{"id":560,"date":"2008-09-13T22:40:48","date_gmt":"2008-09-13T21:40:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=560"},"modified":"2019-03-02T14:46:30","modified_gmt":"2019-03-02T13:46:30","slug":"billy-cobham-washington-11092008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/billy-cobham-washington-11092008\/","title":{"rendered":"Billy Cobham Spectrum &#8211; Washington DC, 11.09.2008"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong>\u00a0Blues Alley, Washington D.C.<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong>\u00a0&#8211;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10793\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Billy_Cobham_15_11092008_01.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1149\" \/>Der Tag beginnt mild. Das feuchtwarme Wetter der letzten beiden Tage ist verdunstet. Der Himmel leuchtet klar. Dieser 11.9. beginnt so routiniert wie jeder andere Tag, wahrscheinlich begann vor 7 Jahren der Tag \u00e4hnlich normal.<br \/>\nAm Abend werden wir zum zweiten Mal das Blues Alley aufsuchen, Washingtons legend\u00e4ren Jazzklub, wie ihn der Reisef\u00fchrer des <strong>National Geografic<\/strong> tituliert. Das erste Mal, im Fr\u00fchjahr diesen Jahres, entpuppte sich der Besuch als eine angenehme \u00dcberraschung. Jazz mit Zwiebelsuppe in sch\u00f6nster Backsteinbauatmosph\u00e4re.<strong> Larry Coryell<\/strong> spielte seinerzeit gro\u00df auf, und der Abend wurde meine ersten Live Jazzerfahrung.<br \/>\nWir stiegen schon vor der Pentagon Metrostation in die blauen Linie um, bef\u00fcrchteten wir doch einen gr\u00f6\u00dferen Verkehrsstau wegen der Gedenkfeier, die dieses Jahr schwerpunktm\u00e4\u00dfig am Pentagon stattfand, auch um dort ein neues Memorial f\u00fcr die Pentagon-Opfer des 11.9. einzuweihen. \u00dcberraschenderweise gab es am Vormittag keine Zeichen, die auf die Anschl\u00e4ge deuteten. Keine Gedenkminute, kein Erinnerungssatz. Das hatte ich so nicht erwartet.<br \/>\nGegen 18 Uhr erreichten wir die Metrostation Foggy Bottom. Von hier ist es zu Fu\u00df ein Katzensprung nach Georgetown. N\u00e4her kommt die Metro auch nicht an den \u00e4ltesten Stadtteil Washingtons heran. Genauer gesagt: Georgetown gab es bereits, als Washington von <strong>Herrn L`Enfant<\/strong> geplant wurde.<br \/>\nDas Blues Alley ist bereits gut gef\u00fcllt, als wir dort eintreffen. Der Kellner weist uns an einen Tisch in der ersten Reihe. Eine sehr gute Wahl. Die Vorfreude, die sich im Raum langsam breitmacht und die f\u00f6rmlich mit den Fingern zu greifen ist, wird gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nDoch vor dem musikalischen Genuss will erstmal der Magen besch\u00e4ftigt werden. &#8218;A dream of a grilled chicken with Caesars salad&#8216; klingt nicht nur gut, sondern schmeckt auch vorz\u00fcglich. Dazu ein Yuengling Beer, und p\u00fcnktlich um 20 Uhr betraten vier Musiker unter gro\u00dfem Applaus die kleine B\u00fchne des Blues Alley. Das komplette <strong>Billy Cobham Spectrum<\/strong> gab sich die Ehre. Am Bass <strong>Victor Bailey<\/strong>, an der Gitarre <strong>Dean Brown<\/strong> und an den Boards <strong>Tom Coster<\/strong>. Als uns letzterer vor 10 Minuten darauf aufmerksam machte, nicht mit unseren F\u00fc\u00dfen die Boxenkabel zu l\u00f6sen, h\u00e4tte ich ihn spontan f\u00fcr den Bandroadie gehalten. In seinem verwaschenen Jeanshemd, dem Cappie auf dem Kopf und dem grauen Stoppelbart sieht er eher wie ein schlechter Stra\u00dfenmusiker oder eben Roadie aus als wie ein begnadeter Keyboarder. Man soll halt nicht von den \u00c4u\u00dferlichkeiten auf\u2026\u2026na egal.<\/p>\n<p>Die ersten beiden Songs, \u201cMirage\u201d und \u201cCrosswinds\u201d zeigen direkt, wohin die Reise geht. Jazz-Rock steht heute auf dem Programm. Genauso wie den Urban Jazz von <strong>Larry Coryell<\/strong> eine mir unbekannte Spielart des Jazz. der Sound ist dann auch ungew\u00f6hnlich laut und wuchtig, das Schlagzeug dominant ausgesteuert.<br \/>\n<strong>Billy Cobham<\/strong> bestimmt den Takt. Er sitzt mit wei\u00dfem T-Shirt und Stirnband hinter seinem Drumset und hat jederzeit alles unter Kontrolle.<br \/>\nDie Songs dauern scheinbar endlos. Sie werden immer wieder zerst\u00fcckelt und zersetzt durch einzelne Instrumentalsoli. Dabei ist viel Innovation mit im Spiel. Die vier Freunde haben sichtlich Spa\u00df daran, die jeweils anderen mit \u00fcberraschenden Soloans\u00e4tzen zu verbl\u00fcffen. Dann wird gelacht und gegrinst. jeder der vier hat so seine dominanten Instrumentalparts, und jeder k\u00f6nnt dem anderen seine kleinen Ausfl\u00fcge. Das Zusammenspiel ist dabei jederzeit 100% harmonisch. Sie kriegen immer wieder die Kurve, und gerade <strong>Billy Cobham<\/strong> schafft geniale \u00dcberg\u00e4nge und Einleitungen. Man f\u00fchlt das jahrelange zusammen musizieren in jeder Sekunde des Sets.