{"id":7401,"date":"2015-12-11T16:12:48","date_gmt":"2015-12-11T15:12:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7401"},"modified":"2015-12-11T16:14:32","modified_gmt":"2015-12-11T15:14:32","slug":"benjamin-clementine-koeln-10-12-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/benjamin-clementine-koeln-10-12-2015\/","title":{"rendered":"Benjamin Clementine &#8211; K\u00f6ln, 10.12.2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Philharmonie, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7403\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_7005.jpg\" alt=\"Benjamin Clementine\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_7005.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_7005-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Es war eines der bewegendsten Konzerte im letzten Jahr. <strong>Benjamin Clementine<\/strong>, damals noch ohne Album und nur mit ein paar EPs ausgestattet, spielt eine knapp Stunde im Stadtgarten vor zwar bestuhltem aber vollem Haus. Es war ungef\u00e4hr die gleiche Jahreszeit, es war k\u00fchl, es war tr\u00fcb. Also genau das passende Ambiente f\u00fcr den ehemaligen Stra\u00dfenmusiker, der singt wie <strong>Nina Simone<\/strong> und Klavier spielt wie kein anderer. Seine Songs wie \u201eCornerstone\u201c, \u201eEdmonton\u201c oder \u201eI won\u2019t complain\u201c zeigten ihre volle Wirkung, alles in allem ein famoser Abend.<br \/>\nAuf eine Wiederholung hoffte ich, als ich mich auf den Weg in die Philharmonie machte. Wow, die gro\u00dfe Philharmonie f\u00fcr einen Mann, den bis vor anderthalb Jahren niemand kannte. Und wow, wie toll m\u00fcssen die Klaviersongs nur in einem richtigen Konzertsaal klingen.<br \/>\nDrau\u00dfen klingen die Gl\u00f6ckchen vom Weihnachtsmarkt. Auf dem Roncalliplatz ist der \u2013 wie ich vor einigen Jahren mal feststellte \u2013 amerikanischste Weihnachtsmarkt K\u00f6lns aufgebaut. Amerikanisch deswegen, weil viele Lichergirlanden kreuz und quer gespannt sind, weil eine B\u00fchne aufgebaut ist und weil er mir so aufger\u00e4umt erscheint. Vor vielen Jahren erinnerte er mich an einen Weihnachtsmarkt aus einer <strong>Ally McBeal<\/strong> Folge, seitdem ist der Roncalliplatz Weihnachtsmarkt f\u00fcr mich mit \u2018der amerikanische Weihnachtsmarkt\u2018 getagged.<br \/>\nEs herrscht also eine weihnachtliche Vorstimmung, wie das ebenso ist im Dezember. Diese Stimmung schwingt nat\u00fcrlich mit, als ich die Philharmonie betrat. Bewusst oder unbewusst. Musikalisch passte der heutige Abend eins a zu dieser Stimmung, Benjamin Clementine ist weder Karnevalsband noch Spa\u00dfpunk. <strong>Benjamin Clementine<\/strong> spielt ruhige Klavierballaden. Soulmusik. Vielleicht auch Jazz. Vielleicht auch was ganz anderes. Ich tue mich schwer, den Briten irgendwo einzuordnen. Irgendwo zwischen <strong>Jimi Hendrix<\/strong> und <strong>Nina Simone<\/strong>, lese ich.<br \/>\nGenauso schwer wie seinen Musikstil zu beschreiben ist es, \u00fcber seine Konzerte zu erz\u00e4hlen. Man muss ihn erleben. Das ist nicht nur blo\u00dfes Klaviergeklimper. Das ist es zwar auch, aber alles andere ist sehr viel pr\u00e4gnanter. Seine Stimme zum Beispiel. Leise, laut, mitrei\u00dfend, einnehmend. Der Mann kann singen, keine Frage. Live merke ich das noch viel deutlicher als auf Platte. Wenn <strong>Benjamin Clementine<\/strong> bei \u201eCondolence\u201c zum Finale ansetzt, ist das atemraubend. Wenn er bei \u201eEdmonton\u201c das zetern anf\u00e4ngt, klingt das mitf\u00fchlend. Auf der B\u00fchne kommt noch eine weitere Sache hinzu, die unh\u00f6rbar ist. <strong>Benjamin Clementine<\/strong> besitzt eine Ausstrahlung, die ich nicht beschreiben kann. Fesselnd. Faszinierend. Irgendwie.<\/p>\n<p>Die Philharmonie ist voll und wir fragten uns, warum das so ist? Wie kann das sein? <strong>Benjamin Clementine<\/strong>, der spielt doch bei uns eigentlich gar keine Rolle. Der Engl\u00e4nder ist niemand, \u00fcber den man spricht, der in den Medien pr\u00e4sent ist. Gut, er hat den Mercury Preis gewonnen, aber das interessiert doch hier nun wirklich nicht jemanden. Gut, er hatte einen Auftritt bei Aspekte, aber, genauso wie die Ver\u00f6ffentlichung seiner aktuellen Platte <em>At least for now<\/em>, ist das schon ein paar Tage her. Wieso und woher kommen also all die Menschen? Die Frage bleibt nat\u00fcrlich unbeantwortet, wir sind nur verbl\u00fcfft dar\u00fcber, wie sich Informationen verbreiten. Aber nat\u00fcrlich kamen sie alle zurecht!