{"id":7511,"date":"2016-04-11T17:39:51","date_gmt":"2016-04-11T15:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7511"},"modified":"2016-04-11T17:46:49","modified_gmt":"2016-04-11T15:46:49","slug":"weezer-amsterdam-08-04-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/weezer-amsterdam-08-04-2016\/","title":{"rendered":"Weezer &#8211; Amsterdam, 08.04.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Heineken Music Hall, Amsterdam<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Dinosaur Pile-Up<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7514\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/13.jpg\" alt=\"Weezer\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/13.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/13-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Als Windows 95 auf den Markt kam, war es quasi das erste Multimedia Betriebssystem, das ich besa\u00df. Ich probierte zuvor schon IBMs OS\/2, aber das System hatte Macken, die Optik war suboptimal und Multimedia ging nicht wirklich. Windows 3.11 war da schon besser, aber erst mit Windows 95 funktionierte Multimedia auf dem PC so richtig. Um die Videofunktionalit\u00e4ten von Windows 95 direkt von der frischen Installation weg demonstrieren zu k\u00f6nnen, legte Microsoft auf seiner Installations-CD zwei Beispielvideos bei, die man sich zuhause reinziehen konnte. Mal eben Videos auf youtube angucken oder eine DVD am Rechner angucken, das ging noch nicht. All das musste ja noch erfunden werden.<br \/>\nAlso blieb einem nicht viel \u00fcbrig, als sich mit den Videos und der Musik von der Windows 95 CD zu vergn\u00fcgen. \u201eGood Times&#8220; von <strong>Edie Brickell<\/strong> und <strong>Weezers<\/strong> \u201eBuddy Holly\u201c waren die von <strong>Bill Gates<\/strong> (oder seinen Programmiernerds) auserw\u00e4hlten Videos, die nun Millionen von Menschen an ihren Rechnern sitzend ansahen und \u00fcber die Leistungsf\u00e4higkeit ihrer Heimcomputer staunen lie\u00dfen. Oh ja, so ein 486er war schon flott unterwegs. (Und sauteuer!)<br \/>\nDamit waren <strong>Weezer<\/strong> endg\u00fcltig im Mainstream des College Rock angekommen. Ein Jahr zuvor erschien ihr <em>blaues Album<\/em>, es war der Kn\u00fcller der Saison. \u201eBuddy Holly\u201c, \u201eMy name is Jonas\u201c, \u201eUndone \u2013 The sweater song\u201c oder \u201cSay it ain\u2019t so\u201d, <strong>Weezer<\/strong> waren die logische Verkn\u00fcpfung von <strong>Pavement<\/strong> (die damals noch sehr Indie waren) mit Bands wie den <strong>Presidents of the United States<\/strong> und anderen one-hit-Collegerockbands.<br \/>\nNat\u00fcrlich verliebte ich mich seinerzeit sofort in die Songs, die auch f\u00fcr mich diese L\u00fccke zwischen amerikanischem Indie und radiotauglichem Collegerock f\u00fcllten. \u00dcberdies lehrte <strong>Rivers Cuomo<\/strong> mich zwei andere Dinge: man kann durchaus einfarbige Polohemden \u00fcber karierten lang\u00e4rmligen Hemden tragen und schwarze Hornbrillen sind nie aus der Mode, selbst wenn sie aus der Mode sind. (So wie in den 1990ern).<br \/>\nDas <em>blaue Album<\/em> war toll, aber besser fand und finde ich den Nachfolger <em>Pinkerton<\/em>. <em>Pinkerton<\/em> ist nicht ganz so viel Sonne, Sommer, Leichtigkeit, sondern melancholischer und verbitterter. In den letzten Wochen h\u00f6rte ich es sehr oft bei meinen Laufeinheiten, <em>Pinkerton<\/em> ist trotzig und ein Album voller tragischer Liebeslieder. Nahezu jeder Song dreht sich um Liebeskummer, vertane M\u00f6glichkeiten, dem Nachtrauern von gescheiterten Beziehungen oder, in vier Worten, der gesamtumf\u00e4nglichen Tragik einer Liebesbeziehung. <em>Pinkerton<\/em> ist mein liebstes <strong>Weezer<\/strong>album, ich erinnere mich, dass ich es fr\u00fcher rauf und runter h\u00f6rte.