{"id":7897,"date":"2017-02-06T09:58:35","date_gmt":"2017-02-06T08:58:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7897"},"modified":"2025-06-10T19:41:24","modified_gmt":"2025-06-10T17:41:24","slug":"the-flaming-lips-utrecht-28-01-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-flaming-lips-utrecht-28-01-2017\/","title":{"rendered":"The Flaming Lips &#8211; Utrecht, 28.01.2017"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> TivoliVredenburg, Utrecht<br><strong>Vorband:<\/strong> GEoRGiA<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1150\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7887\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/2-1012x568.jpg 1012w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Es gab keinerlei Anzeichen, dass das Konzert der <strong>Flaming Lips<\/strong> im Utrechter TivoliVredenburg ausverkauft sein wird. Nicht vor Wochen, nicht am letzten Montag, nicht am letzten Freitag. Warum also nicht am Samstag einen Ausflug in die Niederlande unternehmen? Ja, warum eigentlich nicht. Mehrere Gr\u00fcnde sprachen daf\u00fcr. In Utrecht ist es sch\u00f6n, die Tivoli Vredenburg ein imposantes Konzertgeb\u00e4ude. Das w\u00e4ren schon einmal zwei. Mein dritter Grund, bzw. die Notwendigkeit der Beantwortung einer Frage, ist aber der entscheidende Ausl\u00f6ser: Was macht ein Einhorn auf einer Konzertb\u00fchne und warum fliegt \u00fcberall so viel Konfetti herum? Anfang der Woche sah ich in meinem Facebook Newsfeed ein Foto vom Berliner <strong>Flaming Lips<\/strong> Konzert. Darauf abgebildet war <strong>Wayne Coyne<\/strong>, wie er auf einem Einhorn sitzend durch den Konzertsaal ritt. Das machte mich so unendlich neugierig, dass ich mir das \u2013 wenn m\u00f6glich \u2013 selbst anschauen wollte. Und die einzige M\u00f6glichkeit die <strong>Flaming Lips<\/strong> zu sehen bestand darin, nach Utrecht zu fahren. Also ging es nach Utrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anreise ist einfach und kurzweilig. Nach guten zwei Stunden geht es von der Autobahn hinunter und gradlinig Richtung Hauptbahnhof und einer Parkplatzm\u00f6glichkeit. Es folgt ein kleiner Fu\u00dfmarsch durch sch\u00f6ne Gassen, und Utrecht ist wirklich sch\u00f6n, bis es Zeit wird, dass Konzerthaus aufzusuchen. Konzerthaus klingt komisch, trifft es meiner Meinung nach aber am besten. Das TivoliVredenburg ist kein Klub oder eine schn\u00f6de Halle. Es ist ein Geb\u00e4ude, das mit seinen sieben Etagen komplett der Musik und Kultur geh\u00f6rt. So etwas kann es nur in den Niederlanden oder Belgien geben. Es ist das tollste Konzertgeb\u00e4ude, das ich kenne. Der Saal Ronda, in dem die <strong>Flaming Lips<\/strong> spielen sollten, ist der zweitgr\u00f6\u00dfte der f\u00fcnf oder sechs Konzertr\u00e4ume, die das Geb\u00e4ude beheimatet. In der zweiten Etage liegt der Saal mit den seitlichen Sitztrib\u00fcnen und der hinteren Balustrade. Soundtechnisch ist er famos; <strong>Wayne Coyne<\/strong> erz\u00e4hlte sp\u00e4ter, dass es sehr beeindruckend sei, in diesem Saal zu spielen. Beim Soundcheck wollte jeder der Musiker unbedingt den tollen Klang im hinteren Bereich des Saales h\u00f6ren und so mussten sie wieder und wieder soundchecken, so dass alle sechs Musiker ausreichend in den Genuss einer H\u00f6rprobe kamen.<br>Was f\u00fcr die Musiker gilt, gilt erst recht f\u00fcrs Publikum. Der Saal ist super, die B\u00fchne perfekt einsehbar, alles wirkt wohlsortiert und mit Bedacht geplant. Die Wartezeit kann man sich bequem auf einer der vielen Sitzgelegenheiten in den unterschiedlichen Etagen des Geb\u00e4udes vertreiben, oder einfach stundenlang Rolltreppe fahren. Rolltreppen gibt es in der Vredenburg mehr als Konzerts\u00e4le.