{"id":5863,"date":"2014-08-22T17:34:11","date_gmt":"2014-08-22T15:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5863"},"modified":"2014-08-22T17:34:53","modified_gmt":"2014-08-22T15:34:53","slug":"5863","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/5863\/","title":{"rendered":"Warpaint &#8211; K\u00f6ln, 20.08.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Gro\u00dfer Sendesaal des WDR, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5864\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_2667.jpg\" alt=\"Warpaint\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_2667.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_2667-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Nun habe ich mich endg\u00fcltig verliebt in <strong>Emily Kokal<\/strong>. In Barcelona war ich mir noch nicht ganz sicher, die gemeinsamen Abende davor noch viel weniger. Aber an diesem Abend hat sie mich erwischt. Emily Kokal war schon immer meine absolute Lieblingswarpaintfrau. Ich mochte ihre Art der B\u00fchnenpr\u00e4senz vom ersten Konzert an, sie war nicht so extrovertiert wie <strong>Jenny Lee Lindberg<\/strong>, nicht so model-esk wie <strong>Theresa Wayman<\/strong> und nicht so ein lustig-kumpelhafter Typ wie die Schlagzeugerin. Emily Kokal wirkte auf mich immer eine Spur geheimnisvoll, verschlossener, wie jemand, der sich nicht direkt in die Karten schauen l\u00e4sst. Manchmal sagt man solchen Menschen vorschnell nach, arrogant zu erscheinen. Tats\u00e4chlich sind es in den meisten F\u00e4llen die wenigsten von ihnen. Und ich glaube nicht, dass dies bei der S\u00e4ngerin der amerikanischen Band zutrifft.<br \/>\nEmily spielt Gitarre bei <strong>Warpaint<\/strong>. Und sie singt den gr\u00f6\u00dften Teil der Songs. Ich habe das nicht nachgez\u00e4hlt, aber ich denke, es stimmt. Um das aus dem Stehgreif heraus benennen zu k\u00f6nnen, bin ich nicht ein ausreichen gro\u00dfer Warpaint Fan. In den Songs, die sie nicht singt, \u00fcbernimmt dies Theresa Wayman, die zweitcoolste Warpaint Frau. Auf der B\u00fchne stehen die beiden am linken und rechten Rand, den Mittelplatz behalten sie ihrer Bassistin vor.<\/p>\n<p>Im gro\u00dfen Sendesaal des WDR, namentlich Klaus-von-Bismarck-Saal und benannt nach dem fr\u00fcheren Intendanten und Journalisten des WDR, gab es jedoch keinen Mittelplatz. Alle vier Frauen standen bzw. sa\u00dfen auf einer Linie. Das Schlagzeug war an diesem Abend nicht, wie sonst \u00fcblich, hinter den anderen aufgebaut, sondern es wurde nach vorne gezogen. Die B\u00fchne des Sendesaals, auf der sonst E-Musik des K\u00f6lner Funkhausorchesters gespielt wird, ist denn auch gro\u00df genug, um dieses so einrichten zu k\u00f6nnen.<!--more--><br \/>\nDas Warpaint Konzert war zeitgleich mit anderen Konzerten das Er\u00f6ffnungsveranstaltung der diesj\u00e4hrigen c\/o pop, einem Musikfestival, dass seit Jahren im August an f\u00fcnf Tagen in K\u00f6ln stattfindet. Abgel\u00f6st hatte es vor langer Zeit das sogenannte popkomm-Festival, welches, als es etabliert und eines der st\u00e4rksten Stadtfestivals des Landes wurde, nach Berlin weiterzog. Ich glaube, das war Anfang der 00er Jahre, als so ziemlich jeder und jedes gr\u00f6\u00dfere kulturmusikalische Ding in die Hauptstadt abwanderte. Da K\u00f6ln jedoch weiterhin Musikrelevanz besa\u00df und besitzt dauerte es nicht lange, bis ein quasi Nachfolger gefunden wurde. Erst sanft und klein und leise und schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf elektronische Musik fokussiert, hat sich die c\/o pop zu einem der wichtigsten Klubfestivals hochgearbeitet, dass seit einiger Zeit auch abseits der elektronischen Musik K\u00fcnstler und Bands im Programm h\u00e4lt.<br \/>\nNeben den gew\u00f6hnlichen Konzertorten kommen in diesem Rahmen auch immer spezielle Veranstaltungsorte mit in das Programm. Die Philharmonie ist seit Jahren mit dabei, und in diesem Jahr auch \u2013 oder erneut \u2013 der Sendesaal des WDR. Die Atmosph\u00e4re ist dann immer eine besondere und vielleicht sogar die gr\u00f6\u00dfere Attraktion als die Band selbst. U-Musik im E-Musik Ambiente, das funktioniert meist sehr gut, setzt jedoch besondere Anforderungen an das Publikum. Das beginnt schon beim Einlass: Jacken und gr\u00f6\u00dfere Taschen sind an der Garderobe abzugeben, Getr\u00e4nke d\u00fcrfen nicht in den Konzertsaal importiert werden. Oft f\u00fchrt das zu kleineren Diskussionen mit den Saalpflegern und zu Kopfsch\u00fctteln. Nicht nur das saalpersonal, auch die Konzertg\u00e4nger m\u00fcssen sich an die andere Umgebung bzw. das andere Publikum gew\u00f6hnen, Gelingt dies, kl\u00e4rt sich die Lage jedoch schnell auf.