{"id":7149,"date":"2015-08-30T19:37:08","date_gmt":"2015-08-30T17:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7149"},"modified":"2015-08-30T22:10:02","modified_gmt":"2015-08-30T20:10:02","slug":"pop-kultur-festival-berlin-26-08-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/pop-kultur-festival-berlin-26-08-2015\/","title":{"rendered":"Pop-Kultur Festival &#8211; Berlin, 26.08.2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Berghain, Berlin<br \/>\n<strong>Bands:<\/strong> Fenster, Hinds, Isolation Berlin<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7151\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1.jpg\" alt=\"Kamerakleber im Berghain\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Konzerte in Berlin sind anstrengend. Das Publikum empfinde ich hier r\u00fccksichtloser als zum Beispiel in K\u00f6ln oder Br\u00fcssel; die Clubs kommen mir irgendwie abgehobener vor. In Summe bedeutete das f\u00fcr mich, die Konzertszene in Berlin ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig und aktuell nicht in den TOP 3 meiner Lieblingskonzertorte. Das kann sich aber \u00e4ndern, und sicher ist meine Erfahrung auch nicht repr\u00e4sentativ und enorm subjektiv. Trotzdem.<br \/>\n\u201eDarf ich euch mal fragen, wie lange ihr schon vor dem Einlass wartet. Die Schlange ist ja schon lang.\u201c Die Frage kam \u00fcberraschend und ja, die Einlassschlange vor dem Berghain war lang, aber das Schlangentempo war okay. Angesprochen wurden wir von einem Pop-Kultur Offiziellen. Die Veranstalter schienen in Sorge, dass alle oder zumindest die meisten Zuschauer rechtzeitig zu den Hallen und Veranstaltungsorten auf dem Festivalgel\u00e4nde gelangen. \u201eEs war bisher okay\u201c, sagten wir, und \u201ekeine Probleme bisher\u201c. \u201eGut, dann kommt gleich die B\u00e4ndchenausgabe, dann der body-scan (berlinerisch f\u00fcr Taschenkontrolle, denn kein body wurde abgetastet) \u2013 da staut es sich derzeit ein bisschen- und dann noch der Berghain Einlass.\u201c Na, jetzt wussten wir Bescheid. Und wir wussten somit auch, dass es noch etwas dauert. Wissen dar\u00fcber, warum man wartet, macht aber das Warten ertr\u00e4glicher. 1:0 f\u00fcr die Veranstalter. Bereits vor dem eigentlichen Festival f\u00fchlten wir uns gut aufgehoben.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt im Zug las ich einen Artikel \u00fcber TV-Serienvorsp\u00e4nne. Opening credits nennen Fachleute die Vorsp\u00e4nne. In ihnen werden nicht nur die Fakten aufgez\u00e4hlt (wer spielt wen), sondern immer mehr versucht, das Gef\u00fchl, das Temperament, die Eigenarten der Serie komprimiert zusammenzufassen: ob sie lustig sein will, spannend oder dramatisch. Vorsp\u00e4nne sind wichtig f\u00fcr den Verbleib des Zuschauers in den weiteren Minuten. F\u00fchlt er sich vom Vorspann angesprochen, ist er eher geneigt, weiterzuschauen, als wenn er ihn langweilt. Andersrum ist es genauso: f\u00fchlt er sich vom Vorspann abgesto\u00dfen, zappt er weiter. Die opening credits der Pop-Kultur waren gut, denn alle Mitarbeiter machten einen freundlichen und entspannten Eindruck. Und die \u00fcbertrug sich auf die gesamte Veranstaltung. Manchmal ist es ganz einfach.<\/p>\n<p>20 Minuten sp\u00e4ter waren wir drin. Und erneut wurden wir nach unserer Wartezeit bisher gefragt. Die geben sich wirklich M\u00fche, dachte ich. So kam es dann auch, dass unser erstes Konzert, f\u00fcr das wir mittlerweile viel zu sp\u00e4t dran waren, sp\u00e4ter startete. <strong>Fenster<\/strong>, die Band, die als erstes im Berghain selbst auftreten sollte, h\u00e4tte bereits seit 20 Minuten spielen sollen, und noch hatten wir die Berghainkontrolle nicht passiert.