{"id":6414,"date":"2014-11-18T21:10:27","date_gmt":"2014-11-18T20:10:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=6414"},"modified":"2023-03-19T17:56:46","modified_gmt":"2023-03-19T16:56:46","slug":"thurston-moore-koeln-16-11-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/thurston-moore-koeln-16-11-2014\/","title":{"rendered":"Thurston Moore &#8211; K\u00f6ln, 16.11.2014"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> All sides<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/9.jpg\" alt=\"Thurston Moore - K\u00f6ln, 16.11.2014\" class=\"wp-image-6415\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/9.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/9-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Nein, mir ist an diesem Abend nicht nach langen Gitarrensoli und -improvisationen zumute. Als die <strong>Thurston Moore<\/strong> Band nach 10 Minuten ihren ersten Song beendet hat, wird mir das bewusst und ich kann das Konzert dummerweise bereits zu diesem Zeitpunkt innerlich abhaken.<br>Eigentlich machen mir die <strong>Moore<\/strong>\u2019schen Eskapaden nichts aus, eigentlich finde ich sie sogar sehr sch\u00f6n und versuche jedes Konzert des Amerikaners mitzunehmen, aber eigentlich st\u00f6ren sie mich an diesem Abend schon. Vielleicht habe ich den Krach in diesem Jahr zu oft geh\u00f6rt, eine andere Erkl\u00e4rung habe ich gerade f\u00fcr meine Meinung \u00fcber das Konzert nicht.<br>Wie famos die drei Herren miteinander harmonieren, und welche tollen Gitarrensongs sie zustande bringen, konnte ich vor einem knappen halben Jahr im K\u00f6lner King Georg sehen, bzw. h\u00f6ren. Im King Georg sieht man ja nix. Damals spielten sie dort an 2 Tagen hintereinander zwei sehr kleine Clubshows, verz\u00fcckten mit Feedbacks und verzerrten Gitarren den ganzen Laden und ich war froh, zumindest f\u00fcr einen Abend eine Karte ergattert zu haben.<br>Auch im Geb\u00e4ude 9 bildete die King Georg Besetzung das Kernger\u00fcst der Band, erg\u00e4nzt wird es jedoch um eine weitere Bassistin. Das liest sich jetzt unspektakul\u00e4r, wer aber wei\u00df, wer sich hinter den zwei anderen Musikern und der Bassistin verbirgt, wird sofort leuchtende Augen bekommen. Die Band ist ein Sammelsurium von 1990er Jahre Musikg\u00f6ttern. Die Bassistin ist n\u00e4mlich niemand geringeres als <strong>Deb Googe<\/strong>, Bassistin der weltber\u00fchmten <strong>My bloody Valentine<\/strong>. Seit diesem Jahr, oder in diesem Jahr geh\u00f6rt sie zur Besetzung bei <strong>Thurston Moore<\/strong> Liveauftritten. Neben <strong>Deb Googe<\/strong> spielt <strong>James Sedwards<\/strong> die zweite Gitarre. <strong>James Sedwards<\/strong>, \u00fcber den <strong>John Peel<\/strong> sagte, er sei &#8218;the first person who&#8217;s not a footballer that I&#8217;ve been jealous of&#8216;, geh\u00f6rt mit zu dem Besten, was aktuell an diesem Instrument auf dem Planeten zu finden ist. Eine bekanntere Bandvergangenheit hat er zwar nicht, aber sein Mitwirken in vielen Projekten und Zusammenarbeiten spricht f\u00fcr sich.