{"id":7842,"date":"2016-12-22T18:52:04","date_gmt":"2016-12-22T17:52:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7842"},"modified":"2017-01-18T19:58:52","modified_gmt":"2017-01-18T18:58:52","slug":"mutter-duesseldorf-16-12-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/mutter-duesseldorf-16-12-2016\/","title":{"rendered":"Mutter &#8211; D\u00fcsseldorf, 16.12.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> zakk, D\u00fcsseldorf<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p><em><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7843\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_9417.jpg\" alt=\"Mutter - Max M\u00fcller\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_9417.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_9417-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_9417-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/em><\/p>\n<p>\u2018Hoffentlich dr\u00fcckt mir niemand das Mikrofon in die Hand. Hoffentlich dr\u00fcckt mir niemand das Mikrofon in die Hand.\u2018 <strong>Mutter<\/strong> sind beim letzten Song des Konzertes angekommen, \u201eEin kleines St\u00fcck Papier\u201c, gleichzeitig auch das letzte Song auf der Platte Hauptsache Musik, und S\u00e4nger <strong>Max M\u00fcller<\/strong>, der bis dahin schon viel erz\u00e4hlt hat, leitet den Song als poppiges sing-a-long St\u00fcck ein, bei dem jeder die M\u00f6glichkeit haben soll, mitzumachen. \u2018Ich lasse einfach das Mikron rundgehen und jeder singt einmal den Refrain. Der ist ganz einfach und geht so: Ein kleines St\u00fcck Papier, lalala, ein kleines St\u00fcck Papier. Wer wei\u00df, vielleicht erleben wir hier den Beginn einer gro\u00dfen Karriere.\u2018 Ich brauche keine Karriere, denke ich, ich hatte bisher auch keine und das gef\u00e4llt mir ganz gut. Hoffentlich gibt mir niemand das Mikrofon.<\/p>\n<p>Schon zuvor herrschte Seitens des S\u00e4ngers eine starke Interaktion mit den Anwesenden. Gut die H\u00e4lfte der Songs sang <strong>Max M\u00fcller<\/strong> aus dem Publikumsraum und stellte zwischendurch immer mal wieder l\u00e4stige Fragen wie \u2018Warum bist du hier?\u2018 oder \u2018Und du, warum bist du hier?\u2018. Aus Langeweile, war eine Antwort, woraus sich ein munteres Gespr\u00e4ch entwickelte. \u2018Ist aber auch langweilig hier, die Musik und so. Schrecklich langweilig, jaja.\u2018 Hihi, der Abend hatte Entertainmentqualit\u00e4ten und viele solcher Momente. Von Langeweile also nicht die geringste Spur.<br \/>\n<strong>Mutter<\/strong> spielen <em>Hauptsache Musik<\/em> war mein zweites Konzert im Rahmen des Festivals Lieblingsplatte. Dieses Mal spielte das Konzert in der kleineren Halle des zakk, vor knapp hundert Zuschauern. Auch dazu hatte Max M\u00fcller eine Geschichte. Vor Jahren seien sie das letzte Mal hier gewesen, und das \u2018war gar nicht gut, das war gar nicht gut\u2018 nuschelte er in sein Mikrofon, bevor die Band das erste St\u00fcck von <em>Hauptsache Musik<\/em>, \u201eFreundinnen und Freunde\u201c, anstimmte.<br \/>\n\u201eFreundinnen und Freunde\u201c war anderthalb Stunden sp\u00e4ter auch die einzige Zugabe. Sie f\u00e4nden es so toll hier, sie w\u00fcrden jetzt einfach noch einmal alles spielen. Aber anders. Die Ansage vor der Zugabe erinnerte mich an ein Konzert von <strong>Blumfeld<\/strong> Anfang der 1990er Jahre in der Dortmunder Live Station. Seinerzeit k\u00fcndigte <strong>Jochen Distelmeyer<\/strong> \u00e4hnlich lakonisch die Zugabe mit den Worten \u2018wir haben nix anderes, wir spielen einfach das erste St\u00fcck nochmal\u2018 an.