{"id":5979,"date":"2014-09-23T19:56:27","date_gmt":"2014-09-23T17:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5979"},"modified":"2014-09-27T14:19:05","modified_gmt":"2014-09-27T12:19:05","slug":"helmet-koeln-20-09-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/helmet-koeln-20-09-2014\/","title":{"rendered":"Helmet &#8211; K\u00f6ln, 20.09.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Underground, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5982\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/12.jpg\" alt=\"Helmet\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/12.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/12-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Samstage sind komische Konzerttage. Und es ist immer das gleiche. Kaufe ich ein Ticket f\u00fcr ein Konzert und sehe dann, dass es an einem Samstag stattfindet, freue ich mich darauf, den Luxus des nachfolgenden freien Tages genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Aber ist es dann soweit, ist es Samstagnachmittag, bef\u00e4llt mich eine wochenendliche Tr\u00e4gheit, die mir je nach Gem\u00fctsverfassung jeglichen Spa\u00df und jegliche Motivation nimmt, nach dem traditionellen Kaffee-Kuchen-Fussball Clash noch die Wohnung verlassen zu wollen.<br \/>\n\u201eSamstag ist Selbstmord\u201c besangen einst die Hamburger <strong>Tocotronic<\/strong> den samst\u00e4glichen Ausgehzwang. Ich sp\u00fcrte ihn nie, hatte und habe nicht das Bed\u00fcrfnis, weil Samstag ist unbedingt raus gehen zu m\u00fcssen. Dieses living-for-the-weekend Ding war nie meins, weder in der Schulzeit, noch in der Studienzeit (ha, da war ja jeder Tag quasi ein Samstag) oder jetzt im Erwachsenenleben.<br \/>\nNein, weggehen (und das hei\u00dft auf Konzerte gehen) macht unter der Woche doch viel mehr Spa\u00df. Bis in die Puppen geht es selten, das ist samstags jedoch nicht anders, und ein bisschen Verschlafenheit finde ich ganz okay. So bin auch sehr froh, dass ich einer T\u00e4tigkeit nachgehen darf, die mir nicht nur Spa\u00df macht, sondern mir auch die M\u00f6glichkeit von Unausgeschlafenheit am Morgen zul\u00e4sst. Klar, w\u00e4re ich Lehrer oder gar Zahnarzt, da ginge das nat\u00fcrlich nicht. Dann w\u00e4ren Konzertbesuche am Wochenende sicher das Ma\u00df der Dinge. Aber so ist es nicht, und bestimmt nicht umsonst stehen die Freitage und Samstage bei Konzertbesuchen auf den letzten beiden Pl\u00e4tzen in der Wochentageauswertung. (So sagt zumindest <a title=\"last.fm\" href=\"http:\/\/www.lastfm.de\/user\/spiral-stairs\" target=\"_blank\">last.fm<\/a>) <!--more--><br \/>\nAm <strong>Helmet<\/strong>-Samstag versp\u00fcrte ich null Tr\u00e4gheit. Das ist eigentlich komisch, denn normalerweise kann ich die Uhr danach stellen, dass es so ist. Und als ich so gegen 17 Uhr nochmals in mich h\u00f6rte, um mich endg\u00fcltig zu vergewissern, dass die Lust gro\u00df ist, war ich zugegebenerma\u00dfen etwas \u00fcberrascht. Ich hatte das Helmet Ticket in einem Augenblick gekauft, wo ich dachte, ach ein Albumkonzert ist immer spannend und dieses <em>Betty<\/em>, Helmets drittes Album, mochtest du doch damals schon. Ja damals, aber seit 15 Jahren habe ich es nicht mehr geh\u00f6rt und mit dem Kauf von Helmets <em>Aftertaste<\/em> Ende der 90er endete auch mein Interesse an der Band aus New York. Bekanntlich ist das aber kein Grund, ein Konzert nicht zu besuchen, oder wie es mein Freund Christoph mal formulierte: \u201eWenn eine Band sich schon extra die M\u00fche macht in die Stadt zu kommen, dann geht man da gef\u00e4lligst hin.\u201c<br \/>\nEs war jetzt auch nicht so, dass ich \u00fcberhaupt nicht neugierig gewesen w\u00e4re. \u201eWilma\u2019s rainbow\u201c ist doch einer dieser Songs, die man immer gern hat, die man auch nach 15 Jahren nachts um drei Uhr aus dem Stehgreif erkennt.