<\/p>\n<p>Ich war sehr gespannt, ob der Abend an die knisternde Stimmung im Stadtgarten vor Jahresfrist heranreichen w\u00fcrde. Immerhin ist die Philharmonie um ein vielfaches gr\u00f6sser und anonymer, der Sound um einiges klarer und besser. Quasi die CD Pressung im Vergleich zum Vinyl. Bleibt da vielleicht etwas auf der Strecke? Der Charme, die W\u00e4rme, das Knisternde oder Intime? Am Ende des Abends muss ich feststellen: ja. Das Philharmoniekonzert stand in keinem Vergleich zum surrealen Stadtgartenkonzert. Kann es aber aus eben den erw\u00e4hnten Gr\u00fcnden auch nicht. Was mich jedoch am meisten irritierte waren nicht die Saalgr\u00f6\u00dfe und der klare Sound, also das anonymisierende. Als einschneidender empfand ich das Schlagzeug.<br \/>\n<strong>Benjamin Clementine<\/strong> bestreitet diese Tour nicht allein, er hatte nicht nur sein Klavier in all seinen Tonlagen als rhythmischen Begleiter gew\u00e4hlt f\u00fcr seine hervorragende Stimme gew\u00e4hlt, sondern auch ein Schlagzeug. Zumindest bei einigen Songs. Ich sah die St\u00e4rken des Konzertes immer, wenn das Schlagzeug Pause hatte. Dann kam erst die dunkle Stimme so zur Geltung, wie sie es verdient hat. Denn ja, das Schlagzeug war laut und phasenweise sehr dominant. Schlagzeuger <strong>Alexis Bossard<\/strong> trug <strong>Clementine<\/strong> Outfit: barfu\u00df und nur mit einem grauen Designerwollmantel seinen Oberk\u00f6rper bedeckend. Das wirkte durchgestylt, und beide ein bisschen wie Edelclochards. Auf YouTube Videos sah ich, dass das Schlagzeug schon \u00f6fter Clementine\u2018s Begleiter war, ab und an auch eine Cellistin und ein Gitarrist. In der Philharmonie war es also nur die kleine \u2018Bandbesetzung\u2018.<br \/>\nZwar waren Becken und Trommel mit allerlei T\u00fcchern abgehangen, aber trotzdem raubte das Trommeln viel von der ruhigen, dezenten Stimmung. \u201eNemesis\u201c zum Beispiel klang mit Schlagzeug f\u00fcr mich komplett anders, es erwischte eine ganz andere Grundstimmung als nur am Klavier gespielt. Genauso wie \u201eCondolence\u201c, das auf einmal viel freundlicher und flotter klang. Beide waren dadurch nicht weniger schlechter, nur anders. Nichts von ihrer bekannten Spannung verloren dagegen \u201eEdmonton\u201c oder \u201eLondon\u201c oder das als grandiose letzte Zugabe gesungene \u201eI won\u2019t complain\u201c, die <strong>Benjamin Clementine<\/strong> nur mit Klavierunterst\u00fctzung vortrug. Das waren gro\u00dfartige Momente. Genauso wie die Stille, die zwischen den Songs einsetzt. Der Zeitraum zwischen dem abklingenden Applaus und dem Augenblick, in dem <strong>Benjamin Clementine<\/strong> ein paar Worte sagt. Oder besser gesagt: fl\u00fcstert. Denn mag auch seine Stimme w\u00e4hrend der St\u00fccke noch so laut, dunkel und kr\u00e4ftig sein, bei den Ansagen und Dankesw\u00fcnschen ist sie leise, gar fl\u00fcsternd. Es ist der absolute Kontrast, vielleicht sogar der bestm\u00f6gliche, um die Songs noch besser zur Geltung zu bringen. Genau wie im Stadtgarten sind das surreale Augenblicke, die man einfach erleben muss, um sie zu verstehen.<\/p>\n<blockquote><p>Its a wonderful life, its a wonderful life<br \/>\nTraversed in tears from the heavens<br \/>\nMy heart is a mellow drum, a mellow drum in fact<br \/>\nSet alight by echoes of pain 24-7, 24-7<\/p><\/blockquote>\n<p>An diesem Abend voll und ganz. Ein tolles Konzert!<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Benjamin Clementine \u2013 K\u00f6ln, 29.11.2014\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/benjamin-clementine-koeln-29-11-2014\/\" target=\"_blank\">Benjamin Clementine &#8211; K\u00f6ln, 29.11.2014\u00a0 \/\u00a0 Stadtgarten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eines der bewegendsten Konzerte im letzten Jahr. Benjamin Clementine, damals noch ohne Album und nur mit ein paar EPs ausgestattet, spielt eine knapp Stunde im Stadtgarten vor zwar bestuhltem aber vollem Haus. 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