{"id":8156,"date":"2017-03-03T19:59:45","date_gmt":"2017-03-03T18:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=8156"},"modified":"2017-03-03T20:11:01","modified_gmt":"2017-03-03T19:11:01","slug":"loyle-carner-koeln-02-03-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/loyle-carner-koeln-02-03-2017\/","title":{"rendered":"Loyle Carner &#8211; K\u00f6ln, 02.03.2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Club Bahnhof Ehrenfeld, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8157\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/IMG_9447.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/IMG_9447.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/IMG_9447-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/IMG_9447-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/p>\n<p>In England f\u00fcllt er sechsmal so gro\u00dfe Hallen, sehe ich auf YouTube. Ich rede von <strong>Loyle Carner<\/strong> und klicke mich durch ein paar seiner Livevideos. Vor ein paar Minuten hatte ich mich dazu entschlossen, sein Konzert im Club Bahnhof Ehrenfeld morgen zu besuchen. Die Stimmung in den Livevideos ist gut, es wird viel mitgerappt.<br \/>\n<strong>Loyle Carner<\/strong> ist der Mann der Stunde im britischen Hiphop. Die Lobeshymnen sind riesengross, die Kritiken \u00fcberschwenglich. Vorgestern stolperte ich zuf\u00e4llig \u00fcber den Namen <strong>Loyle Carner<\/strong>, gestern dann noch einmal etwas st\u00e4rker, so dass ich mich entschied, mir sein Konzert anzuschauen. Manchmal steh\u2018 ich auf Hiphop.<\/p>\n<p><strong>Loyle Carner<\/strong> ist ein Jungspund, stammt aus London und macht Hiphop. Sein Hiphop orientiert sich aber nicht an dem seiner britischen Kollegen <strong>Ghostpoet<\/strong> oder <strong>Mike Skinner<\/strong>, die mit ihrer Musik eine britische Ebene in dieses ureigene US-amerikanische Genre einf\u00fcgen und so wunderbar traurig sch\u00f6ne Songs schreiben. <strong>Loyle Carners<\/strong> Hiphop ist grooviger, hat mehr Jazz und R\u2019n\u2019B und klingt eing\u00e4ngiger. Starbucks-Hiphop. Und so wie die Kaffeehauskette ihren Ursprung in den USA hat, orientieren sich seine Flows (so sagt man doch, oder) an denen des amerikanischen Hiphop der 1990er Jahre, an <strong>Guru<\/strong>, <strong>De la Soul <\/strong>oder <strong>A Tribe called Quest<\/strong>. So h\u00f6re ich das zumindest heraus. Aber ich kenne Hiphop nur in Grundz\u00fcgen, daher k\u00f6nnen meine Spontanassoziationen v\u00f6llig falsch sein. Doch wenn wie bei \u201eAin\u2019t nothing change\u201c das Saxophon einsetzt oder in dem ein oder anderen Song eine knisternde Schallplatte gesampelt wird, denke ich unwillk\u00fcrlich und spontan an <em>Guru\u2019s Jazzmatazz.<\/em> Groovy, groovy, jazzy funky. Oh ja, ich war sehr angetan von seinem ersten Album <em>Yesterday\u2019s gone<\/em>, das ich gestern komplett durchh\u00f6rte, von den sehr sch\u00f6n anzuschauenden Videos und \u00fcberhaupt.<br \/>\nDas Album klingt verdammt entspannt und ruhig. Und genau das meine ich mit dem Begriff Starbucks-Hiphop. Er ist nicht ketzerisch gedacht oder negativ assoziiert. Ich mag Starbucks, das Konzept, die Kuchen, den \u00fcberteuerten Kaffee. Fr\u00fcher, also Anfang der 2000er Jahre habe ich oft dort rumgesessen und gelesen. Und <strong>Loyle Carner<\/strong> rappt auf seinem Album so zahm und zur\u00fcckhaltend, dass man dazu besser rumsitzen als rumh\u00fcpfen kann. Und wegen meiner auch Kaffee trinken und Zeitung lesen. Oh ja, das kann man dazu sehr gut.<\/p>\n<p>\u00dcber die Texte hinter der Musik vermag ich nichts zu sagen; ich habe beim durchh\u00f6ren der Platte nicht so genau hingeh\u00f6rt. In Albumreviews lese ich, dass er viel \u00fcber seine Familie und seine Kindheit und Teenagerzeit erz\u00e4hlt. Ob die jedoch gut oder schlecht war, ich wei\u00df es nicht. Ich konzentrierte mich auf die Musik, und die gefiel und gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p>\u00dcber den Tag hat sich der Club Bahnhof Ehrenfeld ausverkauft. Seine Berlin Show tags zuvor war das schon l\u00e4nger, wie ich beim Ticketkauf bemerkte.