<br \/>\n\u201eWilma\u2019s rainbow\u201c ist f\u00fcr mich der Hit des Albums. Die anderen Singleauskopplungen \u201eBiscuits for Smut\u201c oder \u201eMilquetoast\u201c k\u00f6nnen da nur bedingt mithalten. Als ich vor einigen Tagen das Album nochmals wieder hervorkramte war ich \u00fcberrascht, wie poppig es doch mittlerweile klingt. Hatte ich das nicht anders in Erinnerung? Und warum f\u00e4llt es zum Ende hin so derma\u00dfen ab? Ab \u201eSpeechless\u201c wird es in meinen Augen sehr krude, alles was danach kommt h\u00e4tte nicht zwingend auf der Platte sein m\u00fcssen.<br \/>\nDie spannendste Frage jedoch, die ich mir stellte, war die, ob Helmet auf ihrem Albumkonzert <em>Betty<\/em> in Originalfolge spielen w\u00fcrden. Denn das hie\u00dfe, \u201eWilma\u2018s rainbow\u201c k\u00e4me direkt zu Beginn und jedes zu sp\u00e4t kommen w\u00fcrde auf das Eklatanteste bestraft werden. Ein investigativer Blick in die Setlisten der Vorg\u00e4ngerkonzerte brachte dann das Ungedachte. Ja, sie spielen es eins zu eins runter. Puhh, mutig. Direkt mit \u2018nem Knaller beginnen und die schwachen Songs am Ende des Albums hintereinander weg.<\/p>\n<p>Ich war trotzdem sp\u00e4t dran. Nun lebe ich schon einige Jahre im Umkreis von K\u00f6ln, aber im Underground war ich bisher noch nicht. Und nach diesem Abend m\u00f6chte ich sagen, nix verpasst. Ein Konzert machte unter diesen Bedingungen keinen Spa\u00df. Es kann doch nicht nur an den sp\u00e4tsommerlichen Temperaturen drau\u00dfen gelegen haben, dass der Klub auf Saunatemperatur angeheizt war. Gut, der Laden war ausverkauft, aber vern\u00fcnftigerweise war es nicht so ein ausverkauft, dass man sardinenb\u00fcchsenm\u00e4ssig beisammen stand, und ja, drau\u00dfen war es auch gegen 20 Uhr noch angenehm warm, aber das rechtfertigt nicht die stickige Luft und \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Hitze. Nach einer Viertelstunde Konzert floss mir der Schwei\u00df derma\u00dfen aus dem K\u00f6rper, das es kein Halten mehr gab. Nach einer halben Stunde war ich durch, nach einer Stunde war mein Hemd, das aber nicht eng am K\u00f6rper anliegt und so den Schwei\u00df aufsog, klitscheklatsche nass. Und ich war nicht der einzige, der unter der Schw\u00fcle litt. Allen um mich herum erging es \u00e4hnlich.<br \/>\nNach einer guten Stunde spielte ich mit dem Gedanken, dass Underground zu verlassen. Aber ich kriegte nicht die Kurve, Helmet spielten auch nicht so schlecht, dass es gerechtfertigt w\u00e4re. Und Moment, kommt da nicht gerade \u201eUnsung\u201c, der Riesenhit vom Vorg\u00e4ngeralbum Meantime? Da konnte ich nicht gehen! Also blieb ich bis zum Schluss.<\/p>\n<p>Helmet bestreiten ihre \u201eBetty 20th anniversary tour\u201c mit <strong>Page Hamilton<\/strong>, <strong>Dan Beeman<\/strong>, <strong>Kyle Stevenson<\/strong> und <strong>Dave Case<\/strong>. Somit ist einzig S\u00e4nger und Gitarrist Page Hamilton vom 94er Bandgef\u00fcge mit dabei. Die anderen drei Mitglieder sind erst in den letzten Jahren zu Helmet dazugekommen.<br \/>\nIm Underground beginnen sie also mit \u201eWilma\u2019s rainbow\u201c und beenden ihn knappe zwei Stunden sp\u00e4ter mit \u201eJust another victim\u201c.<br \/>\n\u201eJust another victim\u201c ist auch so ein unscheinbarer Welthit, der auf diesem wahnsinnig guten Filmsoundtrack zum wahnsinnig schlechten Film Judgement Night ver\u00f6ffentlicht ist. \u201eJust another victim\u201c ist die Collaboration von Helmet und <strong>House of pain<\/strong>. In den 90ern des Crossovers eines von vielen Traumpaaren. Andere Traumpaare waren zum Beispiel <strong>Faith No More<\/strong> und <strong>Boo-Yaa T.R.I.B.E.