<br>Am Schlagzeug komplettiert seit eh und je <strong>Steve Shelley<\/strong> die Konzertauftritte <strong>Thurston Moores<\/strong>. Er geh\u00f6rt seit Jahren zum engen Stammpersonal, wie gef\u00fchlt bei jeder zweiten amerikanischen Postpunk-, Noise- und Undergroundband. Einmal im Jahr sehe ich <strong>Steve Shelley<\/strong> mindestens, sei es als Schlagzeuger der <strong>Disappears<\/strong>, bei <strong>Lee Ranaldo<\/strong>, bei <strong>Thurston Moore<\/strong> oder sonst irgendwo, wo ich nicht unbedingt mit ihm rechne. &#8218;Ach guck mal&#8216;, den Schlagzeuger kenn\u2018 ich. Das habe ich in meinen letzten Konzertjahren oft denken m\u00fcssen. Und immer hat er sein altes <strong>Sonic Youth<\/strong> Instrument dabei; das, wo auf der Trommel in roter Scratch-Graffiti-Art der Schriftzug <strong>Sonic Youth<\/strong> aufgesprayt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeiger im Geb\u00e4ude 9 sind also auf bekanntes gestellt. Noiserock, und dann lange nichts. Mich erwartet ein Konzert ohne musikalischen \u00dcberraschungen. <strong>Moore<\/strong>\u2019s aktuelle Platte <em>The best day<\/em> ist voll von Gitarren und all dem. Im Intervall von Noise-Punk bis Noiserock sind seine Spielarten klar definiert, sei es eben mit dem aktuellen Album oder mit seinem letzten Album <em>Chelsea light moving<\/em>, das er als <strong>Chelsea Light Moving<\/strong> aufgenommen hat. Eine kleine Ausnahme bildet nur sein letztes Soloalbum <em>Demolished thought<\/em>s. Es ist ein ruhiges Album, ich mag es sehr gern (\u201eBenediction\u201c ist ein gro\u00dfartiger Song) und ich denke, das etwas Bed\u00e4chtige steht <strong>Thurston Moore<\/strong> auch sehr gut. In W\u00fcrde altern, so k\u00f6nnte man sagen. <br>In diesem Jahr aber hat er mit <em>The best day<\/em> den Fokus wieder in Richtung Noise ger\u00fcckt. Also die Uhr 25 Jahre zur\u00fcckgedreht. Mindestens. Im Internet finden sich viele Livevideos, in denen er zusammen mit <strong>James Sedwards<\/strong> abgedrehte 15 Minuten Gitarrenl\u00e4rm in kleinen Plattenl\u00e4den oder an anderen kruden Orten auff\u00fchrt. Auch das Konzert im Fr\u00fchjahr im King Georg wies in diese Richtung. Es war, nebenbei bemerkt, ein Konzerth\u00f6hepunkt des Jahres.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, was mich im Geb\u00e4ude 9 erwarten sollte, ist somit klar. Dass dieser Abend dann aber im vollen Umfang unter dem Motto &#8218;wer hat den l\u00e4ngsten Song&#8216; stehen w\u00fcrde, \u00fcberforderte mich dann doch.<br>Es f\u00e4ngt schon langatmig an. <strong>Nina Kernicke<\/strong>, oder <strong>All sides<\/strong>, spielt erste 3 Tracks und nimmt sich daf\u00fcr \u00fcber eine halbe Stunde. Ihr Elektro-Ambient-Mischmasch mit allerlei zu Musikinstrumenten entfremdeten Alltagsgegenst\u00e4nden ist sehr sch\u00f6n anzuh\u00f6ren, aber eben auch an diesem Abend f\u00fcr mich sehr langatmig. Es gelingt mir nicht, mich darauf einzulassen, \u00fcberdies \u00fcberzeugt mich das alles nicht so ganz. Also hier und jetzt im Geb\u00e4ude 9. Vielleicht ergibt sich nochmal eine zweite Chance, und ich empfinde es dann ganz anderes. Auszuschlie\u00dfen ist das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Umbaupause.<br>Ist das schon Teil des Konzertes? Das Saallicht ist bereits seit f\u00fcnf Minuten aus, vom Band kam laut Musik. Aber auf der B\u00fchne tut sich nichts. Auch nicht in den n\u00e4chsten Minuten. Als ich schon dar\u00fcber nachdenke, ob nicht nur zuf\u00e4llig jemand an den Lichtschalter gekommen sei, kommt <strong>Thurston Moore<\/strong> die Stufen hinter dem Vorhang hervor und schnappt sich seine Gitarre. Ihm folgen seine drei Kumpanen. Also alles Teil der Show. Ein eben etwas l\u00e4ngeres Intro, dem der nicht minder lange erster Song folgt.<br>Meine Vorahnungen scheinen best\u00e4tigt. Heute w\u00fcrden weniger Songs in klaren Strukturen und \u00fcberschaubarer L\u00e4nge gespielt als vielmehr lange Gitarrenparts in Songs. Normalerweise ein Grund zum jubilieren. An diesem Abend h\u00f6re ich aber f\u00fcr mich komisches: beim dritten St\u00fcck klingt ein von <strong>James Sedwards<\/strong> gespieltes Gitarrensoli nach <strong>AC\/DC<\/strong>. Kann nicht sein, ich muss mich in wirklich schlimmer Verfassung befinden.