{"id":6004,"date":"2014-10-25T17:40:22","date_gmt":"2014-10-25T15:40:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=6004"},"modified":"2014-10-25T17:40:22","modified_gmt":"2014-10-25T15:40:22","slug":"ane-brun-dortmund-23-10-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/ane-brun-dortmund-23-10-2014\/","title":{"rendered":"Ane Brun &#8211; Dortmund, 23.10.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Konzerthaus, Dortmund<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Alice Boman<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6005\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/2.jpg\" alt=\"Ane Brun\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/2.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/2-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Es ist derzeit ein kleines Gr\u00e4uel, aus dem K\u00f6lner Raum ins n\u00f6rdliche Ruhrgebiet zu fahren. Die Seuchen A1 leidet unter einer maroden Br\u00fcckensituation, die Ausweichroute rechts an K\u00f6ln vorbei (rechts, wenn man auf die Karte guckt), ist entsprechend stark frequentiert. Einplanen musste ich also etwas mehr als die \u00fcbliche Fahrzeit, was mir die Gelegenheit einbrachte, nochmals die aktuelle CD <em>Songs 2003-2013<\/em> der Norwegerin <strong>Ane Brun<\/strong> in aller Ruhe zu h\u00f6ren. Nirgends kann ich besser CDs h\u00f6ren als beim Autofahren. Das Angenehme mit dem L\u00e4stigen verbinden.<br \/>\n\u201eTrue Colors\u201c, die sch\u00f6ne Ane Brun Version des <strong>Cyndi Lauper<\/strong> Schmachtsongs wurde dabei mein Soundtrack zwischen Remscheid und Wuppertal. Ane Brun ver\u00e4ndert ihn nur in Kleinigkeiten, viel gibt es an diesem perfekten Aufmunterungs- und Liebeslied eh nicht zu verbessern. Aber ihre Stimme macht \u201eTrue Colos\u201c nochmals zu einem sch\u00f6nen, sehr besonderen Erlebnis. Ich hatte diesen Song lange nicht geh\u00f6rt, aber wie ich das sehr oft bei Musik aus meinen Jugendtagen \u00fcberraschend feststellen muss, die Texteilen sitzen immer noch. Ich nahm mir den Moment und ertappte mich dabei, dass ich etwas genauer hinh\u00f6rte. \u201eTrue Colors\u201c ist ein tolles Lied, und ich hoffte sehr, dass Ane Brun es auch in einigen Stunden spielen w\u00fcrde.<br \/>\nDass sie ein Konzert ohne ein Cover beendet, fand ich eher unwahrscheinlich. Es geh\u00f6rt irgendwie zum Liverepertoire der Norwegerin, fremde Songs vorzutragen. <!--more-->Aber an diesem Abend im Dortmunder Konzerthaus sollte sie es leider nicht spielen. Und im Nachhinein bin ich dar\u00fcber gar nicht betr\u00fcbt, denn Ane Brun entsch\u00e4digte mit zwei anderen \u2013 meiner Meinung nach auch perfekten \u2013 Coversongs. Neben ihrer einzigen Interpretation eines Songs einer deutschen Band, \u201eBig in Japan\u201c von <strong>Alphaville<\/strong>, war es vor allem ihre <strong>Arcade Fire<\/strong> Version von \u201eNeighborhood #1\u201c, die die gesamte Fahrt mehr als entlohnte. Wie ein so komplexes Musikst\u00fcck nur auf einer Akustikgitarre vorgetragen nichts an Charme und Rasanz verliert, beschreiben kann ich das kaum. \u201eNeighborhood #1\u201c war f\u00fcr mich der beste Song des Abends, vielleicht sogar der beste Livesong in meinem bisherigen Konzertjahr.