{"id":7504,"date":"2016-04-06T18:25:25","date_gmt":"2016-04-06T16:25:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7504"},"modified":"2025-03-11T19:22:04","modified_gmt":"2025-03-11T18:22:04","slug":"nada-surf-koeln-04-04-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/nada-surf-koeln-04-04-2016\/","title":{"rendered":"Nada Surf &#8211; K\u00f6ln, 04.04.2016"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Live Music Hall, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> The Posies<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/3.jpg\" alt=\"Nada Surf und Ken Stringfellow\" class=\"wp-image-7505\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/3.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/3-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>1996. <strong>Nada Surf<\/strong> ver\u00f6ffentlichen ihr fulminantes Deb\u00fctalbum <em>High\/Low<\/em>. Als Produzent verpflichteten sie hierf\u00fcr einen gewissen <strong>Rick Ocasek<\/strong>, den damaligen Hitproduzenten der Sparte Indiepop \/ College Rock schlechthin. <strong>Rick Ocasek<\/strong> produzierte unter anderem <strong>Weezer<\/strong>\u2019s blaue und gr\u00fcne Album, oder auch diverses Material von <strong>Guided by Voices<\/strong>).<br>In diesem Jahr feiert nach mathematischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten <em>High\/Low<\/em> 20-j\u00e4hriges Ver\u00f6ffentlichungsjubil\u00e4um. Eigentlich Grund genug f\u00fcr eine sch\u00f6ne Albumtour. Die w\u00e4re der Knaller, weil <strong>Nada Surf<\/strong> knappe 40 Minuten lang nur Hits spielen m\u00fcssten. \u201eTreehouse&#8220;, \u201eDeeper Well&#8220; oder \u201ePopular&#8220; &#8211; kennt ja jeder- w\u00e4ren dabei die Welthits unter den Hits. Mit \u201ePopular\u201c wurden <strong>Nada Surf<\/strong> bekannt, das Video zu diesem teils gesprochenem Song ist die College Rock Video Blaupause schlechthin. Neben dem musikalischen Stil College rock geht es auch inhaltlich im weitesten Sinn um\u2019s College und sehr amerikanisches jugendliches Teenagergehabe wie das Cheerleader Dasein, Schulmannschafts-Kapit\u00e4n, etc.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The whole song, except for the chorus, are parts made up from the 1964 teen advice book Penny&#8217;s Guide to Teen-Age Charm and Popularity, written by television actress Gloria Winters. The excerpts are spoken in a sarcastic tone by Matthew Caws.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Matthew Caws<\/strong> ist der S\u00e4nger der Band <strong>Nada Surf<\/strong>. Zusammen mit <strong>Daniel Lorca<\/strong> und <strong>Ira Elliot<\/strong> bildet er seit jeher <strong>Nada Surf<\/strong>. Waren sie anf\u00e4nglich nur zu dritt, so kamen sp\u00e4testens mit dem vierten Album Gastmusiker hinzu, die die Band auch teils auf Tour unterst\u00fctzten. Einer dieser Musiker ist der <strong>Calexico<\/strong> Trompeter <strong>Martin Wenk<\/strong>, der <strong>Nada Surf<\/strong> zur Albumtour von <em>Lucky<\/em> begleitete.<br>2016 haben <strong>Nada Surf<\/strong> einen anderen Gastmusiker die Gelegenheit zu drei Kurzeins\u00e4tzen gegeben: <strong>Ken Stringfellow<\/strong> singt bei drei Songs die zweite Stimme. <strong>Ken Stringfellow<\/strong>, der S\u00e4nger und Gitarrist der Power-Pop-Band <strong>The Posies<\/strong>. Oder auch von <strong>R.E.M.<\/strong>, auf deren Welttouren er als Multiinstrumentalist mit dabei war und sp\u00e4ter auch ein paar Platten mit ihnen einspielte. Dass <strong>The Posies<\/strong> gleich das Vorprogramm bespielen, ist dabei nur allzu schl\u00fcssig und verst\u00e4ndlich.