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor der <strong>Flaming Lips<\/strong> Wahnsinn die B\u00fchne enterte, kommen zwei junge Frauen auf die B\u00fchne. <strong>Georgia<\/strong>, eine Band aus England, die sich wohl <strong>GEoRGiA<\/strong> schreibt, l\u00e4rmten ordentlich herum. <strong>GEoRGiA<\/strong> ist die Schlagzeugerin <strong>Georgia Barnes<\/strong>, live wird sie von der Keyboarderin <strong>Hinako Omori<\/strong> unterst\u00fctzt. Schlagzeug und Keyboards, mehr Instrumente brauchen die zwei nicht. Klang es noch zu Beginn wie <strong>Kate Tempest<\/strong> auf Speed, dr\u00fcckte im Lauf des Auftritts mehr und mehr das Keyboard in den Vordergrund. Musikalisch wechselte es oft zwischen Hiphop Beats, Synthesizergenudel und Dub Sounds hin und her. Manchmal ein bisschen so wie bei <strong>M.I.A.<\/strong>. Dabei waren die Songs nie zu anstrengend experimentell oder erschienen mir zu aufgekratzt. Nein, sie waren wohl ausbalanciert. Das war sicher dem Schlagzeug zu verdanken, denn es war dominanter als die Synthesizer und sorgte f\u00fcr so etwas wie eine innere Ruhe in den Songs. Da konnte <strong>Georgia Barnes<\/strong> auch noch so schreien bzw. singen. <strong>GEoRGiA<\/strong> lie\u00dfen eigentlich nur eine Frage offen: Warum musste das Becken so hoch installiert sein, dass <strong>Georgia Barnes<\/strong> es nur mit sehr ausgestreckten Armen anspielen konnte. Bequemer w\u00e4re doch sicherlich anders. <strong>GEoRGiA<\/strong>, eine gute Vorband. Eine interessante Band.<\/p>\n\n\n\n<p>An meine <strong>Flaming Lips<\/strong> Konzerte habe ich nur vage Erinnerungen. In den 1990er Jahren sah ich sie in der alten K\u00f6lner Kantine. Mehr wei\u00df ich zu diesem Konzert allerdings nicht mehr. Jahrzehnte sp\u00e4ter spielten sie auf dem Primavera, als ich auch auf dem Gel\u00e4nde war. Ihr Konzert sah ich nur auszugsweise oder nicht von Beginn an oder nur am Rande. Ich glaube, im Zeitplan lag es ung\u00fcnstig und ich sah konzentrierter etwas anderes. Ich erinnere mich nur noch an diesen riesigen Gummiball, in dem <strong>Wayne Coyne<\/strong> \u00fcber den K\u00f6pfen des Publikums vor der damaligen San Miguel B\u00fchne hinweg kugelte. Dass die Band live ein gro\u00dfes Spektakel veranstaltet, war mir also bewusst. Konkrete Lust auf einen erneuten Konzertbesuch bekam ich aber erst, als ich Anfang der Woche das besagte Foto in Facebook (oder sagt man auf Facebook) entdeckte. Also ein tollk\u00fchner Ritt auf dem Einhorn! Wow. Aber dass der Gummiball an diesem Abend erneut ins Spiel kommt, daran habe ich nicht im Traum gedacht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1152\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7886\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/4.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/4-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/4-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>\u2018Have fun\u2018 steht auf dem Button, den <strong>Wayne Coyne<\/strong> am Revers seines Anzuges tr\u00e4gt. Und ja, es ist wirklich nicht schwer, Spa\u00df zu haben. Bereits die ersten Anspieltakte von \u201eRace for the price\u201c zauberten mir ein Lachen ins Gesicht. Ein Spitzensong, der schon allein gute Laune verbreitet. Minutenlang dirigiert der S\u00e4nger im Intro des Songs Keyboard und Schlagzeug, bis nach gef\u00fchlt unendlichen Anl\u00e4ufen endlich die Gitarre einsetzen darf. Und mit der Gitarre kommt auch das Konfetti. Erst aus den beiden Kanonen links und rechts von der B\u00fchne., dann aus der Luftschlangenpistole, die <strong>Wayne Coyne<\/strong> flugs angereicht bekommt. Also noch bevor er die H\u00e4nde in den gro\u00dfen Konfettisack steckt um sich daraus zu bedienen und die ersten Reihen in einen Schnipseldauerregen zu stellen. Und ja, es macht ihm sichtlich Spa\u00df. Mit einem genauso gro\u00dfen Grinsen im Gesicht wie ich es habe wirft er Konfetti, zeigt lachend auf die Gruppe maskierter Fans rechts neben mir und freut sich wie ein kleines Kind. Uff, nach f\u00fcnf Minuten sind alle meine Erwartungen an dieses Konzert erf\u00fcllt. Und was f\u00fcr ein Start in das Konzertjahr. Mittlerweile lachen alle, die Band, das Publikum. Ich sowieso. Doch der Klamauk, \u00e4h Kindergeburtstag geht weiter. \u201eYoshimi battles the pink robots\u201c mit drei \u00fcberdimensionalen