{"id":5509,"date":"2014-03-03T17:48:29","date_gmt":"2014-03-03T16:48:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5509"},"modified":"2014-03-03T17:49:21","modified_gmt":"2014-03-03T16:49:21","slug":"speedy-ortiz-berlin-28-02-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/speedy-ortiz-berlin-28-02-2014\/","title":{"rendered":"Speedy Ortiz &#8211; Berlin, 28.02.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Magnet Klub, Berlin<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Jealousy Mountain Duo<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5510\" alt=\"Speedy Ortiz\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/5.jpg\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/5.jpg 1000w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/5-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><br \/>\n\u201cAmerican Horror\u201d hei\u00dft ein Song auf der neuen <strong>Speedy Ortiz<\/strong> EP Real hair. Karneval Horror ist das, was sich allj\u00e4hrlich vor der Haust\u00fcr ereignet. Traditioneller und historischer Stra\u00dfenkarneval her oder hin, denn das, was sich allj\u00e4hrlich zu Weiberdonnerstag sehe, hat damit \u00fcberhaupt nichts zu tun. Sp\u00e4testens ab dem sp\u00e4ten Nachmittag wird es dann n\u00e4mlich f\u00fcrchterlich anstrengend und uncharmant. Als Westfale gehe ich zum Lachen in den Keller (wie man hier so sagt) und das mag als Entschuldigung herhalten, aber lustig ist diese Art von Weiberdonnerstag nur bedingt.<br \/>\nAls ich am Donnerstagabend nach Hause gehe, h\u00e4lt vor mir am Stra\u00dfenrand ein Fahrzeug. Die Beifahrert\u00fcr geht auf und ein Clown kotzt halb auf die Stra\u00dfe halb an die T\u00fcrinnenverkleidung. Das sieht lustig aus, passt also zum Clownskost\u00fcm, l\u00e4sst mich jedoch ungefragt sprachlos zusehen. Sp\u00e4ter im Hausflur bekomme ich \u2013 wieder unfreiwillig &#8211; ein Gespr\u00e4ch aus der Nachbarwohnung mit: \u201eUnd anschlie\u00dfend besaufen wir uns morgen so richtig.\u201c<br \/>\nEs ist also wieder soweit, und da kann mir jeder noch so viel \u00fcber den traditionellen Karneval erz\u00e4hlen, seit 15 Jahren sehe ich den nur bedingt. Weder hier noch anderswo.<br \/>\nAm Freitagmorgen h\u00e4lt auf dem Bahnsteig gegen\u00fcber ein Zug aus der Schweiz, aus dem eine Gruppe Fr\u00f6sche und Musketiere klettert. Bierpulle in der Hand und laut \u201eK\u00f6lle Alaaf\u201c br\u00fcllend entern sie den Bahnsteig. Tja Jungs, einen Tag zu sp\u00e4t f\u00fcr das ganz gro\u00dfe Bes\u00e4ufnis.<br \/>\nUm 10 Uhr morgens findet das \u00fcbrigens auch der K\u00f6lner nicht lustig, wie ich beruhigt feststelle. Diese Art von Karnevalstourismus ist schlimm und nah dran an Oktoberfestfahrten. Aber so ist das, \u00e4ndern kann das niemand mehr. Und wer das nicht so toll findet, muss dem entfliehen.<br \/>\nF\u00fcr mich stand schon l\u00e4ngere Zeit fest, am Karnevalswochenende einen Ausflug nach Berlin zu unternehmen. Dreimal habe ich in den Jahren zuvor dem Karneval eine reelle Chance gegeben, dreimal hat er sie nicht genutzt. Und jetzt m\u00f6chte ich nicht mehr, und der Berlintrip war sowas wie zwei fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen ist in Preu\u00dfen der Jeck \u00fcberschaubar, und zum anderen spielten an diesem Wochenende die must-see Band Speedy Ortiz. Es gab f\u00fcr mich keine Widerrede, Berlin und gut ist.<!--more--><br \/>\nSpeedy Ortiz sind <strong>Sadie Dupuis<\/strong>, <strong>Matt Robidoux<\/strong>, <strong>Darl Ferm<\/strong> und <strong>Mike Falcone<\/strong> oder musikalisches gesagt: eine <strong>Pavement<\/strong> Reinkarnation in Vollendung. Major Arcana ist das Deb\u00fctalbum der Mittzwanzigj\u00e4hrigen aus Massachusetts und es schreit f\u00f6rmlich nach Pavement. Es besteht einfach gesagt nur aus Hits und ist eines meiner Lieblingsalben des letzten Jahres. Speedy Ortiz machen darauf, und auch auf der nachfolgenden und nicht minder schlechten Sports-EP schn\u00f6rkellosesten 90er College- und Indierock. Das muss ich m\u00f6gen und folgerichtig standen Speedy Ortiz auf dem Plan der zu sehenden Bands 2014 ganz weit oben.