{"id":566,"date":"2008-09-24T19:20:11","date_gmt":"2008-09-24T18:20:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=566"},"modified":"2018-02-28T18:36:06","modified_gmt":"2018-02-28T17:36:06","slug":"the-charlatans-koln-23-09-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-charlatans-koln-23-09-2008\/","title":{"rendered":"The Charlatans &#8211; K\u00f6ln, 23.09.2008"},"content":{"rendered":"<p>Wie lange musste ich seinerzeit auf die <a title=\"Wiki-Home\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Charlatans_(englische_Band)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Charlatans <\/a>warten, bis sie endlich Konzerte in Deutschland gaben. Das war Anfang der 90er Jahre, Rave-o-lution der hei\u00dfe Schei\u00df aus UK und \u201eThe only one i know\u201c der Indietanzfl\u00e4chenf\u00fcller der Charlatans, die neben den Inspiral Carpets und den Stone Roses zu den gr\u00f6\u00dferen Gro\u00dfen geh\u00f6rten.<img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"The Charlatans - K\u00f6ln\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/8\/47\/66\/3034766.95dd3d6f.240.jpg\" alt=\"The Charlatans 23092008\" width=\"240\" height=\"135\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br \/>\nIrgendwann kamen sie dann \u00fcber den Kanal und spielten in Oberhausen, im Music Zirkus, einer Disco, die \u00e4hnlich einem Zirkuszelt installiert war, vor vielleicht 200 Leuten. Es war entt\u00e4uschend.<br \/>\nEin Jahrzehnt sp\u00e4ter darf ich Tim Burgess und Kollegen gleich zweimal innerhalb von wenigen Monaten sehen. Im Februar in Br\u00fcssel, im kleinen und gem\u00fctlichen vK Club, war es laut und gut, gestern im etwas kleineren Luxor war es nicht so laut und vielleicht auch nicht ganz so gut.<br \/>\nMeine Vorfreude auf das gestrige Konzert war nicht ganz so gro\u00df. Nachvollziehbar, denn ich hatte meine Rave-Lieblinge ja nun gesehen, und das vor erst gar nicht langer Zeit.<br \/>\nEs h\u00e4tte nun etwas sehr Besonderes passieren m\u00fcssen, um dass das zweite Wiedersehen toller zu finden als unser letztes Treffen.<br \/>\nEs ist ein bisschen wie bei einem Date mit einem alten, lange nicht gesehenen Freund. Der erste Kontakt ist neu, frisch, unbelastet, man freut sich haupts\u00e4chlich auf das eigentliche Wiedersehen, die Gespr\u00e4chsthemen sind eher hintergr\u00fcndig relevant. Es gibt viel zu entdecken, viele Fragen die man sich beantworten muss. Ist die Person noch so wie fr\u00fcher, oder hat sie sich ver\u00e4ndert? Was macht sie jetzt? Was hat sie so lange getan? Und w\u00e4hrend des Wiedersehens vergleicht man immer mal wieder mit der alten Zeit, verf\u00e4llt vielleicht in Wehmut und freut sich gleichzeitig \u00fcber die erkannten Ver\u00e4nderungen. Trifft man sich dann zum zweiten Mal, ist dieser Zauber futsch. Nun werden die Inhalte bedeutsamer: was erz\u00e4hlt sie da? Wie gibt sie sich?<img decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"The Charlatans - K\u00f6ln\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/8\/47\/61\/3034761.55ddee1b.240.jpg\" alt=\"The Charlatans 23092008\" width=\"240\" height=\"135\" align=\"right\" border=\"0\" \/><br \/>\nSo auch gestern. Also, was gibt&#8217;s, Charlatans? Gut, Tim Burgess hat immer noch diese Ravefrisur von damals; wei\u00df ich, hab&#8216; ich schon gesehen. Okay, sie spielen auch die richtig guten alten Sachen (nat\u00fcrlich \u201eThe only one i know\u201c, &#8222;Weirdo&#8220;, &#8222;Then&#8220;), wei\u00df ich, war in Br\u00fcssel auch so, und dass sie sind in W\u00fcrde gealtert sind, ist mir schon im Fr\u00fchjahr positiv aufgefallen.<br \/>\nAll diese Bekanntheiten, die beim ersten Mal einen guten Eindruck noch verst\u00e4rkten, machen die Beurteilung des K\u00f6lner Abends schwierig. Hinzu kommt, dass die damalige Vorfreude riesig war, und so einfach nur ein gutes Konzert dabei rumkommen musste, selbst wenn es unterirdisch gewesen w\u00e4re. Was es nicht war. Vorfreude ist ein guter Selbstmanipulator und Blender.<br \/>\nGegen viertel vor zw\u00f6lf an der Garderobe des Luxors bewerte ich den K\u00f6lner Abend spontan mit solide und gut, aber im Vergleich zum Februar nicht mit \u00fcberragend. Und ich denke, dass trifft es ganz gut.<br \/>\nWir stehen vorne. Der Profifotograf, der sich kurz vor dem Gig an uns vorbeidr\u00e4ngelt, sagt mir, dass er in ein paar Minuten wieder verschwindet. Ich erwidere, dass ich mir das schon gedacht hatte und er sagte, &#8222;dann sei\u2019s ja gut, aber es g\u00e4be auch Leute, die w\u00fcrden gleich in Panik verfallen, wenn er sich auf einmal vor sie stelle&#8220; und: &#8222;bei Stevie Wonder sei er auch schon nach 30 Sekunden weg gewesen, weil man dort nicht so lange fotografieren durfte.