{"id":5639,"date":"2014-04-03T21:26:32","date_gmt":"2014-04-03T19:26:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5639"},"modified":"2023-03-19T18:11:53","modified_gmt":"2023-03-19T17:11:53","slug":"thurston-moore-koeln-31-03-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/thurston-moore-koeln-31-03-2014\/","title":{"rendered":"Thurston Moore &#8211; K\u00f6ln, 31.03.2014"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> King Georg<br><strong>Vorband:<\/strong> &#8211;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"565\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/3.jpg\" alt=\"Thurston Moore\" class=\"wp-image-5640\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/3.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/3-517x292.jpg 517w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Um halb neun stehe ich im King Georg zwischen Theke und Wand. Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft dieser Klub mit einem \u2018nichts von der B\u00fchne sehen\u2018 Konzerterlebnis. Aber was schreibe ich, eine B\u00fchne gibt es in diesem ehemaligen Schummeretablissement \u00fcberhaupt nicht. Die Musiker stehen in der Mitte vor zwei runden Sitzecken, das Publikum steht drum herum. Was in der Theorie wunderbar klingt, also direkter K\u00f6rperkontakt zum Musiker, ist in der Praxis ziemlich doof: weil man in letzter Konsequenz mehr h\u00f6rt als sieht, weil man irgendwie \u00fcberall im Weg steht (Durchgang zum Klo, Durchgang nach hinten, Durchgang f\u00fcr die Thekenfrau).<br>Gerne w\u00fcrde ich das King Georg nicht so oft aufsuchen m\u00fcssen, aber es ist auch so, dass dort nahezu w\u00f6chentlich hochkar\u00e4tigste Bands und Musiker spielen. Also muss man da hin! Und so kam ich eben dieses Mal nicht umher, und nahm z\u00e4hneknirschend die Unw\u00e4gbarkeiten in Kauf. Ein bisschen abschw\u00e4chen kann man sie nur, wenn man p\u00fcnktlich zum Einlass vor Ort ist, um sich einen der ersten Reihenpl\u00e4tze zu sichern oder aber um nicht im Gangbereich weiter hinten zu landen.<br>Ich schaffte es an diesem Abend nicht ganz so p\u00fcnktlich, und da ich auch noch einige Minuten in der Schlange vor der T\u00fcr vertr\u00f6delte, war es eben schon halb neun und der Laden schon dreiviertel voll, als ich, um die beiden Eingangsecken biegend, den Thekenbereich des King Georg betrat. Gut, damit war ein Teil des Abends quasi schon gelaufen. Da ich jedoch von diesem Konzert eher ein Ohren- als einen Augengenuss erwartete, war das geschenkt. Und <strong>Thurston Moore<\/strong> und <strong>Steve Shelley<\/strong> hatte ich nun schon ein paar Mal gesehen. Wie die aussehen und welche Instrumente sie spielen, wusste ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die beiden Konzertabende von <strong>Thurston Moore<\/strong>, <strong>Steve Shelley<\/strong> und <strong>James Sedwards<\/strong> bekannt gegeben wurden, war meine Freude gro\u00df. <strong>Sonic Youth<\/strong> Mitglieder und\/oder Bandableger dieser besten Indieband aller Zeiten schaue ich mir unheimlich gerne an. Zum einen, weil mir die Musik sehr gef\u00e4llt und zum anderen, weil es sich bei allen um hervorragende Musiker und schlaue K\u00fcnstler handelt, die man einfach sehen muss. \u00c4hnlich einer A<strong>ndreas Gursky<\/strong> oder <strong>Gerhard Richter <\/strong>Ausstellung. Gewisse Dinge muss man einfach sehen, da hat sicher jeder so sein Steckenpferd. Gott sei Dank gab es f\u00fcr mich in den letzten Jahren sehr viele Gelegenheiten, <strong>Sonic Youth<\/strong> Nachfolgeorganisationen sehen zu d\u00fcrfen. Und es war jedes Mal ein tolles Erlebnis und es war immer alles wert. Daher kein Z\u00f6gern bei mir, Tickets f\u00fcr die Abende im King Georg zu kaufen.<br>Dass ich dann am zweiten Abend durch Umst\u00e4nde verhindert war \/ wurde, daf\u00fcr konnte ich nichts. Immerhin schaffte ich Teil 1, was besser als nichts war. Und was soll ich sagen, es war erwartet gro\u00dfartig!