{"id":8189,"date":"2017-03-14T21:30:44","date_gmt":"2017-03-14T20:30:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8189"},"modified":"2023-03-19T18:03:42","modified_gmt":"2023-03-19T17:03:42","slug":"thurston-moore-paris-11-03-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/thurston-moore-paris-11-03-2017\/","title":{"rendered":"Thurston Moore &#8211; Paris, 11.03.2017"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> La Maroquinerie, Paris<br><strong>Vorband:<\/strong> Le volume courbe vs Grimm Grimm<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-1.jpg\" alt=\"Thurston Moore - Paris, 11.03.2017\" class=\"wp-image-8192\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-1-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Thurston Moore<\/strong>. Der Mann, der das Ende von <strong>Sonic Youth<\/strong> zu verantworten hat. Das zumindest ist meine Meinung, nachdem ich die ersten Seiten von <strong>Kim<\/strong> <strong>Gordon<\/strong>\u2019s Bioraphie \u00a0<em>Girl in a Band<\/em> gelesen hatte. Es sind tieftraurige erste Abschnitte, die die Ex-Frau des S\u00e4ngers dort auff\u00fchrt. <br><strong>Thurston Moore<\/strong>. Der Mann, der so wunderbar melodi\u00f6se Gitarrensongs spielen kann wie vielleicht kein zweiter. Seit Jahrzehnten macht er das. Erst exklusiv f\u00fcr, in und mit <strong>Sonic South<\/strong>, sp\u00e4ter auf mehreren Soloalben und aktuell mit der <strong>Thurston Moore Group<\/strong>. <br><strong>Thurston Moore<\/strong>. Der Mann, der an diesem Samstagabend ein kleines Konzert in der Pariser La Maroquinerie spielen sollte und mich damit zu einem Kurztrip nach Paris einlud.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einladung nahm ich selbstverst\u00e4ndlich an. Sch\u00f6nreden musste ich mir die Zugfahrt und den Stadtbesuch nicht; im Gegenteil, ich k\u00f6nnte 1000 Gr\u00fcnde und Argumente anf\u00fchren, um diesen Pariser Konzerttrip zu rechtfertigen. Das es famos werden sollte, stand dabei sowas von au\u00dfer Frage! In Frage stand bis zu Samstagmittag allerdings, in welcher Kombination er auf der B\u00fchne stehen wird (Solo oder mit Band) und wie laut das Konzert werden wird. (Laut meint verst\u00e4rkt akustisch oder mit Gitarren und Schlagzeug). Dass sich das Konzert nach einer letzten Intensivrecherche als solo und akustisch herausstellen sollte, erfreute mich noch ein bisschen mehr. In dieser Konstellation hatte ich <strong>Thurston Moore<\/strong> live noch nicht erlebt. Wie sch\u00f6n w\u00fcrde es werden, all die tollen Songs von <em>The best day <\/em>oder <em>Demolished Thoughts <\/em>live zu h\u00f6ren, einzig mit Akustikgitarre, einzig mit <strong>Thurston Moores<\/strong> Gesang.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Le volume courbe vs Grimm Grimm<\/strong> nennt sich das Duo, das eine gute Stunde lang die sich immer st\u00e4rker f\u00fcllende La Maroquinerie beschallte. Der mir bis dahin unbekannte Konzertsaal im Osten der Stadt machte einen guten ersten Eindruck. Es gibt von der B\u00fchne abgehend drei Ebenen, auf denen sich die Zuschauer verteilen k\u00f6nnen. Da die B\u00fchne nicht allzu hoch ist, ist so sichergestellt, dass man auch in den hinteren Reihen gute Sicht auf das Geschehen bekommt. Einzig die leicht muffig nach Turnhallenumkleidekabine riechende Luft war am Anfang etwas st\u00f6rend. Eine Umluftanlage scheint es nicht zu geben. Und falls doch, war sie nicht aktiviert. Da der Saal gef\u00fchlt mindestens halb unterirdisch liegt, ist anderweitiges L\u00fcften nicht m\u00f6glich. Im Hochsommer stelle ich es mir hier ekelig hei\u00df vor.