{"id":7818,"date":"2016-11-25T22:02:28","date_gmt":"2016-11-25T21:02:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7818"},"modified":"2022-08-27T21:07:33","modified_gmt":"2022-08-27T19:07:33","slug":"pixies-koeln-24-11-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pixies-koeln-24-11-2016\/","title":{"rendered":"Pixies &#8211; K\u00f6ln, 24.11.2016"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Palladium, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> FEWS<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1151\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2-2.jpg\" alt=\"Pixies\" class=\"wp-image-7819\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2-2.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2-2-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2-2-1011x568.jpg 1011w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Und alle so: hahaha hahaha hahaha. (\u201eTame\u201c). Es ist immer gut, wenn <strong>Black Francis<\/strong> ins Mikrofon schreit. Keiner kann das so gut wie er.<br>Das Angebot kam \u00fcberraschend und kurzfristig. Hast du Lust zu den <strong>Pixies<\/strong> zu gehen? So lautete tags zuvor die Anfrage. Ab und an schreibe ich Konzertberichte f\u00fcr ein Onlinemagazin, der urspr\u00fcnglich angesetzte Schreiber schien kurzfristig ausgefallen zu sein. Ich z\u00f6gerte nicht, obwohl ich diese Art von \u2018Auftragsarbeiten\u2018 nur sehr ungern und nicht zu oft machen m\u00f6chte. Der Zwang, ein paar Worte abliefern zu m\u00fcssen, ist mir nicht geheuer. Aber in diesem Fall stimmte ich zu. Die <strong>Pixies<\/strong> sind ja nie verkehrt, und stolperte ich nicht erst letzte Woche \u00fcber ein altes Festivalticket, das mich erstaunen lie\u00df: Ich sah die <strong>Pixies<\/strong> doch schon 1990, und nicht erst ein Jahr sp\u00e4ter in Gie\u00dfen zum ersten Mal. Ich hatte v\u00f6llig verdr\u00e4ngt, dass die <strong>Pixies<\/strong> auch auf dem Sch\u00fcttorfer Open Air auftraten. Von damals habe ich irgendwie nur <strong>New Model Army<\/strong> und <strong>David Bowie<\/strong> in Erinnerung. Nicht aber die <strong>Pixies<\/strong>. 1990 also. Wow! Das muss kurz nach <em>Doolittle<\/em> gewesen sein. Das Konzert passte also irgendwie in den Moment und ein bisschen Zeit, den Artikel zu schreiben, sollte sich doch finden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekannterma\u00dfen sind die <strong>Pixies<\/strong> eine Indieinstitution. <em>Doolittle<\/em> ist eine der wichtigsten Platten des Indierock. Daran gibt es keine Zweifel! Es ist auch der H\u00f6hepunkt der <strong>Pixies<\/strong>, der im Nachfolger <em>Bossanova<\/em> noch gehalten werden konnte. <em>Tromp le Monde<\/em> hatte noch einen veritablen Hit (\u201ePlanet of sound\u201c), an die H\u00f6hen von \u201eDig for fire\u201c oder \u201eDebaser\u201c konnte es jedoch nicht ankn\u00fcpfen. In den Jahren danach d\u00fcmpelte die Band so vor sich hin. <strong>Black Francis<\/strong>, der sich nun <strong>Frank Black<\/strong> nannte machte Solo-Sachen, <strong>Kim Deal<\/strong> stieg aus der Band aus.<br>Seit ein paar Jahren touren die <strong>Pixies<\/strong> regelm\u00e4\u00dfiger. Mit <strong>Kim Deal<\/strong>. Stieg sie erst zur quasi Reunion 2004 wieder ein, verlie\u00df sie vor 3 Jahren erneut die Band. Der Bass ist seitdem der schwierige Arbeitsplatz bei den <strong>Pixies<\/strong>. <strong>Kim Deal<\/strong> wurde f\u00fcr einen Sommer durch eine andere <strong>Kim<\/strong> (<strong>Shattuck<\/strong>) ersetzt, die aktuelle Kim hei\u00dft <strong>Paz Lenchantin<\/strong> und spielt seit den Aufnahmen zum neuen Album <em>Head carrier<\/em> den Bass.