<br>Um es gleich vorneweg zu schreiben: <strong>The Posies<\/strong> habe ich verpasst. Der Tag war arbeitsreich und an ein zeitiges Wegkommen bereits morgens um acht Uhr nicht zu denken. Als ich die Live Music Hall betrat waren <strong>Ken Stringfellow<\/strong> und <strong>Jon Auer<\/strong> bereits am abbauen. Ihr Auftritt schien nur eine knappe halbe Stunde gew\u00e4hrt zu haben, so sp\u00e4t war es n\u00e4mlich noch nicht. Die <strong>Posies<\/strong> scheinen zu dieser Art von Bands zu geh\u00f6ren, auf die sich viele Indieh\u00f6rer meiner Generation einigen zu k\u00f6nnen. Denn vor dem Konzert h\u00f6rte ich von mehreren Seiten beeindruckende S\u00e4tze wie &#8218;Wei\u00dft du wer die Vorband ist? Wie grossartig!&#8216;. Nein, ich wusste es nicht. <strong>The Posies<\/strong>, das sagte mir \u00fcberhaupt nichts, die Namen <strong>Ken Stringfellow<\/strong> und <strong>Jon Auer<\/strong> waren mir g\u00e4nzlich unbekannt. Ist das eine Bildungsl\u00fccke? Ich f\u00fcrchte ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidendere Frage, die mich anschlie\u00dfend besch\u00e4ftigte war die, ob ich mit dem Verpassen der <strong>Posies<\/strong> auch den eigentlichen H\u00f6hepunkt des Konzertabends verpasst hatte. Denn &#8211; und da mache ich mir nichts vor &#8211; ein <strong>Nada Surf<\/strong> Konzert ist zwar jedes Mal ein gutes und unterhaltsames Konzert, aber es ist, wenn man die Band bereits ein paar Mal gesehen hat, keine Wow-Veranstaltung. \u2018Kennst du ein <strong>Nada Surf<\/strong> Konzert, kennst du alle\u2018. Oder: \u2018kennst du einen <strong>Nada Surf<\/strong> Song, kennst du alle.\u2018 Die Band bleibt sich treu. Gr\u00f6\u00dftenteils. Ihr Intervall ist der amerikanische Indiepop, oder fr\u00fcher College Rock genannt. Ihre Grenzen sind abgesteckt. <strong>Nada Surf<\/strong> machen keine Experimente in benachbarte Stilrichtungen, erfinden sich nicht mit jeder Platte neu. Jedes Album ist wie ein neues Modell eines VW Golfs: nicht weit weg vom Vorg\u00e4ngermodell aber immer irgendwie zeitgem\u00e4\u00df sch\u00f6n. Sich treu bleiben, sagt man wohl dazu. Seit Jahren ver\u00f6ffentlichen <strong>Nada Surf<\/strong> ab und an ein neues Alben, doch nach <em>The Weight is a gift<\/em> habe ich mich vom Platten kaufen und Songs h\u00f6ren verabschiedet. Ich kenne also viele Songs, die sie an diesem Abend spielen, nicht. Oder eben doch. \u2018Kennst du einen <strong>Nada Surf<\/strong> Song, kennst du alle. \u2018<br><strong>Matthew Caws<\/strong> schreibt sch\u00f6ne Songs mit tollen Melodien. Und das immer nie zu wild, nie zu schmalzig, nie zu ruhig. Auf dem aktuellen Album <em>You know who you are<\/em> ist das nicht anders. \u201eCold to see clear&#8220;, \u201eBelieve you`re mine&#8220;, \u201eAnimal&#8220; oder \u201eFriend Hospital&#8220; klingen nicht anders als Songs von vor 14 Jahren. Vielleicht ein bisschen gesetzter, vielleicht etwas \u00e4lter.<\/p>\n\n\n\n<p>So recht scheint die Band, die live um den Gitarristen <strong>Doug Gillard<\/strong> komplettiert wird, nicht mehr zu ziehen. Die Live Music Hall ist vielleicht zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt. Der Fluch der Gleichf\u00f6rmigkeit? Der Fluch der altbackenen Musik? Und wie gro\u00df sind <strong>Nada Surf<\/strong> eigentlich noch?<br>Ich habe keine Ahnung und kann es nicht einsch\u00e4tzen. Mir f\u00e4llt nur auf, dass die Band \u00fcberwiegend den alten Fanstamm gehalten hat, aber scheinbar keine neuen Fans mehr hinzugewinnt. Man kennt sich halt, irgendwie. Nicht nur die Band ist \u00e4lter geworden. Und man wei\u00df, was man erwarten darf und man wei\u00df, was man bekommt. Und so h\u00e4lt sich alles im \u00fcberschaubaren Rahmen: keine \u00fcbertriebenen B\u00fchnenaktionen, kein \u00fcbertriebenes Getanze im Publikum, kein zu \u00fcbertriebener Jubel. Alles ist irgendwie sch\u00f6n und nett und gem\u00fctlich. Das allerdings im guten Sinne. Ich habe nichts gegen solche Konzertabende, manchmal suche ich sie mir ganz bewusst aus. Und dann genie\u00dfe ich sie. Ich freue mich auf und \u00fcber Songs, die ich lange nicht geh\u00f6rt habe, \u00fcber alte Lieblingslieder