{"id":6927,"date":"2015-05-10T17:56:56","date_gmt":"2015-05-10T15:56:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=6927"},"modified":"2015-05-10T18:02:43","modified_gmt":"2015-05-10T16:02:43","slug":"ghostpoet-koeln-08-05-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/ghostpoet-koeln-08-05-2015\/","title":{"rendered":"Ghostpoet &#8211; K\u00f6ln, 08.05.2015"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Club Bahnhof Ehrenfeld, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Inner Tongue<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6928\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4449.jpg\" alt=\"Ghostpoet\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4449.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4449-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Was machen eigentlich gerade <strong>Melanie de Biasio<\/strong>, <strong>Nadine Shah<\/strong> und Bowlermann <strong>Paul Smith<\/strong>? Ich frage deswegen, weil alle drei Musiker Gastauftritte auf Ghostpoets neuen Album <em>Shedding Skin<\/em> haben. Gerade die Songs mit <strong>Nadine Shah<\/strong> als zweite Stimme sind wahre Kn\u00fcller, und so w\u00e4re es doch sch\u00f6n gewesen, wenn die Musikerin h\u00f6chstpers\u00f6nlich an dem Konzert teilgenommen h\u00e4tte. Hat sie aber, genauso wie die anderen beiden, nat\u00fcrlich nicht, es w\u00e4re auch irgendwie \u00fcbertrieben gewesen, diesen Aufwand f\u00fcr eine gesamte Tour zu fahren. So gro\u00df ist <strong>Ghostpoet<\/strong> nun wieder auch nicht, dass er mit drei weiteren Musikern durch die Gegend reist. Die Band w\u00e4re dann immerhin zu acht, wo k\u00e4me man denn da hin.<br \/>\nWas in mir aber gleich die n\u00e4chste Frage aufwirft. Warum ist <strong>Ghostpoet<\/strong> a.k.a. <strong>Obaro Ejimiwe<\/strong> eigentlich nicht so gro\u00df, wie er es verdient h\u00e4tte? Ein weiterer Fall von, wenn die Welt gerecht w\u00e4re\u2026<\/p>\n<p>Eher zuf\u00e4llig als bewusst stolperten wir vor knappen zwei Jahren in seinen beim Den Haager Crossing Border. Damals hatte er gerade sein zweites Album <em>Some say i so i say light<\/em> auf den Markt geworfen, eine Ansammlung von Welthits und wundervoller dunkler, triphoppiger, urbaner Musik. Passend dazu der Aufritt beim Crossing Border: Dunkle B\u00fchne, dunkles Licht, ein Klavier, ein Computer. Manchmal ist es ganz einfach, Spannung zu erzeugen.<br \/>\nMan kann zu <strong>Ghostpoet<\/strong> Songs gut nachts Autofahren oder auf dem R\u00fccken liegend bei leicht gekipptem Fenster die Gro\u00dfstadt drau\u00dfen Gro\u00dfstadt sein lassen. Es ist Musik f\u00fcr die Nacht abseits des Trubels. Die Melodien klingen dabei in meinen Ohren sehr st\u00e4dtisch, nicht nach Wald, Wiese, W\u00fcste. Wenn ich Ghostpoet Alben h\u00f6re, h\u00f6re ich auch immer eine leere Metro, dumpfen Stra\u00dfenl\u00e4rm, einen geschlossenen Starbucks um Mitternacht.<br \/>\n<strong>Ghostpoet<\/strong> ist f\u00fcr mich gleich Melancholie. Alltagsmelancholie. <em>Peanut Butter Blues and Melancholy Jam<\/em> hat er sein Deb\u00fctalbum betitelt. Geht es treffender? Wohl kaum.<br \/>\nMit genau diesen Emotionen passte der Brite gut in meine Woche. Die letzten Tage waren durchzogen von kleineren Katastrophen und Geschichten, die eigentlich niemand braucht. Gl\u00fccklicherweise nahm alles zum Wochenende hin eine Wendung zum Besseren. Die Geschichten verschwanden und die Katastrophen wurden gelindert. Es war somit eine Woche, wie ich einen <strong>Ghostpoet<\/strong> Song empfinde: anklagend, leicht desperat und dunkel, aber immer auch mit einem Funken Hoffnung und dem Ausblick auf etwas Gutes.<br \/>\nUmso mehr freute ich mich auf das abendliche Konzert. Der Soundtrack of my life bzw. zu meiner Woche live am Abend, wie gut platziert ist das denn? Dass der Brite dann mit einem fulminanten Konzert die Woche endg\u00fcltig hell erscheinen l\u00e4sst, war gleicherma\u00dfen perfekt.<\/p>\n<p>Ich musste etwas l\u00e4nger als zu Jahresbeginn geplant auf ein <strong>Ghostpoet<\/strong> Konzert warten. Im Februar h\u00e4tte fast hingehauen, aber seine Tour mit <strong>TV on the Radio<\/strong> wurde kurzfristig abgesagt. <strong>TV on the Radio<\/strong> mussten ihre Europakonzerte absagen. Oh mein Gott, was f\u00fcr eine gnadenlos gute Kombination! 