{"id":7613,"date":"2016-07-13T18:00:19","date_gmt":"2016-07-13T16:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7613"},"modified":"2016-07-13T18:01:03","modified_gmt":"2016-07-13T16:01:03","slug":"cat-power-koeln-11-07-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/cat-power-koeln-11-07-2016\/","title":{"rendered":"Cat Power &#8211; K\u00f6ln, 11.07.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Gloria, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7617\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_8391.jpg\" alt=\"Cat Power\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_8391.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_8391-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/IMG_8391-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/p>\n<p>\u201eEs war ein sch\u00f6nes Konzert. Ich hatte im Vorfeld schlimmeres bef\u00fcrchtet.\u201c<\/p>\n<p>So fasste ich das <strong>Cat Power<\/strong> Konzert vor 8 Jahren in der Live Music Hall zusammen. Ein \u00e4hnlich gutes Fazit zog ich ein paar Jahre sp\u00e4ter nach dem Besuch des Br\u00fcsseler Konzertes. Ja, ich bin gro\u00dfer Fan und verfolge das Treiben von <strong>Chan Marshall<\/strong> so ziemlich genau seit ihren ersten Alben. Mit \u201eNude as a news\u201c wurde ich \u2013 wie wohl fast jeder &#8211; auf <strong>Cat Power<\/strong> aufmerksam. Das Rumpelst\u00fcck hatte etwas Besonderes, es war Indie\u00a0 und erinnerte mit der Sch\u00fcchternheit und scheinbaren Gebrechlichkeit der Stimme. Wer seinerzeit auf <strong>Mazzy Star<\/strong> und \u00e4hnliches stand, h\u00f6rte auch <strong>Cat Power<\/strong>.<br \/>\nZwangsl\u00e4ufig kaufte ich mir die Alben. <em>Dear Sir<\/em>, <em>Moon Pix<\/em>, <em>What would the community think<\/em>. Und auf allen Platten h\u00f6rte ich das gleiche: Gitarren und diese markante Stimme. Rauchig, bluesig, tief. So wird sie umschrieben. Mich beeindruckte aber vielmehr die Zartheit und Sch\u00fcchternheit, das leicht holprig, verwundbare und diese unendliche Melancholie, die in jeder Note mitschwang. <strong>Cat Power<\/strong> Songs klangen traurig.<br \/>\nMit <em>You are free<\/em> und sp\u00e4ter mit <em>Jukebox<\/em> und <em>Sun<\/em> \u00e4nderte sich das. Mit <em>Sun<\/em> wurde <strong>Cat Power<\/strong> gro\u00df, untermalte mit einem St\u00fcck einen Apple Videospot und verkaufte das Br\u00fcsseler AB aus. Auf dieser Tour erkannte ich <strong>Chan Marshall<\/strong> fast nicht wieder: kurze, blondgef\u00e4rbte Haare, eine Band und eine gro\u00dfe B\u00fchne. Auf einmal war Glitzer in den St\u00fccken, Keyboards und Elektro piepsten hervor. <em>Sun<\/em> war fast schon durchg\u00e4ngig tanzbar. Wo ist sind die kleinen, dunklen Klubs, das sp\u00e4rliche B\u00fchnenlicht, die abgebrochenen Songs und Konzerte, das kleine, sanfte, leise, zerbrechliche? Und die viel gr\u00f6\u00dfere Frage, die ich nie stellte, aber immer dachte: Wie kommst du damit klar, <strong>Chan<\/strong>? Durch Interviews lernte ich sie als eine Person kennen, die ihre \u00c4ngste hat. <strong>Chan Marshall<\/strong> verschweigt ihre Probleme nicht, ihre B\u00fchnenangst, ihre Nervosit\u00e4t, ihre alten Drogengeschichten. Jeder kann das nachlesen, es gibt unz\u00e4hlige Interviews, die dar\u00fcber berichten. Vor einigen Jahren kam dann noch eine Krankheitsdiagnose dazu, Angio\u00f6dem.<\/p>\n<p>An diesem Abend spukte mir all das durch den Kopf, als ich mich ins Gloria aufmachte. Was wird mich erwarten? Sicher war ich mir, dass es nicht so wild wird wie damals im Geb\u00e4ude 9, als <strong>Chan Marshall<\/strong> erst Stunden auf sich warten lie\u00df und dann nicht mehr aufh\u00f6ren wollte, zu spielen. Die chaotischen fr\u00fchen Jahre liegen hinter ihr. Auch das hatte ich gelesen. Aber was wird sie spielen, neue Sachen? Seit Sun gibt es kein neues Material, es k\u00f6nnte also sein, dass ich ein, zwei unbekannte Sachen h\u00f6ren werde. Oder altes Zeugs und Cover. Und wie wird sie auftreten, mit Band?<\/p>\n<p>Zuerst einmal las ich, eine Vorband g\u00e4be es nicht. Das ist gut, sch\u00e4rft den Sinn aufs Wesentliche und kostet nicht unn\u00f6tig Zeit. Gerade im Sommer macht es nicht so viel Spa\u00df, l\u00e4nger in einem Raum voller Leute auszuharren, wenn es drau\u00dfen warm ist und drinnen noch ein paar Grad w\u00e4rmer und stickig.