{"id":7393,"date":"2015-12-09T19:22:12","date_gmt":"2015-12-09T18:22:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7393"},"modified":"2015-12-09T19:26:53","modified_gmt":"2015-12-09T18:26:53","slug":"el-vy-koeln-04-12-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/el-vy-koeln-04-12-2015\/","title":{"rendered":"El Vy &#8211; K\u00f6ln, 04.12.2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Kantine, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> The Penny Serfs<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7395\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_6985.jpg\" alt=\"El Vy\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_6985.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_6985-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>In der Konzertnachbesprechung ging es nicht nur um ein Konzert. Es ging um zwei Konzerte. Genauer gesagt waren die beiden ausverkauften Palladium Konzerte der K\u00f6lner Band <strong>AnnenMayKantereit<\/strong> gef\u00fchlt das Hauptgespr\u00e4chsthema. Die gerade gesehenen <strong>El Vy<\/strong> fanden nicht statt. Irgendwie schien jeder mehr Gespr\u00e4chsbedarf daran zu haben, dass eine Band, die gerade einmal ein Album ver\u00f6ffentlicht hat, an zwei Abenden das Palladium ausverkauft. Ich kann und konnte dazu nichts sagen au\u00dfer \u2018warum nicht und warum ist das schlimm\u2018. Mein Wissen um die Band <strong>AnnenMayKantereit<\/strong> reicht einfach nicht aus, um dar\u00fcber irritiert zu sein. Ich kenne die Single \u201eOft gefragt\u201c, sie l\u00e4uft ja andauernd im Radio, und vom blo\u00dfen h\u00f6ren kann ich mir schon vorstellen, dass das viele m\u00f6gen k\u00f6nnten. Ob das dar\u00fcber hinaus m\u00f6genswert ist oder gar sein sollte, ist mir im Grunde wurscht. Dann doch lieber ein bisschen was zu <strong>El Vy<\/strong> sagen. Oder sich erstmal folgendes fragen: Warum war eigentlich das Konzert kein Gespr\u00e4chsthema? War es so schlecht, dass niemand dar\u00fcber reden wollte? War es uns allen so gleichg\u00fcltig oder war es gar so \u00fcberragend, dass auf der B\u00fchne schon alles gesagt wurde?<br \/>\nIch denke, es war keines von allem. Ich denke, es gab vielleicht nur nichts zu erz\u00e4hlen, weil das Konzert alle Erwartungen und Vorstellungen genau getroffen hat und jeder \u00e4hnlich dachte. Ja selbst die gespielte Coverversion war keine \u00dcberraschung. Wir wussten Bescheid, weil das Internet Bescheid wusste. Mir kamen nach der knappen Konzertstunde spontan diese Dinge in den Sinn, und ich glaube die anderen dachten genauso: Ein Abend <strong>mit Matt Berninger<\/strong> Personenkult, ein zwei wirklich sehr gute Songs und ansonsten eine rundum solide Veranstaltung ohne nennenswerte Besonderheiten.<br \/>\nKlingt langweilig, war es aber nicht.<\/p>\n<p>Vor <strong>El Vy<\/strong> trat eine Band auf, deren Musik ich w\u00e4hrend ihres Auftritts als Zukunft des Indierocks bezeichnet hatte. Also nicht nur gedanklich, sondern auch laut meinen Konzertnachbarn gegen\u00fcber, die daraufhin sehr verst\u00e4ndnislos zu mir her\u00fcber blickten. Das ich damit nicht die Band meinte, schien nicht richtig angekommen zu sein. Nein, besonders aufmerksamkeitserregend fand ich <strong>The Penny Serfs<\/strong> auch nicht, aber auch nicht so super langweilig. Ich bildete mir sogar ein, den einen oder anderen Song zu kennen. Oder kam er mir nur bekannt vor, weil viel Bekanntes von den Amerikanern verwurschtelt wurde? Was sie unter anderem auch verwurschtelten, und was ich in letzter Zeit immer h\u00e4ufiger h\u00f6re sind Softrock- und 1980er Jahre Rockanleihen und Keyboards. Und genau das meinte ich, als ich sagte, dass werde eine n\u00e4here Zukunft des Indierocks: Der Einbau von Softrockmelodien und -elementen. Ich glaube, dass davon zuk\u00fcnftig noch mehr im Indierock auftauchen wird.<br \/>\nEs ist an der Zeit, 30 Jahre sp\u00e4ter diese Musikthemen wieder aufzugreifen. Unabh\u00e4ngig davon, ob <strong>El Vy<\/strong> nun die <strong>Fine young cannibals<\/strong> (1988) covern oder nicht. \u201eShe drives me crazy\u201c. Mein Lieblingslied auf <em>The raw &amp; and the cooked<\/em>. Wobei die damalige Wahl schwer fiel, den \u201cGood thing\u201d und \u201cEver fallen in love\u201c sind auch nicht ohne. Ich hatte das Album auf Kassette, unser alter Opel City mit dem ich in jungen Jahren und mit frischem F\u00fchrerschein durch das M\u00fcnsterland d\u00fcsen durfte, bot genau dieses eine Unterhaltungsmittel. Das Radio funktionierte irgendwie nicht richtig, weil erst der Steckanschluss hinter der Armaturenbrettverkleidung einen Wackelkontakt hatte und sp\u00e4ter die Antenne abgeknickt wurde. (Meine Mutter h\u00f6rte beim Autofahren kein Radio, also war das Erneuern der Antenne kein Thema). Und so schepperten die <strong>Fine young cannibals<\/strong>, und die <strong>Christians<\/strong> (\u201cHarvest for the world\u201c, ein Riesenhit) &#8211; beides die einzigen Bands, deren Alben ich mir Ende der 1980er Jahre auf Kassette gekauft habe.) und aufgenommenes Zeugs durch die Lautsprecherbox in der Mittelkonsole.