{"id":7560,"date":"2016-05-25T18:37:16","date_gmt":"2016-05-25T16:37:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7560"},"modified":"2016-05-26T14:34:40","modified_gmt":"2016-05-26T12:34:40","slug":"tuxedomoon-heerlen-23-05-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/tuxedomoon-heerlen-23-05-2016\/","title":{"rendered":"Tuxedomoon &#8211; Heerlen, 23.05.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Poppodium Nieuwe Nor, Heerlen<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Georgio Valentino<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7563\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7860.jpg\" alt=\"Tuxedomoon\" width=\"2048\" height=\"1151\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7860.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7860-520x292.jpg 520w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7860-1011x568.jpg 1011w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Es gibt Bands, f\u00fcr die bin sogar ich nicht alt genug. Also nicht nicht alt genug, um sie nicht zu h\u00f6ren, aber nicht alt genug, um sie in ihrer Hochphase mitbekommen zu haben. <strong>H\u00fcsker D\u00fc<\/strong> zum Beispiel, oder <strong>The Stranglers<\/strong> oder <strong>The Clash<\/strong>. Ich war damals noch zu jung, um sie aufzunehmen, mir anzuh\u00f6ren. Meine Ohren liebten damals <strong>Nena<\/strong>, <strong>Kajagogoo<\/strong>, <strong>Alphaville<\/strong> oder <strong>Frankie goes to Hollywood<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Tuxedomoon<\/strong> geh\u00f6ren auch in diese Kategorie Bands. Ich tanzte 10 Jahre sp\u00e4ter zwar ausgiebig in der Indiedisco zu ihren Hits, \u00fcber diese ein, zwei Songs hinaus nahm ich die Band aber nie wahr. Und so steht unter <strong>Tuxedomoon<\/strong> in meinem Musikged\u00e4chtnis nur \u201eNo tears\u201c. Und ein bisschen \u201eWhat use?\u201c. Das ist nicht viel, aber immerhin.<br \/>\n\u201eNo tears\u201c ist ein Riesenhit, seinerzeit kannte ich ihn fast auswendig. Er war fester Bestandteil im Repertoire der DJs, nahezu jedes Wochenende h\u00f6rte ich ihn im Dortmunder Musikzirkus, direkt vor oder nach \u201eSuicide commando\u201c. Dieses Doppel lockte uns immer auf die Tanzfl\u00e4che; wenn wir nicht schon da waren.<br \/>\nEtwas unverst\u00e4ndlich bleibt, warum ich mich nicht auch abseits des Wochenendes mit der Musik von <strong>Tuxedomoon<\/strong> besch\u00e4ftigt habe. Vielleicht, weil die Musik damals schon alt war und f\u00fcr mich auch alt klang. Vielleicht aber auch nur, weil keiner meiner Freunde eine Platte von ihnen hatte und mich so nicht mitziehen konnte. Letzteres war wohl der entscheidende Grund. Ich wurde in meinem Musikh\u00f6rverhalten sehr von meinen Freunden beeinflusst. Viele Bands h\u00e4tte ich durch sie nicht kennen und sch\u00e4tzen gelernt. Andersrum war es sicher genauso. Und da niemand von uns sonderlich stark auf Postpunk und Avantgarde-Kram stand, waren <strong>Tuxedomoon<\/strong> raus, und ich konzentrierte mich auf andere Musik.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich w\u00e4ren sie auch aktuell noch raus, wenn ich nicht vor ein oder zwei Jahren von einem Bekannten gefragt worden w\u00e4re, ob ich nicht mit zu einem ihrer Konzert gehen m\u00f6chte. Damals hatte ich keine Zeit, und der Konzertbesuch fiel leider aus. Denn ja, angeschaut h\u00e4tte ich sie mir schon, vielleicht auch nur wegen \u201eNo tears\u201c. Dass sie den Song bereits seit Jahren live nicht mehr spielen, wusste ich damals noch nicht. Diese Information erfuhr ich erst vor einigen Tagen beim Lesen eines ihrer Interviews. Sicherlich h\u00e4tte ich mich damals verwundert gezeigt, &#8222;no tears&#8220; nicht zu h\u00f6ren. Ach, ganz bestimmt sogar. Denn wie kann eine Band ihren einzigen Welthit nicht in einem Konzert spielen. das geht doch nicht!<br \/>\nAber die Band war wieder irgendwie in meinem Kopf. Und \u201eNo tears\u201c kurzzeitig auf meiner Playlist. Lustigerweise wieder nur dieser eine Song. Noch immer interessierte mich anderes nur wenig.