{"id":7329,"date":"2015-11-18T19:06:54","date_gmt":"2015-11-18T18:06:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7329"},"modified":"2025-11-14T16:29:07","modified_gmt":"2025-11-14T15:29:07","slug":"destroyer-koeln-14-11-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/destroyer-koeln-14-11-2015\/","title":{"rendered":"Destroyer &#8211; K\u00f6ln, 14.11.2015"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Luxor, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_6523.jpg\" alt=\"Built to Spill\" class=\"wp-image-7321\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ich hatte kein gutes Gef\u00fchl, als ich am fr\u00fchen Abend in den Zug in Richtung K\u00f6ln stieg. Einige Minuten zuvor hatte ich eine kleine Diskussion dar\u00fcber, ob es gut, schlecht, richtig oder falsch sei, an diesem Abend ein Konzert zu besuchen. \u201aEs wird sicherlich eine komische Stimmung herrschen, jeder wird an Paris denken\u2018 so das Argument, dass mich in meiner urspr\u00fcnglichen Entscheidung, <strong>Destroyer<\/strong> anzusehen, wanken lie\u00df. Und mehr als das.<br>Den Tag \u00fcber hatte ich mir ehrlich gesagt sehr wenige Gedanken dar\u00fcber gemacht und es \u00fcberhaupt nicht in Frage gestellt, den heutigen Abend wie geplant zu bestreitet. Schon vor Wochen kaufte ich mir ein Ticket f\u00fcr das Konzert, ich freute mich richtig darauf, das vermeidlich beste Album des Jahres <em>Poison season<\/em> live pr\u00e4sentiert zu bekommen. Die Band um <strong>Dan Bejar<\/strong>, der vor circa einem Jahr mit den New Pornographers im Luxor auftrat, ist sowas wie die Band der Stunde f\u00fcr mich. <em>Poison season<\/em> h\u00f6re ich rauf und runter. Es war somit keines dieser Konzerte, die man gerne mal ausf\u00e4llen l\u00e4sst, weil man zu m\u00fcde, zu lustlos oder zu was-auch-immer ist. Nein, <strong>Destroyer<\/strong> wollte ich sehen.<br>Bis zu der Unterhaltung kurz vor meiner geplanten Abfahrt stand dieser Plan unumst\u00f6\u00dflich. Eine gute halbe Stunde sp\u00e4ter stand er nicht mehr. Er war kurz vor dem umfallen. Ich hatte im Laufe des Gespr\u00e4chs viele gute Gr\u00fcnde geh\u00f6rt, nicht hinzugehen, nat\u00fcrlich auch ein paar, doch hinzugehen. Aber die anderen Gr\u00fcnde schienen mir plausibler. Ich f\u00fchlte mich nicht unsicher, dazu sah ich keinen Anla\u00df, aber ich war verunsichert. Dass ich mich nach einigen alleinigen \u00dcberlegungen dann doch dazu entschied, hinzugehen, steht jedweder rationalen Erkl\u00e4rung. Ich habe mein Gef\u00fchl entscheiden lassen. Irgendwann sagte es mir, &#8218;geh\u2018 hin&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einigerma\u00dfen rechtzeitig entschied ich mich daf\u00fcr, loszufahren, so dass ich zur Punktlandung f\u00fcnf Minuten vor Konzertbeginn am Luxor ankam. Die Vorgruppe hatte ich zwar verpasst, aber in letzter Zeit verpasse ich Vorgruppen h\u00e4ufiger. Immer noch mit komischem Gef\u00fchl im Magen betrat ich das Luxor. So ganz konnte ich es auf der Zugfahrt nicht loswerden. Ist das wirklich okay, was ich hier mache? Ich hatte mir zwar die Antwort darauf schon gegeben, aber trotzdem war ich immer noch unsicher.<br>Zu meiner \u00dcberraschung war das Luxor rappelvoll. Ich h\u00e4tte vielmehr ein paar H\u00e4nde voll Leute erwartet, die &#8211; genauso wie ich &#8211; nicht so recht wussten, was sie hier sollten, aber trotzdem da waren. So war es aber nicht, es war eigentlich wie immer: die Stimmung gut, die Leute angeheitert. Ein scheinbar normaler Samstagabend in einem Klub.