<\/p>\n<p>2001 sah ich <strong>Weezer<\/strong> zum ersten Mal live. In Dortmund, im Soundgarden. Erinnerungen habe ich an das Konzert keine mehr, ich musste sogar lange nachdenken, bis es mir wieder in den Sinn kam. Von damals blieb nur ein T-Shirt, das aber mittlerweile auch verschwunden ist.<br \/>\n2001 war auch das letzte Mal, dass <strong>Weezer<\/strong> in den Niederlanden live zu sehen waren. So erz\u00e4hlte es mir zumindest die LED Leuchtwand in der Heineken Music Hall vor dem Konzert. \u00dcberdies erwies sich die Anzeigetafel als Informationsquelle zum \u2018schnell noch mal nachlesen\u2018. \u00dcber f\u00fcnf Anzeigeseiten wurde kurz die Bandgeschichte pr\u00e4sentiert. Ein sch\u00f6ner Service gegen die Umbaulangeweile.<\/p>\n<p>Oft waren die Amis seitdem nicht mehr in Europa. In Deutschland spielten sie schon rein gar nicht.<br \/>\nAls ich vor einigen Wochen die Info bekam, dass <strong>Weezer<\/strong> Europakonzerte in Amsterdam spielen w\u00fcrden, war es sonnenklar, hinzufahren. <strong>Weezer<\/strong> auf dem europ\u00e4ischen Kontinent, und dann noch in Reichweite eines Freitagabendausflugs, das konnte ich mir nicht nehmen lassen. In England, wo <strong>Weezer<\/strong> zwei weitere Konzerte auf diesem Tour-Kurztrip spielten, waren die Tickets ruck zuck weg und die Konzerte ausverkauft. Na ja, in England ist das mit der Musik ja eh intensiver. Tickets f\u00fcr Amsterdam gab es noch an der Tageskasse.<br \/>\nViel los war nicht, als die Vorband <strong>Dinosaur Pile-Up<\/strong> auf die B\u00fchne kam. Die Band aus England outete sich als gro\u00dfe <strong>Weezer<\/strong> Fans. mynameisjonas@&#8230; sei lange Zeit seine Emaildresse gewesen, lie\u00df uns S\u00e4nger und Gitarrist <strong>Matt Bigland<\/strong> wissen. Eine gute Idee, ich werde das im Kopf behalten. Musikalisch sind <strong>Dinosaur Pile-Up<\/strong> im Terrain zwischen <strong>Nirvana<\/strong>, den <strong>Foo Fighters<\/strong> und <strong>Japandroids<\/strong> unterwegs. Das ist nett und f\u00fcr eine gute halbe Stunde reichen die Song- und Hitdichte locker aus.<br \/>\nDass sich die Halle, die \u00fcbrigens sehr verkehrsg\u00fcnstig im S\u00fcden von Amsterdam liegt &#8211; wer Lust hat, kann zuvor ein paar Autofahr-Runden unter dem nebenan befindlichen Ajax Stadion drehen; der vierspurige Autobahnzubringer verl\u00e4uft direkt unter dem Stadion (ich hatte keine Lust) -, in der Umbaupause doch noch sehr beachtlich f\u00fcllte, ist dann gut und hob die Stimmung enorm an. Um mich herum tummelten sich allerlei Volk, \u00fcberwiegend aus Gro\u00dfbritannien und Deutschland. Dieses <strong>Weezer<\/strong>konzert hat nicht nur mich in die niederl\u00e4ndische Stadt gezogen, wie es scheint.<br \/>\nDie Band um den kleinen <strong>Rivers Cuomo<\/strong> (gef\u00fchlt wurde das Mikrofon auf einer H\u00f6he von 1,5 m positioniert) spielt seit Jahren in unver\u00e4nderter Besetzung mit <strong>Brian Bell<\/strong> an der Gitarre, <strong>Scott Shriner<\/strong> am Bass und Schlagzeuger <strong>Patrick Wilson<\/strong>. Live steht allerdings nur <strong>Rivers Cuomo<\/strong> im Rampenlicht. Und das sprichw\u00f6rtlich. Bassist <strong>Brian Bell<\/strong> ist nahezu das gesamte Konzert \u00fcber im Halbdunkel unterwegs, <strong>Scott Shriner<\/strong> hat immerhin seinen Spotlightmoment, als er vor \u201eDo you wanna get high?