<br \/>\nDer CBE ist voll, die Luft roch nach einer Mischung aus Bier und Trockeneisnebel. Im Saal erklingen die letzten T\u00f6ne des Vorprogramms, bevor eine Handvoll szenetypischer Sounds vom Plattenteller gespielt werden. Das Set ist Teil der Show, es schlie\u00dft sich nahtlos an das Vorprogramm an und \u00fcberbr\u00fcckt die Zeit. Umbaupause kann ich diesen Zeitraum nicht nennen, denn es wird nichts umgebaut oder aufgebaut. Wo keine Band, da m\u00fcssen auch keine Instrumente hergerichtet, gecheckt und justiert werden.<br \/>\nDie B\u00fchnendeko steht bereits, und sie sieht heimelig aus. Rechts unter dem erh\u00f6hten DJ Pult stehen zwei halbhohe, nu\u00dffarbene Billy Regale &#8211; gef\u00fcllt mit Platten und B\u00fcchern -, links ein roter Lederohrensessel. Dazwischen aufgestellt sind ein paar Schirmlampen, die sanftes Licht streuen. Im Hintergrund ist in Schwarzwei\u00df ein Familienbild auf die B\u00fchnenleinwand projiziert. Nicht protzig gro\u00df, aber die <strong>Loyle Carner<\/strong> Familie ist gut zu erkennen.<br \/>\n<strong>Loyle Carner<\/strong> betritt diese Szenerie und es kommt mir so vor, als geh\u00f6re er in seinem wei\u00dfen T-Shirt wie selbstverst\u00e4ndlich hier hinein. Das Konzept der Show geht somit wunderbar auf. Das diffuse Licht der Schirmlampen, der sp\u00e4rliche Einsatz der B\u00fchnenscheinwerfer sorgen f\u00fcr eine heimelige, warme Atmosph\u00e4re. Der Ohrensessel l\u00e4dt zum Verweilen ein, genutzt wird er jedoch nur am Ende des Konzertes, als ein kurzer Film mit <strong>Loyle Carners<\/strong> Mutter \u00fcber den B\u00fchnenhintergrund flimmert. \u201eSun of Jean\u201c wird in diese Sequenz hineingesampelt.<br \/>\nDabei ist auch das gesamte Konzert zum im-Ohrensessel l\u00fcmmeln. Es ist ein Hiphop Konzert ohne lautstarke hey\u2019s und ho\u2019s und mit wenig Armeinsatz. Aggressive Beats gibt es nicht, Harmonie ist Trumpf. Es ist ein Konzert mit vielen sanften, kopfnickenden T\u00f6nen und weichen R\u2019n\u2019B -esken Beats. Die famili\u00e4re Wohnzimmeratmosph\u00e4re des Albums wird live stilvoll \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Noch ein Cover von <strong>A Tribe Called Quest<\/strong>, was perfekt passt, dann schlie\u00dft der Abend lautstark mit den beiden Hits \u201eNO CD\u201c und \u201eAin\u2019t nothing change\u201c. Es ist das erste Mal, dass lautst\u00e4rkere Stimmung w\u00e4hrend der Songs aufkommt. Der massive Applaus verteilte sich bis dahin nur auf die Songpausen, in denen regelm\u00e4\u00dfig unglaublicher Jubel \u00fcber <strong>Loyle Carner<\/strong> und <strong>Rebel Kleff<\/strong> (der Mann am DJ Pult) hereinbrach. Nicht nur in den Livevideos, auch im CBE war die Stimmung euphorisch.<\/p>\n<p>Nach einer guten Stunde ist das Konzert zu Ende. Es war ein sch\u00f6nes Konzert. Gem\u00fctlich schlendere ich aus dem CBE in Richtung Bahnhof. Es ist noch fr\u00fch, ein ein-Alben Konzert dauert ja nicht allzu lange.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In England f\u00fcllt er sechsmal so gro\u00dfe Hallen, sehe ich auf YouTube. Ich rede von Loyle Carner und klicke mich durch ein paar seiner Livevideos. Vor ein paar Minuten hatte ich mich dazu entschlossen, sein Konzert im Club Bahnhof Ehrenfeld morgen zu besuchen. Die Stimmung in den Livevideos ist gut, es wird viel mitgerappt. Loyle Carner ist der mann des Stunde des britischen Hiphop. Die Lobeshymnen sind riesengross, die Kritiken \u00fcberschwenglich. Vorgestern stolperte ich zuf\u00e4llig \u00fcber den Namen Loyle Carner, gestern dann noch einmal etwas st\u00e4rker, so dass ich mich entschied, mir sein Konzert anzuschauen. 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