<\/p>\n<p>Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich schon mal die Absicht, Ane Brun live zu sehen. F\u00fcr ein Konzertwochenende in Berlin stand neben dem Besuch der <strong>Thermals<\/strong> auch ihr sonnt\u00e4gliches Kirchenkonzert in der Passionskirche in Kreuzberg auf dem Programm. Leider waren die Umst\u00e4nde dann an diesem Sonntag so, dass ich das Konzert sausen lassen musste. Das war damals sehr \u00e4rgerlich, denn just ein paar Wochen zuvor entdeckte ich ihre Platte <em>Songs 2003-2013<\/em> endg\u00fcltig f\u00fcr mich. <em>Songs 2003-2013<\/em> ist, wie man vermuten k\u00f6nnte, eine sch\u00f6ne Zusammenstellung von eigenen Songs und Covern, die teilweise in Live- und Studiomitschnitten vorliegen und die die unterschiedlichen Schaffensphasen der Norwegerin dokumentiert. Auch die bereits erw\u00e4hnten \u201eTrue Colors\u201c, \u201eBig in Japan\u201c und \u201eNeighborhood #1\u201c sind auf dem Album abgelegt.<\/p>\n<p>Als ihr Solo &amp; Akustik Konzert im Rahmen des Pop Abos des Dortmunder Konzerthauses angek\u00fcndigt wurde, z\u00f6gerte ich nicht lang. Noch einmal wollte ich mir die M\u00f6glichkeit nicht entgehen lassen. Also: Ticket gekauft und hingefahren.<br \/>\nZeitig war ich in Dortmund und musste erneut feststellen, wie sehr sich doch die Br\u00fcckstra\u00dfe in den letzten Jahren, ach was, Jahrzehnten, gewandelt hat. Gentrifizierung nennt man das neudeutsch. Da wo fr\u00fcher die Subkultur zuhause war, ist die b\u00fcrgerliche Kultur eingezogen. Das Konzerthaus befindet sich just an der Ecke, an der fr\u00fcher ein Second Hand Modeladen stand, die Br\u00fcckstrassenpassage mit dem damals von uns bevorzugten Modeladen Konkret (oder Korrekt? \u2013 ich wei\u00df es nicht mehr genau) wurde schon vor l\u00e4ngerer Zeit modernisiert. Was mir jedoch immer wieder ein L\u00e4cheln abringt ist, dass der kleine Baguetteladen gegen\u00fcber dieser Passage immer noch existiert. Hier gab es die besten Baguettes der Stadt und zum samst\u00e4glichen Einkaufsritual geh\u00f6rte es einfach dazu, hier den Nachmittags-Snack zu kaufen. Ach ja, ich komm immer wieder gerne hierher, es war und ist ein sch\u00f6ner Ort.<\/p>\n<p>Bevor Ane Brun die B\u00fchne betritt, ist f\u00fcr vier Lieder oder 20 Minuten eine andere SingerSongwriterin zu sehen und zu h\u00f6ren. <strong>Alice Boman<\/strong> passt perfekt. Wird sp\u00e4ter Ane Brun abwechselnd mit Gitarren oder am Keyboard zu sehen sein, steht die Schwedin nur am Keyboard und singt Lieder, die Frauen aus Skandinavien eben so singen, wenn sie kein Eurodiscopop machen.<br \/>\nSkandinavien hat seine eigene, einzigartige Singer\/Songwriterszene, die eine schier unendliche Zahl an Musikerinnen hervorbringt. Ihr kurzer Auftritt ist eine sch\u00f6ne Einstimmung auf die zwanzig Minuten sp\u00e4ter auftretende Kollegin, die sie sp\u00e4ter am Abend bei Songs (unter anderem bei \u201eGillian\u201c) unterst\u00fctzen wird und einen zweiten Kurzauftritt hat.<\/p>\n<p>\u201eDo you remember\u201c, es beginnt mit dem Song von ihrer 2011er Scheibe <em>It all starts with one<\/em>. Ihre glitzernden Ohrringe wackeln im Takt und verspr\u00fchen ein wenig <strong>Olivia Newton-John<\/strong> Charme. Mein erster Eindruck nach drei, vier St\u00fccken: das Konzert wird nicht schwerm\u00fctig wie erwartet, die Songs sind \u2013 trotz einfacher Instrumentalisierung \u2013 federleicht.<br \/>\nVorher hatte ich mir Gedanken gemacht, ob es nicht schnell eint\u00f6nig werden wird; ein Solokonzert nur mit der Akustikgitarre als Begleitung, das klang nicht nach Abwechslung. Ich bin nicht gerade der gro\u00dfe Singer-Songwriter Freund, da braucht es folglich schon einiges, um mich mitzuziehen. Die ersten Minuten jedoch, dass Ane Brun mich durchaus mitrei\u00dfen konnte. Die Variationen in den Brun\u2019schen Songs hauten alles raus. Mal klingt ihre Gitarre sanft in kleinen Flamencot\u00f6nen, mal hat sie den Blues, mal glasklaren Pop. Eint\u00f6nigkeit kommt trotz des einen Instrumentes nicht auf.