{"id":7478,"date":"2016-03-07T18:57:44","date_gmt":"2016-03-07T17:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7478"},"modified":"2016-03-07T18:58:10","modified_gmt":"2016-03-07T17:58:10","slug":"savages-koeln-03-03-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/savages-koeln-03-03-2016\/","title":{"rendered":"Savages &#8211; K\u00f6ln, 03.03.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Bo Ningen<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7479\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-1.jpg\" alt=\"Savages - Jehnny Beth\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3-1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>Bo Ningen<\/strong> waren gut. Die japanisch\/englische Gruppe er\u00f6ffnete das <strong>Savages<\/strong> Konzert in K\u00f6ln und ist auch auf der gesamten <em>Adore life<\/em> Tour als Vorband am Start. <strong>Savages<\/strong> verbindet eine Geschichte mit <strong>Bo Ningen<\/strong>. Im vorletzten Jahr traten beide zusammen bei Le Guess who Festival und anderswo auf, um <em>Words to the Blind<\/em> auf die B\u00fchne zu bringen. <em>Words to the Blind<\/em> ist ein 37 min\u00fctiges ein-Song-Album, das die beiden Bands zusammen ver\u00f6ffentlicht haben. Die Grundidee hinter dieser Zusammenarbeit hat etwas mit Dadaismus zu tun und dem parallelen Abspielen von unterschiedlichen Songs, wenn ich das Konzept so richtig verstanden habe. Live haben sie hierzu eine B\u00fchne in U-Form installieren lassen, auf der sich beide Bands gegen\u00fcber stehen und gemeinsam unterschiedliches Zeugs spielen. Ich habe das nicht selbst gesehen, es wurde mir so erz\u00e4hlt. Das Erz\u00e4hlte klang sehr spannend und ich habe mich seinerzeit schon etwas ge\u00e4rgert, dass ich ihr Konzert nicht selbst gesehen habe. Da das wohl ein einmaliges Projekt war, ist dieser Zug abgefahren. Unabh\u00e4ngig von dieser Zusammenarbeit scheinen beide Bands dicke zu sein. <strong>Jehnny Beth<\/strong> h\u00f6re ich auf <strong>Bo Ningens<\/strong> Album <em>III<\/em>. Und nun begleiten die japanischen Acid Rocker (so sagt Wikipedia) <strong>Savages<\/strong> auf ihrer Tour.<br \/>\n<strong>Bo Ningen<\/strong> verband ich bisher mit Metal in der Art von <strong>Sunn 0)))<\/strong>. Und ich hielt sie f\u00fcr eine dieser \u00fcberdrehten verr\u00fcckten Japanbands, die mit abstrusen Gitarren einfach nur L\u00e4rm verbreiten. Einen Song kannte ich von <strong>Bo Ningen<\/strong> nicht.<br \/>\nAls die Japaner, die schon l\u00e4ngere Zeit in England leben, die B\u00fchne betraten und den ersten Song gleich auf viele Minuten ausdehnten, war ich zum ersten Mal positiv \u00fcberrascht. Die zweite Portion \u00dcberraschung folgte Minuten sp\u00e4ter beim zweiten Song. Wow, so verkehrt klingt das \u00fcberhaupt nicht. Oder wie es die NZZ schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Das Londoner Quartett Bo Ningen nimmt aus der Psychedelik die Verspieltheit und aus Hardcore die Intensit\u00e4t. Die Resultate entziehen sich jeder Kategorisierung. Aber die Musik ist sehr laut.