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte bestimmt auch nicht zu diesem Konzertbesuch gereicht, wenn ich die Tourank\u00fcndigung, dass die aktuelle Konzerttour eine <em>Half-Mute<\/em> Albumtour ist, nicht mitbekommen h\u00e4tte. <em>Half-Mute<\/em> ist das Deb\u00fctalbum der amerikanischen Band, deren Mitglieder bereits seit Jahren in Europa leben. \u2018Sie empfanden ihre Musik als zu europ\u00e4isch, daher gingen sie von New York nach Br\u00fcssel\u2018, lese ich in besagtem Interview. Ferner las ich andere interessante Dinge, die mich mehr als neugierig machten.<\/p>\n<blockquote><p><em>Half-Mute<\/em> kommt in der Avantgardepopsaison 1980 die Rolle zu, Klassik, europ\u00e4ische Kunstmusik und Noise-Sequenzen in den Postpunk zu drehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich interpretiere daraus: <em>Half-Mute<\/em> ist f\u00fcr die Musik der 1980er Jahres ein relevantes Album. Ein sehr relevantes Album. Grund genug, es sich mal anzuh\u00f6ren. Und das am besten live.<\/p>\n<p>Der Haken an der Sache: der K\u00f6lntermin liegt zu einem Zeitpunkt (04.06.), an dem ich nicht kann. Sollte mir hier etwa wieder ein feines Konzert einer Band mit einer sehr relevanten Platte durch die Lappen gehen? Das kann nicht sein und so war meine Freude gro\u00df, als ich beinahe zuf\u00e4llig mitbekam, dass <strong>Tuxedomoon<\/strong> auch in Heerlen ihre Albumshow spielen sollten. Heerlen bei Aachen, nicht wirklich weit weg. Also nix wie hin.<\/p>\n<p>Am Tag zuvor h\u00f6rte ich <em>Half-Mute<\/em> zum ersten Mal. Ein bisschen vorbereiten wollte ich mcih denn doch. Ich gestehe, ich hatte anderes erwartet. Ich h\u00f6rte nichts, was klang wie \u201eNo tears\u201c oder \u201eWhat use?\u201c. Stattdessen h\u00f6rte ich Noise mit Saxophon, Trompete, Geige und Klarinette. Sounds, die an den Jazz und ernste Musik angelehnt waren, die aber auch diese dunklen typischen Synthiewellen der beginnenden 1980er besa\u00dfen. Meine Spontanreaktion war die: Wer h\u00f6rte sich so etwas vor 30 Jahren an? Ich meine, 1980! \u201eSuper Trouper\u201c von <strong>Abba<\/strong> erschien, oder \u201eder Nippel\u201c von <strong>Mike Kr\u00fcger<\/strong>. Das war soweit von dem hier weg wie nur sonst was. Wie unterschiedlich kann eine Welt doch sein. Aber mir gefiel das viel besser als &#8222;Super Trouper&#8220;, was auch famos ist, und ich brauchte gar nicht lange, um f\u00fcr mich festzustellen, dass <em>Half-Mute<\/em> ein gutes Album ist. Es packte mich sofort im ersten Durchgang.<\/p>\n<p>Die Vorfreude auf den Konzertabend wuchs enorm. Wie wird das sein?<br \/>\nNun, die Antwort darauf ist schnell geschrieben: Verdammt gut!<\/p>\n<p><strong>Steven Brown<\/strong>, <strong>Blaine L. Reininger<\/strong> und <strong>Peter Principle<\/strong> bilden das Kernteam von <strong>Tuxedomoon<\/strong>, damals wie heute. \u00dcber 180 Lebensjahre stehen somit vor mir auf der B\u00fchne. \u00a0Das 30 Jahre eine lange Zeit sind, zeigt ein Videohinweis vor dem Konzert: &#8218;In memoriam of our friend and collegue <strong>Bruce Geduldig<\/strong>\u2018 steht an der B\u00fchnenr\u00fcckwand. Das ehemalige Bandmitglied verstarb vor ein paar Wochen.<br \/>\nW\u00e4hrend des Konzertes laufen im Hintergrund Filmchen und Visualisierungen. Sie untermalen das, was vornehmlich <strong>Steven Brown<\/strong> und <strong>Blaine L. Reininger<\/strong> am B\u00fchnenrand mit ihren Instrumenten fabrizieren. Im Hintergrund halten sich Trompeter <strong>Luc van Lieshout<\/strong> und <strong>Peter Principle<\/strong> stoisch zur\u00fcck. Den Trompeter kann ich nicht so gut beobachten, den Bassisten der Band schon. Ich glaube, die 90 Minuten Konzert bewegten sich nur seine Finger. Ohne Regung spielt er den Bass, manchmal minutenlang nur ein und denselben Ton. <strong>Steve Brown<\/strong> bedient die Synthies und das Saxophon oder die Klarinette w\u00e4hrend <strong>Blaine L. Reininger<\/strong> zwischen Gitarre und Voline wechselt. Erstmalig bei \u201eFifth Column\u201c greift er zum Bogen. Die T\u00f6ne, die er damit produziert, klingen f\u00fcr mich erst mal wenig nach Violine. Es ist vielmehr ein irres Gezupfe, das irgendwelche T\u00f6ne produziert.