{"id":7438,"date":"2016-02-13T23:12:15","date_gmt":"2016-02-13T22:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7438"},"modified":"2016-02-13T23:12:55","modified_gmt":"2016-02-13T22:12:55","slug":"wolf-alice-koeln-12-02-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wolf-alice-koeln-12-02-2016\/","title":{"rendered":"Wolf Alice &#8211; K\u00f6ln, 12.02.2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Club Bahnhof Ehrenfeld, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7439\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1.jpg\" alt=\"Wolfe Alice\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Es begann irritierend. \u201eDas neue <strong>Wolf Alice<\/strong> Album klingt aber ganz anders als ihre letzten Alben\u201c. Bands und ihre Namen. Hier lag offensichtlich eine Verwechslung vor. <em>My love is cool<\/em> ist n\u00e4mlich das Deb\u00fctalbum der britischen Band. Schnell wurde klar, dass ich <strong>Wolf Alice<\/strong> mit <strong>Chelsea Wolfe<\/strong> durcheinander gebracht habe. Alben beider Bands kaufte ich etwa zur gleichen Zeit im Sommer des letzten Jahres, das besagte <em>My love is cool<\/em> und ein \u00e4lteres Album der amerikanischen Indie-Doomer <strong>Chelsea Wolfe<\/strong>. Und dass Metalindie nicht nach Indiepop klingen darf und klingt, liegt auf der Hand. Nichtsdestotrotz sind beide Bands ph\u00e4nomenal, und ich bin sehr froh, beide Bands f\u00fcr mich entdeckt zu haben.<br \/>\n<strong>Wolf Alice<\/strong> h\u00f6re ich seit dieser Zeit nahezu ununterbrochen. \u201eTurn to dust\u201c, \u201eYou\u2019re a germ\u201c, \u201eFreazy\u201c, \u201eYour loves whore\u201c, \u201eLisbon\u201c, Swallowtail\u201c sind Ohrw\u00fcrmer besonderer G\u00fcte, das gesamte Album ist vielleicht bis auf die Ausnahmen \u201eThe wonderwhy\u201c ein einziger Riesenhit. Es mauserte sich zu einem meiner Lieblingsalben des letzten Jahres. Als <strong>Wolf Alice<\/strong> Konzerte f\u00fcr Deutschland im November angek\u00fcndigt hatten, war ich sofort dabei. Das darf ich mir nicht entgehen lassen. Musste ich jedoch um ein Haar. Denn leider stellte ich sp\u00e4ter fest, dass sich ihr K\u00f6lner Novembertermin mit irgendwas anderem von mir \u00fcberschnitt und ich nicht hin kann. Frankfurt schien noch eine Option zu sein, die sich aber auch zerschlug. Als dann die Konzertabsage nach meinem Ticketkauf kam, war ich diese Sorge los. Ich glaube, ich habe mich noch nie \u00fcber eine Konzertverlegung so sehr gefreut wie \u00fcber diese. Alsbald danach neue Termine angek\u00fcndigt wurden, passte alles perfekt ins Bild.<br \/>\nIn England sind <strong>Wolf Alice<\/strong> mittlerweile riesengro\u00df. Ihre Herbsttour mussten sie wegen der Mercury Preis Nominierung und dem damit einhergehenden Promokram vertagen; ein sehr akzeptabler Grund, wie ich finde. Trotzdem wurde ihr K\u00f6lnkonzert nicht nur in den Februar verlegt, es wurde auch ge-downgraded. Aus dem vermeidlich gr\u00f6\u00dferen Luxor in den kleineren Club Bahnhof Ehrenfeld. Und das selbst dieser Laden nicht voll, sondern nur gut besucht war, verstehe wer will. Ich nicht.