<br \/>\nUnsere Handykameras mussten noch abgeklebt werden. Und es wurden erneut die Taschen kontrolliert. Diesmal nur auf der Suche nach Fotoapparaten. Im Berghain herrscht ein absolutes Fotografier- und Bilddokumentationsverbot. Selbst die Presse muss sich daran halten. Die zeigte sich nat\u00fcrlich uneinsichtig, wurde aber mit den Worten Hausordnung und einem \u201edas ist hier schon seit Jahren so\u201c Argument in ihre Schranken verwiesen. Leider konnten wir die Diskussion nicht bis zum Ende mitverfolgen, <strong>Fenster<\/strong> warteten ja bereits mit ihrer Filmpremiere und dem live dazu gespielten Soundtrack.<br \/>\nAls wir dann gegen 20 Uhr den Technotempel betreten, verlaufen wir uns erst einmal. Das Berghain ist verwinkelt und un\u00fcbersichtlich. Es gibt viele Ecken und R\u00e4ume, und es ist dunkel. Sehr dunkel. Wikipedia sagt, es g\u00e4be hier auch sogenannte Darkrooms. Okay. Und es sei kein Klub wie jeder andere. Die Techno-Disco im Osten Berlins umg\u00e4be sich gern mit dem Nimbus der Exklusivit\u00e4t. Nicht jeder komme rein. Und wenn man drinnen ist, darf man fast alles &#8211; eben nur nicht fotografieren.<br \/>\nSo hab ich es irgendwo gelesen, ob das mit der Exklusivit\u00e4t noch so stimmt, weiss ich nicht. Zwei Dinge fielen mir auf: Die Tanzfl\u00e4che ist gar nicht so gro\u00df wie erwartet und die Deckenh\u00f6he ist riesig. Wenn hier der Sound gut ist, und ich vermute mal, er ist gut, m\u00fcssen Bass und Beats hier enorm kr\u00e4ftig und tiefhallig klingen.<br \/>\nAls wir den Weg zur eigentlichen Tanzfl\u00e4che finden, an dessen Ende die B\u00fchne aufgebaut war, ist diese noch leer. Die Veranstalter hatten geschoben, und dies just in diesem Moment via Facebook mitgeteilt: BERGHAIN JETZT 20 MINUTEN SP\u00c4TER. Na denne.<br \/>\nLangsam f\u00fchlte sich der Saal und so langsam begann auch das Festival f\u00fcr uns. Die Bands, die wir heute sehen sollten, waren mir g\u00e4nzlich unbekannt. Nur kurz hatte ich in den Tagen zuvor bei der ein oder anderen in Spotify hineingeh\u00f6rt.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich war nur der morgige Tag eingeplant gewesen. Aber warum nur einen Abend besuchen, wenn man auch zwei haben kann. Also buchten wir f\u00fcr den ersten Pop-Kultur Abend ein Ticket dazu: <strong>Fenster<\/strong>, <strong>Hinds<\/strong>, <strong>Isolation Berlin<\/strong>. So lautete nun der Plan. <strong>Owen Pallett<\/strong>, ein paar DJs und <strong>die Nerven<\/strong> waren zwar auch im Programm, aber zeitlich &#8211; weil nach Mitternacht &#8211; sehr sp\u00e4t angesetzt. Vielleicht das einzige Manko dieses Kulturfestes, denn auch am n\u00e4chsten Tag blieb <strong>Messer<\/strong> um halb eins f\u00fcr uns zeitlich unerreicht.<\/p>\n<p><strong>Fenster<\/strong> zeigten ihren Film <em>Emocean<\/em> und spielten live dazu den Soundtrack. Das sah dann so aus, dass \u00fcber der B\u00fchne die Leinwand angebracht war und darunter im sp\u00e4rlichen Licht der Kopflampen die Musiker ihre Instrumente bedienten. <em>Emocean<\/em> handelt von\u2026ich wei\u00df es nicht mehr. Oder besser gesagt, ich wusste es nie. Denn ich habe den Film, der mir wie eine surreale Aneinanderreihung von Trailern, Videoclips und Kurzfilmen vorkam, nicht versanden. Das Design war zeitgem\u00e4ss in trashiger 1980er Optik und in super vhs. (Himmel hilf, die 80er kommen zur\u00fcck, Karottenjeans und <strong>Harry and Sally<\/strong> Outfits sah ich zu gen\u00fcge.) Der Filminhalt war irgendwie schwierig.