2011 gab es die schon einmal. Es w\u00e4re unbestritten das Konzert des Jahres geworden. Aber das wurde es eben nicht, und so musste ich mich ein paar Wochen sp\u00e4ter mit einem Livekonzert des Briten allein begn\u00fcgen. Wobei begn\u00fcgen das falsche Wort ist.<\/p>\n<p>Zum aktuellen Album tritt <strong>Obaro Ejimiwe<\/strong> im erweiterten Korsett auf. Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard und eine Keyboarderin, die \u00fcberdies die auf der Platte mitmachenden Gastmusiker gesanglich vertritt, machten <strong>Ghostpoet<\/strong> zu einer Band.<br \/>\nSo wurde es allein dadurch ein g\u00e4nzlich anderes Konzert als in Den Haag. Was gleich blieb, war die dunkle Atmosph\u00e4re. Pinke und blaue Lichter umh\u00fcllen die benebelte B\u00fchne im CBE. Es wirkt mysteri\u00f6s, \u00fcbergro\u00df prangt an der B\u00fchnenr\u00fcckwand ein Plakat. Ghostpoet steht da in serifenloser Schrift geschrieben. Schn\u00f6rkellos ist die B\u00fchnenausstattung, aber irgendwie doch schummrig warm.<br \/>\n<strong>Obaro Ejimiwe<\/strong> und Band spielten haupts\u00e4chlich neue Songs aus dem aktuellen Album <em>Shedding Skin<\/em>. Das machte das Programm poppiger und instrumentaler dichter. Die Band spielt schnell, die Songs kommen mir rasanter vor als auf Platte. Auch erschienen sie mir weniger melancholisch, im Bandkost\u00fcm &#8211; wie man so sagt &#8211; sind auch die \u00e4lteren Songs poppiger oder rockiger. Was doch Livegitarren so ausmachen, denke ich ab und an. Mir war das egal, denn als guter Nebeneffekt wirken <strong>Ghostpoet<\/strong> dadurch noch ansteckender tanzbar. Und das ist gut. Vor zwei Jahren beim Crossing Border in Den Haag fand ich seinen Auftritt eher zum Zuh\u00f6ren geeignet, im hier und heute war es viel schmissiger und weniger monoton. \u201eCash and carry me home\u201d, \u201cSurvive it\u201d, \u201cPlastic bag brain\u201d , wie wunderbar die alten St\u00fccke waren. \u201cGroovy, groovy, jazzy funky.\u201d Ein bisschen passte dieses alte <strong>De la Soul<\/strong> Motto sehr gut.<br \/>\n\u201eBetter not Butter\u201c und \u201eOff peaks\u201c er\u00f6ffneten das Konzert. Ab da verschmolzenen alle weiteren Songs zu einem fabelhaften Konzert, dass mir jegliche Gelegenheiten zum Dokumentieren nahm. Der gesamte Club tanzte und nahm mich irgendwie mit. Einzig an den st\u00e4rker herausstechenden <strong>Cure<\/strong> Bass in \u201eSorry my love, it\u2019s you not me\u201d habe ich eine Berichterstatter-Erinnerung. Mit einem tollen Technokeyboard zu &#8222;Us against whatever ever\u201c endete das Konzert.<\/p>\n<p>Es war ein sehr gutes Set und ich m\u00f6chte Ghostpoet unbedingt weiterempfehlen. Dabei sollte man sich nicht von Heft-CD Beilagen in die Irre f\u00fchren lassen. In einer Mojo Ausgabe entdeckte ich diese CD, <em>New British Angst<\/em>, so ihr Titel und scheinbar die musikalische Untermalung zum Leitartikel im Heft. Neben erwarteten K\u00fcnstlern wie <strong>Kate Tempest<\/strong> und den <strong>Sleaford Mods<\/strong> las ich aber auch den Namen <strong>Ghostpoet<\/strong> auf der CD H\u00fclle. Das war so, wie fr\u00fcher <strong>Elastica<\/strong> auf einem Britpop Sampler aufzusp\u00fcren. Irgendwo komisch.<\/p>\n<p>Zum sch\u00f6nen Abend trug auch die Vorband bei. <strong>Inner Tongue<\/strong>, eine Handvoll Jungspunde aus Wien (wenn ich das richtig verstanden habe) mit ihrem \u201ef\u00fcnften Aufritt ever\u201c gefielen mir sehr gut. Die Band wirkte f\u00fcr ihre ersten Konzerte enorm stabil und sicher, ihre Musik klang wohl ausgefeilt poppig und hatte sch\u00f6ne \u00dcberraschungen und Samples parat. Kann man so machen, eine sehr kurzweilige halbe Stunde.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Crossing Border Festival \u2013 Den Haag, 15.11. -16.11.2013\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/crossing-border-festival-den-haag-15-11-16-11-2013\/\" target=\"_blank\">Crossing Border Festival \u2013 Den Haag, 15.11. -16.11.2013<\/a><br \/>\n<a title=\"TV on the Radio \u2013 K\u00f6ln, 05.07.2011\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/tv-on-the-radio-koln-05-07-2011\/\" target=\"_blank\">TV on the Radio \u2013 K\u00f6ln, 05.07.2011 \/ Live Music Hall<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machen eigentlich gerade Melanie de Biasio, Nadine Shah und Bowlermann Paul Smith? Ich frage deswegen, weil alle drei Musiker Gastauftritte auf Ghostpoets neuen Album \u201eShedding Skin\u201c haben. 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