{"id":5116,"date":"2013-10-29T19:53:26","date_gmt":"2013-10-29T18:53:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=5116"},"modified":"2013-12-28T16:18:59","modified_gmt":"2013-12-28T15:18:59","slug":"jay-z-koln-28-10-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/jay-z-koln-28-10-2013\/","title":{"rendered":"Jay Z &#8211; K\u00f6ln, 28.10.2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Lanxess Arena, K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Timbaland<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"img-border size full wp-image-2414 aligncenter\" alt=\"Jay Z\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/IMG_8300.jpg\" width=\"900\" height=\"506\" \/><\/p>\n<p>Die Fahrzeit mit dem Zug nach K\u00f6ln-Deutz betr\u00e4gt knappe 50 Minuten. Das sind nur 5 Minuten mehr, als eine Fahrt von Berlin-Friedrichshain zur Passionskirche in Kreuzberg. Ich dachte dar\u00fcber nach, weil ich schon l\u00e4nger und immer mal wieder \u00fcberlege, wie es ist, in einer Gro\u00dfstadt zu wohnen, so von wegen der besseren M\u00f6glichkeiten und der flexibleren Verkehrsanbindungen im \u00f6ffentlichen Nahverkehr. Nun, bei meinem letzten Berlinaufenthalt h\u00e4tte es sich fahrzeitentechnisch nicht wirklich bemerkbar gemacht, ich h\u00e4tte auch, ich sag mal, von Strausberg aus zur Passionskirchen fahren k\u00f6nnen, das w\u00e4re wahrscheinlich \u00e4hnlich lang gewesen. Oder eben aus der Voreifel nach K\u00f6ln.<br \/>\nGef\u00fchlt ist der innerst\u00e4dtische Nahverkehr vielleicht k\u00fcrzer, entspannter ist vielleicht die Fahrt mit der Regionalbahn aus der Satellitenvorstadt. Manchmal ist es eben gehopst wie gesprungen und das Leben in der Gro\u00dfstadt erf\u00e4hrt eine \u00dcberbewertung, die es nicht immer verdient hat. Manchmal aber schon.<br \/>\nWas das alles mit dem Jay Z Konzert zu tun hat. Nichts, aber da ich sehr zeitig unterwegs war, hatte ich viel Zeit, \u00fcber solchen Unsinn und allerlei Belangloses nachzudenken.<\/p>\n<p>Die Kategorisierung seiner Lieblingsmusik nach der Musiksparte finde ich bl\u00f6d, denn eigentlich gibt es nur \u201emag ich\u201c oder \u201egef\u00e4llt mir nicht\u201c, trotzdem m\u00f6chte ich sie verwenden. Es klingt so sch\u00f6n. Offiziell bin ich Indiemusikliebhaber. Gitarren und so\u2019n Kram. Aber ich habe und hatte schon immer ein kleines Faible f\u00fcr Hip-Hop. <!--more-->Beastie Boys, die ja seinerzeit auch irgendwie Indie waren und Advanced chemistry h\u00f6rte ich in den 90ern sehr oft, auch Kid Frost oder Warren G und Luscious Jackson, in den 00ern dann The Streets und aktuell Ghostpoet (beide die britische Variante), Frank Ocean, Das Racist und Theophilus London.<br \/>\nManchmal schleiche ich mich auch zu ihren Konzerten, die letztgenannten habe ich so schon live gesehen. So ganz verstehe ich dabei das Hip-Hop Ding jedoch nicht, ich f\u00fchlte mich aber immer und jedes Mal sehr gut unterhalten. Von daher: immer alles richtig gemacht.<br \/>\nZu Jay-Z (damals noch mit Bindestrich) wollte ich schon im vergangenen Jahr. Seine Konzerte mit Kayne West interessierten mich sehr. Leider z\u00f6gerte ich zu lange mit meiner Entscheidung, ob ich mir eine Karte kaufen solle oder nicht, und als ich mich entschlossen hatte, hinzugehen, waren sowohl f\u00fcr Frankfurt als auch f\u00fcr K\u00f6ln alle Innenraumkarten weg. Und Sitzplatz war mir zu doof.