<br \/>\nMusikalisch ging es sehr psychodelisch zu. <strong>Fenster<\/strong> klangen g\u00e4nzlich anders als auf ihrem Album <em>The pink caves<\/em>, das ich vorher kurz durchh\u00f6rte und in \u201eBetter days\u201c einen verdammt guten dreampoppigen Song hat.<br \/>\nDie Instrumentalsongs waberten und halluzinierten um die Filmstreifen, die Titel hatten wie \u201eA day in a life of a citizen\u201c oder in alter Gameboy Optik den Kampf zwischen Samson und NoSmas zeigten.<br \/>\nDamit lagen <strong>Fenster<\/strong> irgendwo zwischen den <strong>Dire Straits<\/strong> und <strong>Karat<\/strong>. Im Ganzen somit sehr konsequent, aber, o je, ich hab\u2019 das alles nicht verstanden.<\/p>\n<p><strong>Hinds<\/strong> boten ein Kontrastprogramm. Indierock aus Madrid, gespielt von vier Anfang zwanzigj\u00e4hrigen M\u00e4dchen. Das klang s\u00fc\u00df, f\u00fcr mich war es aber weniger interessant als erhofft. <strong>Ana Garcia Perrote<\/strong>, <strong>Carlotta Cosials<\/strong>, <strong>Ade Martin<\/strong> und <strong>Amber Grimbergen<\/strong> hatten f\u00fcr meinen Geschmack ein wenig zu viel Folkrock (\u201eWarning With The Curling\u201c) und zu wenig Slacker-pop, wie das Pop-Kultur Programmheft <strong>Hinds<\/strong> beschreibt, in ihren Songs. Aber mit Musikbeschreibungen von Bands ist das so eine Sache. Sie k\u00f6nnen tr\u00fcgen. \u201eTrippy Gum\u201c blieb h\u00e4ngen, die \u00fcbrigen Songs muss ich mir nochmals auf Konserve anh\u00f6ren, um wirklich urteilen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Band nannte sich fr\u00fcher <strong>Deers<\/strong>. Wenn man nach dem Videos zu \u201eTrippy Gum\u201c sucht, findet man es als <strong>Deers<\/strong> Video. Anfang des Jahres haben sie ihren Namen gewechselt, es gab bereits eine Band namens <strong>Deers<\/strong>, der Namenswechsel wurde notwendig.<\/p>\n<p>Bei <strong>Isolation Berlin<\/strong> dagegen hat es sofort klick gemacht. <strong>Joy Division<\/strong>, <strong>Grauzone<\/strong>, Rio Reiser. In dieser Reihenfolge schossen mir die Assoziationen w\u00e4hrend der ersten 3-4 Songs durch den Kopf. Die Band ist jung, hat zwei EPs ver\u00f6ffentlicht (<em>Aquarium<\/em> und <em>K\u00f6rper<\/em>) und mit \u201ePrinzessin Borderline\u201c einen Hit. Ich glaube, wir werden noch einiges von <strong>Isolation Berlin<\/strong> h\u00f6ren. Mich haben sie \u00fcberzeugt. Aber auch hier gilt: die 1980er sind zur\u00fcck. <strong>Isolation Berlin<\/strong> sind dabei mehr das alternative post-punkige West-Berlin und Linientreu (hie\u00df so nicht der Indie-Club am Ku\u2019damm?) als zum Beispiel der glitzernde Synthiepop, den <strong>Fenster<\/strong> eine Stunde zuvor mitbrachten. Das gef\u00e4llt mir spontan besser. Ich bin auf das erste Album der Band gespannt und darauf, ob sich ihre Musik durchsetzen wird.<\/p>\n<p>Was blieb sonst vom ersten Tag? Nun, ich fand es angenehm, Konzerte ohne leuchtende Handydisplays betrachten zu k\u00f6nnen. Das wirkte so sch\u00f6n altmodisch und konzentriert. Leider hatten dadurch auch viele wieder die H\u00e4nde frei, um ihre Zigaretten halten zu k\u00f6nnen. War es denn nicht schon schwei\u00dftreibend stickig genug im Saal? Ein Rauchverbot jedenfalls scheint es im Berghain nicht zu geben. Oder es h\u00e4lt sich niemand dran. An das Fotografierverbot hielten sich interessanterweise alle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzerte in Berlin sind anstrengend. Das Publikum empfinde ich hier r\u00fccksichtloser als zum Beispiel in K\u00f6ln oder Br\u00fcssel; die Clubs kommen mir irgendwie abgehobener vor. 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