<br \/>\nNachdem ihre aktuelle Europatour einen gro\u00dfen Bogen um die nahegelegenen Konzertorte machte, muss der Prophet eben zum Berg, sprich, ich nach Berlin. Und da das Karnevalswochenende in dem Rheinland f\u00fcr mich eher anstrengend als interessant ist, stand meinem Ausflug in die Hauptstadt nichts im Weg. Best\u00e4rkt wurde die Idee noch dadurch, dass am darauffolgenden Tag <strong>of Montreal<\/strong> ebenfalls in Berlin einen Auftritt im Lido geben sollten. Also, die Abendprogramme waren gesichert, die Reise schnell gefixt.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4te Anfangszeit (22 Uhr im Magnet Klub) des Konzertes lie\u00df den Abend wenig hektisch beginnen, und so kamen wir gut gest\u00e4rkt durch bestes t\u00fcrkisches Essen des Adana Grillhauses, in dem vor nicht allzu langer Zeit bereits <strong>Ilkay G\u00fcndogan<\/strong> zu Gast war, in dem noch \u00fcberschaubar gef\u00fcllten Klub an. Speedy Ortiz sollten um 23 Uhr beginnen, davor spielte die uns unbekannte deutsche Band <strong>Jealousy Mountain Duo<\/strong>.<br \/>\nAls die beiden \u00e4lteren Herren die B\u00fchne betraten war der erste Gedanke, so sehen also die <strong>Japandroids<\/strong> in 20 Jahren aus. Der zweite lie\u00df noch etwas auf sich warten, denn das Jealousy Mountain Duo spielte einen experimentellen Krach, oder Instrumentalrock, den ich erst einmal verarbeiten musste. Ihr erster Song dauerte gef\u00fchlte 20 Minuten und zeigte, was eine Gitarre und ein Schlagzeug imstande sind, aufzubieten. Das ist Math-Rock-Jazz, dieser zweite Gedanke setzte sich sehr schnell in meinem Kopf fest. Die beiden Musiker fesselten mich durch das schwei\u00dftreibend-wuchtige Schlagzeugspiel und die dagegen eher unaufgeregt gespielte Gitarre enorm. Das ihr Auftritt eine knappe dreiviertel Stunde lang war, merkte ich \u00fcberhaupt nicht.<br \/>\nMeine Augen richteten sich immer wieder auf das Schlagzeug. Was da in diesen Minuten passierte, war fast einzigartig und ist kaum beschreibbar. Mit einer sagenhaften Pr\u00e4zision feuerte der Schlagzeuger einen Kanonenschlag nach dem n\u00e4chsten ab. Das Schlagzeug war definitiv das Hauptinstrument der Band, wenn man so sagen m\u00f6chte, der Jazz Anteil in der Musik des JMD. Die Gitarre wirkte dagegen eher begleitend, untermalend. Sie war dabei weder schrammelig noch rockig, auch technische Spirenzkes wie Loops, Verzerrungen und anderes hielten sich in Grenzen.<br \/>\nSchlagzeuger beim Jealousy Mountain Duo zu sein, ist kein Zuckerschlecken. Soviel ist klar. Selbst wenn dies die alleinige Erkenntnis dieses Auftritts bleibt, denn herrje, ich wei\u00df immer noch nicht, wie ich ihren Sound passend beschreiben kann. Noise? Wegen meiner, aber der dann sehr experimentell sperrig und einzigartig. Und das alles enorm laut.<\/p>\n<p>Speedy Ortiz brachten uns danach wieder auf den 90er Jahre Indierockboden zur\u00fcck. Ihr Sound klang wohlvertraut und es wurde das erwartete Konzert. Die Songs wie das tolle \u201eTiger Tank\u201c und \u201eCasper 1995\u201c vom im Vorjahr erschienen Deb\u00fct \u201eMajor Arcana\u201c sind zun\u00e4chst einmal laut und schr\u00e4g. Erst mit dem einsetzenden Gesang Sadie Dupuis kommen die melodische Momente zu Speedy Ortiz. Zumindest auf Platte. Live blieb es eher bei laut und krachig, zumindest vorne links im Magnet Klub. Obwohl die Frontfrau nur ein, zwei Meter von uns entfernt stand, h\u00f6rten wir ihre Stimme kaum. Im Vergleich zu den Instrumenten schien sie zu wenig ausgesteuert zu sein. Das ist bl\u00f6d, ging doch so jedem St\u00fcck etwas von seiner Sch\u00f6nheit ab.