{"id":5847,"date":"2014-08-11T20:06:11","date_gmt":"2014-08-11T18:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5847"},"modified":"2024-08-10T20:15:09","modified_gmt":"2024-08-10T18:15:09","slug":"patti-smith-bruessel-08-08-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/patti-smith-bruessel-08-08-2014\/","title":{"rendered":"Patti Smith &#8211; Br\u00fcssel, 08.08.2014"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Place des Palais, Br\u00fcssel (Brussels Sommer Festivals)<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"562\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2.jpg\" alt=\"Patti Smith\" class=\"wp-image-5848\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/2-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Patti Smith<\/strong>. Worte \u00fcber das Schaffen und Leben dieser Frau zu schreiben ist mehr als \u00fcberfl\u00fcssig. Das haben andere l\u00e4ngst und viel besser getan und eigentlich kennt ja jeder <strong>Patti Smith<\/strong> bzw. ihre Musik. Selbst, wenn er sie nicht glaubt, zu kennen. \u201eBecause the night\u201c zum Beispiel ist <strong>Patti Smith<\/strong> (mit <strong>Bruce Springsteen<\/strong>), und irgendeine Coverversion ihres Welthits ist sicher jedem wenigstens im Radio \u00fcber den Weg gelaufen. Sei es die der <strong>10000 Maniacs<\/strong>, <strong>Kim Wilde<\/strong> oder <strong>Cascada<\/strong>; da kennt jeder die Version, die er verdient. Ich mag die zerst\u00fcckelte, weit weg interpretierte <strong>Sonic Youth<\/strong> Variante sehr gerne, fr\u00fcher auf der Tanzfl\u00e4che nat\u00fcrlich die der 10000 Maniacs.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer \u201eBecause the night\u201c nicht kennt, kennt sicher \u201eDancing barefoot\u201c vom 1979 Album <em>Wave<\/em> der <strong>Patti Smith Group<\/strong>. Coverversionen gibt\u2019s von <strong>The Mission<\/strong> (!!!), <strong>U2<\/strong> und den <strong>Simple Minds<\/strong>. Damals war der Punk fast vorbei und Patti Smith, bzw. die Patti Smith Group (<strong>Lenny Kaye<\/strong>, <strong>Ivan Kral<\/strong>, <strong>Richard Sohl<\/strong> und <strong>Jay Dee Daugherty<\/strong>) hatte ihren ersten musikalischen Block \u2013 bestehend aus drei Alben \u2013 abgeschlossen. Es dauerte viele Jahre bis Patti Smith wieder Musik machte und Alben ver\u00f6ffentlichte. Ihr letztes, <em>Banga<\/em>, erschien vor zwei Jahren. Der Katalog bleibt also \u00fcbersichtlich, er besticht eher mit Klasse statt Masse. Das ist gut so, kommerziell bedingte Verw\u00e4sserungen durch Livealben und Best-ofs gibt es eh genug. <br>Ich habe zwar zugegebenerma\u00dfen eine <strong>Patti Smith<\/strong> Bildungsl\u00fccke, viele ihrer Alben kenne ich \u00fcberhaupt nicht. Aber L\u00fccken gilt es zu f\u00fcllen, und bei Musik geht das auch immer gut in Form eines Konzertbesuches. So war es schon l\u00e4nger mein Plan, <strong>Patti Smith<\/strong> live zu sehen. Als sie vor einem oder zwei Jahren in Bonn ein Open Air spielte, scheiterte mein Konzertbesuch nur an den horrenden Ticketpreisen von irgendwas um die 60 Euro. Da war mein Mut zur L\u00fccke gr\u00f6sser als das Budget. In diesem Jahr ergab sich ein Konzertbesuch dann eher zuf\u00e4llig.