&#8220;<br \/>\nWas mag er wohl denken, wenn gleich wieder die Digitalkleinbildkameras und Fotohandys gez\u00fcckt werden und morgen Fotos auf Flickr, Ipernity und sonst wo im Netz stehen. Ein undankbarer Beruf in einer Zeit, in der jeder seine Erlebnisse bildhaft in die digitale Welt hinausbl\u00e4st.<br \/>\n<a title=\"Wiki-Home\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mint_(band)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mint<\/a>, die belgische Vorband aus Hasselt, haben wir zu diesem Zeitpunkt schon gesehen. Sie hinterlie\u00dfen mit ihrem Beneluxindiepop einen sympathischen Eindruck. Punkte sammelten sie bei mir, weil der S\u00e4nger Erwin Marcisz dem ehemaligen <a title=\"Wiki-Home\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seachange\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seachange <\/a>Frontmann Dan Eastop \u00e4hnelt, weil sie mich zeitweise an <a title=\"MySpace-Home\" href=\"http:\/\/www.myspace.com\/sharonstonedmusic\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sharon Stoned<\/a> erinnerten und weil sie aus Belgien kommen.<br \/>\nSie spielten ein gutes, unaufgeregtes Set, das musikalisch zwischen My Bloody Valentine (sehr sch\u00f6nes letztes St\u00fcck) und dem von mir gemochten Ostwestfalenindiepop der mitteneunziger koordiniert ist.<img decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"The Charlatans - K\u00f6ln\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/8\/47\/80\/3034780.86096bf9.240.jpg\" alt=\"The Charlatans 23092008\" width=\"240\" height=\"135\" align=\"right\" border=\"0\" \/><br \/>\nBis zum Charlatansauftritt f\u00fcllte sich das Luxor dann erheblich. Vor mir also die B\u00fchne und Tim Burgess\u2019s Mikrofonst\u00e4nder, hinter mir gef\u00fchlte zwei Busladungen Briten. (In echt gesch\u00e4tzte drei Autoladungen.<br \/>\nDie zehn, zw\u00f6lf machten Stimmung f\u00fcrs ganze Luxor und verbreiteten ein wenig Inselatmosph\u00e4re. Das tat dem Ambiente ganz gut.<br \/>\nTim Burgess tr\u00e4gt neue 8-Loch Dr Martens und h\u00e4tte er nicht eine skinny Jeans an &#8211; die Pottfrisur hatte ich schon erw\u00e4hnt &#8211; so k\u00f6nnte man meinen, es w\u00e4re 1993.<br \/>\n\u00dcberhaupt ist der Charlatans Frontmann der Alleinunterhalter auf der B\u00fchne. W\u00e4hrend die anderen vier Charlatane, Mark Collins an der Gitarre, Martin Blunt am Bass, Jon Brookes am Schlagzeug und Tony Rogers an den Keyboards \/ Orgel, ihr Ding unspektakul\u00e4r herunterspielen, ist Tim ein gro\u00dfer Smiley. Das Grinsen geht w\u00e4hrend des gesamten Auftritts nur in h\u00f6chsten Konzentrationsphasen (beim Ablesen der Setlist z.b.) aus seinem Gesicht. Er tanzt und grinst in einem durch.<br \/>\nFanfreundlich (negativ betont w\u00fcrde ich fotogeil schreiben) ist er auch. Er winkt und zwinkert in jede Kamera und jedes Fotohandy, das ihm hingehalten wird. Und immer wieder sucht er Blickkontakt zu den M\u00e4dchen und Frauen vor der B\u00fchne. Und findet er einen, dann grinst er noch st\u00e4rker.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"The Charlatans - K\u00f6ln\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/8\/50\/00\/3035000.46edda0f.240.jpg\" alt=\"The Charlatans 23092008\" width=\"240\" height=\"135\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br \/>\nEr wirkt ein bisschen zugedr\u00f6hnt, der gute. \u201eThe only one i know\u201c spielen sie relativ fr\u00fch im Set. Direkt nach \u201eOne to another\u201c und so entsteht ein kleines Nostalgiepackage. Doch die neuen Sachen gefallen mir besser. Sie z\u00fcnden mehr. \u201eThe Misbegotten\u201c, \u201eBird\/Reprise\u201c, und \u201eBad days\u201c sind live absolut \u00fcberragend. Dagegen wirken die alten St\u00fccke eher hausbacken. Aber sie geh\u00f6ren zu den Charlatans und es ist sch\u00f6n, sie wiederzuh\u00f6ren. Sie bilden aber nicht den Kernpunkt im Set, und dass ist auch gut. So verkommt das ganze nicht zu einer Nostalgieshow mit ein, zwei neuen Songs, sondern zu einem Set mit Ausfl\u00fcgen in die Vergangenheit.<br \/>\nAls Zugabe gibt es nach einer Stunde noch \u201eHow High\u201c und \u201eA day for letting go\u201c . Bei letzterem muss Tim die Textzeilen von einem Zettel ablesen. Denn Abschluss bildet das von den britischen Musikfreunden eifrig geforderte \u201eSproston Green\u201c. Ein w\u00fcrdiger Abschlusssong mit sch\u00f6nen, langen Gitarrenpassagen. Und fast auf die Minute genau sind die f\u00fcr britische bands obligatorischen 90 Minuten rum.<br \/>\nAbpfiff.<br \/>\nEs war ein sch\u00f6ner Abend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lange musste ich seinerzeit auf die Charlatans warten, bis sie endlich Konzerte in Deutschland gaben. Das war Anfang der 90er Jahre, Rave-o-lution der hei\u00dfe Schei\u00df aus UK und \u201eThe only one i know\u201c der Indietanzfl\u00e4chenf\u00fcller der Charlatans, die neben den Inspiral Carpets und den Stone Roses zu den gr\u00f6\u00dferen Gro\u00dfen geh\u00f6rten. 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