{"id":5146,"date":"2013-11-14T19:17:42","date_gmt":"2013-11-14T18:17:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5146"},"modified":"2023-03-19T19:40:43","modified_gmt":"2023-03-19T18:40:43","slug":"lee-ranaldo-the-dust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lee-ranaldo-the-dust\/","title":{"rendered":"Lee Ranaldo &#038; The Dust &#8211; K\u00f6ln, 13.11.2013"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ort:<\/strong> Geb\u00e4ude 9, K\u00f6ln<br><strong>Vorband:<\/strong> Bart Hopkin &amp; Yuri Landman<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_8537.jpg\" alt=\"Lee Ranaldo &amp; The Dust - K\u00f6ln, 13.11.2013\" class=\"wp-image-2414\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>\u201eX-tina as i knew her\u201c, wer diesen Song nicht liebt, der isst auch kleine Kinder. Das muss mal so gesagt werden. \u201eX-tina as i knew her\u201c oder kurz \u201eX-tina\u201c ist DER Song von <strong>Lee Ranaldos<\/strong> letztj\u00e4hrigem Album <em>Between the time and the tides<\/em>, der mich vollends von den Beinen gerissen hat. Erst auf Platte, und dann auch im Geb\u00e4ude 9, wo <strong>Lee Ranaldo<\/strong> und seine Band vor gut 12 Monaten auftraten. &#8218;Did anybody see us last year?&#8217;\u201c&#8216; die Frage zu Beginn des 2013er Konzerte wurde mit eifrigem Nicken beantwortet. Ich war nicht der einzige, der sich das Spektakel ein zweites Mal binnen anderthalb Jahren entgehen lassen wollte. Es waren zwar dieses Mal weniger Besucher als seinerzeit, aber es sind tendenziell immer die gleichen Gesichter, die sich bei solchen Konzerten rumtreiben.<br>\u201eX-tina\u201c, mir f\u00e4llt es schwer, nicht einfach nur \u00fcber diesen Song zu schw\u00e4rmen, diese sieben bis acht Minuten Sch\u00f6nheit, zum zur\u00fccklehnen und wegtr\u00e4umen, zum leicht mit dem Kopf dahinwippen, zum Nachdenken, zum gute Laune kriegen. \u201eX-tina\u201c schafft dies alles bei mir, spielend leicht, ohne Verz\u00f6gerungsmomente und auch wegen ihm besuche ich <strong>Lee Ranaldo<\/strong> Konzerte. Irgendetwas stellt dieser Song mit mir an, benennen kann ich es jedoch nicht. Wenn mich einer nach meinem Musikgeschmack fragen w\u00fcrde, ich w\u00fcrde \u201eX-tina\u201c als Blaupause angeben. Und live ist er noch eine Spur besser als auf dem heimischen Sofa.<br>Dreimal sah ich <strong>Lee Ranaldo<\/strong> und seine Band seit Juli letzten Jahres. Er ist in diesem Zeitraum mein meistgesehener Musiker ist. Und das sehr zurecht. Seine beiden Alben finde ich ganz gro\u00df, Between the time and the tides hat eigentlich nur Hits und rechtfertigte im Sommer im Rahmen meiner <strong>Sonic Youth<\/strong> Wochen eine Stadtfahrt ins belgische Hasselt allemal.<br>Der Abend beginnt mit zwei neuen Songs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt sollte an diesem Abend viel neues Material gespielt werden, schlie\u00dflich ist das Album <em>Last night on earth<\/em> erst vor einigen Wochen erschienen und sollte auf dieser Tour live vorgestellt werden. \u201eLecce, leaving\u201c und \u201eLast night on Earth&#8220; also zu Beginn. \u201eLecce, leaving\u201c h\u00f6rte ich zum ersten Mal in Hasselt. Noch vor der Plattenver\u00f6ffentlichung spielten <strong>Lee Ranaldo &amp; The dust<\/strong> dort zwei neue Songs. Eben dieses \u201eLecce\u201c und \u201eKey\/Hole\u201c. \u201eLecce\u201c ist dabei ein typischer <strong>Ranaldo<\/strong>-Song, der nahtlos zum Vorg\u00e4ngeralbum passt. Leicht, seicht, poppig dahin gitarrierend. Wundersch\u00f6n halt!