<br>Auf der Autofahrt zum Br\u00fcsseler Konzert der <strong>Violent Femmes<\/strong> standen wir vor dem Kreisverkehr am Europageb\u00e4ude in einem Verkehrsstau. Die Lichtmasten neben uns waren beklebt mit Werbeplakaten des im Sommer stattfindenden und sogenannten Brussels Sommer Festivals. Das Plakat zierte Namen wie<strong> Texas<\/strong>, <strong>-M-<\/strong>, <strong>Milky Chance<\/strong>, Patti Smith. Eine irre, wirre Ansammlung, die sich jedoch relativiert, wenn man bedenkt, dass dieses Festival \u00fcber mehrere Tage andauert und pro Abend eine Handvoll Bands auf drei B\u00fchnen in der N\u00e4he des K\u00f6nigspalastes spielen l\u00e4sst.<br>Die Autoinsassen scherzten \u00fcber die kunterbunte Namenszusammenstellung und die einzelnen Bands. In mir wuchs jedoch zeitgleich der Plan, in diesem Rahmen nochmals den franz\u00f6sischen Musiker <strong>-M-<\/strong> anzusehen, falls die Rahmenbedingungen passen sollten. Wochen sp\u00e4ter erinnerte ich mich an das Festival und las auf deren Hompage, dass -M- an einem Freitagabend spielen sollte. Zeitlich lag das sehr gut, was spr\u00e4che gegen einen Abendausflug in die nahe belgische Hauptstadt? Nichts. Und als der zweite Name f\u00fcr diesen Abend Patti Smith hie\u00df und der Ticketpreis sie 30 Euro nicht knackte, war ich dabei. <strong>-M-<\/strong> und <strong>Patti Smith<\/strong>, was eine scheinbar absurde Zusammenstellung. Ich freute mich sehr auf diesen Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>20 Uhr. Nun war es an der Zeit, etwas tiefer in den <strong>Patti Smith<\/strong> Katalog einzutauchen. Ihr Deb\u00fctalbum <em>Horses<\/em> hatte ich zur Vorbereitung in den letzten Tagen sehr oft geh\u00f6rt, und immer wieder viel mir dabei die Verbindung zum von mir sehr gemochten 90er Jahre Rock auf. Bei einer meiner sonnt\u00e4glichen Laufrunden im Stadtpark war ich dann soweit, um direkt im Anschluss an \u201eHorses\u201c nach <strong>Pearl Jams<\/strong> \u201eSometimes\u201c r\u00fcberzuskippen. Das passt zu perfekt und war f\u00fcr mich in diesem Augenblick der logische Anschlusssong. Nat\u00fcrlich wenig verwunderlich, war doch Patti Smith die Blaupause f\u00fcr Punk (und nein, das waren nicht die <strong>Sex Pistols<\/strong>!) und Punk die des Grunge und der die des Alternative Rocks undsoweiter\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 67 j\u00e4hrige betritt mit Hipster-M\u00fctze und schwarzem M\u00e4nnersakko die B\u00fchne. Aus der Entfernung wirkt sie damit keinesfalls wie eine knapp 70j\u00e4hrige junge Frau sondern eher wie ein etablierter und gesetzter, beruflich erfolgreich Mid-ager, der fr\u00fcher mal \u201eetwa verr\u00fcckt\u201c war, und dies in seiner Freizeit kleidungstechnisch ausdr\u00fcckt.<br>Sie startet mit &#8222;Dancing barefoot&#8220;, einem ihrer bekannteren Hits. Damit erhascht sie sich direkt die Aufmerksamkeit derer, die nicht unbedingt wegen <strong>Patti Smith<\/strong> ein Ticket f\u00fcr das Strassenfestival gekauft haben. Ich sch\u00e4tze die Anzahl der nicht Fans deutlich gr\u00f6\u00dfer ein. Im Laufe der guten 90 Minuten Konzert wird die Unaufmerksamkeit in gro\u00dfen Bereichen des Platzes immer deutlicher, der Gespr\u00e4chspegel steigt an. Nur ab und an gelingt es Patti Smith auch abseits er ersten Reihen an Aufmerksamkeit zu erzielen. Mit \u201eBecause The night\u201c zum Beispiel, ihrem wohl einzigen Welthit, gelingt das nat\u00fcrlich sehr gut. Dank mannigfaltiger Coverversionen kennen das nun wirklich alle und es entfacht f\u00fcr einen kurzen Moment so etwas wie gemeinschaftliche Stimmung. In den Minuten davor und danach ist die Fanmeile weit davon entfernt. Zwar gibt es sie (und man erkennt sie auch sehr deutlich) zu gen\u00fcge, die wegen der Musik auf der B\u00fchne da sind, aber sie genie\u00dfen eher ruhig, lauschen bed\u00e4chtig und lassen sich auch nicht von den unaufmerksamen Drumherum ablenken.