{"id":7200,"date":"2015-10-11T19:20:01","date_gmt":"2015-10-11T17:20:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7200"},"modified":"2025-10-28T19:14:39","modified_gmt":"2025-10-28T18:14:39","slug":"grant-lee-phillips-koeln-10-10-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/grant-lee-phillips-koeln-10-10-2015\/","title":{"rendered":"Grant-Lee Phillips &#8211; K\u00f6ln, 10.10.2015"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Stadtgarten, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> J\u00f6rn Schl\u00fcter<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/12.jpg\" alt=\"Grant-Lee Phillips K\u00f6ln Stadtgarten 10.10.2015\" class=\"wp-image-7202\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/12.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/12-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>&#8218;Geht ihr auch zu <strong>Yo la tengo<\/strong>?&#8216; &#8218;Ja, und wir sind auch bei <strong>Kurt Ville<\/strong>.&#8216; &#8218;Ich war \u00fcbrigens noch bei <strong>My morning jacket<\/strong> in Amsterdam.&#8216; Nebenan-Gespr\u00e4che vor einem Konzert. Ah, dachte ich &#8211; mit halbem Ohr aus Versehen mith\u00f6rend -, dass passt ja vom namedropping her sehr gut. Hier bin ich richtig.<br>Wir sa\u00dfen im Stadtgarten und warteten darauf, dass <strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> die B\u00fchne betrat, und unterhielten uns auch \u00fcber Musik. Genauso wie andere um uns herum. Wie man es eben so macht, wenn man eine gemeinsame Vorliebe teilt.<br>In den 1990er Jahren fand ich <strong>Grant Lee Buffalo<\/strong>, deren S\u00e4nger und Mitbegr\u00fcnder <strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> ist, eher schnarchnasig. <strong>Swell<\/strong> waren mir lieber, weil vielschichtiger, <strong>Yo la tengo<\/strong> auch, weil wilder. Ich h\u00f6rte nicht viel von <strong>Grant Lee Buffalo<\/strong>, sah sie glaub ich mal im Vorprogramm von eben jenen Bands und lie\u00df sie ansonsten ein bisschen an mir vorbeilaufen. \u201eFuzzy\u201c aber ist unbestritten ihr Welthit und eines der sch\u00f6nsten Musikst\u00fccke der Welt. Das kennt bestimmt jeder, ich auch. Und Zufall oder nicht, genau dieses \u201eFuzzy\u201c lie\u00df mich am Samstagabend in den Stadtgarten fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag. Das Wochenende lag ohne gr\u00f6\u00dfere Pl\u00e4ne vor mir. Es war einer dieser fr\u00fchen Herbsttage, die mich etwas faul und mit beginnender Herbstmelancholie in ein gro\u00dfes Nichtstun hineinzogen. Im CD Spieler lieferte das aktuelle <strong>Lana del Rey<\/strong> Album den dazu vortrefflich passenden Soundtrack. Was f\u00fcr ein Album, es ist das traurig-melancholischste, das ich bisher diesen Sp\u00e4tsommer in die Finger bekommen habe. Perfekt f\u00fcr solche Augenblicke. Perfekt f\u00fcr das Wochenende. Samstag ist Selbstmord, wissen nicht nur <strong>Tocotronic<\/strong>. W\u00e4hrend also \u201eHoneymoon\u201c aus den Boxen melancholierte, surfte ich im Internet und suchte nach etwas Zeitvertreib und Tagesneuigkeiten. Ein, zwei Klicks weiter war ich bei \u201eFuzzy\u201c und der Mitteilung, dass <strong>Grant-Lee Philips<\/strong> morgen im Stadtgarten auftrete. Mhh, ist das eine Samstagabendoption? Ja, nein, vielleicht. Aber ein zwei Chatfetzen sp\u00e4ter bildete sich langsam aber sicher die Idee, da hinzufahren. Ich sagte dem Konzert zu und der aufkommenden Wochenendtr\u00e4gheit ab. Samstag ist Selbstmord, jedoch nicht an diesem Samstag.<br><strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> also. Zugegeben, viel wusste ich nicht \u00fcber sein Treiben in den letzten 20 Jahren. Eigentlich wusste ich gar nichts. Ich hatte ja schon <strong>Grant Lee Buffalo<\/strong> nicht verfolgt, warum h\u00e4tte ich dann eine Solosachen auf dem Schirm haben sollen? Das macht keinen Sinn. Ganz unvorbereitet wollte ich jedoch nicht in den Abend und so h\u00f6rte ich tags\u00fcber mal kurz in sein letztes Album <em>Walking in the green corn<\/em> hinein. Meine Erwartungen waren Folkkram, aber nach wenigen Minuten wurden meine Erwartungen nicht best\u00e4tigt. Ich merkte, wie interessant ich seine Stimme fand und wie wenig weit weg seine Songs vom US-Independent waren. Zumindest die, die ich h\u00f6rte. Das best\u00e4rkte mich nochmals, in den Stadtgarten zu fahren. Diesen Kerl wollte ich jetzt sehen, ja, das ganze Drumherum machte mich geradezu neugierig.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich um kurz vor sieben sitzen wir also vor der B\u00fchne. Das Konzert ist bestuhlt, eine gute Sache, und es beginnt sehr fr\u00fch. Klar, Samstag, anschlie\u00dfend l\u00e4uft hier sicher noch irgendwas anderes. Das ist uns aber egal.