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das war auch mein Eindruck. \u2018Wie eine japanische Variante von Monster Magnet\u2018, kam mir im Laufe der gut halbst\u00fcndigen Auftritts in den Sinn. Dass ich diesen Gedanken nicht exklusiv hatte, erfuhr ich im Pausengespr\u00e4ch. Ja, <strong>Bo Ningen<\/strong> kommen dem <strong>Monster Magnet<\/strong> Rock der 1990er Jahre auf eine gewisse Art und Weise nahe. Aber laut, laut war ihr Konzert nicht. Die Soundanlage im Luxor war auf gem\u00e4\u00dfigt eingestellt, unsere Bef\u00fcrchtungen, dass der Platz in unmittelbarer N\u00e4he der Boxen suboptimal sei, waren unbegr\u00fcndet. Es lie\u00df sich gut ertragen, so wie es sich in einem ausverkauften Luxor gut ertragen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Als <strong>Savages<\/strong> die B\u00fchne betraten, war es stockdunkel. <strong>Jehnny Beth<\/strong>, <strong>Gemma Thompson<\/strong>, <strong>Ayse Hassan<\/strong> und <strong>Fay Milton<\/strong> geben sich wenig M\u00fche sich farblich abzuheben. Bis auf die roten St\u00f6ckelschuhe der S\u00e4ngerin tragen die Musikerinnen schwarz. Endlich sehe ich <strong>Savages<\/strong> mal wieder live. Vor drei Jahren war das das letzte Mal der Fall, einmal in K\u00f6ln und knapp davor in Den Haag. <strong>Savages<\/strong> hatten gerade ihr Deb\u00fctalbum <em>Silence yourself<\/em> ver\u00f6ffentlicht, ein Riesenknaller nebenbei bemerkt, und \u00fcberzeugten mich mit heftigem Post-Punk. So etwas hatte ich l\u00e4nger nicht mehr geh\u00f6rt und gesehen, ich wurde schnell s\u00fcchtig nach \u201eHusbands\u201c, \u201eShe will\u201c und \u201eShut up\u201c. Live coverten sie gerne \u201eDream baby dream\u201c (von der Band <strong>Suicide<\/strong>) und beendeten ihre Konzerte mit einer Langversion von \u201eFuckers\u201c. \u201eDream baby dream\u201c h\u00f6rte ich im Luxor leider nicht, \u201eFuckers\u201c kam erneut als letzter Song, aber nur in einer 5-Minuten Fassung. \u2018Sie haben halt mittlerweile genug Songmaterial, um ein Konzert zu f\u00fcllen\u2018, so unsere Erkl\u00e4rung daf\u00fcr.<br \/>\n\u201eSad Person\u201c er\u00f6ffnet das Konzert, und es ist von der ersten Sekunde an gro\u00dfartig. <strong>Gemma Thompsons<\/strong> Gitarre klingt, als g\u00e4be es f\u00fcnf Gitarren in der Band, so wild, melodi\u00f6s, feedbackhaft und irre ist ihr Spiel. <strong>Fay Milton<\/strong> trommelt im Hintergrund wie immer als g\u00e4be es kein Morgen mehr. Weit ausufernd sind ihre Armbewegungen. Das krasse gegenst\u00fcck zu einem minimalistischen Schlagzeugstil. Es macht gro\u00dfen Spa\u00df, ihr bei der Arbeit zuzusehen. Bei meinen bisherigen Konzerten konnte ich mich nie entscheiden, wen ich lieber sah. Der Gitarristin oder die Schlagzeugerin. Beide sind ph\u00e4nomenal.<br \/>\nAn diesem Abend fiel meine Wahl jedoch auf jemand anderen: <strong>Ayse Hassan<\/strong> am Bass war nicht nur augenscheinlich guter Laune, sie spielte auch ihren Bass, sicherlich wie immer, einzigartig gut. Ich konnte ihr gut zusehen, da sie in meiner Blickrichtung stand. Wow, warum ist mir das blo\u00df bisher nicht aufgefallen, wie gut sie ist.