<\/p>\n<p>Stimmungsm\u00e4ssig ist ein bestuhlter Saal zwiesp\u00e4ltig betrachtbar. Zum einen ist es mal was ganz anderes, eine moderne Indie-Klassik-Rockband wie Warpaint im Sitzen zu betrachten, zum anderen geht das irgendwie \u00fcberhaupt nicht. Warpaint machen keine ruhige Sofa-Indiemusik, Warpaint machen Tanzmusik. Es zuckt sp\u00e4testens ab dem zweiten Song (an diesem Abend das fulminante \u201eBees\u201c) in den Beinen, die sich aber nicht so recht bewegen lassen. Und so bleibt es bei einem verst\u00e4rkten Wippen mit Kopf und Oberk\u00f6rper. In den vor mir sitzenden Reihen macht das jeder. Scheinbar hatten auch die Warpaint Frauen mit uns sitzendem Publikum so ihre Schwierigkeiten. Nach \u201eComposure\u201c forderten sie dazu auf, die Sitzreihen zu verlassen und nach vorne an die B\u00fchne zu kommen, um zu tanzen. Was sicherlich der Albtraum aller Saalw\u00e4rter ist, wurde f\u00fcr uns zum Segen. P\u00fcnktlich zum besten Warpaint Song des Abends, \u201eUndertow\u201c, gab es nun die passende Zustandsform. Stehen, tanzen. Die Stimmung wurde dadurch nochmals eine Spur euphorischer, und es schien mir, als ob sich die Band mit einem bev\u00f6lkerten B\u00fchnenrand sichtlich wohler f\u00fchlt.<br \/>\nZu diesem Zeitpunkt hatten mich Warpaint schon lange. Bei \u201eBees\u201c, ich sa\u00df noch gem\u00fctlich im gepolsterten Klappsessel, \u00fcberkam mich das Gef\u00fchl, dass dies ein besonderer Abend wird. Oft hatte ich meine Probleme mit Warpaint Konzerten. Zwar mag ich ihre Songs und ihre Musik, live schafften sie es aber lange nicht, mich vollends zu \u00fcberzeugen. Ihre langen krautrockigen Gitarrenpassagen wirkten auf mich erm\u00fcdend und irgendwie eint\u00f6nig. F\u00fcr meinen unn\u00f6tig zogen sie ihre Songs live in die L\u00e4nge. Und genauso wie ein zu lang gekauter und gedehnter Kaugummi an Geschmack verliert, verloren die Warpaint Songs dabei an Rasanz und Spannung. Beim letzten Konzert merkte ich jedoch, wie sich meine Einstellung \u00e4nderte. Ich fand Gefallen an den langen Gitarrenparts, an den immer neuen Zwischenspielen von Emily Kokal und Jenny Lee Lindberg, an das einfach anders als auf Platte klingen der Songs. So wurde mein letztes Warpaint Konzert mein mit Abstand bestes, mal abgesehen von dem verhunzten \u201eAshes to ashes\u201c (<strong>David Bowie<\/strong> Cover). Das war nach wie vor das schlimmste an Livemusik, was ich 2014 geh\u00f6rt habe.<br \/>\nAber an diesem Abend spielten sie es nicht. Daf\u00fcr gab es in der Zugabe \u201eBaby\u201c, solo vorgetragen von Emily Kokal. Ich glaube, ich habe das so zuletzt in der Kulturkirche geh\u00f6rt. Es war das ruhigste und zweitbeste St\u00fcck des Abends. Die musikalische Hauptattraktion des Abends war eine andere. Ein sekundenlanges Schweigen und ein mucks M\u00e4uschen stiller Sendesaal mitten in \u201eComposer\u201c, als nicht nur die Band ruhig auf den Einsatz von Theresa Wayman wartete, sondern der gesamte Saal erwartungsvoll mitfieberte. Spontan oder geplant, diese 10 Sekunden Schockstarre funktionieren in keinem gew\u00f6hnlichen Konzert so gut und so erhaben, wie sie in einem altehrw\u00fcrdigen und holzvert\u00e4felten Sendesaal funktionieren k\u00f6nnen. Ein perfekter Moment in einem nahezu perfekten Konzert.<br \/>\nDas war mein bisher bestes Warpaint Konzert. Ich glaube, ich beginne nun so richtig, diese Band auch live zu m\u00f6gen.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br \/>\n<\/strong><a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5738\" target=\"_blank\">Primavera Sound 2014 &#8211; Barcelona, 29.05.2014<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5489\" target=\"_blank\">Warpaint &#8211; 23.02.2014 &#8211; K\u00f6ln \/ Live Music Hall<\/a><br \/>\n<a title=\"Archiv\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3276\" target=\"_blank\">Crossing Border Festival \u2013 Den Haag, 16.11.2013<br \/>\n<\/a><a title=\"Warpaint \u2013 K\u00f6ln, 28.06.2011\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3276\" target=\"_blank\">Warpaint \u2013 K\u00f6ln, 28.06.2011\u00a0 Kulturkirche Nippes<\/a><br \/>\n<a title=\"Primavera Sound \u2013 Barcelona, 28.05.2011\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=3235\" target=\"_blank\">Primavera Sound 2011 \u2013 Barcelona, 28.05.2011<\/a><br \/>\n<a title=\"Rolling Stone Weekender \u2013 Ostsee, 12.11.2010\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=2758\" target=\"_blank\">Rolling Stone Weekender 2010 \u2013 Ostsee, 12.11.2010<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Gro\u00dfer Sendesaal des WDR, K\u00f6ln Vorband: &#8211; Nun habe ich mich endg\u00fcltig verliebt in Emily Kokal. 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