<br \/>\nDas Gloria ist gut besucht, als ich etwas \u00fcber der Zeit im Saal ankomme. Trotz aller Vorfreude und Anspannung auf das Konzert war ich deswegen nicht unruhig oder hektisch. Der Newsletter des Gloria weist zwar darauf hin: keine Vorband, Beginn 20 Uhr, aber das Konzert findet nicht in Belgien oder den Niederlanden statt, wo eine solche Ank\u00fcndigung auch durchgezogen wird. Als gegen kurz nach halb neun das Saallicht erlischt und eine Frau mit Gitarre z\u00f6gerlich und beinahe unbemerkt die B\u00fchne betritt, sehe ich mich best\u00e4tigt. <strong>Chan Marshall<\/strong> kommt allein. Ohne Begleitung. Das Licht im Gloria bleibt dunkel. Das Ambiente passt zur Musik. Ich h\u00f6re <strong>Cat Power<\/strong> nie im hellen, nachts klingen ihre Songs dreimal sch\u00f6ner als bei einer sommerlichen Autofahrt.<\/p>\n<p><strong>Chan Marshall<\/strong> beginnt einfach: ein kurzer Wink ins Publikum er\u00f6ffnet den Abend. Vom ersten Gitarrenton von an ist es ruhig im Gloria. Gebannte, gespannte Ruhe. Das Gitarrenspiel startet bed\u00e4chtig. \u201eOld Detroit\u201c, dann \u201eFool\u201c. Sie muss sich einfinden, die Stimme finden, die in den ersten T\u00f6nen noch leicht hinterher hinkt. Aber sie spielt, Song eins geht nahtlos \u00fcber in Song zwei, der anfangs klingt wie \u201eThe greatest\u201c, sich aber dann doch als ein anderes St\u00fcck entpuppt. Zu fr\u00fch gejubelt, obwohl, eigentlich m\u00f6chte ich schon jubeln. Doch <strong>Chan Marshall<\/strong> l\u00e4sst das nicht zu, auch der n\u00e4chste Song schlie\u00dft sich nahtlos an, es gibt keine Pause. Als sie nach vier Songs ans Klavier wechselt, nimmt das Publikum die Gelegenheit auf und zw\u00e4ngt brandenden Applaus in die Stille. Endlich kann man seiner Begeisterung Ausdruck geben. Er klingt f\u00fcr mich beruhigt und gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Alle drei, vier Songs nimmt sich der Saal ab da die Freiheit, einfach loszujubeln. <strong>Chan Marshall<\/strong> untermalt ihn mit musikalischen Zwischenspielen, bedankt sich leise und freut sich \u00fcber den Zuspruch. Der ist riesengro\u00df, nach den drei Gitarrenst\u00fccken ist jedem klar, dass es ein guter und erinnerungstr\u00e4chtiger Abend werden w\u00fcrde. Zwar verspielt sie sich des \u00d6fteren, aber Perfektion braucht hier und jetzt niemand. In diesen Momenten spielt Chan Marshall einfach weiter und flucht oder nuschelt nur leise etwas vor sich hin. Es ist gut, wie es ist. <strong>Cat Power<\/strong> Songs brauchen nur wenige Akkorde, die kriegt sie immer irgendwie hin.<br \/>\n<strong>Cat Power<\/strong> spielt viele Songs. Ich h\u00f6re &#8222;Great Expectations\u201d, &#8222;I don&#8217;t blame you\u201d, &#8222;The Greatest\u201d, &#8222;The Moon\u201d, &#8222;Maybe not\u201d. Es sind haupts\u00e4chlich \u00e4ltere St\u00fccke und Cover, die ich wahrnehme. Die <em>Sun<\/em> Phase l\u00e4sst sie bis auf &#8222;3,6,9\u201c au\u00dfen vor. Mich packt sie mit \u201eNames\u201c. Es ist das zweite Klavierst\u00fcck und es l\u00e4sst mich an viele Dinge denken. Die G\u00e4nsehaut ist da und sie bleibt eine Weile. Das Konzert kommt jetzt auf Touren, <strong>Chan Marshall<\/strong> erreicht Betriebstemperatur. Sie ist grandios, spielt grandios, wirkt einzigartig. Der Grundton wird sich in der n\u00e4chsten Stunde Klaviermusik nicht \u00e4ndern. W\u00e4re man gemein, k\u00f6nnte man ihre Songs monoton nennen. Gleiche Grundstrukturen, gleiche Stimmlage. Bei den weniger eingefleischten Fans macht sich so ein bisschen Unruhe breit. Stehen und zuh\u00f6ren ist anstrengend. Wer sich im <strong>Cat Power<\/strong> Kosmos nicht so auskennt, k\u00f6nnte es nun z\u00e4h und langatmig finden. Ein P\u00e4rchen startet eine Unterhaltung, vor mir filmt einer einen Facebook Livestream \u00fcber zwei Songs und Pings geben mir zu erkennen, dass er Kommentare dazu erh\u00e4lt. \u00a0Konzertalltag.<\/p>\n<p>Nach einer Stunde am Klavier wechselt <strong>Chan Marshall<\/strong> zum Abschluss zur\u00fcck an die Gitarre. Mit &#8222;The moon\u201c und &#8222;Metal heart\u201c geht sie von der B\u00fchne, genauso unscheinbar, wie sie sie anderthalb Stunden zuvor betreten hat. Der Jubel ist gro\u00df, sehr gro\u00df. Eine Zugabe spielt sie nicht.<\/p>\n<p>Das ber\u00fchrendste Konzert des Jahres.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/cat-power-brussel-26-06-2013\/\" target=\"_blank\">Cat Power \u2013 Br\u00fcssel, 26.06.2013 \/ AB<br \/>\n<\/a><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-enemy-koln-30012008-17\/\" target=\"_blank\">Cat Power \u2013 K\u00f6ln, 04.06.2008 \/ Live Music Hall<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs war ein sch\u00f6nes Konzert. Ich hatte im Vorfeld schlimmeres bef\u00fcrchtet.\u201c So fasste ich das Cat Power Konzert vor 8 Jahren in der Live Music Hall zusammen. Ein \u00e4hnlich gutes Fazit zog ich ein paar Jahre sp\u00e4ter nach dem Besuch des Br\u00fcsseler Konzertes. 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