{"id":7457,"date":"2016-02-24T19:13:29","date_gmt":"2016-02-24T18:13:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7457"},"modified":"2016-02-24T19:50:33","modified_gmt":"2016-02-24T18:50:33","slug":"lanterns-on-the-lake-koeln-22-02-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lanterns-on-the-lake-koeln-22-02-2016\/","title":{"rendered":"Lanterns on the lake &#8211; K\u00f6ln, 22.02.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Yuca, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> S\u00e4nger der Band Die Sonne<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7458\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2-1.jpg\" alt=\"Lanterns on the lake\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2-1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2-1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Es ist ein regnerischen Sp\u00e4twinterabend, ein Abend, an dem man lieber daheim bleiben m\u00f6chte. Das Aufraffen f\u00e4llt mir schwer, aber es n\u00fctzt nichts, ich habe noch einen Termin, einen Termin mit einer Band, die ich vor vielen bereits einmal live gesehen habe und die mich seinerzeit auf eine bestimmte Art und Weise beeindruckt hat: <strong>Lanterns on the lake<\/strong>, eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Band aus England, genauer aus Newcastle. Ihr Dreampop verz\u00fcckte mich und sorgte auf dem 2011er Weekender f\u00fcr ein erstes \u00dcberraschungsmoment. Seinerzeit hatten sie gerade ihr Deb\u00fctalbum ver\u00f6ffentlicht, <em>Gracious tide, take me home<\/em>, und spielten die Art von Musik, die ich oft h\u00f6rte: ruhige, gitarrengetriebene Songs mit oftmals melodischen Ausbr\u00fcchen zum Songende hin. <strong>Lanterns on the lake<\/strong> erinnerten mich an die <strong>Escapologists<\/strong> oder <strong>Savoy Grand<\/strong>, beides Bands, die auch aus dem Norden Englands stammen. Und an <strong>Seachange<\/strong>, diese gro\u00dfartigste aller Bands aus Nottingham, die leider viel zu fr\u00fch ihre Karriere beendet hat und die mich seinerzeit sehr in meinem Musikverhalten beeinflussten. Wie hei\u00dft es bei Indiepedia:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u2026wegen Erfolglosigkeit aufgel\u00f6st haben\u2026\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In einer gerechten Welt, \u2026 aber lasse ich das.<\/p>\n<p><strong>Lanterns on the lake<\/strong> waren damals also relevant f\u00fcr mich, im Laufe der Zeit relativierte sich diese Relevanz etwas und verlor ich die Band aus meinem Blickfeld. Das sie zuvor bereits dreimal in K\u00f6ln aufgetreten sind, es ist mir glatt entgangen. Dass sie ein weiteres Album ver\u00f6ffentlicht hatten, ich habe es nicht gewusst. Nun denn, als ihr Konzert zum aktuellen Album <em>Beings<\/em> angek\u00fcndigt wurde, wollte ich trotzdem hin. Zu sch\u00f6n waren meine Erinnerungen an ihren Ostseeauftritt, und zu wenig sprach wirklich dagegen, nach Ehrenfeld zu fahren.<br \/>\nDas Konzert fand im Yuca statt. Das Yuca ist der kleine Ableger des Club Bahnhof Ehrenfeld und ein Konzertsaal, den ich zuvor noch nicht betreten hatte. Ebenso wie der gr\u00f6\u00dfere Bruder CBE nebenan ist das Yuca ein kleiner und feiner Konzertort. \u00dcber uns rattert die S-Bahn, die R\u00e4umlichkeiten selber vermitteln unaufgeregten Industriecharme aus freigelegtem Mauerstein und nachten betonw\u00e4nden. So wie heutzutage ein moderner Klub eben aussehen muss, der sich von seiner urspr\u00fcnglichen Nutzung als Lager oder Baracke emanzipiert hat. Was fr\u00fcher unter den Bahnlinien war, ich wei\u00df es nicht. Zu selten besuchte ich diese Gegend der Stadt.<br \/>\nF\u00fcr eine kleine und feine Indieband ist das Yuca perfekt: der Raum ist nahezu quadratisch, die B\u00fchne gro\u00df und weit genug, um ausreichend Platz zu geben. Hier herrscht nicht die Enge eines Kellerclubs und nicht das schlauchartige eines Kneipenklubs. Das Yuca ist ein guter Konzertsaal. Und gestern nicht wirklich gut besucht. Als ich aus dem Regen in den Saal trat, warteten vielleicht 50 Leute auf das Konzert. \u2018Damit h\u00e4tten sie ihr K\u00f6lner Stammpublikum erhalten\u2018, h\u00f6re ich vor Beginn jemanden sagen. Okay, denke ich, die Zahl der Besucher deckt sich auch mit meinen Vorstellungen. Mehr, aber auch nicht weniger Besucher habe ich nicht erwartet.