{"id":5989,"date":"2014-10-07T16:23:13","date_gmt":"2014-10-07T14:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5989"},"modified":"2018-03-09T21:41:42","modified_gmt":"2018-03-09T20:41:42","slug":"yann-tiersen-berlin-04-10-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/yann-tiersen-berlin-04-10-2014\/","title":{"rendered":"Yann Tiersen &#8211; Berlin, 04.10.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Huxley&#8217;s Neue Welt, Berlin<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Lonski &amp; Classen, Black English<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5990\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/8.jpg\" alt=\"Yann Tiersen\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/8.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/8-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Als ich gegen halb zw\u00f6lf Huxley\u2019s Neue Welt verlasse und die Stufen zur U-Bahn Station Hermannplatz hinuntersteigen, sind die Betonstufen mit roten Tropfen gesprenkelt. In den Fu\u00dfstapfen der vor uns gehenden verwischen die Tropfen noch leicht, es kann also noch nicht allzu lange her sein, dass hier jemand stark blutend die U-Bahnstation verlassen hat. Denn dass das Blut sein mu\u00df, ist offensichtlich.<br \/>\nSchneller als es lieb ist, werde ich also aus den tr\u00e4umerisch sch\u00f6nen, mal laut und mal leise gespielten Soundtracks des Franzosen <strong>Yann Tiersen<\/strong> gerissen, die mir nach dem tollen Konzert im Berliner Huxley\u2019s Neue Welt noch im Ohr kleben. Back to Berlin, willkommen in der realen Welt einer Gro\u00dfstadt, die nicht immer viel mit der Sch\u00f6nheit von <strong>Jean Michel Jarre<\/strong>\u2019esken Synthiekl\u00e4ngen, schwungvollen Violinen oder melancholischen Klavierst\u00fccken gemein hat. All das konnten wir noch Minuten zuvor in der ersten Etage des Veranstaltungsortes Huxley\u2019s Neue Welt mehr als genie\u00dfen. Nun ist es meilenweit weg.<!--more--><br \/>\nDas Huxley\u2019s ist einer der wenigen Konzerts\u00e4le, die ich kenne, die in der ersten 1. Etage eines Geb\u00e4udes liegen. \u00dcberhaupt ist mir das in Deutschland noch nicht untergekommen, \u00e4hnlich wie im Glasgower Barrowlands oder der New Yorker Irving Plaza Treppenstufen zu einem Konzertraum zu erklingen. In Berlin war es nun soweit, und als wir oben ankamen, empfing uns ein gro\u00dfer, deckenhoher Saal in sch\u00f6nstem Altbauambiente. Nett, sehr nett und sch\u00f6n anzusehen. Gro\u00df und weitl\u00e4ufig wirkt der mit einem Holzboden ausgestattete Raum, die B\u00fchne dagegen, genauso wie die Trib\u00fcne im hinteren Bereich aus einer Stahlkonstruktion, scheint lieblos hier hineingeflantscht worden zu sein; sie ist aber wohl eine Dauerinstallation.<br \/>\nNeben und hinter der B\u00fchne ist noch gen\u00fcgend Platz f\u00fcr allerlei Dinge: die Sanit\u00e4ter sitzen gem\u00fctlich auf einer Bierbank, Kinder (wahrscheinlich Familie der Musiker) spielen umher und die leeren Getr\u00e4nkekisten der angrenzenden Theke sind luftig bequem aufgestapelt. Es ist gen\u00fcgend Platz, und der Anblick entbehrt nicht einer gewissen Gem\u00fctlichkeit, die sich rasch auf mich \u00fcbertr\u00e4gt.