<\/p>\n\n\n\n<p>Von den anderen St\u00fccken des aktuellen Albums kann man das nur bedingt sagen, sie sind doch experimenteller und weniger eing\u00e4ngig als die Sachen auf dem ersten Album. \u201eKey\/Hole\u201c, das sowohl auf Platte als auch an diesem Abend im Geb\u00e4ude 9 die Zentrale bildet, ist ein sch\u00f6nes, sperriges Monster, das \u2013 zwar auch best\u00fcckt mit melodischen Momenten \u2013 mir psychodelischer und progressiver erscheint und damit mir mehr abverlangt als die Vorg\u00e4ngersachen. Viel der Songs auf \u201eLast night on earth\u201c sind mir \u00fcberdies eine Spur zu lang, \u201eHome Chds&#8220; zum Beispiel, oder \u201eBy The Window&#8220;. In den jeweils sieben Minuten steckt mir etwas zu viel. Im Konzert f\u00e4llt dies nicht so auf, da greift <strong>Lee Ranaldo<\/strong> in den Mittelteilen einfach mal zum Geigenstock, um die Gitarrensaiten zu bespielen, oder arbeitet wild mit seiner Gitarre, was sehr betrachtungsw\u00fcrdig ist. Langweilig wird es mir in all den instrumentalen Zwischensequenzen so zumindest nicht.<br>Das Konzert ist nat\u00fcrlich eine Fanveranstaltung und mehrheitlich eine M\u00e4nnerveranstaltung. Sicherlich ist niemand da, der nicht \u00fcber die <strong>Sonic Youth<\/strong> Schiene Zugang zu <strong>Lee Ranaldo &amp; The dust<\/strong> gefunden hat. Warum auch, <strong>Lee Ranaldo<\/strong> ist Ende 50, hat ein langes Musikerleben hinter sich und macht nun nicht gerade zeitgem\u00e4\u00dfe Jugendmusik. Zwar ist das <strong>Sonic Youth<\/strong> Leben lange vorbei und abgekackt, aber zu <strong>Steve Shelley<\/strong> besteht immer noch musikalischer Kontakt. Und so hat er sich im Laufe des letzten Jahres mit den ex <strong>Sonic Youth<\/strong>-Drummer, Gitarrist <strong>Alan Licht<\/strong> und Bassist <strong>Tim L\u00fcntzel<\/strong> verabredet und die Band <strong>The dust<\/strong> gebildet. Von einem <strong>Ranaldo <\/strong>Soloalbum kann sp\u00e4testens mit \u201eLast night on earth\u201c nicht mehr die Rede sein. Dazu ist die Band zu stark beteiligt und haben den Staus der Tourmusiker, den sie vielleicht noch vor anderthalb Jahren hatten, verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Live wirken &#8211; im Gegensatz zu <strong>Sonic Youth<\/strong> &#8211; <strong>The dust<\/strong> v\u00f6llig harmlos und unscheinbar. Als &#8218;optisches ein Desaster&#8216; schreibt die Berliner Morgenpost in einem Bericht \u00fcber das Lido Konzert vor ein paar Tagen die Band. Und ja, in <strong>Alan Licht<\/strong> oder <strong>Tim L\u00fcntzel<\/strong> wird sich wohl kein Indiem\u00e4dchen verlieben, wie es vor Jahren alle Indiejungs mit Kim Gordon passiert ist. Aber darauf kommt es ja auch \u00fcberhaupt nicht an. Glitzer und Glammer sind sehr unwichtig Zutaten f\u00fcr eine Bandgr\u00fcndung. Musikalisch sind allesamt gro\u00dfe Meister, erst unl\u00e4ngst wurde <strong>Lee Ranaldo<\/strong> in die Gruppe der gr\u00f6\u00dften Gitarristen ever aufgenommen. Und abseits des hippen Berlins interessiert nun wirklich niemanden, welche Karomuster das Hemd hat oder warum es gerade das sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt, \u201eKey\/Hole\u201c empfinde ich als das Kernst\u00fcck des Abends. Mir kam es so vor, als ob alle anderen Songs um dieses St\u00fcck platziert wurden. Als es zur Mitte des Sets gespielt wurde, ist die auf dem Boden pappende Setlist bereits lange Makulatur. \u201eX-tina\u201c, nat\u00fcrlich das beste St\u00fcck am Abend, spielen sie viel fr\u00fcher