{"id":7490,"date":"2016-03-19T22:13:08","date_gmt":"2016-03-19T21:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7490"},"modified":"2023-11-28T20:19:11","modified_gmt":"2023-11-28T19:19:11","slug":"public-service-broadcasting-koeln-18-03-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/public-service-broadcasting-koeln-18-03-2016\/","title":{"rendered":"Public Service Broadcasting &#8211; K\u00f6ln, 18.03.2016"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Stadtgarten, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Big Deal<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/1-2.jpg\" alt=\"Public Service Broadcasting\" class=\"wp-image-7491\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/1-2.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/1-2-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ich bin sehr angetan. Von <strong>Public Service Braodcasting<\/strong>. Von <strong>Big Deal<\/strong>. Von diesem Konzertabend.<br>Erwarte nichts, dann bekommst du viel. Von Zeit zu Zeit ist dieses Motto nicht das schlechteste. Von <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> h\u00f6rte und sah ich vor diesem Konzert nur gutes, konnte das aber nicht so recht einordnen und mir gerade die Mitschnitte der Livevideos nicht \u00fcber eine Konzertl\u00e4nge vorstellen. Von <strong>Big Deal<\/strong> h\u00f6rte ich seit meinem letzten Konzertbesuch kaum noch etwas, wusste somit gar nicht, was und wie sie dieses \u2018was\u2018 so machen. Ich wusste also nicht, was mich erwartet, und weitere Gedanken wollte ich dar\u00fcber auch nicht verschwenden. Ich w\u00fcrde es ja sehen.<br>Ich freute mich schon seit langem auf diesen Konzertabend. Seitdem ich <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> letztes Konzert in K\u00f6ln aus zeitlichen Gr\u00fcnden verpasst hatte, wollte ich mir die Band von Gitarrist <strong>John Willgoose Esq.<\/strong> und Drummer <strong>Wrigglesworth<\/strong> unbedingt anschauen. Als ich dann in der letzten Woche vom Support <strong>Big Deal<\/strong> erfuhr, war meine Freude noch gr\u00f6sser. Ein perfektes Konzertdoppel! Das perfekt beziehe ich jedoch nicht auf das gut musikalisch zueinander passen der beiden Bands, sondern einzig darauf, dass ich die Musik mag und enorm spannend finde: den Indiepop von <strong>Big Deal<\/strong> und den, ja wie nenne ich das, audiovisuellen Elektro-Gitarren-Pop von <strong>Public Service Broadcasting<\/strong>.<br>Es ist sehr leer, als ich um kurz vor acht den Stadtgarten betrete. (Sp\u00e4ter sollte es dann gut gef\u00fcllt sein.) Vielleicht 20 Leute befinden sich im Saal und warten auf die Vorband. Mensch, warum sind denn nicht mehr Musikbegeisterte hier! <strong>Big Deal<\/strong> sind doch eine gute Band, eine, die auf ihrem Deb\u00fct <em>Lights out<\/em> fast nur Hits hat. \u201eTalk\u201c, \u201eCool as Kurt\u201c, \u201eHomework\u201c, \u201eDistant neighbourhood\u201c. Alles Kracher, die <strong>Kasey Underwood<\/strong> und <strong>Alice Costelloe<\/strong> als Duo ohne Schlagzeug und Bass einspielten. Boy-Girl-Folksongs las ich in einer Musikzeitschrift und ja, das passte zu den vertr\u00e4umt verhuschten Melodien der Londoner. Wenn ich jetzt \u00fcber den Auftritt der Band schreibe, die mittlerweile (?) zu viert ist, kann ich das nicht ohne die Geschichte zu meinem letzten <strong>Big Deal<\/strong> Konzertes zu erz\u00e4hlen. Vor vier Jahren sah ich sie im Keller des Stadtgartens, im Studio 672. In knapp 40 Minuten verzauberten sie mich mit ihren Gitarren und lie\u00dfen mich dahinschmelzen. Die eigentliche Geschichte ist aber die der damaligen Vorband. Die nannte und nennt sich <strong>Alt-J<\/strong>, nach einer Tastenkombination f\u00fcr Apple Computer, und war seinerzeit v\u00f6llig unbekannt. Mittlerweile ist das ja anders. Alt-J spielen aktuell vor 10000en von Menschen, <strong>Big Deal<\/strong> leider nicht. So unterschiedlich k\u00f6nnen Karrieren verlaufen. Damals hielt ich nur lapidar fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Alt-J, die Band, begeistert mich nicht durch ihre bl\u00f6de Flash Animation auf ihrer Homepage (\u201eWarning: The 5th option (from the left) contains strobe lighting and could cause seizures.