<br>Vor \u201eMy Blakean Year\u201c erz\u00e4hlt sie in einer Art Gedicht von ihrem ersten Br\u00fcsselbesuch Mitte der 70er. Wie es war, welche \u00c4ngste sie begleiteten, wie die Akzeptanz so sei. Diese kleine spoken-words performance geht nahtlos in den Song \u00fcber und ich bin mir sehr sicher, dass sich unter den Tausenden Festivalbesucher einige befinden, die seinerzeit schon <strong>Patti Smith<\/strong> gesehen haben.<br>Die Frau, die f\u00fcr mich auf Fotos immer m\u00fcrrisch und schroff abweisend wirkte, gibt sich \u00fcberraschend altersmilde und sanftm\u00fctig. Aus welchen Gr\u00fcnden auch immer hatten wir eine eher schlechtgelaunte Patti Smith erwartet. Pustekuchen, das war alles ganz anders als gedacht. Sie lachte, scherzte und suche Publikumskontakt. Beispielhaft daf\u00fcr eine Szene nach Beendigung des Konzertes, als sie noch minutenlang am B\u00fchnenrand kniete und mit den ersten Reihen sprach und versuchte, H\u00e4nde zu sch\u00fctteln, obwohl hinter ihr schon das Abbaukommando zugange war und die Instrumente allesamt im B\u00fchnenhintergrund verschwanden. W\u00e4re sie j\u00fcnger, Patti Smith h\u00e4tte sicherlich den Sprung vom B\u00fchnenrand zu den ersten Reihen gewagt.<br>Zuvor spielte sie ihre letzten Songs. \u201eGloria\u201c und \u201eRock\u2019n\u2019Roll Nigger\u201c, das Standardende auf der diesj\u00e4hrigen Sommertour lie\u00df auch in Br\u00fcssel keine W\u00fcnsche offen. Zuvor gab es viel altes und weniger neues. Das aktuelle Album ist mit den beiden Songs, \u201eApril Fool\u201c und \u201eBanga\u201c auf der Setlist vertreten und mit \u201eMy blakean years\u201c kommt nur ein dritter aus der aktuelleren Zeit hinzu. Alle anderen Songs sind zwanzig Jahre und \u00e4lter. Und ja, sind deswegen nicht auch die meisten hier?<br>Diese hibbeligen Beats und Grunge-Punk Gitarren, die wollen wir doch hier und jetzt h\u00f6ren. und ein Textupdaten, in dem <strong>Edward Snowden<\/strong> neben <strong>Jimmy Hendrix<\/strong> Platz nimmt. \u201eOutside of society\/that\u2019s where I want to be\u201c. <strong>Patti Smith<\/strong> ist das nicht (mehr).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war nie im CBGBs, ich wei\u00df noch nicht mal, wo genau es in Manhattan war, aber in diesem Jahr habe ich nun die Bands \/ Musiker gesehen, die das CBGBs als erstes (<strong>Television<\/strong>) und als letztes (<strong>Patti Smith<\/strong>) bespielt haben. Wichtig ist mir das nicht, es ist eine nette Randnotiz, die ich gerne mitnehme. Beide Konzerte waren auf ihre ganz besondere Art und Weise beeindruckend, keine Frage, aber es fehlte mir leider so das ganz richtige echte wahre Aha Erlebnis, um beide Bands noch einmal wiedersehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br>01: Dancing barefoot<br>02: Redondo Beach<br>03: April Fool<br>04: Pissing in a river<br>05: My blakean year<br>06: Beneath the southern cross<br>07: Ain&#8217;t it strange<br>08: Because the night<br>09: People have the power<br>10: Banga<br>11: Gloria<br>12: Rock\u2019n\u2019 Roll Nigger<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br><\/strong>&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patti Smith. Worte \u00fcber das Schaffen und Leben dieser Frau zu schreiben ist mehr als \u00fcberfl\u00fcssig. 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