{"id":7114,"date":"2015-07-21T20:07:10","date_gmt":"2015-07-21T18:07:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=7114"},"modified":"2015-07-21T20:11:55","modified_gmt":"2015-07-21T18:11:55","slug":"robert-glasper-trio-koeln-19-07-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/robert-glasper-trio-koeln-19-07-2015\/","title":{"rendered":"Robert Glasper Trio &#8211; K\u00f6ln, 19.07.2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Club Bahnhof Ehrenfeld, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7116\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5516.jpg\" alt=\"Robert Glasper Trio\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5516.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5516-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Vor einigen Jahren schrieb ich, nachdem ich mit einem Arbeitskollegen w\u00e4hrend einer Dienstreise ein bluesiges Jazzkonzert eines obskuren Schlagzeugers und seiner Band besucht hatte, dass ich wohl f\u00fcr Jazz noch nicht alt genug sei.<br \/>\nIn meiner theoretisierten Lebens- und Musikwelt war es n\u00e4mlich so, dass ich mein Interesse f\u00fcr Jazz nicht vor 40, eher mit Mitte 40, aufkommen lassen wollte. Das hielt ich f\u00fcr ein geeignetes Alter, um mich mit diesem komplexen und verr\u00fcckten Musikgenre n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen. Jazz, das klingt nach Erfahrung, nach Bescheid wissen, nach bestuhlten Konzerten in mucksm\u00e4uschen stiller Atmosph\u00e4re. Vor 10 Jahren f\u00fchlte ich mich dazu noch nicht bereit. <a title=\"Billy Cobham Spectrum \u2013 Washington DC, 11.09.2008\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/billy-cobham-washington-11092008\/\" target=\"_blank\">Dieser Abend im Blues Alley<\/a> best\u00e4tigte meine Theorie und ich war irgendwie froh dar\u00fcber. Zwar fand ich das Konzert sch\u00f6n und interessant, aber es reichte nicht, um dranzubleiben.<br \/>\nDas liest sich nach allerlei schlimmen Vorurteilen. Doch schon w\u00e4hrend meines ersten Jazzkonzertes auf erw\u00e4hnter Dienstreise musste ich einige meiner Ansichten revidieren. Okay, der Club war bestuhlt, man sa\u00df an Tischen, a\u00df vor Konzertbeginn ein S\u00fcppchen oder einen anderen Snack, bis irgendwann die Teller abger\u00e4umt wurden, das Licht sich verdunkelte und Musik gespielt wurde. Aber es war nicht so abgehoben &#8218;elit\u00e4r&#8216;, nicht so Bescheid wissend arrogant wie gedacht. Nat\u00fcrlich gab es Rollkragenpullovertr\u00e4ger im Publikum, aber bei meinen Kraftwerkkonzerten gab es die in gr\u00f6\u00dferer Anzahl.<br \/>\nDass mich der Abend damals nicht restlos begeisterte, lag an der Musik. Die Suppe war toll, aber die schlagzeuglastigen Songs waren nicht diese Art von Jazz, die mir unter dem Begriff Jazz vorschwebte. &#8218;Diese Art von Jazz&#8216;, ich glaube man merkt, dass ich nicht viel Ahnung vom Fach habe.<br \/>\nIn den Jahren danach verschwand mein Interesse ein wenig, in den letzten zwei drei Jahren bl\u00fchte es aber verst\u00e4rkt wieder auf. Ich bin jetzt eben in dem Alter und ich wollte dem Ganzen noch eine Chance geben. Nicht, dass ich aus dummer Ignoranz was tolles verpasse.<br \/>\nDoch wie den Einstieg finden? Welche Platten kaufen? Einen 5-Euro Tchibo Sampler wollte ich mir nicht zulegen, eine Best-of Jazz 6 CD Box auch nicht. Beides scheint mir zu oberfl\u00e4chlich, unw\u00fcrdig, ungenau.<br \/>\nIch fragte also einen Arbeitskollegen, der tiefere in der Jazzsache steckte und steckt als ich. Also der sich damit auskennt, ich stecke ja \u00fcberhaupt nicht drin. Er empfahl als Einstieg zwei Klassikern: <strong>Miles Davis<\/strong> <em>Kind of Blue<\/em> und <strong>John Coltrane<\/strong> <em>A love supreme<\/em>. Damit k\u00f6nne ich nix falsch machen.