\u201d), aber sie beeindruckte mich gestern Abend als Vorband. Antlers und James Blake, wer wie ich diese beiden Bands\/K\u00fcnstler mag, wird sich auch mit Alt-J anfreunden. Facebook lehrt mich, das die Band, bestehend aus vier Jungs, aus Leeds kommt. Ein Album scheinen sie bisher noch nicht ver\u00f6ffentlich zu haben, im Netz finde ich eine Handvoll Demos.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"563\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-2.jpg\" alt=\"Big Deal\" class=\"wp-image-7492\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-2.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-2-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Nach <em>Lights out<\/em> ver\u00f6ffentlichten <strong>Big Deal<\/strong> mit <em>June Gloom<\/em> ein weiteres Album, das dritte wird im Sommer dieses Jahres erscheinen. <em>June Gloom<\/em> kenne ich nicht, daher waren f\u00fcr mich alle Songs, die <strong>Big Deal<\/strong> in der guten Alben Stunde Konzert spielten, unbekannt. Denn die Hits von <em>Lights out<\/em> h\u00f6rte ich nicht. Ihr Deb\u00fctalbum lie\u00df die_der Gitarrist_in komplett aus der Setlist.<br>Auf der B\u00fchne sind sie zu viert, Schlagzeugerin <strong>Mel Rigby<\/strong> und Bassist <strong>Huw Webb<\/strong> lassen <strong>Big Deal<\/strong> vom Duo zur Band werden. Musikalisch haben sie sich dadurch von verhuscht vertr\u00e4umten Melodien zu mehr Rock und Grunge gemausert. Nachteilig ist das nicht. <strong>Big Deal<\/strong> erinnern mich in dieser Konstellation mehr an die <strong>Pixies<\/strong> als an Shoegaze. Das \u00fcberrascht mich, macht aber ihre Songs dadurch schmissiger, tanzbarer. Und lauter.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/4.jpg\" alt=\"Public Service Broadcasting\" class=\"wp-image-7493\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/4.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/4-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>\u2018Do you like to hear a song about ice-skating in the Netherlands?\u2018 fragt der Computer. Es ist die Ansage zu \u201cElfstendentocht, Part 2\u201c. Die Kommunikation zwischen Band und Publikum l\u00e4uft \u00fcber das Mac Book. Weder <strong>John Willgoose Esq.<\/strong> noch sein Partner <strong>Wrigglesworth<\/strong> sagen w\u00e4hrend des gesamten Konzertes kein Wort. Wie auch, sie haben noch nicht einmal Mikrofone. Kommunizieren wollen sie aber trotzdem. \u2018Hello Stadtgarten\u2018 und andere vorbereitete Aussagen l\u00e4sst <strong>John Willgoose<\/strong> per Tastendruck auf uns los. \u2018Can you speak?\u2018 fragt daraufhin jemand aus dem Publikum. Der Computer sagt: \u2018nein\u2018. Es ist herrlich komisch und krotesk zugleich. \u2018Excuse me\u2018 klingt es, wenn die Gitarre nachgestimmt werden muss oder ein Video nicht zeitgerecht startet. <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> machen irre Spa\u00df und ziehen ihre Performance aus Video und Audio konsequent durch. Hier und jetzt haben nur die Musik und die Bilder etwas zu sagen. Und beide sind gut aufeinander abgestimmt.<br>Die Bilder stammen aus alten Filmarchiven wie dem \u201eBritish Film Institute\u201c (BFI) mit seinen Wochenschau- und Dokumentarfilmen oder dem British Postal Museum and Archive (BPMA). Und so flackern schwarzwei\u00df Filmsequenzen \u00fcber die gro\u00dfe niederl\u00e4ndische Eiszeit (zu \u201eElfstendentocht, Part 2\u201c), eine Mount Everest Besteigung (\u201eEverest\u201c) oder zum Hauptthema des Abends \u00fcber den Wettlauf ums All in den 1960er Jahren von der Leinwand.<br><em>The race for space<\/em> heisst der Titel ihres aktuellen Albums, im Konzert bildet es den Schwerpunkt. \u201eSputnik\u201c, \u201eGagarin\u201c, \u201eThe other side\u201c, \u201eGo!\u201c, \u201eE.V.A.\u201c und die B-Seite \u201eKorolev\u201d. Dazu Ausschnitte einer Rede von John F. Kennedy und Nachrichtenstimmen. Visuell unterlegt durch alte Zeitungsnachrichten a la \u2018The reds won\u2018. Denn statt Gesang und eigenen Texten verwendet die Band ausschlie\u00dflich gesampelte Sprachsequenzen. Das ist ein bisschen wie Dokumentarfilm gucken, untermalt mit ganz viel Gitarre, Schlagzeug und Elektrosounds. Musikalisch erinnert mich das an <strong>Kraftwerk<\/strong>, an <strong>British Sea Power<\/strong>. In der Kombination mit den Video- und Tonsequenzen ist das, was <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> machen, jedoch einzigartig. Und \u00fcberhaupt nicht k\u00fchl und distanziert. Sie schaffen es, die Bilder musikalisch mit den richtigen Musikemotionen zu unterlegen. Ich sp\u00fcre f\u00f6rmlich den kalten Wind bei \u201eEverest\u201c oder die Ungewissheit der Astronauten, wenn sie sich mit ihrer Raumkapsel f\u00fcr kurze Augenblicke in den Mondschatten verabschieden und jeglicher Kontakt zur Bodenstation der NASA unterbrochen ist.