<br \/>\nRuhig geht es zu, unaufgeregt. Der Saal ist gut besucht, aber sicher nicht ganz ausverkauft. Oder aber im vern\u00fcnftigen Ma\u00dfe ausverkauft. So bleibt auch vor der B\u00fchne genug Platz, um dem Nachbarn nicht allzu nah auf die Pelle r\u00fccken zu m\u00fcssen. Gerade bei ruhigen, eher soundtrackhaften Konzerten ein nicht zu untersch\u00e4tzender Punkt.<\/p>\n<p>Denn dass dieser Abend eher ein ruhiger und instrumentallastiger als tanzbarer Abend werden wird, war schnell klar. Mit den <em>Infinity<\/em>&#8211; Songs \u201eMeteorites\u201c und \u201eSlippery stones\u201c beginnt <strong>Yann Tiersen<\/strong> das Konzert. Der Franzose kann viele Musikstile, als ausgewiesener Multiinstrumentalist spielt er gef\u00fchlt 100 Instrumente, an diesem Abend \u00fcberwiegen jedoch seine ruhigeren Elemente. Sein aktuelles Album <em>Infinity<\/em> ist nicht so dramatisch laut wie zum Beispiel <em>Dust Lane<\/em> und nicht so d\u00fcster rockig wie <em>L\u2019Absente<\/em>, beides \u00e4ltere Alben des Franzosen. <em>Infinity<\/em> klingt mystischer und tats\u00e4chlich irgendwie nach Island, wo es teilweise aufgenommen wurde.<br \/>\nUnd <em>Infinity<\/em> ist das Haupt Thema dieses Konzertabends. So sitzt er an seinem Synthesizer und wir stellen dummerweise fest, dass wir an der falschen B\u00fchnenseite stehen. Mehr als seinen R\u00fccken sehen wir so vorerst nicht. Egal, denn Yann Tiersen ist nicht der Alleinunterhalter, der gerade mit seiner Band auf Tour ist, <strong>Yann Tiersen<\/strong> ist eher einer von sechs Musikern, die <strong>Yann Tiersen<\/strong> Songs spielen. So singt der Keyboarder\/ Gitarrist\/ Trommler vor uns sehr viele Songs, so \u00fcbernimmt der Bassist die Ansagen. <strong>Yann Tiersen<\/strong> bewegt sich wie einer von ihnen, nicht wie der Chef einer Musikerbande. Wir als Publikum sind also nicht zwangsl\u00e4ufig auf ihn fixiert. Wir k\u00f6nnen uns ablenken lassen, den anderen Musikern zuschauen.<br \/>\nDenn es passiert auch viel spannendes: die Musiker wechseln fast nach jedem Song ihre Instrumente und tauschen Pl\u00e4tze, immer wieder eingespielte Samples (wie zum Beispiel vor \u201eAr Maen Bihan\u201c) \u00fcberbr\u00fccken die Sekunden zwischen den einzelnen St\u00fccken. Auch <strong>Yann Tiersen<\/strong> bleibt nicht vor seinem Synthie sitzen. Er spielt Gitarre, Geige, und ein zweites Keyboard. Also genug Gelegenheiten f\u00fcr uns, den Franzosen auch von vorne zu betrachten.<br \/>\nEin erster gr\u00f6\u00dferer Jubel kommt auf, als die Band zum ersten Mal zum <em>Die fabelhafte Welt der Amelie Soundtrack<\/em> greift. \u201eLa Dispute\u201c erfreut viele Leute im Publikum, ich erkenne das St\u00fcck erst gegen Ende, als das Ger\u00e4usch der klappernden Filmrolle das St\u00fcck langsam ausblendet. Den Film, zum dem <strong>Yann Tiersen<\/strong> den Soundtrack schrieb und der ihn auch au\u00dferhalb Frankreichs bekannter machte, kenne ich gar \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>In diesen Minuten ist bereits die H\u00e4lfte des Sets erreicht, und das Konzert steigert sich von Song zu Song. Manchmal ist es schwierig, bei Konzerten, in denen die Instrumente \u00fcberwiegen und das Zuh\u00f6ren im Vordergrund steht, den richtigen Zugriff zu bekommen. An diesem Abend war das kein Problem, von Anfang an waren die Anstrengungen des Touristentages kein Thema und es fiel mir leicht, mich auf die Musik zu konzentrieren. Das war aber auch nicht schwer, da die Band immer noch eine Sch\u00fcppe drauflegen konnte. Die Geige zum Beispiel holte <strong>Yann Tiersen<\/strong> erst sehr sp\u00e4t hervor, spielte sie dann jedoch so ph\u00e4nomenal, dass es von den Kennern Szenenapplaus gab. Die Geigenst\u00fccke waren die \u201alautesten\u2018 des Abends, und somit nat\u00fcrlich meine liebsten. (\u201ePalestine\u201c, \u201eChapter 19\u201c).