<\/p>\n<p>Konzerte am Wochenende sind besondere Konzerte. Entweder sind sie verbunden mit kleineren Ausflugsfahrten in benachbarte L\u00e4nder oder Weltst\u00e4dte, oder sie beginnen &#8211; wie in heimischen Gefilden &#8211; fr\u00fcher als gedacht. Die in die St\u00e4dte ziehende Vorstadtjugend und ihre Lust nach der Wochenenddisco muss von Klubbetreibern erf\u00fcllt werden, da passen Konzerte, die bis elf Uhr oder so den Saal besetzen, nicht ins finanzielle Konzept. Folglich plant der Klubbetreiber so, dass sp\u00e4testens um zehn Uhr der Laden wieder leer ist. Anfangszeiten von halb acht sind die Folge, ebenso der schnelle Kehraus nach dem Konzert. Der Club Bahnhof Ehrenfeld macht da keine Ausnahme. Und im Grunde ist dagegen nichts gegen einzuwenden, wenn man entsprechend die Anfangszeiten des Konzertes auf der Homepage aktuell halten w\u00fcrde. Daf\u00fcr gibt\u2019s doch diese digitalen Papierseiten, dieses Netzwerkged\u00f6ns, das Ticketaufdrucke locker \u00fcberstimmen kann. Denn als wir gegen acht Uhr den Klub betraten, spielte die Vorband bereits ihr letzten Song.<br \/>\nAber manchmal ist es besser, zu sp\u00e4t zu sein. Denn das, was wir h\u00f6rten, sagte uns nur bedingt zu. Sp\u00e4ter erfuhren wir dann, dass es sich scheinbar noch um den besten Song der Band gehandelt hatte. Also nichts verpasst und genug gemosert.<\/p>\n<p><strong>Wolf Alice<\/strong> starteten um kurz nach halb neun. Und wie! Hit Nummer eins \u201eYour loves whore\u201c legte die Messlatte sehr hoch. Wow! Doch wo war der Pop in dem Song geblieben? Die Gitarren in den ersten Minuten des St\u00fccks waren so laut und so wuchtig, dass es mich umhaute und \u00fcberraschte. Das hier war nicht das seichte gem\u00fctliche Pops\u00f6ngchen des Albums, das hier war eher wie <strong>Muse<\/strong> zu \u201eStockholm syndrome\u201c Zeiten oder wie <strong>Placebo<\/strong> zu Beginn ihrer Karriere. Vergleiche, die nat\u00fcrlich hinken und gerade auch musikalisch Kappes sind. Aber die Art und Weise, wie Wolf Alice live auf mich wirken, hatte unausweichlich diese Gedanken in meinen Kopf gepflanzt. Denn es war so kontr\u00e4r zu dem, was ich vorher gedacht und erwartet hatte.<br \/>\nWie hatte ich mir <strong>Wolf Alice<\/strong> vorgestellt? Nun, wenn ich die ersten EPs h\u00f6re \u2013 falsch, ich habe sie nie geh\u00f6rt, ich sah nachmittags ein paar Videos der Songs \u2013 dann stellte ich mir die Band wie eine typische Dreampop oder gar Shoegaze Band vor. Ruhig, verhalten, vielleicht leicht verhuscht. Sie w\u00fcrden da so rumstehen, dachte ich, sorgsam konzentriert ihre Gitarren spielen und auch die lauten Ausbr\u00fcche innerhalb der einzelnen Songs wohlordentlich pr\u00e4sentieren. Ja, ich dachte <strong>Wolf Alice<\/strong> k\u00e4men eher aus dieser Richtung.<br \/>\nDass es live dann aber die Hardrock Nummer (in Anf\u00fchrungsstrichen) wurde, hat mich schachmatt gesetzt. Hier ging gleich alles von der ersten Minute an Steil durch die Decke. Sicher ist die seichte Stimme <strong>Ellie Rowsells<\/strong> nicht <strong>Matt Bellamy<\/strong> und Bassist <strong>Theo Ellis<\/strong> nicht <strong>Stefan Olsdal<\/strong>. Aber trotzdem. Das hier war so famos, so grandios rockig, dass ich nach \u201eYour loves whore\u201c schon objektiv urteilte: Wahnsinnskonzert.<\/p>\n<blockquote><p>And when we grow older we still be friends.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Jugendhymne, dieses \u201eYour loves whore\u201c. Noch einmal: wow!