>Sting<\/strong> noch \u201eAshes to ashes\u201c, was mich spontan fragen lie\u00df: wieso? Und: warum? Nicht unbedingt ein H\u00f6hepunkt des Abends. Der <strong>Bowie<\/strong> Song war neben \u201eAin\u2019t no sunshine\u201c, das in ein aus \u201eRoxanne\u201c und andere Sting Songs zusammengebasteltes Medley integriert wurde, das zweite Cover im Konzert. Medleys sind auch eine schlimme Sache, erst recht, wenn sie einen so tollen Song wie \u201eRoxanne\u201c ruinieren. So machten sie aus \u201eRoxanne\u201c einen 10 Minuten Song, der zum Abschluss des Konzertes viele nochmals ihre Handys z\u00fccken l\u00e4sst. Und gefilmt wurde viel. Mehr als bei anderen Konzerten, die ich besuche. Eine interessante Randnotiz, dachte ich doch, dass gerade \u00dc50-j\u00e4hrige eine andere Konzertherangehensweise haben. Haben sie aber scheinbar nicht.<\/p>\n<p>Okay, \u201eRoxanne\u201c haben sie also auch verdaddelt, dachte ich, nachdem ich schon zuvor bei \u201eSo lonely\u201c und \u201eEnglishman in New York\u201c diesen Eindruck gewinnen musste. Ersteres war mir arg zu seicht vorgetragen und bei \u201eEnglishman in New York\u201c fehlte mir diese jazzig-urbane Coolness, die ich von diesem Song kenne und die ich so sehr an ihm mag.<\/p>\n<p>Das Konzert ist hundertprozentig weichgesp\u00fclt. Guter Sound, bestes Licht, aber auch wenig Emotionen. Der Gitarrist der <strong>Sting<\/strong> Band scheint am wenigsten Bock zu haben. Er sieht aus wie <strong>Bob Geldof<\/strong> und es sieht aus, als h\u00e4tte er an diesem Abend wenig Lust auf Musik spielen. Mit gelangweiltem Blick verrichtet er seine Arbeit. Irgendwann wirft er sein Plektron in die erste Reihe, doch es landet vor dem Gitter. In der Folge entsteht ein merkw\u00fcrdig aussehendes Gespr\u00e4ch zwischen dem Gitarristen, dem Sicherheitsmann und einem erste Reihe Zuschauer. Dem Gitarristen schien es wichtig zu sein, dass sein Plektron an den Mann kommt. Doch den Sicherheitsmann und den Zuschauer schien das Plektron nicht sonderlich zu interessieren. Sie k\u00fcmmerten sich kaum darum, es auf dem Boden zu suchen, auch wenn der Gitarrist sehr oft und sehr dringend mit seiner Hand auf den Boden wies. Eine skurrile Situation. Das Konzert wirkt auf mich blutleer. Andererseits, die ausverkaufte Rockhal johlt und jubelt ohne Ende; es muss also an mir liegen und nicht an dem Konzert, dass ich keine Emotionen versp\u00fcre. Tja, scheinbar ber\u00fchren mich die alten Songs nicht mehr so sehr, wie sie das mal taten. Oder aber ich bin irritiert und abgeschreckt ob der ganzen Performance, die in meinen Augen nicht das ganze Potential aus diesen so wunderbaren Songs wie \u201eSo lonely\u201c oder \u201eMessage in a bottle\u201c herausholt.<\/p>\n<p>Nach guten 90 Minuten ist das Konzert vorbei. Vor der T\u00fcr gibt\u2019s Tourposter f\u00fcr 5 Euro, Grillfleisch ist ausverkauft. Ein irgendwie interessanter Abend ist vor\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Konzertbesuch ist kein Aprilscherz. Auch wenn man diesen Eindruck bekommen k\u00f6nnte, wenn man, als unbeteiligter Beobachter, meine Konzertlisten Jahr f\u00fcr Jahr durchscrollt. Ein &#8211; ich m\u00f6chte es mal so nennen &#8211; ausgewiesenes Erwachsenen-Popkonzert liegt nicht unbedingt in meinem musikalischen Lieblingsspektrum. 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