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eI play songs you might know, songs I know and songs I don\u2019t know.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein sichtlich gut gelaunter <strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> stand direkt vor uns. Nur mit der Akustikgitarre wollte und sollte er die n\u00e4chsten knapp 90 Minuten den gem\u00fctlichen Entertainer abgeben. The <strong>Beyonc\u00e9<\/strong> of Folk, wie er sich selbst lachend beschrieb. Ich habe keine Ahnung, was ihn zu dieser Mutma\u00dfung hinrei\u00dfen lie\u00df, ich entdeckte spontan vielmehr eine gewisse \u00c4hnlichkeit zu <strong>Richard Gere<\/strong>. Aber der macht keine Musik. Optisch passte das aber besser, die Frisur, das Sakko, die Gesichtsz\u00fcge. In W\u00fcrde altern, hier sah ich gerade eine sch\u00f6ne Blaupause dieses ausgelutschten Statements.<br>\u201eJosephine oft he swamps\u201c spielt er sehr fr\u00fch (ich hoffe, ich habe das richtig gegoogelt), es bleibt mir im Sinn, weil damit das Konzert f\u00fcr mich so richtig durchstartet. Es ist das dritte oder vierte St\u00fcck an diesem Abend und es stammt vom dritten Soloalbum <em>Virgin creeper<\/em>, vom der er sp\u00e4ter auf Zuruf auch noch \u201eMona Lisa\u201c spielen sollte. Was sonst noch so ging, ist f\u00fcr mich mangels Fachkenntnissen schwer zu sagen. Ich mutma\u00dfe mal, in der Hauptsache \u00e4ltere Songs. <strong>Grant Lee Buffalo<\/strong> St\u00fccke sind sehr oft vertreten, ganz speziell k\u00fcndigt er diese Tracks immer an, daher wei\u00df ich das. Und auch bei vielen anderen habe ich den Eindruck, dass sie eher \u00e4lteren Datums waren. \u201eHappiness\u201c, \u201eHeavenly\u201c, \u201eTruly\u201c, ich meine, diese St\u00fccke waren im Set. Vielleicht liege ich aber auch falsch. Worin ich mir dagegen ziemlich sicher bin ist die Einzigartigkeit seiner Stimme. Himmel, die ist so markant und so pr\u00e4sent, es ist unglaublich. Es macht gro\u00dfen Spa\u00df, <strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u2026both a soaring falsetto and a nourishing drawl\u2026<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Lese ich dazu bei Wikipedia. Na wenn die das sagen. Okay.<br>Vor dem Finale holt er <strong>J\u00f6rn<\/strong> zur Begleitung auf die B\u00fchne. <strong>J\u00f6rn Schl\u00fcter<\/strong> ist ein Drittel der Bremer Band <strong>Someday Jacob<\/strong>, er bestritt ein sch\u00f6nes, unaufgeregtes und passendes Vorprogramm. Gemeinsam spielen sie drei, vier St\u00fccke, darunter das wundervolle \u201eFuzzy\u201c und &#8211; nach der Phillip\u2019schen rhetorischen Frage, &#8218;what can we do after this&#8216; &#8211; ein <strong>Bruce Springsteen<\/strong> Cover. Es mag zwar etwas komisch erscheinen, dass ein Mann mit so einem riesigen Backkatalog an Songs ein Cover spielt, auch ich war nach der Ansage kurz irritiert und st\u00f6hne gedanklich ein &#8218;oh weh, auch noch Springsteen&#8216; hinterher, aber es zerriss den Abend nicht. Im Gegenteil, es f\u00fcgt sich so wunderbar in das Konzert ein, dass dieses ohne den Coversong ein wenig \u00e4rmer gewesen w\u00e4re. In dieser Interpretation mag sogar ich den Boss. Und das \u00fcberrascht mich selbst am meisten. Aber es passt irgendwie zu diesem sch\u00f6nen Konzert, dass mich sehr oft \u00fcberraschte.<br>Auf der R\u00fcckfahrt recherchierte ich etwas herum und entdeckte, dass <strong>Grant-Lee Phillips<\/strong> ein ganzes Coveralbum ver\u00f6ffentlicht hat. Das Springsteen Ding ist nicht darunter, und nach dem Studium der dort aufgef\u00fchrten Songs \u00e4rgerte ich mich, dass er nicht eher etwas von den <strong>Pixies<\/strong>, <strong>The Cure<\/strong> oder <strong>R.E.M.<\/strong> in die Setlist genommen hat. \u201eSo. Central rain\u201c zum Beispiel. Das h\u00e4tte dem Abend mit Abstand die Krone aufgesetzt.<br>Doch das ist rumgejammere auf hohem Niveau. Als er um kurz vor halb zehn seinen letzten Song anmoderierte, war ich \u00fcberrascht. Wie, hat er jetzt wirklich schon fast 90 Minuten gespielt? Es kam mir nicht so vor. Boah, war das Konzert kurzweilig!<br>\u201eFuzzy\u201c werde ich die n\u00e4chsten Tage noch im Ohr haben. Nun, es gibt schlimmeres.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGeht ihr auch zu Yo la tengo?\u201c \u201eJa, und wir sind auch bei Kurt Ville.\u201c \u201eIch war \u00fcbrigens noch bei My morning jacket in Amsterdam.\u201c Nebenan-Gespr\u00e4che vor einem Konzert. Ah, dachte ich &#8211; mit halbem Ohr aus Versehen mith\u00f6rend -, dass passt ja vom namedropping her sehr gut. 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