{"id":5702,"date":"2014-05-19T18:47:24","date_gmt":"2014-05-19T16:47:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5702"},"modified":"2020-01-11T20:23:31","modified_gmt":"2020-01-11T19:23:31","slug":"kraftwerk-wien-16-05-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/kraftwerk-wien-16-05-2014\/","title":{"rendered":"Kraftwerk &#8211; Wien, 16.05.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Burgtheater, Wien<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5705\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_3281.jpg\" alt=\"Kraftwerk\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_3281.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/IMG_3281-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Eine Konzertreise ins Wiener Burgtheater.<br \/>\nDie gute Gelegenheit, einmal einen der historisch bedeutungsvollsten Veranstaltungsorte Europas unter dem Aspekt von Popkultur besuchen zu k\u00f6nnen, wollte ich mir nat\u00fcrlich nicht entgehen lassen. So war es keine Frage von Sekunden, die Idee dieses Konzertausfluges aufzugreifen und zu best\u00e4tigen. Nat\u00fcrlich fahren wir da hin, \u00fcberhaupt keine Frage. Wann sonst h\u00e4tte ich schon die M\u00f6glichkeit, das Burgtheater bei einer Popveranstaltung von innen zu betrachten. (F\u00fcr Theaterkram oder anderes Schauspiel w\u00fcrde ich sicher nicht extra nach Wien reisen).<br \/>\nUnd so kam es, dass ich erneut das Vergn\u00fcgen bekam, die Band <strong>Kraftwerk<\/strong> im Rahmen ihrer 3D-Konzertreihe Der Katalog \u2013 1 2 3 4 5 6 7 8 zu sehen, \u00fcber den die \u00f6sterreichische Zeitung der Standard schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Das ergibt den Katalog. Ein anderes Wort f\u00fcr das Alte Testament der elektronischen Musik. \u201eBoing! Boom! Tschak!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Seit ein paar Jahren f\u00fchren Kraftwerk ihren Katalog (Albumkonzerte plus Best-of Set) in ausgew\u00e4hlten Orten auf: dem Moma in New York, der Tate Modern in London, der Oper in Sydney, in Los Angeles oder in D\u00fcsseldorf.<br \/>\nIm D\u00fcsseldorfer Museum k20 hatte ich vor gut anderthalb Jahren das Autobahn-Konzert erlebt, ein sehr beeindruckendes Spektakel in seiner Kombination aus Video und Audio. Ich fand es so beeindruckend, dass es mein bestes Konzert des letzten Jahres wurde. Auch das, neben dem Argument des Spielortes, war ein Grund daf\u00fcr, mir die ganze Chose nochmals ansehen zu wollen.<br \/>\nIn D\u00fcsseldorf spielten sie an acht Abenden jeweils eine Albumshow. In Wien wurde das Ganze im Rahmen der Wiener Festwochen auf vier Tage zusammengedampft, was bedeutete, dass es zwei Konzerte pro Abend gab. Das wiederum bedeutete f\u00fcr uns, wenn wir schon mal anreisen, dass wir uns dann auch die beiden Konzerte am Abend angucken. Keine halben Sachen; und \u00fcberhaupt, angebrochene Abende sind eh die schlimmsten. Also versuchten wir, f\u00fcr die Konzerte Nummer 3 (Trans Europa Express) und Nummer 4 (Die Mensch-Maschine) Tickets zu ergattern. Dass das nicht ganz so einfach sein w\u00fcrde zeigte sich schon bei den D\u00fcsseldorfer Konzerten, aber, in aufeinander eingespielter Teamarbeit ergatterten wir die ausgeguckten Tickets.