<br \/>\nAber auch die anderen Songs war gro\u00dfartig. Es gab es immer wieder was neues zu entdecken, hier die Automatica, da ein Sample, Geigen, Rasseln, Synthesizer.<br \/>\nMal Chanson, mal Rock, dann wieder ein Klavier, das mich an <strong>Sophie Hunger<\/strong> erinnerte (\u201eRue des Cascades\u201c) und immer wieder die hier gar nicht schlimmen und kaugummigeschw\u00e4ngerten Synthiebl\u00f6cke aus meist Songs des aktuellen Albums. Es war ein gro\u00dfes kunterbuntes Allerlei, das mich kurzweilig durch das Konzert f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Zum finalen \u201eLights\u201c durften die zuvor eine gute Viertelstunde lang den Abend er\u00f6ffnenden <strong>Lonski &amp; Classen<\/strong> mit auf die B\u00fchne. Sie bildeten den \u201eLights\u201c-Hintergrundchor, in dem pikanterweise die Musiker der eigentlichen Vorband <strong>Black English<\/strong> fehlten. Aber die waren in meinen Ohren auch entbehrlich; <strong>Black English<\/strong> war die schw\u00e4chste Band des Abends. Man macht es mir immer schwer, wenn man zu offensichtlich einer anderen Band nacheifert. Hier war es so, dass der S\u00e4nger stimmlich (daf\u00fcr kann er sicher nichts) und gesangstechnisch (daf\u00fcr kann er sicher sehr viel) eine zu starke \u00c4hnlichkeit zu <strong>Matt Berninger<\/strong> heraufbeschwor, die er auch noch durch <strong>Berninger<\/strong> typisches B\u00fchnengehabe untermauerte. Und da nahezu jede Kopie schlechter ist als das Original, ist damit alles gesagt.<br \/>\nViel angenehmer und deutlich besser war der Kurzauftritt der Berliner <strong>Lonski &amp; Classen<\/strong>, die den Abend mit Elektrokl\u00e4ngen sehr sch\u00f6n er\u00f6ffneten. Das passte besser zu <strong>Yann Tiersen<\/strong> als die Poprocker aus Amerika.<\/p>\n<p>Zwei Dinge muss ich noch kurz feststellen: Nein, <strong>Yann Tiersen<\/strong> sieht aus der Ferne nicht aus wie <strong>Christoph Waltz<\/strong>, wie jemand neben mir irgendwann bemerkte und \u2013 viel wichtiger \u2013 dank Shazam wei\u00df ich nun, wie f\u00fcrchterlich <strong>Angus &amp; Julia Stone<\/strong> klingen. Ich hatte immer vermutet, dass ich die Musik des Geschwister-Duos nicht mag. Nachdem in der Umbaupause Werbefernsehen-Folk lief und die vor uns stehenden den Song Shazam-ten, habe ich Gewissheit.<\/p>\n<p><strong>Fotos:<\/strong><br \/>\n<div id=\"jig1\" class=\"justified-image-grid jig-8284468141d6971f69f9ac57c540f8c4 jig-preset-c2 jig-source-flickr\"><div class=\"jig-clearfix\"><\/div><noscript id=\"jig1-html\" class=\"justified-image-grid-html\" data-lazy-src=\"skiplazyload\" data-src=\"skipunveillazyload\"><ul><li><a href=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3932\/15282098459_227bb73319_b.jpg\" title=\"Yann Tiersen. Huxley&#039;s Neue Welt. 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