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eThe Other Side\u201c hei\u00dft der Track, in dem Public Service Broadcasting diese Ungewissheit im Schatten des Mondes gro\u00dfartig umsetzen. Die anfangs beschwingt tuckernde Sequenzermusik schrumpft zu einem nautischen, unheilschwangeren Wabern zusammen. Dar\u00fcber liegen die verrauschten, ins Leere laufenden Funkspr\u00fcche der Bodenstation. Die Reduktion auf ein Minimum macht die Anspannung greifbar \u2013 bis endlich mit dem Gitarren-Crescendo die Astronauten wieder h\u00f6rbar sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So sagt das Internet. Die Tracks sind wohl und perfekt auf die Bilder abgestimmt. Hier stimmt einfach alles. Und langweilig ist es zu keiner Sekunde. Weder f\u00fcr mich, noch scheinbar f\u00fcr die Band. Ich stehe direkt vor <strong>John Willgoose Esq.<\/strong> und kann es sehr oft sehen, wie er sich ein Lachen verkneifen muss. Oh ja, er hat Spa\u00df, er freut sich, wenn die Einspielungen klappen oder wenn er die richtige Tonsequenz auf einen Zuruf aus dem Publikum abspielen kann. \u2018Nein\u2018, t\u00f6nt es sehr oft, oder \u2018Danke\u2018. Und jedes Mal denke ich, die Computerstimme klingt doch verdammt nach <strong>Paul Hardcastle<\/strong> und \u201eNineteen\u201c.<br>Konzentriert und akribisch arbeitet <strong>Willgoose<\/strong> sich durch die Tracks. In Cordhose, braunem Sakko und Fliege mimt er den Nerd, der sich durch all das Film- und Tonmaterial gequ\u00e4lt hat, um daraus die einzelnen Songs zu stricken. Schlagzeuger Wrigglesworth steht im nur wenig nach, sie wirken ein wenig wie die musikalischen <strong>Hofstadter<\/strong> und <strong>Wolowitz <\/strong>der Big Bang Theory.<\/p>\n\n\n\n<p>Live werden die beiden durch <strong>JF Abrahms<\/strong> unterst\u00fctzt. Dieser spielt vornehmlich Bass; es ist ein sch\u00f6ner, leicht <strong>New Order<\/strong>-esker Bass, aber auch andere Instrumente. \u2018JF Abrahms on Flugelhorn, which is similar to a trumpet but it is not the same as a trumpet.\u2019 lehrt die Computerstimme.<br>Herausragend aus dem Set und enthusiastisch gefeiert und betanzt werden \u201cSpitfire\u201d und \u201eGo!\u201c. Mir gefallen auch \u201eSputnik\u201c und die beiden Zugaben \u201eGagarin\u201c und \u201eEverest\u201c. <strong>Public Service Broadcasting<\/strong> haben eine kleine feste Fangemeinde, die die Band nach jedem Song frenetisch bejubelt. Viele hier scheinen die Band nicht zum ersten Mal zu sehen. Ich schon, aber ich m\u00f6chte sie unbedingt wiedersehen. Zu sch\u00f6n, unterhaltsam und am\u00fcsant war das Konzert. So etwas bedarf dringend einer Wiederholung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ende des Konzertes verabschiedet uns ein letztes Videostandbild.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Thanks for being with us this evening. We hope that in some small way we have been able to add to your pleasure, comfort and relaxation.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So steht es da sekundenlang. Oh ja, ihr habt mir die vergangenen 90 Minuten sehr viel Spa\u00df bereitet. Ich f\u00fchlte mich wohl bei euch.<br>Eine sympathische Band, ein sympathisches und ein sehr, sehr gutes Konzert! Ich bin nicht nur angetan, ich bin begeistert!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Sputnik<br>02: Theme from PSB<br>03: Signal 30<br>04: Night Mail<br>05: Korolev<br>06: E.V.A.<br>07: ROYGBIV<br>08: Elfstendentocht, Part 2<br>09: If War should come<br>10: Spitfire<br>11: The other side<br>12: Go!<br>Zugabe:<br>13: Gagarin<br>14: Everest<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br><a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/big-deal-koln-04-03-2012\/\" target=\"_blank\"><span class=\"item-title\">Big Deal \u2013 K\u00f6ln, 04.03.2012\u00a0 \/\/ Studio 627<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin sehr angetan. Von Public Service Braodcasting. Von Big Deal. Von diesem Konzertabend.<br \/>\nErwarte nichts, dann bekommst du viel. Von Zeit zu Zeit ist dieses Motto nicht das schlechteste. 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