<br \/>\nWir unterhalten uns \u00fcber dieses und jenes, monieren die Umbaupausenmusik (ein Reggaeversionen alter <strong>The Police<\/strong> und anderer Rockpopklassiker) und zweifeln die Glaubhaftigkeit der Songtexte des gerade geh\u00f6rten S\u00e4ngers an: \u2018Meine Liebe reicht bis ins Weltall\u2018. Kann der das ernsthaft so meinen? Der S\u00e4nger ist Mitglied der Band <strong>Die Sonne<\/strong>, das bekomme ich gerade noch so mit. Akustisch singt er knappe zwei H\u00e4nde voll Songs seiner Band. Alte, neue, bekannte und weniger bekannte Sachen, die Titel haben wie \u201eAber die Landschaft\u201c. Eine weitere Frage, die wir uns stellten, war die: Wieso klingen und singen viele deutschsprachige K\u00fcnstler mit Akustikgitarre (oder auch ohne) so austauschbar identisch? Eine Antwort auf die Poisel-Frage fanden wir nicht.<\/p>\n<p><strong>Lanterns on the lake<\/strong> begannen im Anschluss ruhig. <strong>Hazel Wilde<\/strong> sa\u00df die ersten beiden Songs \u00fcber an den Tasten, bevor sie bei den weiteren St\u00fccken die Gitarre zur Hand nahm. Es war genau dieses Wechselspiel, das die Dynamik der einzelnen Songs bildlich darstellte. Die St\u00fccke waren eher ruhig, wenn nur eine Gitarre gespielt wurde, die Nummern wurden etwas lauter, wenn Gitarrist <strong>Paul Gregory<\/strong> von der S\u00e4ngerin instrumentetechnisch supportet wurde. Aber wie auch immer: in der Summe stand Indierock, der melodisch und wunderbar vertr\u00e4umt war.<br \/>\n\u201eFaultlines\u201c ist der einzige Song, den ich mir vorher bewusst angeh\u00f6rt habe. Sie spielten ihn relativ fr\u00fch im Programm. Ich bilde mir aber ein, dass ich auch das St\u00fcck mit der zus\u00e4tzlichen Trommel zum Schlagzeug kenne. Zumindest kam mir der Gedanke w\u00e4hrend des Konzertes. Wenn es \u00e4lteren Datums ist, dann k\u00f6nnte es vom Konzert an der Ostsee h\u00e4ngengeblieben sein; oder aber es war nur ein musikalisches d\u00e9j\u00e0-vu.<br \/>\n\u201eFaultlines\u201c ist ein eher lauter Song, und wer das St\u00fcck vom aktuellen Album kennt, wei\u00df dann, wie leise die Band bei ihren leisen St\u00fccken sein muss. Bei \u201eSapsorrow\u201c, dem vielleicht ruhigsten St\u00fcck des Abends, war es sehr still. Und just in einem Moment, in dem das Klavier eine kleine Pause einlegte und <strong>Hazel Wilde<\/strong> Luft holen musste, knarzte die Eingangst\u00fcr des Clubs melodramatisch. Alle horchten und die S\u00e4ngerin wartete schmunzelnd das Ende des Knarzger\u00e4usches ab, bevor sie den Song weiterspielte. Ich habe nie zuvor jemand zu einem besseren Zeitpunkt den Saal verlassen geh\u00f6rt als hier.<br \/>\nDieser Moment war der beste Augenblick des Konzertes. &#8222;I love you, sleepyhead&#8220; -besser kann ein Konzert nicht zu Ende gehen &#8211; setzte den Schlusspunkt.<\/p>\n<p>Nach dem Konzert herrschte eine kleine Uneinigkeit dar\u00fcber, ob das Konzert gut oder famos war. Ich empfand es als ein bisschen eint\u00f6nig. Nat\u00fcrlich ist jeder Song f\u00fcr sich toll und wuchtig im Vortrag, aber die Summe der einzelnen St\u00fccke, die vom Aufbau her dann doch immer ein bisschen gleich aussehen, l\u00e4sst das Konzert eint\u00f6nig und vorhersehbar erscheinen.<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg lausche ich in der Bahn einem Gespr\u00e4ch \u00fcber <strong>Elvis<\/strong>. Es geht um Musik und eine USA Reise. Es fallen S\u00e4tze wie &#8218;man h\u00e4tte doch wissen k\u00f6nnen, dass <strong>Elvis<\/strong> mit einem Weihnachtsalbum nichts rei\u00dfen kann.&#8216; Oder: &#8218;1973 Aloha empfinde ich als seine schw\u00e4cheren Konzerte. \u201874\/\u201975 hatte er mehr drive. Und \u201971, \u201eI washed my hands in muddy water\u201c. Ich k\u00f6nnte kotzen, dass er mit diesen Sachen nicht auf die B\u00fchne gegangen ist.&#8216;<br \/>\nNennt man das Nerdgespr\u00e4che? Gott war das spannend hier zuzuh\u00f6ren. Vielleicht sogar spannender als das <strong>Lanterns on the lake<\/strong> Konzert. Obwohl, nein, das w\u00e4re unfair.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/rolling-stone-weekender-weissenhauser-strand-11-11-2011\/\" target=\"_blank\">Rolling Stone Weekender \u2013 Weissenh\u00e4user Strand, 11.11.2011<\/a><\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><\/p>\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6uj17tOsrDA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein regnerischen Sp\u00e4twinterabend, ein Abend, an dem man lieber daheim bleiben m\u00f6chte. 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