Tanzfiguren und einem vertr\u00e4umt mit der Sternenfigur tanzenden <strong>Wayne Coyne<\/strong>. Dann das Einhorn auf der B\u00fchne. Alter Schwede! Und dazu immer Unmengen Konfetti und Luftschlangen. Plastikphantastisch! Nach drei Songs haben die <strong>Flaming Lips<\/strong> schon so viel Spektakel veranstaltet wie manche Band auf einer gesamten Tour. Und nat\u00fcrlich war das noch nicht das Ende. Die n\u00e4chsten St\u00fccke waren etwas gesetzter, daher trat der wilde Konfettireigen etwas zur\u00fcck. Stattdessen kam ein gro\u00dfer Gong auf die B\u00fchne (sehr passend zu \u201ePompeii Am G\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c) und das instrumentale \u201eThe Observer\u201c wurde unter einem aufblasbaren Regenbogen pr\u00e4sentiert. In meiner Erinnerung war das der ruhigste Moment des Abends, und jetzt erst vielen mir die Filz\u00fcberschuhe im Drachenpf\u00f6tchendesign auf. Nat\u00fcrlich bestehen die <strong>Flaming Lips<\/strong> nicht nur aus <strong>Wayne Coyne<\/strong>, aber es fiel mir schwer, auch nur f\u00fcr kurze Zeit meine Augen von ihm abzuwenden. Es machte mir einfach zu viel Freude, ihm zuzusehen. Der 56j\u00e4hrige wirkt wie ein gro\u00dfes Kind. Er freut sich sichtlich, wenn er k\u00fcbelweise Konfetti \u00fcber die ersten Reihen wirft, die Luftschlangenpistole abfeuert oder einfach nur das Lachen in unseren Gesichtern erblickt. Es macht ihm Spa\u00df, Spa\u00df und Freude zu verbreiten. Sag ehrlich, mehr kann man nicht erwarten.<br>Aber es gibt sie, die anderen Musiker. Ich schenke ihnen definitiv zu wenig Beachtung. Sie stehen am B\u00fchnenrand direkt neben den beiden riesengro\u00dfen Fliegenpilzen und am hinteren B\u00fchnenrand. Es braucht ja Platz auf der B\u00fchne f\u00fcr all die Gummifiguren, das Einhorn, den gro\u00dfen Gong, den Regenbogen und die Gummikugel. Fehlte eigentlich nur eine H\u00fcpfburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gummikugel betritt der S\u00e4nger zu \u201eSpace oddity\u201c vom aktuellen Album <em>Oczy Mlody. <\/em>Es ist einer der wenigen brandneuen Songs im Set, das Konzert ist mehr eine Art Werkschau \u00fcber altes, mittelaltes und neues Material. Etwas unbeholfen rollt die Kugel \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinweg, ein kleiner Konzertsaal hat eben keine Open Air Publikumsdichte, so dass es kleinere M\u00fchen kostet, das hintere Podest zu erreichen. Von dem aus singt Wayne Coyne in der Kugel stehend \u201eSpace oddity\u201c. Ein passenderes Bild zu diesem Song kann es nicht geben. Im Vergleich zum Konzertbeginn ist das Konzertende mit \u201eA spoonful weighs a ton\u201c eher unspektakul\u00e4r. Nur noch Konfetti und das war es. Aber was hei\u00dft schon nur noch Konfetti. Aus vollen Rohren befeuert und eingedeckt in Trockeneisnebelschwaden standen wir knietief in Papierschnipsel. Noch eine Zugabe, \u201eDo you realize\u201c, der offizielle Rocksong des Bundesstaates Oklahoma, &nbsp;ein letztes Mal Konfetti.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eShe don\u2019t use Jelly\u201c warte ich leider vergebens, auch spielen sie leider keinen Song aus ihrem <strong>Stone Roses<\/strong> Coveralbum <em>The time has come to shoot you down\u2026 What a Sound<\/em>. Das w\u00e4re was gewesen. \u201eI wanna be adored\u201c in der <strong>Flaming Lips<\/strong> Interpretation. Aber ist das an einem solchen Abend eigentlich wichtig? Nein, ist es nicht. Es war auch so ein verdammt guter Konzertauftakt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"The Flaming Lips - Race for the Prize @ TivoliVredenburg (1\/7)\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Py6t2Wh3Vd8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-barcelona-26-05-2011\/\"><br>The Flaming Lips \u2013 Primavera Sound Festival Barcelona 2011<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab keinerlei Anzeichen, dass das Konzert der Flaming Lips im Utrechter TivoliVredenburg ausverkauft sein wird. 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