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben <strong>Sonic Youth<\/strong> waren die <strong>Pixies<\/strong> die zweite mir wichtige Rockgruppe der Endachtzigerjahre, bei denen eine Frau mit Namen Kim den Bass spielte. Dort <strong>Kim Gordon<\/strong>, hier <strong>Kim Deal<\/strong>. Beide Bands beeinflussten ma\u00dfgeblich meinen wachsenden &nbsp;Musikappetit. Aber nicht nur das: Beide Bands hatten gro\u00dfen Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik in den Folgejahren. Ohne sie kein Alternative, kein Grunge, keine <strong>Strokes<\/strong>, kein Indiemainstreamrock. \u201eDebaser\u201c oder \u201eWhere is my mind\u201c waren mit die ersten Indiehits, die es ins Radioprogramm schafften. Es waren Songs, die jahrelang in der Indiedisco die Tanzfl\u00e4che f\u00fcllten und die 2016 die mir immer noch ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.&nbsp; Ach damals, ach wie ist das sch\u00f6n heute, sich zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nur wegen der alten Zeiten geht man auch noch 2016 zu einem <strong>Pixies<\/strong> Konzert. Wer etwas anderes sagt, der l\u00fcgt! Da ist es eher nett zu wissen, dass vor zwei Jahren sehr \u00fcberraschend die <em>Indie Cindy<\/em> EP mit neuen Songs erschien, und in diesem Jahr sogar ein neues Album. <em>Head carrier<\/em>. Ob die Welt das braucht, ich m\u00f6chte es anzweifeln. Was die Welt jedoch gerne mitnimmt, sind <strong>Pixies<\/strong> Livekonzerte. 1990 wie 2016.<br>Ich woge hin und her. Bei den alten Lieblingsliedern feiere ich innere Jubelschreie, bei den neuen St\u00fccken harre ich eher emotionslos aus. Und ich bin nicht der einzige, der dem aktuellen Album eher gleichg\u00fcltig gegen\u00fcbersteht. Um mich herum beobachte ich \u00e4hnliches verhalten. Die &nbsp;\u00dc40 Generation &#8211; die eindeutig in der Mehrheit ist &#8211; geht nicht zu einem <strong>Pixies<\/strong> Konzert, um Songs von einem neuen Album zu h\u00f6ren. Sie will die alten Hits noch einmal erleben. Das ist Fakt!<br>Bl\u00f6d nur, dass <strong>Black Francis<\/strong> und Band an diesem Abend gef\u00fchlt komplett das neue Album spielen. Daf\u00fcr fehlen ein paar Rei\u00dfer im Set: kein \u201eVelouria\u201c, kein \u201eMonkey gone to heaven\u201c, kein \u201eHere comes your man\u201c, kein \u201eLa la love you\u201c. Gut, die Pixies haben 100 Welthits, da f\u00e4llt das nicht so stark ins Gewicht. Es gibt ja noch \u201eWave of Mutilation\u201c, \u201eHey\u201c, \u201eCaribou\u201c, \u201ePlanet of Sound\u201c, \u201eDebaser\u201c, \u201eTame\u201c, etceterapepe. Aber trotzdem. Ein Best-of Konzert ist das hier nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich kommen die Pixies auf die B\u00fchne. <strong>Black Francis<\/strong>, <strong>David Lovering<\/strong>, <strong>Joey Santiago<\/strong> und <strong>Paz Lenchantin<\/strong> nehmen sich Zeit, bevor die ersten T\u00f6ne von \u201eWhere is my mind\u201c aus der verst\u00e4rkten Akustikgitarre klingen. Aufreizend l\u00e4ssig unterhalten sich zuvor noch Gitarrist <strong>Joey Santiago<\/strong> und <strong>Black Francis<\/strong>. Wollen sie nicht starten oder fehlt noch etwas? Ich erkenne es nicht, doch ich glaube, sie haben Spa\u00df daran, dass Publikum noch ein bisschen zappeln zu lassen. Und es zappelt. Voller Vorfreude und mit gro\u00dfer Aufregung fiebert es dem Konzert entgegen.&nbsp; Wie eine Erleuchtung erscheinen die ersten Textzeilen, die jeder, aber auch jeder kennt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>With your feet in the air and your head on the ground<br>Try this trick and spin it, yeah<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>W\u00e4re das Konzert danach vorbei, viele w\u00e4ren gl\u00fccklich. Aber es folgen noch zwei Stunden mit weiteren Lieblingsliedern und neuen Songs. Mit vielen ahhs und einigen ohhs. Dabei wirkt die Masse an neuen Songs zwischendurch leider oft wie ein kleiner Stimmungskiller.<br>Zum ersten Mal beobachte ich die Reserviertheit nach den Er\u00f6ffnungskrachern \u201eWhere is my mind\u201c und \u201eGauge away\u201c.