<br><strong>Le volume courbe vs Grimm Grimm <\/strong>sind die beiden Musiker <strong>Charlotte Marionneau <\/strong>(<strong>La volume courbe<\/strong>) und<strong> Koichi Yamanoha<\/strong> (<strong>Grimm Grimm<\/strong>). Akustikgitarre und ein Keyboard waren die Instrumente, die sie mitbrachten. W\u00e4hrend der ersten Songs gab es Muse, sich umzusehen. Mein Blick schweifte umher und viel irgendwann auf die Setlist. 12, nein 14 Songs waren dort verzeichnet. Eine ordentliche Hausnummer f\u00fcr ein Vorprogramm und f\u00fcr meinen Geschmack damit drei Songs zu lang. Denn sonderlich viel konnte ich mit dem Dargebotenen bisher nicht anfangen. Ich habe keine Ahnung, welche Musik die beiden in ihren Bands sonst so spielen, ihr Auftritt hier schien mir jedoch ein besonderes und nicht allzu oft stattfindendes Arrangement zu sein. Drei Songs verdaddelten sie nach wenigen T\u00f6nen komplett und auch sonst erschienen mir die beiden leicht unsicher. Leider ging das Set ein bisschen an mir vorbei, das fr\u00fche Aufstehen, der Nachmittagsspaziergang und der Ausblick auf <strong>Thurston Moore<\/strong> lie\u00dfen mich in diesen Minuten unkonzentriert zur\u00fcck. Ihr Akustikpop war zwar sch\u00f6n anzuh\u00f6ren, aber mir f\u00fcr die Zeitspanne von ziemlich genau einer Stunde ein bisschen eint\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausverkauft war der Abend seit Anfang der Woche, also noch gar nicht so lange. Als ich im Januar zum ersten Mal von diesem Auftritt h\u00f6rte, war es sehr schwer, Informationen zu ergattern. Eigentlich gab es damals nur den Link zum Ticketkauf und eine kleine Randnotiz auf der La Maroquinerie Webseite. Erst sp\u00e4ter dann tauchte das Konzert auf der Facebookseite von <strong>Thurston Moore<\/strong> auf, zusammen mit weiteren Konzerten im Fr\u00fchjahr, die die <strong>Thurston Moore Group<\/strong> im diesen Jahres spielen wird. Das brachte die Frage auf, ob dieser, eigentlich zeitlich viel zu fr\u00fch um zur Tour dazu zu geh\u00f6rende Auftritt mit der Group stattfinden wird oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2018Ohhhh, yeahhhhh. Mr Moore!\u2018 Ein Raunen ging durch den Saal, als <strong>Thurston Moore<\/strong> nach vier, f\u00fcnf Songs erstmals zur elektrischen Gitarre griff und diese in seinen Verst\u00e4rker st\u00f6pselte. Es folgten 10 Minuten Feedback und andere obskur verzerrte Melodien, die mich an sein Konzert im King Georg erinnern lie\u00dfen. Soll ich es Noise nennen oder einfach nur melodischen Krach? Wie auch immer, es zeigte sich in diesen Minuten die andere Seite des <strong>Moore<\/strong>\u2019schen Repertoires: instrumental, feedbackig, laut. Wird das nur ein kurzer Ausflug heraus aus den ruhigen, im Sitzen vorgetragenen anderen Songs, oder l\u00e4uten diese Minuten die zweite Phase des Konzertes ein. Mir kam das Konzert von <strong>Chris Borkaw<\/strong> vor einigen Wochen in der D\u00fcsseldorfer Kassette in den Sinn, der sein Set durch den Wechsel von der Akustikgitarre hin zur elektrischen Gitarre zweiteilte. Ist das hier und heute auch der Fall? Der B\u00fchnenmitarbeiter schien dies zu denken. Eifrig baute er das Mikrofon um, l\u00f6ste die Feststellschrauben und arretierte den zweiten Arm des St\u00e4nders in Stehh\u00f6he neu ein. Doch am Ende des Songs stellte <strong>Thurston Moore<\/strong> die Elektrische zur\u00fcck an ihren Platz, griff zur Akustikgitarre und setzte sich wieder auf seinen Klappstuhl, um mit launiger Stimme anschlie\u00dfend festzustellen: \u2018What happened, the microphone is growing.\u2018 Dabei hob er seinen Kopf in Richtung Mikrophone und nuschelte etwas wie \u2018Let\u2019s do it just like Lemmy.