und alte Indiehelden, die unaufgeregt und sich ihrer Position bewusst, ein souver\u00e4nes Konzert spielen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1.jpg\" alt=\"Matthew Caws\" class=\"wp-image-7507\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Lieblingslieder an diesem Abend sind nat\u00fcrlich \u201ePopular\u201c, und nat\u00fcrlich \u201e Happy Kid\u201c und nat\u00fcrlich \u201eAlways love\u201c. Meinen ersten Hit dagegen gibt es nach ein, zwei Songs mit \u201eWeightless\u201c. Es ist der erste Song, den ich wirklich kenne und bereits zu diesem Zeitpunkt bin ich zufrieden mit dem Konzert. Die neueren St\u00fccke zuvor passten gut, gerade der Er\u00f6ffnungssong \u201eCold to see clear\u201c gefiel mir au\u00dferordentlich. Auch wenn es zu Beginn noch ein kleines gesangliches Manko gibt und <strong>Matthew Caws<\/strong>&#8218; markante helle Stimme nicht die richtigen T\u00f6ne treffen will. Nach ein paar Minuten ist aber alles in Butter und die Stimme eingepegelt.<br>Zum aktuellen Album <em>You know who you are<\/em> brauchte <strong>Matthew Caws<\/strong> ein bisschen Input von au\u00dfen, wie er erz\u00e4hlt. Daher fragte er <strong>Ken Stringfellow<\/strong>, ob er nicht etwas mit dem einen oder anderen Song von <em>You know who you are<\/em> machen wolle. Die beiden scheinen sich zu kennen, Musikerfreunde oder -kollegen oder so.<br>Dieser wollte und entschied sich daf\u00fcr, einfach ein paar Hintergrundges\u00e4nge einzuspielen und den Songs hinzuzugeben. Auf Platte, und eben auch live. <strong>The Posies<\/strong> waren daher nicht nur die Vorband, sondern <strong>Ken Stringfellow<\/strong> auch die zweite Gesangsstimme bei drei <strong>Nada Surf<\/strong> Songs. Ob das n\u00f6tig ist, keine Ahnung; ich h\u00f6re die zweite Stimme eigentlich kaum, lustig ist es auf alle F\u00e4lle. <strong>Ken Stringfellow<\/strong> scheint ein spa\u00dfiger Mensch zu sein, bei jedem seiner Kurzauftritte hat er einen flapsigen Satz im Gep\u00e4ck. Gerne h\u00e4tte ich ihn \u00f6fter auf der B\u00fchne gesehen, auch weil der Roadie, der jedes Mal sein Mikrofon in der B\u00fchnenmitte platziert, mich so sehr an <strong>Klaus Meine<\/strong> erinnert.<br>Da <strong>Nada Surf<\/strong> Songs &#8211; wie schon erw\u00e4hnt &#8211; in einem bestimmten Intervall liegen, verl\u00e4uft das Konzert enorm harmonisch. Es gibt keinerlei musikalische Ausrei\u00dfer, keine \u201awilden\u2018 Gitarrensoli, keine \u201aaufregenden\u2018 Gesangskurven, keine \u201aspektakul\u00e4ren\u2018 Instrumente. Hach, irgendwie passte alles zusammen und hach, irgendwie sind es sch\u00f6ne Konzertminuten, die ich vor der B\u00fchne erlebe. Ich vermag es nicht zu sagen, wann ich zum ersten Mal ein bisschen betr\u00fcbt auf die Uhr blicke. Eigentlich nach jedem Song ab einer Stunde Spielzeit bef\u00fcrchte ich das Konzertende. Aber so schnell lassen sich <strong>Nada Surf<\/strong> nicht bitten, erst nach gut 90 Minuten gehen sie zum ersten Mal. <br>Um zur Zugabe wiederzukommen. Und die setzte dem Ganzen einen drauf: \u201ePopular\u201d, \u201eHappy kid\u201d, \u201eAlways love\u201d, \u201eBlanket years\u201d. Wer solche Songs mal eben aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln kann, dem geh\u00f6rt mein Respekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Wohlf\u00fchlkonzert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/rolling-stone-weekender-weissenhauser-strand-12-11-2011\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nada Surf &#8211; Weissenh\u00e4user Strand, 12.11.2011<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1996. Nada Surf ver\u00f6ffentlichen ihr fulminantes Deb\u00fctalbum High\/Low. Als Produzent verpflichteten sie hierf\u00fcr einen gewissen Rick Ocasek, den damaligen Hitproduzenten der Sparte Indiepop \/ College Rock schlechthin. 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