<br \/>\n<strong>Jehnny Beth<\/strong> zu \u00fcbersehen ist unm\u00f6glich. Vom ersten Song an ist sie drin im geschehen. Mit leicht aggressiv provozierender K\u00f6rpersprache turnt sie \u00fcber die B\u00fchne und durch den vor der B\u00fchne abgetrennten Bereich. Dass, was wir vor Konzertbeginn irrt\u00fcmlich f\u00fcr den Fotograben hielten, war und wurde nur f\u00fcr <strong>Jehnny Beth<\/strong> eingerichtet. &#8222;If you don&#8217;t love me, you don&#8217;t love anybody.&#8220; heisst es in &#8222;The answer&#8220;; genauso trotzig und rotzig wie sich der Satz liest, ist ihr Auftritt. Und dazu diese weit ge\u00f6ffneten Augen, mit denen sie ins Publikum blickt. Das hat schon etwas einnehmendes, auch etwas dramatisches. Publikumskontakt ist da zwangsl\u00e4ufig. So steht <strong>Jehnny Beth<\/strong> mehrmals an der Gitterabsperrung und ber\u00fchrt H\u00e4nde und K\u00f6pfe. Crowdsurfing (bei \u201eHit me\u201c) vervollst\u00e4ndigte ihren Bewegungsdrang. Oh ja, <strong>Jehnny Beth<\/strong> ist wohl die derzeitig beste Frontfrau im Gesch\u00e4ft.<br \/>\nDie Band ist also gut und das Konzert ist sehr stylisch. Wei\u00dfes Licht dominiert, nach oben gerichtete Bodenstrahler beleuchten die vier Musikerinnen. <strong>Gemma Thompson<\/strong> wird gar nur durch das wei\u00dfe Bodenlicht angestrahlt. Zeitweise wirkt das etwas spooky, im Gesamtwerk allerdings perfekt auf Band und Musik zugeschnitten.<br \/>\n<em>Adore Life<\/em> hei\u00dft das neue Album von <strong>Savages<\/strong>, es ist schwerer als ihr Deb\u00fct. Lauter. Steinhart. Das h\u00f6re ich dem Konzert deutlich an. Die alten Songs wie \u201eHusbands\u201c werden der neuen Ausrichtung angepasst in leicht abgewandelter Form gespielt. Mehr Rockgitarre, wenn ich das so schreiben kann. Oder Noise. Die <strong>Swans<\/strong> kommen mir in den Sinn. Ich weiss aber nicht, ob das passt. Zur endg\u00fcltigen Kl\u00e4rung muss ich erst das Album abseits des Konzertes h\u00f6ren; bisher habe ich das nicht geschafft.<\/p>\n<p>\u201cDon\u2019t let the fuckers get you down\u201c, dieser gebetsm\u00fchlenartig formulierte Satz in \u201cFuckers\u201d beschlie\u00dft den Abend. Es ist nicht mehr das ganz gro\u00dfe Finale. Vor drei Jahren war es noch das Ausrufezeichen zum Schlu\u00df. Jetzt ist es \u2013 so kam es mir vor \u2013 nur noch das letzte Lied. Durch die Wucht der Songs davor geht \u201eFuckers\u201c f\u00fcr mich etwas unter und verliert an Boden.<br \/>\nEine Zugabe spielen sie nicht mehr. Aber wozu auch. <strong>Savages<\/strong> hatten doch bereits alles gesagt!<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/savages-koeln-20-11-2013\/\" target=\"_blank\">Savages \u2013 K\u00f6ln, 20.11.2013 \/\/ Geb\u00e4ude 9<br \/>\n<\/a><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/crossing-border-festival-den-haag-15-11-16-11-2013\/\" target=\"_blank\">Crossing Border Festival \u2013 Den Haag, 15.11. -16.11.2013<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/primavera-sound-festival-barcelona-23-05-2013\/\" target=\"_blank\"><span class=\"item-title\">Primavera Sound Festival \u2013 Barcelona, 23.05.2013<\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bo Ningen waren gut. Die japanisch\/englische Gruppe er\u00f6ffnete das Savages Konzert in K\u00f6ln und ist auch auf der gesamten Adore life Tour als Vorband am Start. Savages verbindet eine Geschichte mit Bo Ningen. 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