<br>Ich fand das irritierend und beruhigend zugleich. Mein komisches Gef\u00fchl im Magen wurde kleiner. Ganz verschwand es aber erst, als <strong>Destroyer<\/strong> auf die B\u00fchne kamen und ihren ersten Song spielten. \u201eBangkok\u201c, mein liebstes Lied der aktuellen Platte. Ich mag diesen Song sehr. Ich mag es, wenn um Minute 2:30 das easy listening-hafte Klavier einsetzt, wenn die Band langsam teilnimmt und das St\u00fcck vollst\u00e4ndig entf\u00e4chert. \u201eBangkok\u201c versetzte mir vom ersten Augenblick an, in dem ich es erkannte, eine G\u00e4nsehaut. Es war so, als ob in diesen Minuten alles zusammenkam, was mich an diesem Tag besch\u00e4ftigt hat, was ich gesehen und geh\u00f6rt habe. \u201eBangkok\u201c war gro\u00dfartig und ich war unendlich froh, es live zu h\u00f6ren. Es tat gut und es wurde mir in diesen Minuten klar, dass es richtig war, hier hinzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dan Bejar<\/strong> steht wie ein alter Mann auf der B\u00fchne. Dabei ist er gar nicht alt. Gerade mal ein Jahr j\u00fcnger als ich. Seine Bewegungen sind kontrolliert, mit dem linken Arm st\u00fctzt er sich auf einem eingeschobenen Mikrofonst\u00e4nder ab wie auf einem Gehstock. Seine Augen blicken dabei suchend ins Publikum. Er dirigiert seine siebenk\u00f6pfige Band ohne Dirigent zu sein. Eine Rampensau ist er wahrhaftig nicht. Bis auf das Saxophon (oh, das Saxophon war toll!) und die Trompete stehen oder sitzen die Musiker hinter ihm. Das Schlagzeug, die Gitarre, der Bass und das Keyboard. Die B\u00fchne des Luxors war voll.<br><strong>Destroyer<\/strong> spielten viel vom neuen Album. Und sie spielten die beiden \u00dcbersongs des letzten Albums <em>Kaputt<\/em>: \u201eChinatown\u201c und \u201eKaputt\u201c. Da dies auch die beiden einzigen Alben sind, die ich von <strong>Destroyer<\/strong> im CD-Schrank stehen habe, kannte ich somit alles. Mit <em>Kaputt<\/em> hatte ich bis dato so meine Schwierigkeiten, die beiden Hits des Albums waren die einzigen St\u00fccke, die ich wirklich oft geh\u00f6rt hatte. Sie jetzt hier live im quasi Orchesterverbund zu erleben, war traumhaft. Sie swingten f\u00f6rmlich dahin, passten gut zu den St\u00fccken von Poison season, die eine sch\u00f6ne Verquickung von Jazz, Swing, Easy listening, 70s Rock und Pop sind. Und ganz viel Saxophon und Trompete beinhalten. Aber nicht zu viel. Saxophon und Popmusik sind ein schmaler Grad. <strong>Destroyer<\/strong> \u00fcberreizen ihn aber nicht.<br>Ich \u00fcberlege die ganze Zeit, mit welchem Begriff ich die Musik <strong>Destroyers<\/strong> belegen k\u00f6nnte. Und tags drauf lese ich es dann im schlauen K\u00f6lner Stadtanzeiger: Yacht-Rock. Ja richtig, Yacht-Rock passt zu hundert Prozent.<br>Ich hatte vor einigen Monaten eine <strong>Klaus Fiehe<\/strong> Radiosendung geh\u00f6rt, in der er dem Genre Yacht-Rock, den Begriff hatte ich bis dahin \u00fcberhaupt noch nie geh\u00f6rt, eine volle Stunde widmete. Eine der sch\u00f6nsten Radiostunden der letzten Monate. Irgendwo muss ich auch noch den Zettel liegen haben, auf dem ich mir damals die Bandnamen und Songs notiert hatte, die mir besonders gut gefielen. Yacht Rock. Kann man mal h\u00f6ren.<br>Erst recht, wenn es von <strong>Destroyer<\/strong> live dargeboten wird. \u201eMidnight meet the rain\u201c, \u201ePoor love\u201c oder das direkt nach \u201eBangkok\u201c angesetzte \u201eForces from above\u201c verzauberten den Abend. Sie sind die Hauptverantwortlichen f\u00fcr einen sehr tanzbaren, aber auch f\u00fcr einen melancholisch tr\u00e4umerischen und zuweilen in den free Jazz abgleitenden Konzertabend. Den Jazz entdecke ich ja gerade ein bisschen, daher gef\u00e4llt es mir derzeit sehr, wenn das Saxophon sich in den einzelnen St\u00fccken so sch\u00f6n durchsetzen kann wie bei <strong>Destroyer<\/strong>. Das Konzert entwickelte sich zu einer luftig-leichten Angelegenheit, die Melodien schwebten samtweich durch die Luft. Mit einem Wort, es war sch\u00f6n, <strong>Destroyer<\/strong> zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Poison season<\/em> ist eines meiner drei Alben des Jahres, dieses Konzert war eines meiner Konzerte des Jahres.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte kein gutes Gef\u00fchl, als ich am fr\u00fchen Abend in den Zug in Richtung K\u00f6ln stieg. 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