<\/p>\n<p>Das anschlie\u00dfende \u201eTritone\u201c ist im Mittelteil des Konzertes als Instrumentalst\u00fcck ein Brocken, der mit den folgenden \u201eLoneliness\u201c und \u201eJames Whale\u201c verdaut werden muss. Eing\u00e4ngig ist das nur bedingt, sehr sperrig und avantgardistisch empfinde ich diesen Konzertteil. Zwar ist das Zusammenspiel des Saxophons mit der Trompete, immer wieder l\u00f6st das eine Instrument das andere ab, ohne dass der \u00dcbergang direkt h\u00f6rbar ist, wundervoll und 100% aufeinander abgestimmt, alles andere jedoch erscheint mir auf den ersten Blick wie ein gro\u00dfes Wirrwarr. Mal klingt es f\u00fcr Sekunden sehr nach Jazz, dann wieder nach Krautrock, manchmal aber auch nach gar nichts. Und doch verlieren <strong>Tuxedomoon<\/strong> in ihren St\u00fccken nie den roten Faden. Das, was nach Improvisation klingt, ist nicht improvisiert.<\/p>\n<p>Mit \u201eWhat use?\u201c folgt &#8211; ich sag mal &#8211; der Radiohit des Albums. Neben \u201e59 to 1\u201c ist es das eing\u00e4ngigste St\u00fcck der Platte.\u00a0 Bei beiden Songs spielt <strong>Blaine L. Reininger<\/strong> die Gitarre und es sind, wenig verwunderlich, meine pers\u00f6nlichen Konzertfavoriten. Es w\u00e4re aber zu billig, den Abend nur auf diese beiden Songs herabzubrechen. Und es w\u00e4re falsch. Denn auch die Jazzsequenzen waren famos, und die alten Synthiewellen, die Klarinette im Einklang mit der Trompete, der quasi Sprechgesang von Steven Brown bei \u201e7 years\u201c. Ach, es gab so viele tolle Momente. Selten habe ich Avantgarde so unterhaltsam und kurzweilig empfunden. \u201eKM\/ Seeding the clouds\u201c bildet einen weiteren verschrobenen Konzertpart und ist der Abschluss der Albumpr\u00e4sentation. \u00a0Das St\u00fcck kommt mir am wirrsten vor.<\/p>\n<p>\u201aDas neuaufgelegte Vinyl von Half-Mute sei 2 Gramm schwerer als die alte Ausgabe\u2018. Sah und h\u00f6rte ich w\u00e4hrend des Konzertes nicht viel von Peter Principle, jetzt war er da. Kurz und knapp und witzig sein Hinweis auf das rerelease der Deb\u00fctscheibe.<\/p>\n<p>Gute 45 Minuten waren um, das Konzert aber noch nicht zu Ende. Im Anschluss gibt es anderes aus dem Bandkatalog. Insgesamt spielen sie nach dem Album &#8211; deren Songs sie \u00fcbrigens in Albumreihung vortrugen &#8211; noch vier oder f\u00fcnf weitere St\u00fccke. \u201eThis beast\u201c und \u201eMuchos colores\u201c sind darunter, soviel entnehme ich den Setlisten. Die anderen Tracks bleiben mir unbekannt, ich mutma\u00dfe aber mal, dass sie neueren Datums sind.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren machten <strong>Tuxedomoon<\/strong> vornehmlich Filmsoundtracks (<em>Pink Narcissus<\/em>, <em>Blue Velvet Revisited<\/em>). Ich finde, das macht Sinn, denn ihre Musik kann ich mir sehr gut als Filmuntermalung vorstellen, vielleicht sogar besser als alles andere. An \u201eNo tears\u201c denke ich auf dem Nachhauseweg keine einzige Sekunde lang. Ich denke, mehr kann ein Konzert nicht leisten, als einem so den Kopf durchzupusten. Mag es auch ein bisschen verr\u00fcckt gewesen sein, es war ein wunderbares und sehr interessantes Konzert. Und keineswegs so altbacken, wie man vermuten k\u00f6nnte, wenn man h\u00f6rt, dass eine Band ihr 30 Jahre altes Album vorspielt.<\/p>\n<p>Liebe <strong>Tuxedomoon<\/strong>, auch wenn euch die USA nicht verstehen, Heerlen und ich haben euch verstanden.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir stellten fest, dass wir in L\u00e4ndern wie Italien, Griechenland und Belgien regelrecht gefeiert wurden, w\u00e4hrend wir f\u00fcr die USA zu europ\u00e4isch und zu k\u00fcnstlerisch klangen&#8220;, erinnert sich Blaine L. Reininger heute: &#8222;Die ganze Band fl\u00fcchtete vor Ronald Reagan von Kalifornien nach Br\u00fcssel. Wir dachten: Europa wird uns verstehen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Bands, f\u00fcr die bin sogar ich nicht alt genug. Also nicht nicht alt genug, um sie nicht zu h\u00f6ren, aber nicht alt genug, um sie in ihrer Hochphase mitbekommen zu haben. H\u00fcsker D\u00fc zum Beispiel, oder The Stranglers oder The Clash. Ich war damals noch zu jung, um sie aufzunehmen, mir anzuh\u00f6ren. Meine Ohren liebten damals Nena, Kajagogoo, Alphaville oder Frankie goes to Hollywood. 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