<br \/>\nAls dann im Fr\u00fchjahr die Magna Carta World Tour angek\u00fcndigt wurde, z\u00f6gerte ich nicht so lange. Nur eine Stunde gab ich mir des hin und her \u00dcberlegens (der Kartenpreis), bis der Verstand siegte. Und der sagte: hingehen!<br \/>\nAls dann das Album \u201eMagna Carta\u2026Holy Grail\u201c erschien, war ich etwas entt\u00e4uscht. An das \u201eBlueprint 3\u201c Album kam es bei weitem nicht ran. Bisher zumindest bei mir nicht. Der Opener \u201eHoly Grail\u201c ist mir unertr\u00e4glich. Das Nirvana Sample finde ich f\u00fcrchterlich. Beim Rest bin ich noch unschl\u00fcssig. Aber der gesamte \u201eBlueprint 3\u201c Albumskram ist gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>Ich war sehr fr\u00fch in der Arena und wie sich gegen 20 Uhr herausstellte, fiel zu fr\u00fch; der Innenraum schien nicht ausverkauft gewesen zu sein. Aber ich wollte im Vorfeld auf Nummer sicher gehen, und mich fr\u00fch in den vorderen Bereichen etablieren, daher w\u00e4hlte ich eine sehr zeitliche Anfahrt. Dass ich auch noch um viertel vor acht bis ganz nach vorne gelangen k\u00f6nnte, wer konnte das ahnen.<br \/>\nAlso hatte ich Zeit, zum lesen, zum \u00fcber meine Lieblingsmusik und mein Hip-Hop Ding nachdenken. \u201eSag mir welcher Pfad zur Geschichte f\u00fchrt\u201c, ich finde es nach wie vor gro\u00dfartig. &#8222;Paul\u2018s Boutique&#8220; ist ein Meisterwerk, mehr brauche ich nicht zu sagen, MC Solaar\u2019s \u201e<a title=\"Video\" href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xa0h85_mc-solaar-rh-factor-qui-seme-le-ven_music\" target=\"_blank\">Qui s\u00e8me le vent r\u00e9colte le tempo<\/a>\u201c famos, Neneh Cherry \u201eHomebrew\u201c eines meiner Lieblingsalben.<br \/>\nIn Gedanken kam ich von hier nach da, tr\u00e4umte mich so durch die Wartezeit und lauschte nebenbei <a title=\"Video\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XTez7T4dVKo\" target=\"_blank\">Lady<\/a>, die durch die Arenaboxen schallten. Na, was man eben so aus Langeweile macht, wenn man auf dem Betonboden einer Mehrzweckhalle sitzt.<\/p>\n<p>Support Timbaland hie\u00df es in der Ank\u00fcndigung. Als gegen 20 Uhr die Hallenbeschallung etwas lauter wurde, schien es so, als ob der Support beginnen w\u00fcrde. Allerdings blieb die Deckenbeleuchtung an und auf der B\u00fchne war au\u00dfer ein paar Roadies nichts zu sehen. War das jetzt das angek\u00fcndigte DJ Set? Aus meiner Position heraus konnte ich nicht erkennen, ob Herr Timbaland auf der B\u00fchne \u201ePlatten\u201c auflegte, ob er aus seinem Hilton- Hotelzimmer heraus seine IPod Wiedergabeliste in die Halle streamte oder ob nur jemand aus der Technik aus Versehen an den Lautst\u00e4rkeregler gekommen. Parallel zur lauteren Musik wurden in der 2. und 3. Etage der B\u00fchne nach wie vor Schlagzeug und Keyboards feinjustiert. Mmhh.<br \/>\nEgal, Timbaland sollte in der Mitte des Jay Z Sets noch seinen Auftritt haben. Und was er dann vom Stapel lie\u00df, war wunderbar. Timbaland besetzte dann den linken Keyboardturm, auf der rechten Seite unterst\u00fctzte ihn Omar. Schlagzeuger und Gitarrist waren auf den hinteren T\u00fcrmen noch eine Etage h\u00f6her platziert.<br \/>\n\u201eEr erinnert mich an Vito Spatafore aus dem Soprano Clan\u201c, kam es mir in den Sinn. Welch ein Koloss von Mann und welch ein Gesp\u00fcr f\u00fcr tanzbare Beats und Song\u00fcberg\u00e4nge. Seinen Mix h\u00e4tte ich sehr gerne zum nachh\u00f6ren. Da passte einfach alles und es machte mir riesigen Spa\u00df, zuzuh\u00f6ren. Ernsthaft.