{"id":7790,"date":"2016-11-10T22:16:46","date_gmt":"2016-11-10T21:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7790"},"modified":"2026-01-29T17:13:00","modified_gmt":"2026-01-29T16:13:00","slug":"tortoise-bonn-08-11-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/tortoise-bonn-08-11-2016\/","title":{"rendered":"Tortoise &#8211; Bonn, 08.11.2016"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Harmonie, Bonn<br><strong>Vorband:<\/strong> White wine<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1151\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/9.jpg\" alt=\"Tortoise\" class=\"wp-image-7791\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/9.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/9-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/9-1011x568.jpg 1011w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><em>The Catastrophist<\/em> ist eines der Alben des Jahres, das ich bisher auch nicht geh\u00f6rt habe. Nach sieben Jahren ein neues Album der Band aus Chicago, die den Post-Rock in den 1990er Jahren mitpr\u00e4gte und mich seinerzeit mit einem mir merkw\u00fcrdig vorkommenden Album komplett \u00fcberforderte. 1995 h\u00f6rte ich im Radio einen Instrumentalsong, und der Moderator machte im Anschluss ein Wortspiel \u00fcber den Bandnamen und die Musik der Band. Die Band hie\u00df <strong>Tortoise<\/strong> und mir blieb das bis zum n\u00e4chsten Plattenkauf irgendwie im Ged\u00e4chtnis. Also brachte ich <em>Rhythms, Resolution &amp; Clusters<\/em> mit nach Hause. Und ich glaube, ich h\u00f6rte die CD, ein Remixalbum, genau drei Mal. Das war mir zu anstrengend, zu unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahren danach entdeckte ich dann <strong>Slint<\/strong>, <strong>Eleventh Dream day<\/strong>, viel sp\u00e4ter <strong>The sea and cake<\/strong> und ich lernte so nebenbei, dass all diese Bands etwas mit <strong>Tortoise<\/strong> zu tun haben. Sei es nur musikalisch oder das einzelne Musiker in dieser und jener Band mitmachten. So blieb der Name <strong>Tortoise<\/strong> immer in meinem Kopf. Als Anfang des Jahres dann <em>The Catastrophist<\/em> erschien, horchte ich kurz auf. Als ich die Band auf dem Primavera sah, war ich begeistert. \u201eSwung from the gutters\u201c und \u201eAt odds with logic\u201c, die letzten beiden Songs des damaligen Sets, (ich habe das nachgegoogelt), hauten mich f\u00f6rmlich weg. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich f\u00f6rmlich regungslos diesen letzten Konzertminuten zugeh\u00f6rt habe. Es war mit das Beste, was ich dieses Jahr live sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so freute ich mich, als ich zuf\u00e4llig \u00fcber die kleine Konzertreihe stolperte, die <strong>Tortoise<\/strong> auch nochmal in meine N\u00e4he f\u00fchrte. Im Fr\u00fchjahr noch hatte ich ihr Kulturkirchenkonzert verpassen m\u00fcssen, dieses Mal kam mir die Absage einer Dienstreise so gelegen, dass ich umgehend ein Ticket f\u00fcr die Bonner Harmonie klarmachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Band kommt mit zwei Schlagzeugen. Mit zwei Schlagzeugern w\u00e4re falsch, weil <strong>John McEntire<\/strong>, <strong>John Herndon<\/strong> und <strong>Dan Bitney<\/strong> abwechselnd oder gemeinsam die beiden Instrumente besetzen. Bis auf <strong>Doug McCombs<\/strong>, der seiner Gitarre treu bleibt, ist <strong>Tortoise<\/strong> eine Sammlung von Multiinstrumentalisten. <strong>Jeff Parker<\/strong> spielt Gitarre, Bass und Glockenspiel, <strong>John Herndon<\/strong> Schlagzeug, Keyboard, Gitarre, Bass, Glockenspiel, <strong>John McEntire<\/strong> Gitarre, Keyboard und Elektrokrams, <strong>Dan Bitney<\/strong> Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Glockenspiel. Im Kern sind die heutigen <strong>Tortoise<\/strong> die der Gr\u00fcnderzeit. Einzig <strong>Jeff Parker<\/strong> kam erst Ende der 1990er Jahre zur Band. Zufall oder nicht, er sieht auch am j\u00fcngsten von den F\u00fcnfen aus.<br>Die beiden Schlagzeuge stehen am B\u00fchnenrand. Die Rhythmussektion ist damit zwangsl\u00e4ufig der Blickfang. Ich habe keine Ahnung, ob die beiden Damen hinter mir <strong>Tortoise<\/strong> kennen, aber in der Umbaupause unterhalten sie sich dar\u00fcber, wie toll es doch sei, eine Band mit zwei Schlagzeugern zu sehen. Diese \u2018w\u00fcrden sich dann ja gegenseitig pushen\u2018. Dass nur selten beide Schlagzeuge besetzt sein w\u00fcrden, werden sie dann ja sehen. Hinten stehen ein Keyboard, ein Synthesizer und ein mit einem Dell Computer gekoppelter Sampler. Rechts und links der Schlagzeuge die Glockenspiele, ganz hinten noch ein Keyboard. Eine der wenigen Bands, die ich kenne, die keinen Apple nutzen, denke ich. Warum auch immer ich das denke.