{"id":5793,"date":"2014-06-12T19:50:09","date_gmt":"2014-06-12T17:50:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5793"},"modified":"2014-06-15T13:01:39","modified_gmt":"2014-06-15T11:01:39","slug":"melt-banana-koeln-07-06-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/melt-banana-koeln-07-06-2014\/","title":{"rendered":"Melt Banana &#8211; K\u00f6ln, 07.06.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Nicoffeine<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5794\" alt=\"Melt Banana\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/1.jpg\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/1.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Warum Gitarrist <strong>Ichirou Agata<\/strong> einen Mundschutz tr\u00e4gt, erkl\u00e4rte er vor einigen Jahren in einem arte Fernsehinterview. Aufgrund h\u00f6chster B\u00fchnennervosit\u00e4t war es so, dass ihn auf der B\u00fchne jedes Mal starkes Nasebluten heimsuchte. Und um in die Nasenl\u00f6cher gestopften Taschent\u00fccher zu verbergen, setzte er irgendwann eine Maske auf. Das wiederum half Agata den Stress zu mindern, denn das Nasenbluten war ihm sehr unangenehm. Irgendwann h\u00e4tte das mit dem Nasenblutend nachgelassen, die Maske h\u00e4tte aber eine beruhigende Wirkung, so dass er sie trotzdem weiterhin aufbehielt und tr\u00e4gt.<br \/>\nJa, Nervosit\u00e4t ist manchmal kein guter Freund, dazu k\u00f6nnte man auch Lionel Messi befragen, der sich auch mit k\u00f6rperlichen Reaktionen auf seine Nervosit\u00e4t ab und an rumplagt. Aber das ist eine andere Geschichte, die jedoch in den n\u00e4chsten vier Wochen sicher \u00f6fter mal zu lesen sein wird.<br \/>\nZusammen mit <strong>Yasukuo Onuki<\/strong> gr\u00fcndete Ichirou Agata 1992 die Hardcore Noise Band <strong>Melt Banana<\/strong>. Die Japaner sind also schon l\u00e4nger im Gesch\u00e4ft. In den Jahren haben sie 10 Alben produziert, anfangs noch in Bandbesetzung mit Schlagzeuger und zweitem Gitarristen und wechselndem Personal, seit zwei Jahren jedoch konsequent nur noch als Duo. Die aktuelle Platte hei\u00dft <em>Fetch<\/em> und erschien Ende letzten Jahres.<!--more--><br \/>\nDas Schlagzeug kommt seitdem aus dem Apple Computer, auch alle anderen Musikquellen abseits der Gitarre werden digital eingespielt und ausgerufen. Live bedient Yasujuo Onuli \u00fcber eine Fernbedienung den Laptop. Die sieht aus wie das alte Nokia Mobiltelefon n-gage im xxl- Format und erinnerte mich stark an die Vorgehensweise von <strong>The Notwist<\/strong> Tausendsassa <strong>Martin Gretschmann<\/strong>. Auch er bedient seine Apparate im Konzert zeitweise \u00fcber Fernbedienungen. Der Grund wird hier wie da der gleiche sein: mehr Bewegungsfreiheit.<br \/>\nDass Yasukuo Onuki den braucht und auch enorm ausnutzt, ist in jeder Konzertsekunde erkennbar. Der linke Arm, der die Fernbedienung h\u00e4lt, ist zugleich Taktgeber und Drehschleuder. Mit Windm\u00fchlenbewegungen startet sie in jeden Song. Das sieht lustig aus und verbreitet eine Menge Spa\u00df. Ichirou Agata steht dem nur wenig nach. Die beiden haben einen enormen Bewegungsdrang und decken sich so optisch mit ihrer Musik sehr gut.<br \/>\nWeiter oben nannte ich Melt Banana (witzig, es lag tats\u00e4chlich ein Bund Bananen auf einem der Boxent\u00fcrme) eine Noiseband. Ob das so passt, ich bin vermutlich nicht der einzige, der sich diese Frage bisher stellte. In der Frage und Antwortrubrik auf ihrer Webseite kommen die Japaner n\u00e4mlich nicht umher, neben vielen anderen Fragen auch die Frage nach ihrer Musik zu beantworten. Dort steht:<\/p>\n<blockquote><p>Q: What type of music?