als es dort aufgef\u00fchrt ist, daf\u00fcr rutschen \u201eBy the window\u201c und \u201eTomorrow never comes\u201c hinter \u201eKey\/Hole\u201c. Die Stimmigkeit des Gesamtkonzertes st\u00f6rte das aber \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte in den letzten Tagen ein Videointerview mit <strong>Lee Ranaldo<\/strong> gesehen, in dem er das Mysterium der richtigen Setlist erl\u00e4uterte. Songbl\u00f6cke seien das Geheimnis. Und zu Konzertbeginn ein leichter Einstieg sowie ein markanter Song zum Abschied. Dazwischen gruppiert die St\u00fccke, die musikalisch nicht zu sehr springen und irgendwie zusammenpassen. Alles im allen eine sehr einfache Angelegenheit, dieses Setlistenschreiben. Der markante, weil zweitl\u00e4ngste und doch leicht verdauliche Song an diesem Abend war \u201eThe rising tide\u201c. In den 10 Minuten steckt all das, was das Konzert darstellte. Schwebender Gesang zu nicht zu psychodelischen Gitarren, ein langer Mittelteil und viele sch\u00f6ne Melodienmomente. Das passte, das war wunderbar!<br>In der Zugabe verpackten sie abschlie\u00dfend \u201eBlackt Out&#8220; und \u201eLast descent 2\u201c . Perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neuerdings ist es wohl so, dass die Konzerte im Geb\u00e4ude 9 um 20 Uhr oder 20.30 Uhr angesetzt werden. Ich kann mich daran nicht gew\u00f6hnen, und meistens schaffe ich es auch gar nicht, zeitig genug zuhause loszukommen, um p\u00fcnktlich vor Ort zu sein. Bei <strong>Julia Holter<\/strong> verpasste ich so die Vorband, und an diesem Abend eigentlich auch.<br>Die beiden Holl\u00e4nder, namentlich<strong> Bart Hopkin &amp; Yuri Landman<\/strong> hatten drei Tapeziertische voll mit Instrumentenkrams und Klimbim vor der B\u00fchne des G9 aufgebaut und spielten vor ca. 60 umherstehenden Konzertbesuchern. Ich sah nicht allzu viel, hatte andererseits aber auch wenig Energie, mich um Sicht zu bem\u00fchen. Vom ersten Ton an fand ich es zu anstrengend. Das Ganze war mir zu abgedreht. Ich betrat den Konzertsaal, als einer der beiden Musiker gerade mit seinen Drumsticks einen nahezu durchsichtigen Faden, der durch den Saal gespannt war, bespielte. Es war sicherlich so ein Elektro-Oszi-Dingens, mit dem man T\u00f6ne erzeugen kann, ich kenn mich da \u00fcberhaupt nicht aus. Vielleicht war es aber auch nur ein Windvogelfaden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Setlist (Papiervariante):<\/strong><br>01: Lecce, leaving<br>02: Last night on earth<br>03: Ambulancer<br>04: Home cmd<br>05: Tomorrow never comes<br>06: By the window<br>07: X-tina<br>08: Key\/Hole<br>09: Off the wall<br>10: Hammer blows<br>11: The rising tide<br>Zugabe:<br>12: Late descent #2<br>13: Blackt out<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4949\" target=\"_blank\">Lee Ranaldo &#8211; Hasselt, 15.06.2013<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/lee-ranaldo-koln-04-07-2012\/\" data-type=\"post\" data-id=\"4157\">Lee Ranaldo &#8211; K\u00f6ln, 04.07.2012 \/ Geb\u00e4ude 9<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/bodyhead-koln-18-06-2013\/\">Body\/Head &#8211; K\u00f6ln, 18.06.2013 \/ Dachterasse Museum Ludwig<\/a><br><a title=\"Archiv\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=4989\" target=\"_blank\">Chelsea Light Moving &#8211; Frankfurt, 03.07.2013 \/ Zoom<\/a><br><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eX-tina as i knew her\u201c, wer diesen Song nicht liebt, der isst auch kleine Kinder. 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