<br \/>\nDas Publikum im Konzerthaus lauscht Konzerthaus-like.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eYou are very quiet, in a good way. You are so quiet, I can hear you listening.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ane Brun hat Spa\u00df, und wir Zuh\u00f6rer sind den ruhigen Songs angemessen aufmerksam. An diesem Abend und generell mag ich die Atmosph\u00e4re im Konzerthaus. Zwar hat man nicht von jedem Sitz aus gute Sichtbedingungen, gerade bei den Parkettpl\u00e4tzen h\u00e4ngt es sehr von der Platznummer ab und variiert zwischen gut und unm\u00f6glich, aber das ganze Drumherum ist und war bisher jedes Mal sehr angenehm.<br \/>\nAne Brun versprach gleich zu Beginn ihres Auftritts ein Konzert voller Songs aus allen Phasen ihres musikalischen Schaffens. Gerade so wie auf ihrem aktuellen Album. So fehlte weder der in Norwegisch gesungene Song \u201eDu gr\u00e5ter s\u00e5 store t\u00e5ra\u201c \u00fcber ihren Heimatort an der Atlantikk\u00fcste noch die obligatorischen Coversongs.<br \/>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6006\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/11-300x168.jpg\" alt=\"Ane Brun\" width=\"300\" height=\"168\" \/>Alphaville\u2018s \u201eBig in Japan\u201c war traumhaft. Der als einzige B\u00fchnendekoration ausgehangene dreilagige Stoffvorhang war unten in unterschiedlich ausfransenden Fetzen abgeschnitten, so dass bei entsprechender Beleuchtung und von meiner Sitzposition aus der Anschein einer Hochhaussilhouette entstand. Bei \u201eBig in Japan\u201c sorgten nun Lichteffekte daf\u00fcr, dass der Himmel (also der eigentliche Vorhang) \u00fcber den anskizzierten Hochh\u00e4usern wie ein Himmel voller Sternschnuppen aufleuchtete. Das sah toll aus und passte zur disco-losen Variante des 1980er Jahre Welthits.<\/p>\n<p>Musikalisch traumhafter aber war die zweite Coverversion und das letzte Lied des regul\u00e4ren Sets: \u201eNeighborhood #1\u201c von Arcade Fire. Sagenhaft, wie nur mit der Gitarre in minimalistischster Art und Weise Ane Brun dem Song nahezu das gleiche Leben einhauchte wie die gesamte Arcade Fire Kapelle. Sie war nicht da, aber ich h\u00f6rte sie f\u00f6rmlich, wenn ich meine Augen schloss. Ich glaube, daran Erkennt man daran einen guten Song, wenn er auch ohne viel Brimborium funktioniert? Ja.<\/p>\n<p>Zur Zugabe wurde es dann f\u00fcr einige Minuten ungew\u00f6hnlich. Vom Band spielt <strong>Linnea Olsen<\/strong> Cello und Ane Brun singt <strong>Beyonc\u00e9 Knowles<\/strong> \u201eHalo\u201c. Ein kleines Disco-Sommer-Pop Intermezzo, das an dieser Stelle im Konzert genau richtig platziert war und kurz f\u00fcr lautere, andere Momente sorgte. Irgendwie scheint Ane Brun ein gutes H\u00e4ndchen bei der Wahl ihrer Coversongs zu haben und sie hat die Klasse, diese auf ihre eigen wunderbare und andere Art und Weise zu interpretieren, das ich nichts schlimmes oder schlechtes daran finden kann.<\/p>\n<p>Mit \u201eUndertow\u201c geht das Konzert klassisch nach guten und unterhaltsamen 90 Minuten zu Ende. \u2018So klingt Dortmund\u2018 steht auf einer Stehle vor dem Eingang des Konzerthauses. An diesem Abend war der Klang wunderbar!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Konzerthaus, Dortmund Vorband: Alice Boman Es ist derzeit ein kleines Gr\u00e4uel, aus dem K\u00f6lner Raum ins n\u00f6rdliche Ruhrgebiet zu fahren. Die Seuchen A1 leidet unter einer maroden Br\u00fcckensituation, die Ausweichroute rechts an K\u00f6ln vorbei (rechts, wenn man auf die Karte guckt), ist entsprechend stark frequentiert. 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