&nbsp; Im Set passiert das immer wieder mal. Ich frage mich, ob die neuen Songs wirklich so schwach sind, oder ob sie nur im direkten Vergleich mit den gro\u00dfen Hits schwach wirken? Denn eigentlich und w\u00fcrde ich sie in einem anderen Kontext h\u00f6ren, sind sie doch auch ganz nett. Also einige. \u201eTenement Song\u201c ist richtig \u00fcbel. \u201eClassic Masher\u201c ein Popsong. Beide Songs spielen sie nacheinander weg und es ist das dickste Stimmungsloch des Konzertes.<br>Sie machen das zwei, dreimal an diesem Abend. &nbsp;Dann spielen sie mehrere neue Songs hintereinander weg. Mal singt <strong>Paz<\/strong> , mal nuschelt <strong>Black<\/strong> <strong>Francis <\/strong>irgendwas, was nach \u2018rumshakalaka\u2018 klingt (\u201eUm Chagga Lagga\u201c), mal covern sie sich in den Gitarrenparts selbst (\u201eAll i think about now\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nach einer solchen Phase erklingt auf einmal ein leises \u201eHey\u201c, und meine Pixieskonzertwelt ist wieder zurechtger\u00fcckt. Und so \u00fcberwiegen die ahhs\u00a0 und ich merke, was meine liebsten <strong>Pixies<\/strong> Songs sind: \u201eHey\u201c, \u201eWave of Mutilation\u201c, \u201eTame\u201c. Wer vermisst da \u201eDebaser\u201c? Doch gerade den vermiesen sie an diesem Abend. Irgendwas mit der Gitarre \u2018Stop, stop it. I\u2019ve lost my guitar\u2018 kommentiert <strong>Black Francis<\/strong> den Abbruch. Und ich erg\u00e4nze: auch deine Brille hast du verloren. Die hat er in diesem Augenblick n\u00e4mlich das einzige Mal nicht auf seiner Nase sitzen.<br>Aber warum setzen sie nicht noch einmal neu an, oder warum spielen sie \u201eDebaser\u201c nicht wenigstens sp\u00e4ter noch einmal? Das Publikum lechzt doch danach.<br>\u2018Stop, stop it. I\u2019ve lost my guitar\u2018. Das sind \u00fcberdies die einzigen Worte, die ich von <strong>Black<\/strong> <strong>Francis <\/strong>abseits der Songs h\u00f6re. Ansonsten spricht er nur mit seinen bandfreunden und den Soundmenschen. Letzteres lustigerwiese \u00fcber ein zweites Mikrofon, das neben dem Schlagzeug aufgestellt ist. Es scheint sowas wie das Anweisungsmikrofon zu sein. Habe ich so auch noch nie gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 90 Minuten ist das Konzert regul\u00e4r vorbei. Die <strong>Pixies<\/strong> haben eine lange Latte an Songs gespielt, gesagt hat <strong>Frank Black<\/strong> dar\u00fcber hinaus nichts. \u201eInto the light\u201c mit viel B\u00fchnennebel bildet ein etwas komisches Konzertende. Einen richtigen Zugabenblock wollen die <strong>Pixies<\/strong> heute Abend nicht spielen. Sie gehen nach mehreren Verneigungen einfach von der B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>FEWS<\/strong>. <\/strong>Die Vorband. Ich bekomme noch ein paar Songs mit, sie klingen f\u00fcr mich wie <strong>DIIV<\/strong> auf Speed. Vielleicht nicht so verkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<br><\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pixies-brussel-02-10-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pixies \u2013 Br\u00fcssel, 02.10.2013 \/ AB<br><\/a><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pixies-frankfurt-11102009\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pixies \u2013 Frankfurt, 11.10.2009 \/ Jahrhunderthalle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und alle so: hahaha hahaha hahaha. (\u201eTame\u201c). Es ist immer gut, wenn Black Francis ins Mikrofon schreit. Keiner kann das so gut wie er.<br \/>\nDas Angebot kam \u00fcberraschend und kurzfristig. Hast du Lust zu den Pixies zu gehen? So lautete tags zuvor die Anfrage. Ab und an schreibe ich Konzertberichte f\u00fcr ein Onlinemagazin, der urspr\u00fcnglich angesetzte Schreiber schien kurzfristig ausgefallen zu sein. 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