<\/p>\n<p>Himmel, was f\u00fcr ein Zufall, dachte ich. <em>Hauptsache Musik<\/em> stammt etwa aus dieser Zeit und <strong>Mutter<\/strong> haben in meinen Ohren eine musikalische Seelenverwandtschaft zu der Hamburger Band. So erkl\u00e4rte ich auch ein paar Stunden zuvor die Band <strong>Mutter<\/strong> und deren Musik. <em>Hauptsache Musik<\/em> kl\u00e4nge wie <strong>Tomte<\/strong>, die sp\u00e4teren <strong>Blumfeld<\/strong> oder die <strong>Lassie Singers<\/strong>. Also unheimlich sch\u00f6n! Dass die Berliner auf ihren Alben davor und danach viel krachiger waren, verschwieg ich. Zu viele Informationen verwirren, und begrenzt auf das Wesentliche fand \u00a0ich es eine gute und runde Erkl\u00e4rung. <em>Hauptsache Musik<\/em> ist eine sch\u00f6ne Platte, sie passt genauso gut als Soundtrack zum sonnt\u00e4glichen Kaffeetrinken wie auch zu n\u00e4chtlichen Autofahrten. Popmusik, sch\u00f6ne Texte, manchmal monotone Songstrukturen, immer aber diese tolle Unaufgeregtheit. Ich mag so etwas.<\/p>\n<p>Auf Facebook las ich, dass die Band intensivste Proben an den Tag gelegt hatte, um diese Albumshow spielen zu k\u00f6nnen. Oft waren <strong>Mutter<\/strong> in letzter Zeit live nicht zu sehen, und <em>Hauptsache Musik<\/em> wurde so noch nie in einem Konzert dargeboten. Da war \u00fcben sicher gut und wichtig. F\u00fcr das Konzert wurden zwei Backrounds\u00e4ngerinnen angeheuert, sie sollten die lieblichen Refrains der Songs pushen. Und liebliche Refrains hat <em>Hauptsache Musik<\/em> eine ganze Menge.<br \/>\nTrotz \u00fcben wirkte das Konzert ein bisschen holprig. So do it yourself m\u00e4ssig.\u00a0 <strong>Max M\u00fcller<\/strong> traf gerade zu Beginn nicht immer den Ton, die S\u00e4ngerinnen waren nicht immer synchron. Manchmal w\u00e4re es toll gewesen, wenn es stimmiger gewesen w\u00e4re, mehr als manchmal war es aber egal. Gute anderthalb Stunden spielte sich die Band durch ihr Album, und je l\u00e4nger der Auftritt dauerte, desto mehr gefiel mir diese wirre Livedarbietung aus Geschichtchen, desinteressiert klingender Songs, interessante Texte und diy- Herangehensweise.<\/p>\n<p>Dass gerade in D\u00fcsseldorf die \u2018doofen <strong>Toten Hosen<\/strong>\u2018 das ein oder andere Mal f\u00fcr Geschichtsstoff herhalten mussten, ist irgendwie logische. Ich fragte mich dann immer, was wohl der Gitarrist dieser Band denken m\u00f6ge, der, falls er nicht einen sehr guten Doppelg\u00e4nger hat, ein paar Meter neben mir stand. Ab und an l\u00e4chelte er leicht genervt.<br \/>\nDass <strong>Mutter<\/strong> nie gro\u00df wurden, liegt &#8211; so las ich bei Musikexperten nach &#8211; auch daran, dass sie nach <em>Hauptsache Musik<\/em> ein eher unpoppiges und schwieriges Album machten und damit die gerade gewonnene Fan vergraulten. Schade, das Album <em>Hauptsache Musik<\/em> hat viele feine, gro\u00dfe Songs. Und wer <strong>Tomte<\/strong>, <strong>Uhlmann<\/strong> oder die <strong>Lassie Singers<\/strong> mag, sollte <em>Hauptsache Musik<\/em> unbedingt auf seinem Schirm haben.<\/p>\n<p>Ich war froh, dieses Konzert besucht zu haben. Es ist schwer zu beschreiben, aber es war einer dieser Abende, die \u00fcberraschend nachhaltig auf mich wirkten. Noch auf der Heimfahrt musste ich oft an einzelne Sequenzen des Konzertes zur\u00fcckdenken. Der Abend gab mir auf nicht n\u00e4her bestimmbare Art viele Denkanst\u00f6\u00dfe und Gedanken mit auf den Heimweg. Das passiert mir nicht oft und zeigt mir, dass es ein besonderes Konzerterlebnis gewesen sein muss.<\/p>\n<p>\u201eEs ist nur Musik\u201c hei\u00dft ein Song des Albums. Stimmt, es war nur Musik. Aber eine verdammt gute Musik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2018Hoffentlich dr\u00fcckt mir niemand das Mikrofon in die Hand. Hoffentlich dr\u00fcckt mir niemand das Mikrofon in die Hand.\u2018 Mutter sind beim letzten Song des Konzertes angekommen, \u201eEin kleines St\u00fcck Papier\u201c, gleichzeitig auch das letzte Song auf der Platte Hauptsache Musik, und S\u00e4nger Max M\u00fcller, der bis dahin schon viel erz\u00e4hlt hat, leitet den Song als poppiges sing-a-long St\u00fcck ein, bei dem jeder die M\u00f6glichkeit haben soll, mitzumachen. \u2018Ich lasse einfach das Mikron rundgehen und jeder singt einmal den Refrain. 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