<br \/>\nDie Freude war entsprechend hoch, w\u00fcrden wir doch Songs wie \u201eDas Modell\u201c, \u201eTEE\u201c, \u201eEuropa endlos\u201c oder \u201eDie Roboter\u201c in ihrer nat\u00fcrlichen Albumumgebung h\u00f6ren. Dazu ein Best-of, das die anderen Welthits (\u201eTour de France &#8211; Tour de France\u201c) nicht ausspart. Es w\u00fcrde also ein rundum prallgef\u00fcllter Kraftwerkabend werden, mit all dem, was man h\u00f6ren mag und was man auf einem Konzert unbedingt h\u00f6ren m\u00f6chte. Die Gefahr, mehrere Songs an diesem Abend doppelt zu h\u00f6ren und zu sehen (ja, auch diese Konzertreihe war eine 3-D Show, also mit den lustig aussehenden polarisierenden Plastikgl\u00e4sern und Papierbrillen) nahmen wir dabei locker in Kauf. Es gibt schlimmeres.<\/p>\n<p>Die freit\u00e4gliche Anreise lie\u00df wenig Zeit, mehr als Flughafen, Hotel und Burgtheater zu sehen. Sehr zeitnah erreichten wir das Schauspielhaus und trotz allem Ticketgutscheineintauschwirrwarr und Ausweiskontrolle (es gab personalisierte Tickets) schafften wir es noch, unserer Berliner Konzertverabredung ein erstes gar nicht so kurzes \u201ehallo\u201c entgegenzurufen. Denn, neben all der Musik und den Kaffeehausbesuchen, die f\u00fcr den Samstag geplant waren, standen auch Verabredungen und das kennenlernen bisher nur digital bekannter Personen an. Und so sammelte sich im Laufe des Abends ein kleines Gr\u00fcppchen graumelierter Konzertbekloppter, mit denen ich den Abend gemeinsam bestritt: die Jungs von <a title=\"homepage\" href=\"www.sigge-rocktours.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem Blog<\/a> sowie die m\u00e4nnliche Belegschaft des <a title=\"homepage\" href=\"http:\/\/www.konzerttagebuch.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Konzerttagebuches<\/a>. (Das sich die Zusammenkunft als sehr unterhaltsam und h\u00f6chstsympathisch herausstellte, muss ich dabei nicht extra erw\u00e4hnen.)<\/p>\n<p><strong>Konzert 1: Trans-Europa-Express<\/strong><br \/>\nMittelrang irgendwas. Ich kann diese Platzkategorie nun wirklich nicht empfehlen. Die engen Sitze der letzten Reihe entpuppten sich als wahre Kniescheibenkiller und sind f\u00fcr Menschen des 20.\/21. Jahrhunderts \u00fcberhaupt nicht geeignet. Fr\u00fcher war ja alles besser und auch die Menschheit von kleinerer K\u00f6rperstatur. Leider verga\u00df man hier, die Bestuhlung den neuen mitteleurop\u00e4ischen Durchschnittsma\u00dfen anzupassen. Mit anderen Worten, es war sau eng und ich m\u00f6chte nicht wissen, wie qualvoll der Konzertabend geworden w\u00e4re, wenn wir nicht kurzerhand den Notsitz neben unseren Pl\u00e4tzen als weitere Sitzoption verwendeten, um so etwas mehr Platz in der Sitzreihe zu gewinnen. Irgendwo m\u00fcssen die Beine ja hin.<br \/>\nAlso, 3-D Brille auf und zur\u00fcckgelehnt die Videoinstallationen plus Soundtrack genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Trans-Europa-Express aus dem Jahr 1977 ist das dritte Kraftwerk Album in ihrer elektronischen Zeitrechnung. Thema des Albums ist das moderne Verkehrsmittel und die M\u00f6glichkeit, einfach und komfortabel durch Europa reisen zu k\u00f6nnen. Visuell wurde die Musik dazu passend mit stilisierten TEE Variationen, vorbeischwirrenden Strommasten und Wort\u00fcberblendungen hinterlegt.