<\/p>\n<p>Der \u201eGastauftritt\u201c Timbaland markierte einen Bruch im Jay Z Konzert. War der Beginn doch eher z\u00f6gerlich zaghaft, setzte es nach dieser Pause nur noch Hits. \u201eNiggas in Paris\u201c (drei Mal), \u201eRun This Town\u201c, \u201eI just wanna love U (give it 2 me)\u201d, \u201eEmpire State of mind\u201c. Da war es dann auch sehr egal, dass Rihannas und Alicia Keys Gesangstimme nur vom Band kam, zu diesem Zeitpunkt war es bereits das perfekte und ein richtig gutes Stadionkonzert. Lichtshow, Videoinstallationen, Interaktion mit dem Publikum (Kamerazooms in die Menge \u2013 so wie man sie vom Football kennt \u2013 mal s\u00fc\u00df, mal peinlich).<br \/>\nDas Konzert hatte sich zu einer wirklich guten Show entwickelt und ich h\u00e4tte nie und nimmer gedacht, dass mich Jay Z mit einem so gro\u00dfen Staunen zur\u00fcckl\u00e4sst. Und wenn w\u00e4hrend der einzelnen Musikervorstellung im Zugabenteil diese pl\u00f6tzlich Coldplay anstimmen (Keyboarder Omar) oder U2, dann mag das peinlich klingen, war es im Moment aber keineswegs.<\/p>\n<p>Ja, ich war relativ sprachlos und ja, das Konzert \u00fcberraschte mich positiv \u00fcber alle Ma\u00dfen. Ich hatte v\u00f6llig vergessen, wie sch\u00f6n unterhaltend Stadionkonzerte sein k\u00f6nnen. Jay Z und Gaunerkollegen zeigten mir das an diesem Abend auf wunderbarste Art und Weise. Dieser rundum perfekte Abend kann nat\u00fcrlich nicht der allgemeing\u00fcltige Ma\u00dfstab sein, aber er zeigte mir sehr gut, was m\u00f6glich ist. Auch bei einer relativen kleinen musikalischen Schnittmenge. Meine Neugierde war in diesem Fall gut, die Euros und 50 Cent wohlbringend angelegt!<\/p>\n<p>Der K\u00f6lner Stadtanzeiger zeigt sich \u00e4hnlich schwelgerisch. Ich habe dem nichts hinzuzuf\u00fcgen, nicke aber innerlich sehr:<\/p>\n<blockquote><p>Jay Z ist der Sinatra des Rap, eine F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit mit virtuosem Mundwerk. Alles, was das Publikum will, ist, eine Nacht in seiner Aura zu baden und sich von seinem unnachahmlichen Flow verf\u00fchren zu lassen. Neue Regeln k\u00f6nnen sich andere ausdenken. Da sollte man sich weder von den hektischen Videoeinspielungen t\u00e4uschen lassen, die geschickt von \u00dcberwachung, Information und Datenleaks erz\u00e4hlen, noch von der Anwesenheit des alten Produzentenmeisters Timbaland, der jetzt f\u00fcr K\u00f6nig Z das Keyboard bedienen darf &#8211; und in der Mitte der Show beatboxend und samplend an seine alten Erfolge erinnert.<br \/>\nDas schlaue Geklotze beherrscht Jay Z nun mal perfekt. Aber was diese Arena-Show lohnenswert macht, ist die beil\u00e4ufige Eleganz, mit welcher der Rapper die Reime fallen l\u00e4sst &#8211; und die erstaunliche Tatsache, dass er dabei aller gebotenen Coolness zum Trotz stets l\u00e4cheln muss.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Multimedia I:<\/strong><br \/>\nhttp:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7ynWPcE4ZjE<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xV_9epCoDh4<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<\/strong><br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort: Lanxess Arena, K\u00f6ln Vorband: Timbaland Die Fahrzeit mit dem Zug nach K\u00f6ln-Deutz betr\u00e4gt knappe 50 Minuten. Das sind nur 5 Minuten mehr, als eine Fahrt von Berlin-Friedrichshain zur Passionskirche in Kreuzberg. 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