<br \/>\nUnd richtig, damit machte ich nichts falsch! Beide Platten gefielen mir spontan und kamen meiner Vorstellung von Jazz sehr nahe: Klavier und Blasinstrumente. Ja, so sollte Jazz f\u00fcr mich klingen. Nicht dieser experimentelle Schnickschnack. Doch wie fortfahren? Ich schnupperte etwas weiter, sah auf dem letzten Primavera <strong>Colin Stetson<\/strong> und versuchte, <strong>John Zorn<\/strong>\u2019s \u201eNaked city\u201c zu verstehen. Auch legte ich mir <strong>David Axlrod<\/strong> zu. Aber all dieses machte nicht so viel Spa\u00df wie die alten Sachen von <strong>Coltrane<\/strong> oder <strong>Davis<\/strong>. Und so ging\u2019s in dieser Richtung weiter. Der n\u00e4chste Plattenkauf wurde dann doch ein Sampler, <em>Roads of Jazz<\/em>. Sechs CDs unterschiedlicher Stilrichtungen und einer Menge textlicher Erl\u00e4uterungen, die ich jedoch bis heute nicht gelesen habe. Mir gefielen die Songs des Classic Jazz und New York Modern Jazz auch so. Sch\u00f6n lesen brauchte ich sie mir nicht. (Falls das auch \u00fcberhaupt geht.)<\/p>\n<p>Und wie kam es jetzt zu diesem Konzertbesuch? Der Name <strong>Robert Glasper<\/strong> tauchte bisher ja kein einziges Mal auf. Auch nicht auf dem 6-CDs-Sampler. Nun, besagter Arbeitskollege schrieb mir eine Mail und machte darin folgenden Vorschlag.<\/p>\n<blockquote><p>Hi Frank,<br \/>\nfalls du Lust und Zeit hast (und inzwischen alt genug f\u00fcr Jazz bist):<br \/>\nRobert Glasper Trio,\u2026<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte ich Zeit und Lust. Nat\u00fcrlich sagte mir der Name <strong>Robert Glasper Trio<\/strong> nichts. Eigentlich fand ich ihn sogar recht bescheuert f\u00fcr eine Band. Klang das nicht nach Tralafitti Jazz, nach irgendeiner Wald-und-Wiesen-Combo? Ja, Namen machen Bands, und dieser klang f\u00fcr mich erst einmal wenig vertrauenerweckend.<br \/>\nSchnell merkte ich aber, das ich Vertrauen haben sollte. <strong>Robert Glasper<\/strong>, Grammy Gewinner, Rapper\u2019s Liebling, Buddy von <strong>Jay-Z<\/strong> und ma\u00dfgeblich beteiligt an <strong>Kendrick Lamars<\/strong> letzter Platte <em>To pimp a butterfly<\/em>. Es dauerte nur wenige Google Suchklicks, bis ich so schlau wurde.<br \/>\nUnd neugieriger. Ich h\u00f6rte mir was von <strong>Glasper<\/strong> an und es gefiel mir. Das war der Jazz, den ich toll finde, der leicht und eing\u00e4ngig daherkommt. <strong>Robert Glasper<\/strong> spielt Klavier, von einem Bass und Schlagzeug begleitet. Nichts weiter. Und \u00fcberhaupt nicht anstrengend oder unverst\u00e4ndlich.<br \/>\nSo entdeckte ich sein letztes Album <em>Covered<\/em> und war leicht erschrocken, als ich die Berichte dazu las. Coverversionen von Popschlagern und Lieblingsliedern? Das klang jetzt aber doch sehr nach Starbucks Jazz. Die Idee zu diesem Album kam ihm beim IPod shufflen. Uahhh, jeder Satz den ich \u00fcber <em>Covered<\/em> las, machte es nicht besser.<br \/>\nTrotzdem blieb ich dran, weil die Songs so sch\u00f6n klangen und weil ich immer wieder auf ein St\u00fcck zur\u00fcckkam: \u201eReckoner\u201c von <strong>Radiohead<\/strong>.<br \/>\n\u201eKommen da <strong>Run DMC<\/strong> auf die B\u00fchne?\u201c eine durchaus berechtigte wie auch nicht ganz ernst gemeinte Frage meiner Konzertbegleiterin. <strong>Robert Glasper<\/strong>, <strong>Vicente Archer<\/strong> und <strong>Damion Reid<\/strong> sehen denn auch mehr nach HipHop als nach E-Musik aus. Wir stehen in der N\u00e4he der Garderobentreppe und sehen, wie es sich der \u00fcbrige Begleitclan, ich vermute Freundinnen und Buddies, am Treppenaufgang bequem machte. Der Getr\u00e4nkenachschub wurde zuvor sichergestellt, als eine auf Eis gelegte Sektpulle in die Garderobe gebracht wurde. Nun war es an der Zeit, diese peu \u00e0 peu leerzumachen. In den Songpausen h\u00f6re ich das Rascheln der Eisw\u00fcrfel in den Pappbechern.