<\/p>\n<p>Das Konzert war nicht langweilig, aber es war irgendwie unspektakul\u00e4r, weil ohne \u00dcberraschungs- oder aha Moment. <strong>Matt Berninger<\/strong> l\u00e4uft auch bei <strong>El Vy<\/strong> wie ein aufgescheuchter Vogel auf der B\u00fchne hin und her, den obligatorischen Ausflug ins Publikum verkneift er sich allerdings, obwohl er, so sah es aus, beim letzten Song \u201eNeed a friend\u201c kurz davor stand. Es war bis auf zwei Ausnahmen ein seichter Mitwippabend. Ich hatte die Platte vorher durchgeh\u00f6rt, \u00fcberschw\u00e4nglich war ich nicht. Das war sch\u00f6ner Indiepop und das war die markante Stimme <strong>Berningers<\/strong>. Der sch\u00f6nste und einpr\u00e4gendste Song des Albums ist \u201eReturn to the moon\u201c. Vielleicht, weil es das <strong>National<\/strong>-eskste St\u00fcck ist und direkt sehr vertraut wirkt. \u201eReturn to the moon\u201c war auch im Konzert ein Hit. Weil es auch einfach gut und tanzbar ist, sicher aber, weil es etwas rockiger und l\u00e4rmender daherkam als die anderen Songs.<br \/>\nDie zweite Ausnahme war das Cover. Wow, wie perfekt und treffsicher es r\u00fcberkam war ph\u00e4nomenal. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum ich es so toll fand, waren irgendwie die gleichen wie bei \u201eReturn to the moon\u201c: es war schmissiger als der Rest. und dass <strong>Matt Berningers<\/strong> Stimme ein \u00fcbriges tat, ist klar. Sie passt einfach perfekt zu dem St\u00fcck der <strong>Fine young cannibals<\/strong>, auch wenn es gegen Ende von \u201eShe drives me crazy\u201c in eine kleine Schreiorgie ausartete. \u00dcberhaupt <strong>Matt Berninger<\/strong>. Der Alkohol, so sagt man gerne bei <strong>The National<\/strong> Auftritten, wo er ordentlich Wein bechert, muss erst wirken. Und wenn er wirkt, dann ist <strong>Matt Berninger<\/strong> wie ein besoffener Thekenkumpel. Nett, unberechenbar, anh\u00e4nglich. Dann kommt er an den B\u00fchnenrand, sucht engen Kontakt zu den ersten Reihen und singt, den Kopf viel zu nah an den anderen K\u00f6pfen, seine Songs. Ganz so, wie Besoffenen einem zu nahekommen, wenn sie was zu erz\u00e4hlen haben. Jeder kennt das, und je nach Alkoholfahne ist das nicht besonders angenehm. Ob es in den ersten Reihen angenehm war, wo man \u00fcberdies aufpasssen muss, das man nicht aus Versehen den umgewippten Mikrofonst\u00e4nder ins Gesicht bekommt, wei\u00df ich nicht. Ob in der wei\u00dfen Tasse, die er mit auf die B\u00fchne brachte, auch ein Pausentee plus war, ist anzunehmen. Auf mich wirkte <strong>Matt Berninger<\/strong> nach einer knappen Stunde anders als zu Konzertbeginn.<br \/>\nSein <strong>El Vy<\/strong> Projektgruppenkollege <strong>Brent Knopf<\/strong> spielt und agiert dagegen dezent im Hintergrund. Er ist auf der B\u00fchne das genaue Gegenteil von <strong>Berninger<\/strong>. Eher ruhig, eher unaufgeregt, eher einfach. Zwei extrovertierte Musiker w\u00fcrde die Band auch nicht verkraften. Das Keyboard, das auf einem spacig aussehenden St\u00e4nder am B\u00fchnenrand steht, und die Gitarre geh\u00f6ren ihm. Ab und an auch die zweite Gesangsstimme. Komplettiert wird die Band live mit einen weiteren Gitarristen und einem Schlagzeuger.<br \/>\nSo ist die Musikgeschichte des Abends schnell erz\u00e4hlt. <strong>El Vy<\/strong> haben mit <em>Return to the moon<\/em> genau ein Alben ver\u00f6ffentlicht und spielen dies auch. Song f\u00fcr Song. Plus der Coverversion macht das zw\u00f6lf St\u00fccke f\u00fcr den Konzertabend. Nach 45 Minuten verabschieden sich die vier ohne Zugabe. \u201eSie haben halt nicht mehr\u201c hei\u00dft es. Und das stimmt. Gott sei Dank haben die beiden nichts von ihren Mutterbands gecovert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Konzertnachbesprechung ging es nicht nur um ein Konzert. Es ging um zwei Konzerte. Genauer gesagt waren die beiden ausverkauften Palladium Konzerte der K\u00f6lner Band AnnenMayKantereit gef\u00fchlt das Hauptgespr\u00e4chsthema. Die gerade gesehenen El Vy fanden nicht statt. 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