{"id":7569,"date":"2016-06-09T19:35:26","date_gmt":"2016-06-09T17:35:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7569"},"modified":"2016-06-09T19:35:26","modified_gmt":"2016-06-09T17:35:26","slug":"metz-heerlen-30-05-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/metz-heerlen-30-05-2016\/","title":{"rendered":"Metz &#8211; Heerlen, 30.05.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Poppodium Nieuwe Nor, Heerlen<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Solids<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7570\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/1.jpg\" alt=\"Metz\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/1-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/1-1010x568.jpg 1010w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><strong>Metz<\/strong>. Die Band, nicht die Stadt. Sie waren eine meiner gro\u00dfen \u00dcberraschungen des Primavera 2013. Sie spielten auf der Pitchfork B\u00fchne ein Konzert, das mich regelrecht aus den Socken gehauen hat. Gitarre, Schlagzeug, Bass und eine Hyperaktivit\u00e4t, die sich voll und ganz in der Musik widerspiegelte.<br \/>\n<strong>Metz<\/strong> hatten gerade ihre Deb\u00fctplatte rausgehauen, ich war beeindruckt. Das klang toll irgendwie nach Grunge und Noise. So wie die <strong>Japandroids<\/strong>, die mich seinerzeit sehr in den Bann zogen. Oder so wie die alten <strong>Dinosaur Jr.<\/strong>, <strong>Mudhoney<\/strong> und <strong>H\u00fcsker D\u00fc<\/strong>. Nach dem ersten Album folgte im letzten Jahr <em>II<\/em>, nicht minder laut, nicht minder kr\u00e4ftig.<br \/>\nNach wie vor bleibt es schwierig, die Band zu googlen. Ein guter Bandname also, um im Netz nicht direkt ins Auge zu sto\u00dfen. Bis auf Seite 3 muss ich bl\u00e4ttern, um erste Liveberichte von Konzerte in diesem Jahr lesen zu k\u00f6nnen; unter dem Reiter News taucht die Band aus Kanada schon mal rein gar nicht auf. (Vielleicht gibt es auch keine Neuigkeiten, obwohl, die Tour l\u00e4uft doch seit ein paar Tagen). Also wieder auf nach Heerlen. Ich mache das nicht ungern, denn das Nieuwe Nor ist ein kleiner, feiner Konzertladen.<\/p>\n<p>Bands wie <strong>Metz<\/strong> fackeln nicht lange. Kaum hat die Vorband <strong>Solids<\/strong> die B\u00fchne ger\u00e4umt und ihre Instrumente verstaut, startet kurz und knapp der <strong>Metz<\/strong> B\u00fchnenaufbau. 2 Mikrofonst\u00e4nder, ein paar Boxen, Schlagzeug, fertig. Der Soundcheck dauert knappe 5 Minuten. Zwei S\u00e4tze pro Mikrofon, kurz die Gitarren anzupfen, das war es.<br \/>\nDas sich der Beginn allerdings dann doch noch ein paar Minuten hinausz\u00f6gerte lag an einem technischen Defekt. Ein lautes Knallen und eine der Boxen oder deren Steckverbindung war durch.<br \/>\nGenauso schnell wie die B\u00fchne einsatzbereit gemacht wurde, waren die drei Kanadier im Programm. Nach zwei Aufw\u00e4rmst\u00fccken spielen sie ihren Hit \u201eSplit it up\u201c bereits sehr fr\u00fch. Es ist mit 4:50 Minuten der l\u00e4ngste Song des noch aktuellen Albums <em>II<\/em> und sowas wie das Kernst\u00fcck der Scheibe. Die meisten anderen Songs sind keine drei Minuten lang, oder nur knapp dr\u00fcber. Damit bewegen sich <strong>Metz<\/strong> in guter Tradition zu anderen Noiserockbands. \u201eWenn man in zweieinhalb nicht Minuten nicht alles in einem Song sagen kann, dann braucht man gar nichts sagen.\u201c Wer hat das noch gleich gesagt?<br \/>\nF\u00fcr feingliederige Strukturen geben sie sich keine Zeit. Es dreschen die Gitarren, es schreit der Gesang. Ein bisschen Fuzzy Gitarre, die mich sehr an <strong>Mudhoneys<\/strong> \u201eHere comes sickness\u201c erinnert, ein etwas poppigeres St\u00fcck (von <strong>Alex Edkins<\/strong> als \u201enext is a dance song\u201c angek\u00fcndigt) lockern das gute Set ein wenig auf.<br \/>\nAnsonsten gilt: Volle Kraft voraus. Und volle Kraft meint auch volle Lautst\u00e4rke. Das kleine Nieuwe Nor \u2013 \u00fcbrigens ein wirklich vorz\u00fcglicher Saal \u2013 scheint zu platzen, so dr\u00f6hnig wummert es bei guter Soundqualit\u00e4t aus den Boxen. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn ich vom Bass ein Hungergef\u00fchl im Magen bekomme.<\/p>\n<p>Draussen vor der T\u00fcr ist Kirmes, der Autoscooter dingelt vor sich hin. Da bietet sich eine konzertiale Abwechslung geradezu an. Warum <strong>Metz<\/strong> gerade in der kleinen Stadt nahe der Grenze halt machen, verstehe ich nicht so ganz. Vielleicht lag es auf dem Weg nach Amsterdam (?). Egal, nicht nur ich nutze die Gelegenheit, um sie mir anzugucken, nachdem ich sie vor Wochen in K\u00f6ln verpasst hatte. Andere machen das genauso. Der Saal ist gut gef\u00fcllt und gibt ein sch\u00f6nes Bild ab. Meine Bef\u00fcrchtungen, dass es in Heerlen keinen interessiert, wenn eine der besten Noise Bands der Jetztzeit ein Konzert spielen, ist unbegr\u00fcndet. Und dass der Laden nicht proppevoll ist, hatte ich auch nicht erwartet. Es ist okay, wie es ist, denn es ist nicht nur Kirmes, es ist auch Montag. Statistisch gesehen kein guter Veranstaltungstag, wie ich mal irgendwo gelesen habe. Montags gehen die Leute nicht weg.<br \/>\nInwieweit sich <strong>Metz<\/strong> von ihrem Publikum ziehen lassen, um eine gute Show abzuliefern, kann ich nicht beurteilen. Mein Eindruck ist, eher gar nicht. Unger\u00fchrt von den \u00fcberschaubaren Heerlener Verh\u00e4ltnissen rei\u00dfen sie eine Show ab, als w\u00e4re es ihre letzte. Ich fand ihren Auftritt ph\u00e4nomenal! <strong>Alex Edkins<\/strong> ist ein irrwisch, eine ausgewiesene Rampensau. Wie ein Aufziehm\u00e4nnchen tanzt er \u00fcber die B\u00fchne, bewegt und dehnt seinen Oberk\u00f6rper nach hinten und schreit seine Texte ins Mikrofon.<\/p>\n<blockquote><p>Man denkt immer, es sei einfach, w\u00fctende Musik zu machen. Ein paar missmutige Gesellen, ein Proberaum, Instrumente einst\u00f6pseln, Regler auf zehn, los geht\u2019s. Dass das Quatsch ist, zeigte sich schon in den Neunzigern, dem Toilettenduftjahrzehnt der angepissten Musik schlechthin. Bands wie <strong>Drive Like Jehu<\/strong> oder <strong>Jawbreaker<\/strong> waren furchtbar sauer und furchtbar gut. Ihre zahllosen Wiederg\u00e4nger meist nur furchtbar.<br \/>\nHeute ist die kanadische Band <strong>Metz<\/strong> das beste Beispiel daf\u00fcr, dass es f\u00fcr einen durchschlagenden Sound mehr braucht als die blanke Freude am Zerst\u00f6ren von Geh\u00f6rg\u00e4ngen. Bereits 2007 trat die Band in ihrer Heimatstadt Toronto auf den Plan, gute vier Jahre vor dem H\u00f6hepunkt des allgemeinen Neunziger-Revivals also. W\u00fctend waren die drei Bandmitglieder schon damals, ihre Konzerte geradezu halsbrecherisch, schnell wurden sie zum zuverl\u00e4ssigsten Wutkanal der Stadt. Doch bis zur ersten Albumver\u00f6ffentlichung sollte es noch f\u00fcnf Jahre dauern. Die Verz\u00f6gerung war nicht etwa Faulheit oder Unverm\u00f6gen zuzuschreiben, vielmehr schienen <strong>Metz<\/strong> ernstzunehmen, was Malcolm Gladwell einst \u00fcber die Beatles sagte: Man braucht locker 10.000 Stunden im Proberaum, um so gut zu werden. (Spex)<\/p><\/blockquote>\n<p>Zwei Alben mit je knapp 30 Minuten Spielzeit und eine EP haben <strong>Metz<\/strong> ver\u00f6ffentlicht. Da erwarte ich kein Riesenkonzert, und dass nach 45 Minuten Schluss ist, empfinde ich nicht als Drama. Die Hemden sind durchgeschwitzt, ein letztes Mal noch kniet sich <strong>Alex Edkins<\/strong> auf den Boden. Das Ende der Show ist erreicht, eine Zugabe spielen <strong>Metz<\/strong> nicht mehr.<br \/>\nMein Piepen im Ohr bleibt noch ein bisschen l\u00e4nger. Ein tolles Konzert!<\/p>\n<p>PS: Bald startet das Primavera. Da seh\u2018 ich dann Bands wie <strong>Drive like Jehu<\/strong>. Mit dessen S\u00e4nger <strong>John Reis<\/strong> haben <strong>Metz<\/strong> in San Diego \u00fcbrigens ein paar Songs eingespielt.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-23-05-2013\/\" target=\"_blank\">Primavera Sound Festival \u2013 Barcelona, 23.05.2013 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Metz. Die Band, nicht die Stadt. Sie waren eine meiner gro\u00dfen \u00dcberraschungen des Primavera 2013. 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