<br \/>\nAnsonsten ist \u00fcber eine Show von Kraftwerk eigentlich schnell berichtet (und auch wiederum nicht). Durch die live eingeschobenen Visualisierungen und Videosequenzen g\u00e4be es eine F\u00fclle von tollen Eindr\u00fccken zu berichten, andererseits stehen da eben auch nur <strong>Ralf H\u00fctter<\/strong> und seine drei Kollegen stoisch hinter ihren Konsolen und tun \u2013 irgendwas; und auf einer Leinwand laufen dazu Videosequenzen ab. Keiner wei\u00df so genau, wer was wie macht und ob sie \u00fcberhaupt live was machen. Allerdings, und das war durch die erh\u00f6hte Sitzposition erkennbar, sieht jede Konsolenkonfiguration anders aus und es wurden tats\u00e4chlich Kn\u00f6pfe gedreht und Tasten gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Dass die Kraftwerksongs nicht an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft haben, ist mir schon in D\u00fcsseldorf sehr deutlich vor Augen gef\u00fchrt worden, in dieser perfekten Symbiose zwischen Audio, Video und Ort wurde sie mir erneut mehr als deutlich. Ich bin nicht der gro\u00dfe Kraftwerk Vielh\u00f6rer oder 100% Fan, aber wenn \u201eAutobahn\u201c erklingt und die Fahrradketten in \u201eTour de France\u201c surren, ist das f\u00fcr mich eben sehr zeitgem\u00e4\u00df und grandios.<br \/>\nDas Konzertprinzip war bekannt: nach dem Album, Trans-Europa-Express war im Burgtheater um einiges k\u00fcrzer als auf Platte, folgte ein Best-of Block. Dieser wurde nach guten 35 Minuten mit \u201eAutobahn\u201c eingel\u00e4utet und mit \u201e\u00c4therwellen\/ Nachrichten\u201c und \u201eGeigerz\u00e4hler\/ Radioaktivit\u00e4t\u201c fortgef\u00fchrt.<br \/>\n\u201eDas Modell\u201c tauchte hier nicht auf, es war f\u00fcr uns jedoch leicht zu verschmerzen, sollten wir es doch sp\u00e4ter am Abend als Teil des Albums Die Mensch-Maschine zu h\u00f6ren und sehen bekommen.<br \/>\nNach rund einer Stunde und 75 Minuten war das Konzert vorbei. \u201eBoing Boom Tschak\u201c\/ \u201eTechno Pop\u201d bildete das letzte regul\u00e4re Songdoppel, w\u00e4hrend zum abschlie\u00dfenden \u201eMusique non stop\u201c die vier Protagonisten einzeln und nacheinander die B\u00fchne verlie\u00dfen. Ralf H\u00fctter w\u00fcnschte einen sch\u00f6nen Abend und wir waren auch ein bisschen froh, die doch recht unbequemen Sitzpl\u00e4tze verlassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es folgte eine gut einst\u00fcndige Pause, in der wir es uns in einem nahegelegenen Kaffeehaus mit Apfelstrudel und Bier st\u00e4rkten. Leider bot uns das Foyer des Burgtheaters keine gem\u00fctliche Ecke an, um dort die Zeit zu \u00fcberbr\u00fccken. Aber Kuchen und Klaviermusik des gediegenen Cafe Central waren den kurzen Marsch durch das k\u00fchle Wien mehr als wert.<\/p>\n<p><strong>Konzert 2: Die Mensch-Maschine<\/strong><br \/>\nEndlich \u201eDas Modell\u201c.<br \/>\nUnd neue Sitzpl\u00e4tze. Eine Wohltat. Wir sa\u00dfen nun eine Kategorie g\u00fcnstiger und eine Etage h\u00f6her auf der Galerie. Das Blickfeld war ebenso gut, aber die Beinfreiheit um einiges besser. Obwohl es die preisg\u00fcnstigere Kategorie war, war dieser Rang die bessere Wahl. Aber sowas ahnt ja vorher niemand.<br \/>\nAuch die Mensch-Maschine ist ein Konzeptalbum. Handelt Trans-Europa-Express vom modernen Reisen durch Europa, so zielt die Mensch-Maschine auf die Zukunftsthemen Weltraum, Roboter und modernes Leben ab. Durchdachtes und strukturiertes Musizieren geh\u00f6rt zu den grossen Pluspunkten Kraftwerks, die nicht bloss Alben (und in aktuellerer Zeit auch Konzerte) entstehen lassen.