<br \/>\nAnswer: Some people say they are noise band, some people say they are so-called no wave band, some people say they are hardcore band, some people say their music is like roller coaster in an amusement park&#8230; It is hard to categorize their music, but basecally they are rock band with a spice of punk taste. The easiest way to find out is to listen to their music and you will find out.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der letzte Satz sagt die Wahrheit. Finde es selbst heraus, und als ich dann so eine halbe Stunde im Geb\u00e4ude 9 stand und Yasukuo Onuki ihren short-track Block mit \u201ewir spielen jetzt acht kurze St\u00fccke hintereinander\u201c ank\u00fcndigte, war ich ziemlich sicher, dass ich das Noise nennen m\u00f6chte. Acht Songs in 3 Minuten, acht Mal kurze Krachgewitter mit Sprachfetzsequenzen. Eigentlich irgendwie nur Krach ohne scheinbare Struktur.<br \/>\nZu der Zeit war gut die H\u00e4lfte des Konzertes um und ich trug mich nach wie vor mit einer weiteren Frage herum, deren Antwort ich erst sp\u00e4ter in der bereits erw\u00e4hnten Frage-Antwortrubik der Bandhomepage fand:<\/p>\n<blockquote><p>Q: Is Yako singing in Japanese?<br \/>\nAnswer: I am singing in English, and you can find all of the lyrics inside of CD booklets if you are interested.<br \/>\nWhen I first started singing in a band, I was singing in Japanese, but I changed to English. I thought that English would fit more to my style of singing.<\/p><\/blockquote>\n<p>Also doch englisch. Ihre Stimme war in den Songs nur schwer auszumachen, die Umgebungsger\u00e4usche aus dem Apple Computer und der Gitarre waren zu laut. Hinzu kam, dass ihre Stimme nach zu viel Heliuminhalation klang. Sie war enorm piepsig und hoch. Ich habe keine Ahnung, ob das ein Verzerreffekt war oder ob sie in echt so klingt. Mitunter klang der Gesang wie ein 80er Jahre Spielautomat, weil er nicht f\u00fcr die Melodien vorgesehen war sondern einfach nur der Ger\u00e4uschkulissenbildung galt. Ein ganz besonderer Gesangsstil, der wenige Variationen zul\u00e4sst. Melt Banana spielten als letzte Zugabe nach einer guten Stunde das <strong>Armstrong<\/strong> St\u00fcck \u201eWhat a wonderful world\u201c, und es passte so nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht zusammen. Die Noisespeedversion war mit Abstand der mieseste Song des Abends, was wiederum eine gute Nachricht an die Band ist, wenn das Cover der entt\u00e4uschendste Song eines Konzertes ist. Die \u00fcbrigen St\u00fccke kannte ich nicht, es war mal wieder so ein Konzertbesuch, der der Neugierde und nicht bekannten Songs und einer Lieblingsband geschuldet war.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude 9 war angenehm gef\u00fcllt, als gegen neun Uhr die Vorband die B\u00fchne betrat. <strong>Nicoffeine<\/strong>\u2026. nie geh\u00f6rt. Der Bandname soll wahrscheinlich ein Wortspeil aus Nikotin und Koffein sein. Lebensdrogen also, die einen am Leben erhalten (wenn man s\u00fcchtig ist) und auf Touren bringen. Angewendet auf die Musik von Nicoffeine passt meine Interpretation vortreffend. Der Krach der Band ist laut und kirre machend. Es war gut, nicht zu weit vorne zu stehen. Selbst in den hinteren Gefilden des Geb\u00e4udes 9 war der Druck noch hoch genug, dass die Armh\u00e4rchen vibrierten. Im Nachhinein wundere ich mich, dass die Scheiben gehalten haben. Da es auf der B\u00fchne eh nicht viel zu sehen gab, au\u00dfer komischen Hardrock-Posen des Bassisten, passte das aber ganz gut.