<br \/>\nDie Musiker starten mit Coverversionen. &#8222;Sign o&#8216; the times&#8220; (<strong>Prince<\/strong>)und \u201cI don\u2019t even care\u201d (<strong>Macey Grey<\/strong>)er\u00f6ffneten den Abend. Eigentlich und normalerweise sind Cover die schlechteren Songs, und ich mag sie nicht sehr. Aber \u2018Cover m\u00f6gen\u2018 hin oder her, dass hier war verdammt gut.<\/p>\n<p>Sie w\u00fcrden sehr viel von <em>Covered<\/em> spielen, aber auch \u00e4ltere Sachen, so die kurze Ansage des Bandvorstehers <strong>Glasper<\/strong>. In den anschlie\u00dfenden Minuten schaltete das Trio in den Autopiloten Groove. Es gab wirklich keine Sekunde, die von den folgenden 100 Minuten langweilig war.\u2018Groovy, groovy, jazzy, funky\u2018 besungen es <strong>De la Soul<\/strong>, und genauso f\u00fchlte sich dieses Konzert an. Hier war der Jazz nicht weit weg vom Hiphop. Glasper spielte fulminant, seine Kollegen auch. Das Schlagzeug klang zwar mitunter etwas laut, aber es war dabei nie aufdringlich und scharf gespielt, sondern wog im unhektischen Klang des Basses. <strong>Robert Glasper<\/strong> sa\u00df am Fl\u00fcgel, gesponsert vom Klavierhaus Klavins wie das angestrahlte Label auf der Vorderseite zeigte. Es sei das erste Mal, dass ein Fl\u00fcgel auf der B\u00fchne des Club Bahnhof Ehrenfeld st\u00fcnde erfuhren wir vorab vom Conf\u00e9rencier. Vielleicht machen sie das jetzt ja \u00f6fter, denn der Club war voll.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie viele Songs das Trio gespielt hat, welche von welchem Album stammen oder welche Eigenkompositionen waren und welche nicht. Selbst wenn es alles Cover gewesen sein sollten, es waren keine Peinlichkeiten darunter. Auch der eingestreute Kurzauftritt eines Rappers, den ich allerdings eher \u00fcberfl\u00fcssig fand, tat nicht weh. Groovy, groovy, jazzy, funky eben. Alles.<br \/>\nEtwas nervig fand ich vielleicht ein 15min\u00fctiges Zwischengepl\u00e4nkel, als Robert <strong>Glasper<\/strong> immer wieder Songs am Klavier anspielte, darauf wartete, dass die anderen beiden Musiker einstiegen und dann kurze Zeit sp\u00e4ter abbrach und neu ansetzte. Daf\u00fcr gibt es bestimmt einen Jazzfachbegriff. Da ich aber von Jazz keine Ahnung habe, kenne ich ihn nicht. Ich kann auch nicht sagen, ob die T\u00f6ne akkurat waren, ob das Spiel sauber war, der Klang perfekt war. All diesen nerdigen Jazzkramtalk, den kann ich nicht unterst\u00fctzen. So dick bin ich nicht drin. Was ich aber sagen kann ist, dass ich einen tollen Konzertabend hatte, bei dem ich eine Menge neuer Sachen geh\u00f6rt habe.<br \/>\nUnd wie mein Arbeitskollege richtig bemerkte: \u201eWenn es einem gef\u00e4llt, ist\u2019s doch gut.\u201c Es war sehr gut!<\/p>\n<p>Kontextkonzerte:<br \/>\n<a title=\"Larry Coryell Power Trio \u2013 Washington DC, 27.03.2008\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/larry-coryell-washington-27032008\/\" target=\"_blank\">Larry Coryell Power Trio \u2013 Washington DC, 27.03.2008 \/ Blues Alley<\/a><br \/>\n<a title=\"Billy Cobham Spectrum \u2013 Washington DC, 11.09.2008\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/billy-cobham-washington-11092008\/\" target=\"_blank\">Billy Cobham Spectrum \u2013 Washington DC, 11.09.2008 \/ Blues Alley<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Jahren schrieb ich, nachdem ich mit einem Arbeitskollegen w\u00e4hrend einer Dienstreise ein bluesiges Jazzkonzert eines obskuren 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