<br \/>\nUnter gro\u00dfem Jubel wurden die ersten T\u00f6ne von \u201eDie Roboter\u201c aufgenommen, einem der \u00dcberhits der D\u00fcsseldorfer. Es folgten \u201eSpacelab\u201c, \u201eMetropolis\u201c, dann \u201eDas Model\u201c und die abschlie\u00dfenden \u201eNeonlicht\u201c und \u201eDie Mensch-Maschine\u201c (das mit dem <strong>Jay-Z<\/strong> Sample). Es war ein kurzes Albumvergn\u00fcgen, das nicht viel l\u00e4nger als eine halbe Stunde andauerte, bevor mit \u201eAutobahn\u201c erneut der zweite Konzertteil eingel\u00e4utet wurde.<br \/>\nIst das nicht langweilig, schon wieder die gleichen Songs im Best-of zu h\u00f6ren? Diese Frage stellte ich mir unbewusst nat\u00fcrlich, und f\u00fcr den fall von erneut schwierigen Sitzplatzverh\u00e4ltnissen hatten ich gedanklich auch schon allerlei Optionen vorbereitet. Aber die konnte ich dann getrost beiseite legen und musste schnell fetsstellen: Nun, ein zweites Mal geht, drei- oder viermal w\u00e4re sicher kritisch geworden. Und was hei\u00dft schon, das gleiche?!<\/p>\n<p>Es gab Unterschiede, wie ich sp\u00e4ter in der konzertialen Nachbesprechung gelernt habe. Nat\u00fcrlich sind sie mir live nicht sonderlich oder \u00fcberhaupt nicht aufgefallen, daf\u00fcr bin ich nicht Spezi genug. Eine unterschiedliche Variante von \u201eTour de France\u201c zum Beispiel, oder ein einmal k\u00fcrzeres \u201eAutobahn\u201c. Die feinheiten machten die Unterschiede, der, der genau hinh\u00f6rte und hinguckte, entdeckte sie. Und da bin ich mir sicher, dass waren bestimmt nicht wenige Zusachauer im Burgtheater. Denn Kraftwerkkonzerte ziehen Enthusiasten aus aller Herren L\u00e4nder an. Das war schon in D\u00fcsseldorf so, und das war in Wien nicht anders. Das Sprachwirr war deutlich zu h\u00f6ren und Aussagen wie &#8222;warst du nicht gestern auch schon da?&#8220; nicht die Ausnahme.<br \/>\nRalf H\u00fctter und <strong>Florian Schneider<\/strong> (der nicht mehr zur Kraftwerk Gruppe geh\u00f6rt) gr\u00fcndeten 1970 das Projekt Kraftwerk. Es ist nach wie vor von zeitloser Eleganz und ein kultureller Menschenmagnet.<\/p>\n<p>Ja, es war erneut faszinierend, Kraftwerkalben live zu sehen. Und es war absolut die richtige Entscheidung, diesen Wiener Kurztrip zu unternehmen. Es hat Spa\u00df gemacht, im Burgtheater zu sitzen, sich anschlie\u00dfend dar\u00fcber bis tief in die Nacht zu unterhalten und am Samstag gef\u00fchlt 50 der 111 wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten Wiens mit einer lange nicht gesehenen Studiumsfreundin abzulaufen. So entwickelte sich Wien auch abseits der Musik zu einem wundersch\u00f6nen Zeitfresser. Gerne all das wieder!<\/p>\n<blockquote><p>Wir spielen die Maschinen, und die Maschinen spielen uns.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Kraftwerk \u2013 D\u00fcsseldorf, 11.01.2013\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4615\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kraftwerk &#8211; D\u00fcsseldorf, 11.01.2013<\/a><\/p>\n<p><strong>Video:<\/strong><\/p>\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"KRAFTWERK - Die Mensch-Maschine (Wien, 2014.05.16 \/ &quot;T-E-E&quot;)\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/BHpX3JVBsuE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Burgtheater, Wien Vorband: &#8211; Eine Konzertreise ins Wiener Burgtheater. 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