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Publikum ist gemischt. Ein paar Indiekids, ein paar \u00e4ltere Jazzliebhaber und Typen wie ich; so w\u00fcrde ich aus meiner Beobachtersicht die Mischung bezeichnen. Vom Gef\u00fchl her passt das hervorragend zu <strong>Tortoise<\/strong>. Denn gerade das neue Album bedient sie alle. Es gibt ein paar Indiegitarren (nach wie vor), es gibt einige Synthiesongs, es gibt easy listening und jazziges. Von der Grundstruktur her ist es ein ruhiges Konzert und mir kommt der Abend eher wie ein Jazzkonzert vor. Das liegt an der Musik, logisch, aber auch am Ambiente des Konzertsaals.<br>Die Harmonie ist ein kleiner Laden; vorne ein Restaurant\/Bar, hinten abgetrennt der Konzertsaal. Alles ist super ordentlich und sehr gem\u00fctlich. An der Wand h\u00e4ngen gerahmte Bilder bisher hier aufgetretener K\u00fcnstler. Es sind Tische aufgestellt, das Publikum sitzt gro\u00dfenteils auf Hockern. Die Atmosph\u00e4re ist entspannt und ruhig. <strong>Tortoise<\/strong> Songs sind zuh\u00f6r-Songs, tanzen w\u00fcrde schwer fallen. So ist die ausreichende Behockerung eine gute Sache, denn die Konzentration auf die Musik wird so nicht von m\u00fcden Beinen abgelenkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tortoise<\/strong> zeigen an diesem Abend eine enorme musikalische Vielfalt. Nach jedem Song wechseln die Musiker ihre Instrumente. Nach jedem Song wird eine andere Richtung pr\u00e4sentiert. Es ist Jazz, es sind Synthesizer, es ist easy listening. Aber immer sind die Songs instrumental. Bis auf eine Ausnahme: Bei \u201eYonder Blue\u201c wird der Refraingesang von <strong>Yo La Tengo&#8217;s<\/strong> <strong>Georgia Hubley<\/strong> eingespielt. \u201eYonder blue\u201c ist einer von zwei Songs, die auf dem aktuellen Album <em>The Catastrophist<\/em> mit Gesang &#8211; eben von <strong>Georgia Hubley<\/strong> &#8211; eingespielt wurden.<br>Die Band ist ein eingespielter Haufen. Das Konzert verl\u00e4uft akkurat und ohne Aufreger. Kein Wunder, es sei ihr 100.stes Konzert in diesem Jahr, wie <strong>Doug McCombs<\/strong> zum Ende anmerkte. Das ist eine Menge, mein lieber Mann.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8211; We are a little bit worried about today.<br>&#8211; Do you like to talk about?<br>&#8211; Oh, no. Let\u2019s play music.<br>&#8211; Oh come on, let\u2019s talk about it.<br>&#8211; No.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Politik blieb f\u00fcr anderthalb Stunden drau\u00dfen und der anbrechenden Nacht vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorband hat mich \u00fcberrascht. <strong>White Wine<\/strong> kommen aus Leipzig und sind <strong>Joe Haege<\/strong>, <strong>Fritz Br\u00fcckner<\/strong> sowie <strong>Christian Kuhr<\/strong>. Ich hatte bis dato noch nichts von <strong>White Wine<\/strong> geh\u00f6rt, auch die Referenznamen, sprich Bands, in denen die einzelnen Musiker bisher involviert waren, kannte ich nur vom Namen: <strong>31knots<\/strong>, <strong>Tu Fawning<\/strong>, <strong>Menomena<\/strong>, <strong>Dodos<\/strong>, <strong>Zentralheizung of Death des Todes<\/strong>.<br>Irgendwie war ihr Sound von Beginn an spannend. Fagottkl\u00e4nge waren das erste, was ich h\u00f6re, sp\u00e4ter dann ein elektronische Schlagzeug, Gitarren, ein richtiges Schlagzeug, Rasseln und Keyboard. Was dabei an Musik herauskam erinnerte mich an die experimentellen <strong>dEUS<\/strong> von <em>Worst Case Scenario<\/em> und <em>My sister my clock<\/em>, allgemein an Avantgarde Kram und windschiefen Indierock. Dass <strong>Joe Haege <\/strong>ein extrovertierter Frontmann ist, der auch vor zwei Ausfl\u00fcgen in den nahezu leeren Publikumsbereich nicht scheut, verst\u00e4rkte die Wirkung der irgendwie aufgekratzten, aber doch melodi\u00f6sen St\u00fccke. Eine gute halbe Stunde spielten sie Sachen von ihrem aktuellen Album <em>Who cares what the laser says?<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Beste Vorband des Jahres und bester Albumtitel des Jahres.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-03-06-2016\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tortoise &#8211; Primavera Sound Festival Barcelona, 03.06.2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Catastrophist ist eines der Alben des Jahres, das ich bisher auch nicht geh\u00f6rt habe. 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