<br \/>\nIch kannte die Band aus Koblenz nicht, aber ich war mir ziemlich sicher, den Schlagzeuger schon einmal gesehen zu haben. Google kannte einen Namen: <strong>J\u00f6rg A. Schneider<\/strong>. Schlagzeuger bei Nicoffeine und Schlagzeuger beim <strong>Jealousy Mountain Duo<\/strong>. Stimmt, so hie\u00df das Jazz-Prog-Rock-Duo, das ich im Vorprogramm von <strong>Speedy Ortiz<\/strong> im Berliner Comet Club gesehen habe.<\/p>\n<p>Musikalisch passte das an diesem Abend besser als beim Speedy Ortiz Konzert, allerdings fand ich das Jealousy Mountain Duo viel spannender als Nicoffeine. Deren Krach ist haupts\u00e4chlich laut, beinhaltet mir dabei jedoch zu wenig Abwechslung. Ich vermisste sehr oft die spannenden und \u00fcberraschenden Momente, und so wurden wir an diesem Abend nicht richtig warm. Auch die Wucht der Lautst\u00e4rke verlor im laufe der guten 40 Minuten Konzert immer mehr ihre Wirkung, so dass ich nach einer halben Stunde schon mit mir zu k\u00e4mpfen hatte, nicht in den Vorraum des Geb\u00e4udes 9 abzumarschieren. Geh\u00f6rt h\u00e4tte ich hier die Musik noch allemal. Nur etwas leiser, so dass ich mich h\u00e4tte unterhalten k\u00f6nnen.<br \/>\nSo war denn auch das interessanteste f\u00fcr mich die nach Konzertende einsetzende Unterhaltung zwischen den Jungs aus der ersten Reihe und dem B\u00fchnenroadie.<br \/>\nWie mir schien war es den drei Konzertg\u00e4ngern nicht laut genug, und der Roadie kl\u00e4rte sie gestenreich dar\u00fcber auf, dass die erste Reihe bei Konzerten eben nicht die erste Reihe sei. Mehrmals zeigte er auf die beiden Lautsprecher links und rechts der B\u00fchne und deutet auf ihren Abstrahlwinkel. Besser sei es, etwas weiter von der B\u00fchne wegzustehen, um den vollen Sound abzubekommen, so seine Worte. Im \u00dcbrigen sei die erste Reihe jawohl nur was \u201ef\u00fcr M\u00e4dchen\u201c.<br \/>\nIch lernte und merke mir also f\u00fcr weitere Noisekonzertbesuche: Nicht in er ersten Reihe stehen.<\/p>\n<p>Und noch kurz zu Melt Banana: Die machen zwar auch Krach (in der Hauptsache), aber irgendwie war das ganz anderer Krach. Mit mehr Struktur, mit phasenweise wundersch\u00f6nen Melodiemomenten, die leider nach meinem Geschmack zu oft und zu schnell vom Apple-Schlagzeug plattgem\u00e4ht wurden.<br \/>\nKrach ist eben nicht gleich Krach, wird der Fachmann jetzt sicherlich sagen. Und ich gebe ihm recht.<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzert:<br \/>\n<\/strong><a title=\"Speedy Ortiz \u2013 Berlin, 28.02.2014\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5509\" target=\"_blank\">Speedy Ortiz &#8211; Berlin, 28.02.2014 \/ Comet Club <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln Vorband: Nicoffeine Warum Gitarrist Ichirou Agata einen Mundschutz tr\u00e4gt, erkl\u00e4rte er vor einigen Jahren in einem arte Fernsehinterview. Aufgrund h\u00f6chster B\u00fchnennervosit\u00e4t war es so, dass ihn auf der B\u00fchne jedes Mal starkes Nasebluten heimsuchte. Und um in die Nasenl\u00f6cher gestopften Taschent\u00fccher zu verbergen, setzte er irgendwann eine Maske auf. 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