<\/strong> oder <strong>Slayer<\/strong> and <strong>Ice-T<\/strong>. Auch sie sind auf dem Soundtrack vertreten, der 1993 die Creme de la creme des Alternative und Hiphop zusammenbrachte und in meinen Augen ein musikalisches Zeitdokument h\u00f6chster G\u00fcte darstellt. Unbedingt h\u00f6renswert und das lustigste St\u00fcck Crossover auf dem Sampler ist \u201eFallin\u2018\u201c; <strong>Teenage Fanclub<\/strong> mit <strong>De la Soul<\/strong>. Sehr entspannt! Toll!<\/p>\n<p>Die Setlist der ersten 45 Minuten stand, soweit keine \u00dcberraschungen.<\/p>\n<p><strong>Setlist (Betty-Album):<\/strong><br \/>\n01. Wilma&#8217;s Rainbow<br \/>\n02. I Know<br \/>\n03. Biscuits for Smut<br \/>\n04. Milquetoast<br \/>\n05. Tic<br \/>\n06. Rollo<br \/>\n07. Street Crab<br \/>\n08. Clean<br \/>\n09. Vaccination<br \/>\n10. Beautiful Love<br \/>\n11. Speechless<br \/>\n12. The Silver Hawaiian<br \/>\n13. Overrated<br \/>\n14. Sam Hell<\/p>\n<p>Im Nachgang spielten Helmet dann Songs der Alben <em>Strap it on<\/em>, <em>Meantime<\/em> und <em>Aftertaste<\/em> und hielten sich damit konsequent in den 90ern auf. Das Konzert beschr\u00e4nkte sich also weiterhin auf die Schaffensphase Anfang\/Mitte der 90er und die Zeit um <em>Betty<\/em>. Das passte, und mit \u201eUnsung\u201c, das den zweiten Teil des Konzertes einl\u00e4utete und mit \u201eMeantime\u201c, das es quasi beendete, waren \u00fcberdies noch Hits zu spielen.<\/p>\n<p>Helmet taten gut daran, Ausfl\u00fcge in die neuere (!) Geschichte der Band zu unterlassen. Denn sind wir doch mal ehrlich, wenn man zu einem Jubil\u00e4umskonzert geht will man keine neuen Songs h\u00f6ren. Dann m\u00f6chte man in die Vergangenheit eintauchen, die alten Rei\u00dfer um die Ohren gehauen bekommen. Wenigstens geht es mir so und ist es mein Wunsch an all diese Albenkonzerte.<\/p>\n<p>Das <em>Betty<\/em> Album empfand ich seinerzeit \u00fcbrigens als revolution\u00e4r. Die Musik, die Helmet darauf boten war v\u00f6llig neu. Es war kein Alternative Rock, es war kein Metal, und Grunge schon gar \u00fcberhaupt nicht. Es war irgendwas zwischen allem. Groove metal lese ich irgendwo, aber ich wei\u00df nicht, was das sein soll. Groove metal klingt \u00fcberdies sehr albern. 2014 ist das alles nat\u00fcrlich nicht mehr revolution\u00e4r und neu. Die Songs klingen auch sehr altbacken und sehr in ihrer Zeit verankert. Im Gegensatz zu anderer Musik dieser Zeit sind Helmet typisch 90er und werden immer nur dort richtig funktionieren. Ich finde das nicht schlimm, und kleine zweist\u00fcndige R\u00fcckblicke sind umso sch\u00f6ner, wenn man wei\u00df, dass sie einem morgen nicht schon wieder \u00fcber den Weg laufen. Denn Helmet Songs h\u00f6rt man nicht zuf\u00e4llig aus irgendwelchen Boxen dr\u00f6hnen.<\/p>\n<p>So wurde es der erhoffte laute und unterhaltsame Abend. Diesmal war keine Zeit f\u00fcr Sentimentalit\u00e4ten, es war kein Konzert der leisen T\u00f6ne. Stattdessen gab es irgendwie Metal. Das war mir an diesem Samstag auch sehr recht.<\/p>\n<p><strong>Setlist (ohne Album):<\/strong><br \/>\n15. Unsung<br \/>\n16. So long<br \/>\n17. Renovation<br \/>\n18. Better<br \/>\n19. High visibility<br \/>\n20. Driving nowhere<br \/>\n21. Like I care<br \/>\n22. Birth defect<br \/>\n23. Blacktop<br \/>\n24. Turned out<br \/>\n25. Rude<br \/>\n26. Crisis King<br \/>\n27. Meantime<br \/>\nZugabe I:<br \/>\n28. Bad mood<br \/>\n29. Repetition<br \/>\nZugabe II:<br \/>\n30. Just another victim<\/p>\n<p><strong>Kontextartikel:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3308\" target=\"_blank\">Judgement Night<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Underground, K\u00f6ln Vorband: &#8211; Samstage sind komische Konzerttage. Und es ist immer das gleiche. Kaufe ich ein Ticket f\u00fcr ein Konzert und sehe dann, dass es an einem Samstag stattfindet, freue ich mich darauf, den Luxus des nachfolgenden freien Tages genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. 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