\u201c in einem Instrumentalst\u00fcck die doppelarmige Bass\/Gitarre mit durchsichtigem Korpus umschnallt und wahlweise den oberen Bassarm oder unteren Gitarrenarm bedient. Gerne sagen S\u00e4nger dann sowas wie \u2018this is my band\u2018, und das optische wird durch das gesprochene Wort quasi unterst\u00fctzt bzw. best\u00e4tigt. F\u00fcr mich sagt das dann immer etwas \u00fcber das Bandgef\u00fcge aus, wenn der Singular anstelle des Plurals \u2018we are\u2026\u2018 verwendet wird. Bei <strong>Weezer<\/strong> ist das nicht so, hier scheint das helle Licht nur auf den S\u00e4nger keine doppeldeutige Bedeutung zu haben. Denn <strong>Rivers Cuomo<\/strong> sagte irgendwann \u2018Hallo, wij zijn <strong>Weezer<\/strong>. Ik ben <strong>Rivers<\/strong>, welkom bij het concert\u2018, und er sagte es auf Niederl\u00e4ndisch. Wie alle seine Ansagen an diesem Abend auf Niederl\u00e4ndisch waren. Na ja, Harvard Student eben.<\/p>\n<p>In Amsterdam pr\u00e4sentieren sich <strong>Weezer<\/strong> in guter Form. Das Publikum auch. Erwartungsfreudig ist es schon w\u00e4hrend der Umbaupause, lautstark mitsingen werden der Vater mit seinem Sohn vor mir und das britische P\u00e4rchen links von mir sp\u00e4testens ab \u201eMy name is Jonas\u201c.<br \/>\nDass <strong>Weezer<\/strong> perfekte Mitsingsongs haben und wie sch\u00f6n man <strong>Weezer<\/strong> Songs mitsingen kann, zeigte und h\u00f6rte ich in den n\u00e4chsten gut 90 Minuten. Alles, aber auch ausnahmslos alles wurde von dem P\u00e4rchen neben mir mitgesungen. Selbst bei weniger bekannten Sachen oder den neuen St\u00fccken, <strong>Weezer<\/strong> spielten insgesamt f\u00fcnf neue Songs, stiegen sie \u2013 wie der Vater mit dem Sohn oder die beiden hinter mir &#8211; nicht aus. Die Stimmung war also on top, und bereits zu \u201eMy name is Jonas\u201c grinsten viele von einem Ohr zum anderen.<br \/>\n\u201eHash Pipe\u201c im Anschluss setzt den n\u00e4chsten H\u00f6hepunkt. Dieser als Persiflage auf den 80er Jahre Hardrock gedachte Song (so wurde damals gemutma\u00dft, weil er so g\u00e4nzlich unpoppig und anders war als die bisherigen <strong>Weezer<\/strong> Sachen und weil man <strong>Rivers Cuomo<\/strong> solch einen Schelmenstreich durchaus zutraute), lie\u00df in der Heineken Music Hall erstmals so richtig die Gitarren h\u00e4mmern. Hach, dieses Gitarrenriff zu beginn, ich hatte es v\u00f6llig vergessen.<img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7515\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/5.jpg\" alt=\"Weezer\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/5.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/5-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Vor dem Konzert wusste ich nicht so recht, was f\u00fcr ein Konzert mich erwarten w\u00fcrde. Ein Best-of Sammelsurium, weil die Band so selten in Europa ist und ihren Fans nun ein Spektakel mit altbekanntem zeigen m\u00f6chte, oder doch ein ganz normales Tourkonzert zu einer neuen Platte. Das wei\u00dfe Album haben Weezer erst dieser Tage ver\u00f6ffentlicht, daher w\u00e4re auch letzteres m\u00f6glich gewesen.