<br \/>\n<strong>Dean Brown<\/strong> beeindruckt mich am meisten. In seinem schwarzen T-Shirt, den Jeans und den schwarzen Schuhen ist er am ehesten \u201cjazzy\u201d gekleidet. Sein Gitarrenspiel ist grandios. Die Gitarre klingt sehr rockig, die Soli dabei nie peinlich. Jeder Ton wird mimisch unterst\u00fctzt. Zuckt die Gitarre, zuckt es auch im Gesicht. Wimmert das Instrument, scheint Deans gesamter K\u00f6rper mitzuleiden.<br \/>\n<strong>Tom Coster<\/strong> starrt mit weit aufgerissenen Augen auf sein Keyboard. Nach jedem Song fliegen die Notenbl\u00e4tter auf den Boden, und er kramt in einer Plastikkiste die neuen hervor. Sein Keyboard klingt manchmal hallig nach 1980er und 1970er Jahren Glamrock, \u00f6fter aber nach diesem typischen diddidadididdi Sound, den wahrscheinlich jeder kennt und der einem so vertraut erscheint wie die t\u00e4glichen Umweltger\u00e4usche. Gesang vermisse ich nicht. Ich denke sogar, dass er eher st\u00f6ren w\u00fcrde als die Kompositionen zu unterst\u00fctzen. Schnell macht sich typische Jazzclubatmosph\u00e4re breit. Das Blues Alley ist ein wunderbarer Ort f\u00fcr Konzerte. Jeder der einmal in Washington ist sollte hier unbedingt vorbei schauen. Lohnt sich auch f\u00fcr Nicht-Jazzkenner.<\/p>\n<p>Ich kenne kein einziges St\u00fcck, mein Fuss und Kopf wippen aber sofort mit. Wunderbar! So muss Musik funktionieren!<br \/>\nMit \u201cComposition of Panama\u201d und \u201cTitle stress\u201d wird der Abend beschlossen. Nach 80 Minuten ist mein Ausflug in den Jazz-Rock beendet.<br \/>\nGegen kurz vor 22 Uhr m\u00fcssen wir dann den Club verlassen. Die zweite Show des Abends muss vorbereitet werden. Die Tische werden neu eingedeckt.<br \/>\nWir gehen zur\u00fcck zur Metrostation. Am Potomac sitzen die P\u00e4rchen und genie\u00dfen den lauen Sp\u00e4tsommerabend. Eine leichte Brise vom Fluss her bringt Abk\u00fchlung. Washington zeigt sich von seiner sch\u00f6nen Seite.<br \/>\nAuf dem Weg von der Metro zur Unterkunft m\u00fcssen wir eine Umweg fahren. Ein Teil der Route 1 ist gesperrt.<\/p>\n<blockquote><p>&#8218;There is an incident&#8216;,<\/p><\/blockquote>\n<p>berichtet uns der Police-Officer. Er sagt &#8218;incident&#8216;, nicht &#8218;accident&#8216;. Vier Meilen weiter haben vier Polizeiwagen einen wei\u00dfen Pick-Up gestoppt. Der Fahrer lehnt an der Motorhaube.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag beginnt mild. Das feuchtwarme Wetter der letzten beiden Tage ist verdunstet. Der Himmel leuchtet klar. Dieser 11.9. beginnt so routiniert wie jeder andere Tag, wahrscheinlich begann vor 7 Jahren der Tag \u00e4hnlich normal.<br \/>\nAm Abend werden wir zum zweiten Mal das Blues Alley aufsuchen, Washingtons legend\u00e4ren Jazzklub, wie ihn der Reisef\u00fchrer des National Geografic tituliert. Das erste Mal, im Fr\u00fchjahr diesen Jahres, entpuppte sich der Besuch als eine angenehme \u00dcberraschung. Jazz mit Zwiebelsuppe in sch\u00f6nster Backsteinbauatmosph\u00e4re. Larry Coryell spielte seinerzeit gro\u00df auf, und der Abend wurde meine ersten Live Jazzerfahrung.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10794,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"0","ocean_second_sidebar":"0","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"0","ocean_custom_header_template":"0","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"0","ocean_menu_typo_font_family":"0","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"0","osh_disable_topbar_sticky":"default","osh_disable_header_sticky":"default","osh_sticky_header_style":"default","osh_sticky_header_effect":"","osh_custom_sticky_logo":0,"osh_custom_retina_sticky_logo":0,"osh_custom_sticky_logo_height":0,"osh_background_color":"","osh_links_color":"","osh_links_hover_color":"","osh_links_active_color":"","osh_links_bg_color":"","osh_links_hover_bg_color":"","osh_links_active_bg_color":"","osh_menu_social_links_color":"","osh_menu_social_hover_links_color":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"off","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1108,80,34,1048,1304,81],"class_list":["post-560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-konzert","tag-1108","tag-billy-cobham","tag-blues-alley","tag-konzert","tag-usa","tag-washington-dc","entry","has-media"],"views":6317,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pretty-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