<br>Vor gut einem Jahr sah ich Thurston Moore mit seinen <strong>Chelsea Light Moving<\/strong> in Frankfurt. Zusammen mit <strong>Samara Lubelski<\/strong>, <strong>John Moloney<\/strong> und <strong>Keith Wood<\/strong> schrieb er ein sehr punkangehauchtes Gitarrenalbum. Davor machte er solo ein wunderbares ruhiges Gitarrenalbum. Er kann also unterschiedliches. Hochinteressant finde ich seine Zusammenarbeit mit dem Multi-Instrumentalisten, Produzenten und Avantgardisten <strong>John Zorn<\/strong> (<em>Naked City<\/em> ist ein empfehlenswertes Album!) Ihre Album <em>@<\/em>, das zeitlich zwischen <em>Demolished Thoughts<\/em> (Soloalbum) und <strong>Chelsea Light Moving<\/strong> liegt, ist angenehmste Free Jazz Improvisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mag denn nun diesem Abend bzw. in dieser Musikerkombination von ihm erwartet werden und zu h\u00f6ren sein? Eine sehr spannende Frage, die ich mir beim Ticketkauf stellte (und dann sehr rasch selbst beantwortete). Auf YouTube suchte ich etwas nach <strong>Thurston Moore<\/strong> und <strong>James Sedwards<\/strong> und fand einige Clips, auf denen die beiden zusammen in Plattenl\u00e4den Gitarrenkonzerte gaben.<br>So richtig spielten sie da keines von dem erw\u00e4hnten, spontan kam mir die <strong>Body\/Head<\/strong> Show im Sommer (\u00fcbrigens auch von den King Georg\u2018rn organisiert) in den Sinn. Die war sehr avantgardistisch und durch lange Gitarrenparts gekennzeichnet. Wie dort <strong>Kim Gordon<\/strong> und <strong>Bill Nace<\/strong>, so waren es in dem YouTube Video Thurston Moore und James Sedwards, nur weniger experimentell daf\u00fcr aber melodi\u00f6ser. Folglich erwartete ich eher Instrumentalmusik und lange, ausufernde Gitarrensoli. Das passte. Beides.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;I have to go downstairs.&#8216; kommentiert <strong>Thurston Moore<\/strong> mit Blick auf seine Gitarre die Szenerie und verschwindet in den Katakomben des King Georgs. Das Konzert ist keine 3 Minuten alt, da war das Instrument hin die Saiten gerissen. Ein nicht so oft gesehener Konzertbeginn. Aber keine Aufregung, alle nehmen diesen Tatbestand extrem gelassen hin, und als <strong>Moore <\/strong>nach 5 Minuten mit neuen Saiten wieder die Treppe hinaufstieg, spielt <strong>Steve Shelley<\/strong> immer noch und in gleichbleibender Genauigkeit diesen einen sich wiederholende Schlagzeugbeat. Wie ist das eigentlich, geh\u00f6rt <strong>Steve Shelley<\/strong> nun zu den besten Schlagzeugern des Planeten? Ich m\u00f6chte ihn schon der gehobenen Kategorie Schlagzeuger zuordnen, aber alle Jazzfans werden wahrscheinlich sagen: nein, da gibt es viel, viel bessere.<br>Die Songs, die die drei spielen, kenne ich nicht. Aber das ist egal, denn es gibt da diese Art von Gitarrenspiel, die nur <strong>Thurston Moore<\/strong> kann und die allen seinen Songs einen extrem hohen Wiedererkennungswert mitgeben. Kennst du einen <strong>Moore <\/strong>Song, wei\u00dft du, wie die anderen klingen oder aber zumindest, welche Tonfolgen dich in den n\u00e4chsten Minuten einlullen werden. Das disharmonische Stimmen seiner Gitarre sei daran schuld, lese ich. Okay, das Ergebnis ist immer dasselbe, egal ob bei <strong>Sonic Youth<\/strong>, solo oder in diesem Bandgef\u00fcge. Binnen weniger Sekunden bin ich hineingezogen in diesen unverwechselbaren Gitarrenklang, komplett im Bann der immer wieder in Zwischensequenzen aufpoppenden Melodienp\u00fcnktchen und \u00fcberhaupt vollkommen weg von allem. Da st\u00f6rt es mich auch nicht, dass ich meist nur Hinterk\u00f6pfe sehe, die Musik ist zu keiner Sekunde so langweilig, dass ich visuelle Ablenkung ben\u00f6tige, um durch das Konzert zu kommen. \u00dcberdies genie\u00dft man ein solches Konzert