<br \/>\nBereits nach wenigen Minuten hatten mich <strong>Wolf Alice<\/strong> mit ihrer enormen B\u00fchnenpr\u00e4senz gepackt. \u201eDas ist eine gute Liveband\u201c, den vorher geh\u00f6rten Satz lie\u00dfen die vier direkt nach wenigen Sekunden Taten folgen. Dass man innerhalb k\u00fcrzester Zeit einen kompletten Laden gewinnen kann, lernte ich sp\u00e4testes mit Song Nummer zwei. Mit \u201eFreazy\u201c folgte Lieblingslied Nummer zwei vom Album. Es war der Hammer. <strong>Wolf Alice<\/strong> hatten alle! Ging das jetzt so weiter? Ich begann, sprachlos zu werden. Und, um die Frage zu beantworten: es ging so weiter. \u201eBros\u201c und \u201eLisbon\u201c hielten, was die ersten beiden Songs versprachen. Es blieb laut, es blieb gitarrig, es blieb Hardrock. Das eigentlich sehr poppige \u201eLisbon\u201c zerlegte alles, gnadenlos. Dass <strong>Wolf Alice<\/strong> aber auch in ruhig k\u00f6nnen, zeigten sie mit \u201eSilk\u201c. Das erste St\u00fcck an diesem Abend, dass nicht \u00fcberreagierte. Es war sehr nah an der Plattenversion. Doch das Konzert blieb gro\u00dfartig.<br \/>\nScheinbar k\u00f6nnen sie mit allem ihr Publikum faszinieren. Und es ist live diese besondere Mischung aus Hardrockgitarren, vor allem der Gitarristen vor mir mit seinen Posen und seinen fordernden Blicken in die Gesichter der ersten Reihe machte mir phasenweise Angst, und den eher dreampopartigen ruhigen Sachen, die das Zuh\u00f6ren zu aufregend macht. Ich stellte mir vor, wie sie auf sommerlichen Festivals damit die unterschiedlichen H\u00f6rergruppen locker erreichen: die Fans von <strong>Muse<\/strong> (Stadionrockhymnen), die Fans von den <strong>Foals<\/strong> (Gitarren), die Indiepopfraktion.<br \/>\nIch wette, diese Band ist noch nicht am Ende. Wenn sie im Sommer die richtigen Festivals zu den richtigen Zeiten spielen d\u00fcrfen, dann werden <strong>Wolf Alice<\/strong> das letzte Mal im Club Bahnhof Ehrenfeld aufgetreten sein. Dann hei\u00dft viel mehr Live Music Hall oder noch gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nIm kleinen Klub singt der Schlagzeuger \u201eSwallowtail\u201c. Eine neue Erkenntnis, ein weiterer Riesenhit. Was fehlt den noch? \u201eYou are a germ\u201c nat\u00fcrlich und \u201eGiant peach\u201c. Auch nat\u00fcrlich. Es ist m\u00fc\u00dfig zu erw\u00e4hnen, dass beide Nummern au\u00dfergew\u00f6hnlich toll waren. Neben den vier Er\u00f6ffnungssongs vielleicht die allerbesten Nummern des Abends. Danach war eigentlich alles gesagt. Nach einer guten Stunde gingen wir beseelt und meinungskonform, gerade ein besseres Konzert gesehen zu haben, in den Vorraum. \u201eIhr braucht mehr Glitter\u201c sprach uns die Merchfrau an, als wir vor ihrem Verkaufstand rumlungerten. Den brauchen wir wirklich, doch die 5 Euro f\u00fcr das Augen make-up wollten wir dann doch nicht investieren. Anderen Merch &#8211; Ausnahme ein paar T-Shirts &#8211; gab es leider nicht. Das einzig bl\u00f6de an diesem Abend.<br \/>\n<strong>Wolf Alice<\/strong> sind sehr zurecht f\u00fcr den Grammy in der Rubrik \u2018Best Rock performances\u2018 nominiert. Wow, was f\u00fcr ein Konzert!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann irritierend. \u201eDas neue Wolf Alice Album klingt aber ganz anders als ihre letzten Alben\u201c. Bands und ihre Namen. Hier lag offensichtlich eine Verwechslung vor. My love is cool ist n\u00e4mlich das Deb\u00fctalbum der britischen Band. Schnell wurde klar, dass ich Wolf Alice mit Chelsea Wolfe durcheinander gebracht habe. 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