<br \/>\nNun, es wurde von beidem ein bisschen. F\u00fcnf neue Songs schlichen sich in die Setlist, der Rest war altbekanntes und es waren alle Hits. Aber egal ob alt oder neu, der Weezersound hat sich \u00fcber die Jahre nicht ge\u00e4ndert. Es ist und bleibt sehr zeitloser Indierock mit tollen Refrains und Mitsingsequenzen. Das gilt auch f\u00fcr das aktuelle Album, mir gef\u00e4llt es besser als das rote Album und seine Nachfolger.<br \/>\nUnd so gehen \u201eLa Girlz\u201c, \u201eCalifornia Kids\u201c, \u201eThank God for Girls\u201d, \u201eDo you wanna get high\u201c und \u201eKing of the world\u201c Hand in Hand mit \u201eUndone &#8211; the sweater song\u201c, \u201eEl Scorcho\u201c, \u201eThe good life\u201c, \u201cSay it ain\u2019t so\u201d und \u201cIsland in the sun\u201d. Es fehlte nichts. Selbst die B-Seite \u201eYou gave your Love to me softly\u201d sprang auf die Songliste.<br \/>\n\u201eThank God for Girls\u201c, meiner Meinung nach der beste <strong>Weezer<\/strong> Song seit langem, l\u00e4utete gef\u00fchlt das Finale ein. \u201eSay itain\u2019t so\u201c, \u201eThe good life\u201c und \u201eIsland in the sun\u201c, es war ein riesiges Fest das nun wirklich jeden von den F\u00fcssen riss. Es war ein Finale voller alter und guter Erinnerungen.<\/p>\n<p>Der kleine Junge auf Papa\u2019s Arm sang fr\u00f6hlich mit:<\/p>\n<blockquote><p>\u201aOn an island in the sun<br \/>\nWe&#8217;ll be playing and having fun<br \/>\nAnd it makes me feel so fine<br \/>\nI can&#8217;t control my brain\u2018.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja ja, \u201eIsland in the sun\u201c begeistert jeden! Das Familiendrama spielte sich denn auch vorher hab. Der kleine Junge hat noch einen Bruder, vielleicht zwei Jahre \u00e4lter und acht Jahre alt. Ihm wurde schon w\u00e4hrend der Umbaupause langweilig und er quengelte rum, bis seine Mutter mit ihm auf der Trib\u00fcne im hinteren Bereich der Halle einen Sitzplatz suchte. Dem Vater war\u2019s egal, er sagte nur \u2018it\u2018s up to you\u2018. Ob er sich in sp\u00e4teren Jahren mal dar\u00fcber \u00e4rgern wird? Ich f\u00fcrchte&#8230;<\/p>\n<p>Zur Zugabe dann nochmal Kalifornien, und der Kreis zum Beginn war geschlossen. \u201e Beverly Hills\u201c und &#8211; klar, das fehlte noch &#8211; \u201eBuddy Holly\u201c. Nach \u201eBuddy Holly\u201c strahlte definitiv die gesamte Halle.<\/p>\n<p>Zum Ende formten viele ihre H\u00e4nde zu einem W. Gro\u00dfer Abend. Gro\u00dfes Konzert. Beste Unterhaltung und die Anfahrt allemal wert!<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: California Kids<br \/>\n02: My name is Jonas<br \/>\n03: Hash Pipe<br \/>\n04: Back to the Shack<br \/>\n05: L.A. Girlz<br \/>\n06: El Scorcho<br \/>\n07: Troublemaker<br \/>\n08: Pork and Beans<br \/>\n09: (If you&#8217;re wondering If I want you to) I want you to<br \/>\n10: Do you wanna get high?<br \/>\n11: Cleopatra<br \/>\n12: The Waste Land<br \/>\n13: Thank God for girls<br \/>\n14: Say it ain&#8217;t so<br \/>\n15: The good life<br \/>\n16: You gave your love to me softly<br \/>\n17: King of the world<br \/>\n18: Island in the sun<br \/>\n19: Undone &#8211; The Sweater song<br \/>\nZugabe:<br \/>\n20: Beverly Hills<br \/>\n21: Buddy Holly<\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><\/p>\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/1GUAT__VfZw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Windows 95 auf den Markt kam, war es quasi das erste Multimedia Betriebssystem, das ich besa\u00df. 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