<br \/>\nGerade am Anfang des Konzertes viel es uns schwer, die St\u00fccke zu identifizieren. Zu ungewohnt klangen sie ohne h\u00f6rbare Gesangsstimme. Nach dem Konzert kamen wir zu dem besser erkl\u00e4renden Schluss, dass wir sie vielleicht \u00fcberhaupt nicht kennen k\u00f6nnen, da sie vom uns unbekannten ersten Album The death of Speedy Ortiz oder aber von der neuen Real hair-EP stammen. So blieb \u201eBasketball\u201c nach drei, vier St\u00fccken das erste Lied, was mir definitiv bekannt vorkam. Es folgten in den restlichen 50 Minuten jedoch noch mehr, \u201eHitch\u201c, \u201eNo below\u201c und die oben schon genannten \u201eTiger tank\u201c und \u201eCasper 1995\u201c. Zusammen mit den unbekannten Songs reichte das f\u00fcr einen fulminanten Konzertabend allemal.<\/p>\n<p>Speedy Ortiz \u00fcberzeugten auf ganzer Linie. Matt Robidoux an der Gitarre und der herausragende Bassist Mike Falcone schafften es immer wieder, Retromomente abzurufen. Von Sadie Dupuis ganz zu schweigen. In ihrem gepunkteten Kleid und den flachen Leinensneaker wirkte sie so unscheinbar sch\u00f6n old-fashioned (das deutsche Wort altbacken klingt mir hier zu negativ), dass es perfekt zur Musik und zum gesamten Auftreten der Band passt.<br \/>\nSpeedy Ortiz sehen so aus wie ihre Musik klingt. Und das ist gut so! In Barcelona werden wir sie wiedersehen. Dann hoffentlich mit besseren Sound und nicht zu einer allzu fr\u00fchen Uhrzeit oder aber in Konkurrenz zu anderen sehenswerten Bands. Das w\u00e4re schade, denn Speedy Ortiz sind immer ein Konzert wert.<\/p>\n<blockquote><p>Aber gleicherma\u00dfen blitzte das Melodieverst\u00e4ndnis dieser Mitzwanziger von der ersten Sekunde an auf. Es sind Feinheiten, ein kleiner Schlenker hier, eine gef\u00fchlvolle Gesangslinie dort, die im kompakten, meist dreimin\u00fctigen Krach quasi Lichtblicke bilden und den n\u00e4chsten Ausbruch noch direkter erscheinen lassen. (Internet).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Fotos:<\/strong><\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-5509 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/5.jpg'><img decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/5-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5510\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5510'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/4.jpg'><img decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/4-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5512\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5512'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5513\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5513'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/6.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/6-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5514\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5514'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/7.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/7-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5515\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5515'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/8.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/8-200x200.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-5516\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-5516'>\n\t\t\t\tSpeedy Ortiz\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>und auf <a title=\"flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pretty-paracetamol\/sets\/72157641803935633\/\" target=\"_blank\">Flickr<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Magnet Klub, Berlin Vorband: Jealousy Mountain Duo \u201cAmerican Horror\u201d hei\u00dft ein Song auf der neuen Speedy Ortiz EP Real hair. 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