<br>Die Band spielte vornehmlich neue Sachen, ich meine \u201eForevermore\u201c, \u201eGerm burn\u201c, \u201eThe best day\u201c und \u201eSpeak to the wild\u201c erkannt zu haben. Ich kann mich aber auch irren. Als dann gegen kurz vor zehn <strong>Thurston Moore<\/strong> seinen Notenst\u00e4nder, auf dem die Songtexte liegen, wegpackt, ist es endg\u00fcltig vorbei mit Gesang. Als Abgesang folgt ein 20 Minuten Gitarrendings. Ende des Konzertes.<br>F\u00fcr zwei Zugaben kommen sie aber nochmals zur\u00fcck. \u201ePretty bad\u201c vom ersten Soloalbum <em>Psychic hearts<\/em> soll da nicht fehlen. Tut es auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;Und, war super oder?!&#8216;<br>&#8218;Mhh, naja.&#8216;<br>Nach dem Konzert stehe ich sehr alleine mit meiner Sicht auf die Dinge. Manchmal ist das so.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\">Thurston Moore \u2013 K\u00f6ln, 31.03.2014 \/ King Georg<br><\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4989\" target=\"_blank\">Chelsea Light Moving \u2013 Frankfurt, 03.07.2013 \/ Zoom<\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\"><br><\/a><a title=\"Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1142\">Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009 \/ 3001<\/a><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639\" target=\"_blank\"><br><\/a><a title=\"Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=235\">Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007 \/ E-Werk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, mir ist an diesem Abend nicht nach langen Gitarrensoli und -improvisationen zumute. Als die Thurston Moore Band nach 10 Minuten ihren ersten Song beendet hat, wird mir das bewusst und ich kann das Konzert dummerweise bereits zu diesem Zeitpunkt innerlich abhaken.<br \/>\nEigentlich machen mir die Moore\u2019schen Eskapaden nichts aus, eigentlich finde ich sie sogar sehr sch\u00f6n und versuche jedes Konzert des Amerikaners mitzunehmen, aber eigentlich st\u00f6ren sie mich an diesem Abend schon. Vielleicht habe ich den Krach in diesem Jahr zu oft geh\u00f6rt, eine andere Erkl\u00e4rung habe ich gerade f\u00fcr meine Meinung \u00fcber das Konzert nicht.<br \/>\nWie famos die drei Herren miteinander harmonieren, und welche tollen Gitarrensongs sie zustande bringen, konnte ich vor einem knappen halben Jahr im K\u00f6lner King Georg sehen, bzw. h\u00f6ren. Im King Georg sieht man ja nix. Damals spielten sie dort an 2 Tagen hintereinander zwei sehr kleine Clubshows, verz\u00fcckten mit Feedbacks und verzerrten Gitarren den ganzen Laden und ich war froh, zumindest f\u00fcr einen Abend eine Karte ergattert zu haben.<br \/>\nAuch im Geb\u00e4ude 9 bildete die King Georg Besetzung das Kernger\u00fcst der Band, erg\u00e4nzt wird es jedoch um eine weitere Bassistin. Das liest sich jetzt unspektakul\u00e4r, wer aber wei\u00df, wer sich hinter den zwei anderen Musikern und der Bassistin verbirgt, wird sofort leuchtende Augen bekommen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18647,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"pretty-paracetamol in concert: %%post_title%%","_seopress_titles_desc":"Nein, mir ist an diesem Abend nicht nach langen Gitarrensoli und -improvisationen zumute. 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