\u2018<br>Aha, es bleibt also bei einem kurzen Ausflug in die E-Gitarrenwelt. Mir war das ganz recht, denn diese Feedback-Sachen habe ich schon geh\u00f6rt. Dann doch lieber die ruhige Nummer und ein paar Songs aus seinen Soloalben. \u201eTurn on\u201c, \u201eSpeak to the wild\u201c, und das tolle \u201eForevermore\u201d zum Beispiel. \u00a0Wow, gerade \u201eForevermore\u201d riss mich vom Hocker. Das war so gro\u00dfartig vorgetragen, sensationell!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eForevermore\u201c ist f\u00fcr mich ein typischer <strong>Thurston Moore<\/strong> Song. Wer sich fragt, was ein typischer <strong>Moore<\/strong> Song ist, dem m\u00f6chte ich es folgenderma\u00dfen erkl\u00e4ren. Ein typischer <strong>Moore<\/strong> Song geht so: Es beginnt mit ein bisschen Gitarrengezupfe, das irgendwie immer nach \u201eSunday\u201c klingt. Dann kommt der Teil, in dem die Melodie hinzukommt. Auch der klingt so unverwechselbar <strong>Moore<\/strong> typisch, dass daraus jeder, aber wirklich jeder von ihm geschriebene <strong>Sonic Youth<\/strong> Song oder eine seiner Solosachen rausbrechen k\u00f6nnte. Erst langsam entwickelt sich dann der eigentliche Song, der schlie\u00dflich mal mehr, mal weniger ausufernd in seinen Instrumentalteil f\u00e4llt, bis die Songmelodie zum Ende hin wieder zur\u00fcckgeholt wird.<br>Es ist famos, was der Mann alles aus einer Akustikgitarre pressen kann. Bei einem Song &#8211; ich glaube \u201eGrace Lake\u201c &#8211; loopte er zwei, drei Sequenzen, die danach immer und immer wieder \u00fcbereinandergeschichtet wurden und zusammen mit der realen Gitarrenspur dem Akustik-Gig mir bis dato v\u00f6llig unbekannte Qualit\u00e4ten verlieh. Ich meine, wer schafft es, alleiniges Geschrammel auf einer Akustikgitarre \u00fcber Minuten wie ein <strong>My bloody Valentine<\/strong> Song klingen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht wenige Songs kamen so auf eine Nettospielzeit von &nbsp;um die 10 Minuten. Langatmig wurden sie aber zu keiner Sekunde. Neben altbekannten St\u00fccken spielte er auch zwei, drei neue Sachen. Im Fr\u00fchjahr erscheint das n\u00e4chste (erste) Album der <strong>Thurston Moore Group<\/strong> <em>Rock\u2019n\u2018Roll Consciousness<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zugabe schob er \u201eMx Liberty\u201c nach. Dann war das Konzert zu Ende. Es hat gro\u00dfen Spa\u00df gemacht und ich \u00fcberlege dringend, ihn auf der kommenden Tour irgendwo zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welch\u2018 grandioser Musiker <strong>Thurston Moore<\/strong> doch ist!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Thurston Moore - Grace Lake acoustic Live @ La Maroquinerie - Paris 11 03 2017\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/-wkkpDvBAI0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/thurston-moore-koeln-16-11-2014\/\" data-type=\"post\" data-id=\"6414\">Thurston Moore &#8211; K\u00f6ln, 16.11.2014 \/ Geb\u00e4ude 9<\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\"><br>Thurston Moore &#8211; K\u00f6ln, 31.03.2014 \/ King Georg<br><\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4989\" target=\"_blank\">Chelsea Light Moving &#8211; Frankfurt, 03.07.2013 \/ Zoom<\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\"><br><\/a><a title=\"Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1142\">Sonic Youth &#8211; D\u00fcsseldorf, 24.04.2009 \/ 3001<\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\"><br><\/a><a title=\"Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=235\">Sonic Youth &#8211; K\u00f6ln, 26.06.2007 \/ E-Werk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thurston Moore. 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