sowieso am besten mit geschlossenen Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach f\u00fcnf oder sechs Songs und einer knappen Stunde ist das regul\u00e4re Set vorbei. \u201eGerms burn\u201c bleibt der einzige Song, der namentlich angek\u00fcndigt wird und mir somit allein als Daheimnachh\u00f6roption im Ged\u00e4chtnis bleibt. Der Rest ist mir unbekannt oder aber wurde so zermahlen wiedergegeben, dass ich hierin nichts Bekanntes herausgeh\u00f6rt habe. Oder aber es war alles neu und bisher unver\u00f6ffentlicht. Egal wie, stimmungsm\u00e4ssig schlug dieser Umstand nicht negativ zu Buche. Zu erwarten war eh ein Zuh\u00f6rkonzert und da sind bekannte Songs nicht \u00fcberlebenswichtig.<br>Zum Schluss des Abends wurde ich noch einmal an <strong>Body\/Head<\/strong> erinnert. Dieses Mal visuell: Wo weiland Kim Gordon die mit Efeu berankten W\u00e4nde der Dachterrasse mit ihrem Gitarrenhals entlang schrubbte, nutzte <strong>Thurston Moore<\/strong> den \u00fcber ihn h\u00e4ngenden Glaskronenleuchter. Kann man machen.<br>Der Abend hat gro\u00dfen Spa\u00df gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch ein Detail:\u00a0 <strong>Thurston Moore<\/strong> sieht endlich aus wie Mitte 50. Ich h\u00e4tte es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<p class=\"responsive-video-wrap clr\"><iframe title=\"Thurston Moore, James Sedwards, Steve Shelley live @ ZdB, Lisbon, 30\/3\/&#039;14\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3H5R0mx9Dq0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br><\/strong><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/Body\/Head%20%E2%80%93%20K%C3%B6ln,%2018.06.2013\" target=\"_blank\">Body\/Head \u2013 K\u00f6ln, 18.06.2013 \/ Museum Ludwig\u00a0<\/a><br><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4989\" target=\"_blank\">Chelsea Light Moving \u2013 Frankfurt, 03.07.2013 \/ Zoom<\/a><br><a title=\"Lee Ranaldo &amp; The Dust \u2013 K\u00f6ln, 13.11.2013\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5146\">Lee Ranaldo &amp; The Dust \u2013 K\u00f6ln, 13.11.2013 \/ Geb\u00e4ude 9<\/a><br><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4949\" target=\"_blank\">Lee Ranaldo \u2013 Hasselt, 15.06.2013 \/ Kunstencentrum Belgie<\/a><br><a title=\"Lee Ranaldo \u2013 K\u00f6ln, 04.07.2012\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4949\" target=\"_blank\">Lee Ranaldo \u2013 K\u00f6ln, 04.07.2012 \/ Geb\u00e4ude 9<br><\/a><a title=\"Sonic Youth \u2013 D\u00fcsseldorf, 24.04.2009\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=1142\">Sonic Youth &#8211; D\u00fcsseldorf, 24.04.2009 \/ 3001<\/a><br><a title=\"Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=235\">Sonic Youth \u2013 K\u00f6ln, 26.06.2007 \/ E-Werk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um halb neun stehe ich im King Georg zwischen Theke und Wand. Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft dieser Klub mit einem \u2018nichts von der B\u00fchne sehen\u2018 Konzerterlebnis. Aber was schreibe ich, eine B\u00fchne gibt es in diesem ehemaligen Schummeretablissement \u00fcberhaupt nicht. Die Musiker stehen in der Mitte vor zwei runden Sitzecken, das Publikum steht drum herum. Was in der Theorie wunderbar klingt, also direkter K\u00f6rperkontakt zum Musiker, ist in der Praxis ziemlich doof: weil man in letzter Konsequenz mehr h\u00f6rt als sieht, weil man irgendwie \u00fcberall im Weg steht (Durchgang zum Klo, Durchgang nach hinten, Durchgang f\u00fcr die Thekenfrau).<br \/>\nGerne w\u00fcrde ich das King Georg nicht so oft aufsuchen m\u00fcssen, aber es ist auch so, dass dort nahezu w\u00f6chentlich hochkar\u00e4tigste Bands und Musiker spielen. Also muss man da hin! Und so kam ich eben dieses Mal nicht umher, und nahm z\u00e4hneknirschend die Unw\u00e4gbarkeiten in Kauf. 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